Freitag, 27. November 2015

Ein neuer Abschnitt

Meine Nacht war schrecklich. Geknebelt, bis zum Hals in einer muffig riechenden Sklavenhaube und meine Hände und Füße an diesen Pfahl gefesselt, hatte ich das Gefühl, bestenfalls 3 Ehn geschlafen zu haben. Meine Gedanken kreisten mangels Schlaf logischerweise erneut ununterbrochen um meinen Herrn, der leider immer noch fort war und auch keinen Boten mit einer Nachricht geschickt hatte. Es verblieben nur noch wenige Tage, bis die großzügig gesetzte Frist des Hauptmanns abgelaufen war und er mich als sein Eigentum betrachten würde. Die übliche Wartehand war inzwischen vorbei und jeder weitere Tag, an dem ein Kragen mit dem Namen meines Herrn meinen Hals zierte, war ein Zugeständnis des Hauptmanns an seinen Kastenbruder. 

Genau in diesen 3 Ehn meines kurzen Erschöpfungsschlafs, muss ich verpasst haben, dass der Hauptmann und seine Gefährtin das Haus verließen, denn plötzlich öffnete sich die Haustür und die grüne Herrin kam herein. Während sie erstaunt murmelte, ihr Gefährte habe bei mir offenbar sämtliche Register gezogen, erlöste sie mich von Sklavenhaube, Knebel und Pfahl. Ihre Bemerkung lieber unkommentiert lassend, gestand ich ihr stattdessen meinen Schummelversuch ein mit den zwei Tuniken zu viel. Nach einem prüfenden, grünen Kastenblick in Sachen Gesundheit wies sie mich aber an: „Dina, du hast deine Strafe jetzt gehabt, zieh dich nun an. Nimm dir ein Brot und trink noch etwas, wir gehen ins Gasthaus.“ 


Selbstverständlich beeilte ich mich, wegen Trödeln keinen Ärger von der Herrin oder womöglich vom Hauptmann zu kassieren und aß mein zwar trockenes, aber dennoch oberleckeres Brot auf dem Weg in die Unterstadt. Die Gasthausterrasse war wieder ganz gut gefüllt und um den Durst der Freien kümmerte sich bereits eine mir unbekannte Kajira der Stadtkette. Noch in Erinnerung, was der Hauptmann von mir bei der ersten Begrüßung am Tag erwartete, beeilte ich mich natürlich, seinem Wunsch nachzukommen und drückte einen Kuss auf seine Fußspitze, um mich von meiner vorbildlichen Seite zu zeigen. Das Gesicht des Herrn konnte ich in dieser Pose zwar nicht sehen, doch wurde meine Begrüßung mit dem üblichen Brummen und einem Patscher erwidert, allerdings nicht auf meinen Kopf, sondern diesmal auf den Po.


Ob das nun ein gutes oder schlechtes Zeichen war, bekam ich nicht mehr heraus, da ich mich nun um den hungrigen Magen des Herrn kümmern durfte… ein Befehl, dem ich bei der Erinnerung an die nicht gerade komfortabel verbrachte Nacht schnell nachkam. Danach schickte er mich los, um beim Schmied wegen eines Termins anzufragen. Leider gestalteten sich meine diesbezüglichen Bemühungen jedoch schwierig, da der Schmied nicht auffindbar war und niemand etwas über seinen Aufenthalt wusste. Mein Eifer war schließlich trotzdem von Erfolg gekrönt, auch wenn der Herr so plötzlich vor mir auftauchte, dass ich ihn fast umlief, wäre er nicht zurück gesprungen. Zum Glück nahm mir der nette Schmied die kleine Unachtsamkeit aber nicht weiter krumm und hatte tatsächlich noch einen Termin für den Hauptmann frei, zu dem ich mit dieser Information umgehend zurückflitzte. 


Eigentlich war ich mit meiner Leistung ganz zufrieden, ahnte zu diesem Zeitpunkt aber auch noch nicht, was auf mich zukam. Irritierend war nur, danach wieder zurück zur Schmiede geschickt zu werden. Ich brauchte mir dort jedoch nicht lange den Hals Richtung Marktplatz zu verrenken, denn nach wenigen Ehn tauchten der Hauptmann und der Schmied auf. Während Letzterer in seinem Werkzeugbestand herumkramte, verkündete mir der Hauptmann, die Frist sei abgelaufen, mein Herr immer noch fort und daher habe er sich nun entschlossen, meinen Kragen auszuwechseln, damit vor seiner am nächsten Tag beginnenden Spätwache „alles seine Richtigkeit hat“. Seine Richtigkeit?? Ich traute meinen Ohren nicht, denn was konnte richtiger sein, als genau der Stahl, der meinen Hals zierte???

