Sonntag, 25. Oktober 2015

Einweihungsfeier

…des Kastenhauses der Handwerker von Jorts Fähre.

Als ich Richtung Marktplatz schaute und jede Menge Bewohner dort versammelt sah, befürchtete ich, dass etwas passiert sein musste und Jorts evakuiert werden sollte. Das war offensichtlich jedoch nicht der Fall, bedauerlicherweise ergab sich für mich jedoch vorerst keine Gelegenheit, meine Wissbegier zu befriedigen. Kaum hatte ich nämlich den Platz erreicht, liefen alle Freien mit ihren Kajirae davon… ein Fremder zum Hafen, alle anderen jedoch in die Oberstadt… sehr merkwürdig. 

Ok, es hatten sich doch nicht alle Freien in Luft aufgelöst, der Hauptmann blieb und zitierte mich mit einem lauten „Dina!“ zu sich. Nanu? Ziemlich verwundert beeilte ich mich natürlich ganz gewaltig, mich schnell vor ihn zu knien, denn kaum hatte er meinen Namen gebrüllt, folgte auch schon sein typisches, meistens nichts Gutes verkündendes Brummen. Dabei hätte ich dem netten, endlich mal wieder aus Vakur angereisten Bootsbauer, gern noch ein paar schöne Augen gemacht, doch diese Flausen verpfften nun schlagartig… im wahrsten Sinne des Wortes.

Der Hauptmann scheuerte mir nämlich eine, die jeglichen Gedanken an rotseidenes Getue vertrieb und in eine Kombination aus Brennen und ein paar vereinzelte Sterne verwandelte… dabei war es doch noch hell! Ich versuchte mir zwar nichts anmerken zu lassen, konnte bei diesem Schmerz aber nicht vermeiden, über meine glühende Wange zu reiben, die sich tatsächlich anfühlte, als könne sie im Dunkeln leuchten… so heiß war sie. Selbstverständlich habe ich mich sofort für diese Bestrafung bedankt, obwohl mir überhaupt nicht klar war, welchen Fehler ich begangen hatte. 


„Seh ich wie eine Frau aus?“, herrschte der Hauptmann mich an und mir wurde dabei klar, womit ich seine Verstimmung hervorgerufen hatte. Nachdem die freien Weiber weg waren, hatte ich total vergessen, meine Schenkel wieder zu öffnen. Mist, diesen Fehler machte mir zusätzlich nun auch sein Fuß unmissverständlich klar, der grob meine Beine auseinander drückte. Gleichzeitig wollte der Hauptmann wissen, wo ich die letzten Tage gewesen war. Ohje, anscheinend war aus der Eintragung ins Wachbuch der roten Kaste nicht hervor gegangen, dass ich meinen Herrn diesmal auf einer seinen langen Patrouillen begleiten durfte. 

Der darüber offensichtlich ziemlich erzürnte Hauptmann, machte mir nun richtig Angst. Er war wohl kurz davor gewesen, seinen Sleen auf meine Fährte anzusetzen, denn er hatte doch tatsächlich vermutet, ich sei weggelaufen! Boah, sowas würde mir niemals einfallen… alleine schon nicht wegen dem fiesen Fenris mit seinem ekelig stinkenden Schlabbermaul und den gefährlichen Zähnen. Außerdem ist mir bekannt, welch grässliche Strafen einer Kajira auf Weglaufen drohen. Ich gebe zu, ich war jedoch nicht nur ängstlich, denn es hat mich auch ein wenig gefreut, dass mein Fehlen vom Hauptmann bemerkt worden war.

Warum mein Herr wegen der kühler werdenden Temperaturen auf einem langen Flug mit dem Tarn auf seine anschmiegsame Mobilheizung nicht hatte verzichten wollen, ließ der Hauptmann allerdings nicht gelten. Er meinte nur, er könne einen mobilen Ofen ebenfalls sehr gut gebrauchen und kündigte mir einen gemeinsamen Besuch beim Schmied an, damit der Kragen meines Herrn gegen einen mit seinem Namen getauscht wird… mein Herr sei ja so viel unterwegs. Selbstverständlich habe ich mich jetzt mächtig beeilt darauf hinzuweisen, dass ein solcher Tausch meinen Eigentümer mit Sicherheit nicht begeistern würde.

Ich schaffte es tatsächlich, die Überlegungen des Hauptmanns Richtung ausleihen zu lenken… das hörte sich für mich natürlich viel besser an. Es ist wohl nachvollziehbar, dass ich dann versuchte, mit schön durchgedrücktem Rücken und weit gespreizten Schenkeln besonders vorteilhaft zu knien, um mich dem Hauptmann möglichst gut zu präsentieren. Leider lenkte dann aber eine mir fremde Kajira seine Aufmerksamkeit auf sich und nachdem er von ihr mit einigen Mühen, die wie befürchtet mit dem einen oder anderen Ditscher auf meinen Kopf einher gingen, den Namen ihres Besitzers erfahren hatte, fiel ihm plötzlich ein, warum alle Bewohner das Weite gesucht hatten.


Ich erfuhr also endlich den Grund dafür. Sämtliche Herrschaften hatten sich mit ihren Kajirae in die Oberstadt aufgemacht, weil es dort zur Einweihung des Kastenhauses der Handwerker von Jorts Fähre ein großes Fest mit Speis und Trank gab. „Erklärt mir, warum ich mit zwei Kajirae hier auf dem Marktplatz herumstehe, wenn Essen auf mich wartet. Ihr beiden seid Schuld, wenn ich nichts mehr bekomme. Los mit euch, ich hab Hunger“, war eine eindeutige Ansage, die mich eilig dem Hauptmann folgen ließ.

Oha, was für ein Trubel vor dem neuen Kastenhaus! Doch oberleckeres Essen war noch reichlich da, sodass ich mit einem üppig beladenen Teller duftender Köstlichkeiten dem Hunger des Hauptmanns schnell abhelfen konnte. Meine Hoffnung, er schafft vielleicht nicht alles, ging auch tatsächlich auf, denn die Reste durfte ich mir mit der fremden Kajira teilen. Schade war nur, dass der Hauptmann an diesem Abend zur Nachtwache eingeteilt war und bald aufbrechen musste. Entgegen seiner sonstigen Neigungen hatte er sich deswegen übrigens ganz gewaltig mit dem Paga zurückgehalten… naja, nicht ganz freiwillig, sondern wegen seines Wachdienstes… aber sein Kopf wird es ihm am nächsten Morgen bestimmt gedankt haben. ;-)

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