Ich glaube, ich hatte vor Schreck fast einen Herzstillstand... auf jeden Fall totale Atemnot. Verständlich also, dass ich in meinem Schockzustand nicht den leisesten Piep herausbrachte, mit schrecklich weichen Beinen aber trotzdem dem Befehl nachkam, mich vor den Schmied zu knien, der sich nun meinen Kragen genauer anschaute. Er erkannte sofort, dass dieser Halsschmuck seinerzeit von ihm gefertigt worden war und murmelte außerdem „ahh… Schlüssel im Schloss abgebrochen“, noch bevor ich diesen Hinweis hoffnungsvoll von mir geben konnte. Ob er meinen Kragen mit blockiertem Schloss vielleicht nicht ab bekam? Leise und nur für mich zu hören, ergänzte der Freund meines Herrn dann aber: „Ich weiß, warum dein Herr das getan hat... werde auch nicht das Schloss öffnen, sondern hinten am Scharnier den Bolzen rausnehmen, damit man den Kragen wiederverwenden kann.“

Alles was danach passierte, als sich der Schmied mit seinen Zangen geschickt und sehr vorsichtig an den Scharnieren des Stahls um meinen Hals, um meine Arme und Knöchel zu schaffen machte, erinnere ich nicht genau… nur dass es mehrfach metallisch knirschte und klickte. Wie in Trance nahm ich meine Umgebung kaum mehr wahr und wollte einfach nicht glauben, was gerade geschah. Trotz größter Bemühungen schaffte ich es letztendlich nicht länger, den gewaltigen Strom meiner aufgestauten Tränenflut zurück zu halten, die mich fast ertrinken ließ. In meiner Hilflosigkeit und alles nur noch verschwommen sehend, schloss ich meine Augen, um das was da gerade passierte auszublenden und öffnete sie erst wieder bei den Worten des Hauptmanns: „Das Alteisen kannst du wie immer behalten Schmied.“


Ein klein wenig beruhigte es mich nun zu sehen, wie behutsam der Schmied sämtliches mir abgenommene Metall vorsichtig in ein Tuch wickelte und mit dem kleinen Bündel im Schmiedekontor verschwand. Der zaghaft in mir keimenden Hoffnung, dass mein Kragen vielleicht gar nicht oder zumindest noch nicht so bald eingeschmolzen wird, konnte ich jedoch nicht lange nachhängen, weil der Hauptmann mich nun zu sich winkte. Kaum vor ihm niedergekniet, spürte ich seine Hände, die nun sehr sanft etwas Kaltes um meinen Hals legten, das sich vollkommen ungewohnt anfühlte.

Ich war erstaunt, wie vorsichtig diese Kriegerhände meine Haut berührten, während sie noch ein wenig am Sitz des Kragens herumfummelten und dann hörte ich das typische, metallische Klicken vom Schloss, als das Scharnier zusammengedrückt wurde. Dieses Klicken ließ prompt erneut ein paar Tränen kullern, sodass ich um meine Fassung ringend nicht wirklich bewusst mitbekam, dass der Hauptmann weiteres Metall um meine Handgelenke und Knöchel schloss. Dabei brummte er leise, wischte zuletzt sanft die nassen Spuren von meinen Wangen und legte seine Hand auf meinen Kopf. „Nun beginnt ein neuer Abschnitt in deinem Leben Mädchen… ich hoffe, du machst mir keine Schande?!“

Ich hatte einen neuen Herrn und gelobte selbstverständlich stets mein Bestes zu geben, um ihn zu erfreuen, ihm Ehre zu bereiten und keine Schande. Leider verlor ich nicht nur den Kragen mit dem Namen meines Liebesherrn, sondern auch das kleine „n“, weil ich jetzt eine „ita“ an der Kette des Hauptmanns von Jorts Fähre bin und „Dita“genannt werde.

Dienstag, 24. November 2015

Die Zeit läuft


…denn leider sind es inzwischen nur noch wenige Tage, bis mein Herr tatsächlich als verschollen gilt und ich vermutlich Eigentum des Hauptmanns werde.

Der Hauptmann war irgendwo draußen und da sich seine Gefährtin hinlegen wollte, verließ ich eilig sein Haus, um sie nicht zu stören. Außerdem war es mir wichtig, zuhause vorbeizuschauen, denn sollte mein Herr inzwischen zurückgekehrt sein, wunderte er sich bestimmt, dass ich nicht da war. Leider gestaltete sich mein Vorhaben jedoch etwas anders als geplant. Ich traf auf dem Weg zum Stadttor nämlich den Hauptmann, der mich nach meinem freundlichen Gruß nicht einfach nur lautstark anbrummte, sondern mir die Frage stellte, ob ich mich schon entschieden hatte. Ohje, natürlich wusste ich genau, dass es um einen Buchstaben ging, an den er vermutlich „ita“ anhängen will… ein für mich wirklich oberdoofes Thema, das ich vorerst noch verdrängt habe. Ganz fest glaube ich einfach immer noch daran, dass mein Herr zurückkehren wird.

„Dina, wäre es nicht sinnvoll, schon mal darüber nachzudenken? Sechs Tage sind schnell vorbei!“ Ein eigentlich vollkommen überflüssiger Hinweis, denn meine vier Lieblingsbuchstaben und auch ihre Reihenfolge sind für mich überhaupt keine Frage. Selbstverständlich weiß ich, dass eine Sklavin kein Anrecht darauf hat, überhaupt einen Namen zu bekommen und auf einen so schönen, wie den einer Blume, sowieso nicht. Ich werde meinem ersten Herrn auf ewig dankbar sein, dass er mich Dina nannte, mich mit einer Dina gebrandet hat und mir zusätzlich noch unter die Haut meiner Schulter eine Blume zeichnen ließ, die er selbst entworfen hatte. All meinen Besitzern nach ihm bin ich ebenfalls dankbar, denn ich durfte immer diesen Namen behalten, sodass ich mir wirklich nichts anderes vorstellen kann. Einzige Ausnahme ist ein für ganz besonderer, mit dem mein Herr mich ruft, wenn wir alleine sind.

Zum Glück wechselte der Hauptmann das Thema, bevor mir meine Bockigkeit zum Verhängnis wurde. Er erkundigte sich, ob ich zuhause abgeschlossen habe. Natürlich hatte ich das nicht, denn mein Herr schließt sein Haus nie ab… nur die Haustür darf nicht offen stehen, was mir in meiner Eile manchmal schon passiert ist. Doch in Anbetracht der kürzlich gefassten Diebe, fand der Hauptmann das Abschließen sehr wichtig. Er trug mir auf, dies nachzuholen und bei der Gelegenheit noch drei einfache Tuniken zu holen. Ich gestehe, inzwischen hörte ich nicht mehr richtig zu, denn mir fiel komischerweise prompt der geheime Platz für einen Beutel meines Herrn mit sehr wertvollem Inhalt ein, obwohl ich den eigentlich immer wieder sofort vergesse. Wegen der Diebstahlgefahr berichtete ich jetzt dem Hauptmann davon und sauste schließlich nach seinen Worten „harta Dina, den deponieren wir im Kriegerhaus, da ist er sicher… ich warte auf dem Marktplatz auf dich“, eilig davon.

Mist, der ziemlich wertvolle und daher nicht gerade leichte Beutel lenkte den Hauptmann bei meiner Rückkehr leider nicht von dem roten Stoffberg ab, den ich möglichst kompakt zusammengerollt unter dem Arm trug. Es regnete nämlich schon wieder. „Warum ist das so ein großer Berg an Tuniken? Wenn ich nachzähle und mehr als drei finde, gibt es für jede mehr zehn mit der Kurt… ich habe von drei Stück gesprochen!“ Tja, den Versuch war es wert gewesen, leider war er jedoch schief gegangen, denn ehrlich wie ich nun mal bin, gestand ich kleinlaut ein, dass ich fünf mitgenommen hatte. Ich bekam umgehend den Haustürschlüssel erneut in die Hand gedrückt und fünf Ehn Zeit, um zwei Tuniken zurück nach Hause und die anderen drei ins Hauptmannshaus zu bringen.

Der Hauptmann scheint der Meinung zu sein, vier Kleidungsstücke reichen für eine Kajira vollkommen aus. Doch nach meinem Hinweis, er habe mir schon am Vortag befohlen, drei zu holen, erinnerte er sich wieder, sodass ich mit der Tunika, mit der ich bekleidet war, inzwischen also sechs vor ungetragenem Herumliegen gerettet hatte. Ich bin zwar eigentlich gerne nackt, liebe aber nun mal auch schöne Tuniken. Hoffentlich gefallen ihm alle, denn sonst landen sie im Feuer, denn das Thema ist wohl noch nicht wirklich beendet. 

Nach dieser Ankündigung wollte er nun wissen, ob ich inzwischen seine Hausregeln in Erfahrung gebracht hatte, was leider nicht der Fall war, da ich bislang keine der anderen Kajirae des Herrn angetroffen hatte. Seine Gefährtin konnte ich doch nicht mit sowas behelligen, wenn sie sich gerade hinlegen will! Wie gut, dass in dieser Ihn der Sattler auftauchte und mir die Möglichkeit bot, noch eine Weile über diese Regeln nachzudenken. Dass der Hauptmann Kajirae in seinem Haus nackt wünscht, war bestimmt eine davon, aber sowas wie aufräumen, Gianniklo leeren, das Fellknäuel füttern, Blumengießen oder Fenris die Krallen schneiden und schmirgeln, interessierte ihn bestimmt nicht und gehörte wohl auch nicht zu seinen Hausregeln.

Einig über das schreckliche Wetter begaben sich die beiden Männer jedenfalls nun auf einen Paga ins trockene Spielehaus. Kurze Zeit später traf auch der Krieger von der Brauerei ein, der die beiden Diebinnen für ein paar Kupfer irgendwo im Norden verscherbelt hatte und dem Hauptmann nun seinen Anteil überreichte. Mit der Frage des Lederarbeiters, ob ich seine Kajira bei dem Grünzeug vor dem neuen Kastenhaus der jortsschen Handwerker helfen kann, erhoffte ich mir natürlich, dass der Hauptmann bis später vielleicht seine unangenehmen Fragen vergessen hat. Er erlaubte mir nämlich, Ravina zum Kastenhaus zu begleiten. 

Wie gut, dass ich dadurch wieder etwas von dem in mir aufsteigenden Kummer abgelenkt wurde, sodass ich die in mir aufsteigenden Tränen über den ungeklärten Verbleib meines Herrn in den Griff bekam. Der Sattler hatte sich nämlich darüber gewundert, dass ich beim Hauptmann zurzeit in Obhut bin und sich nach meinem Herrn erkundigt. Leider währte die Zeit meiner Beherrschung jedoch nicht allzu lange. Es war erfreulicherweise trocken in der Oberstadt und zwischen dem Unkraut, das Ravina und ich samt der verblühten Mohnblumen heraus zupften, kamen blaue Blüten zum Vorschein. Ebenfalls zum Vorschein kam der nette Schmied, der sich natürlich nach meinem Herrn erkundigte. Vermutlich wollte er mich trösten mit „ach, der findet sich wieder an… bislang ist noch keiner verloren gegangen“, doch leider bekam ich meine Tränenflut nun mal wieder nicht mehr in den Griff. 


Diesmal rettete mich der laut nach mit brüllende Hauptmann, sodass ich mich verdrücken konnte, um mich wieder einzukriegen. Doch das hätte ich mir sparen können... unter den 20 Hieben der Kurt des Hauptmanns bekam ich nämlich noch mehr Grund zum Heulen.

Sonntag, 22. November 2015

Diebinnen gefasst

Schlecht geschlafen hatte ich und noch schlechter geträumt in dem unbequemen Käfig des Hauptmanns, der aber wenigstens nicht abgeschlossen war, sodass ich mich früh am nächsten Tag auf den Weg nach Hause machte. Ich hoffte natürlich, mein Herr war inzwischen vielleicht zurückgekehrt. Enttäuscht musste ich jedoch feststellen, sein Haus war noch genauso leer wie ich es verlassen hatte und schmiss mich traurig auf sein Fell, das wenigstens noch etwas nach ihm roch. Oh Mist, in meinem Kummer muss ich eingeschlafen sein und mir damit vermutlich mindestens einen Anranzer vom Hauptmann eingehandelt oder Unangenehmeres, das ich mir lieber nicht ausmalen wollte. 

Eiligst machte ich mich daher auf den Weg zurück in die Oberstadt, drehte mich am Hafen aber noch einmal um. Es goss nämlich schon wieder oder eigentlich immer noch in Strömen… nicht das ich in meiner Eile womöglich die Haustür meines Herrn offen gelassen hatte! Doch das war zum Glück nicht der Fall. Bevor ich die Steigung zum großen Stadttor dann jedoch hinauf lief, wanderten meine Blicke noch kurz zum Marktplatz hinüber, wo ich im dichten Regen den Hauptmann und seine Gefährtin entdeckte. Letztere versuchte mit einem Schirm zumindest ihre Frisur trocken zu halten und hielt ihn sogar ein wenig über mich, nachdem ich mich zu den Herrschaften dazu gesellt hatte.


Vor den Füßen des Hauptmanns lag auf dem Pflaster übrigens eine Gefangene, bei deren Anblick Hoffnung in mir keimte, dass sie ihn vielleicht von mir abgelenkt hatte, weil ich ja vom Hafen gekommen war und nicht aus der Oberstadt. Tja, dumm gelaufen… seinen wachsamen Kriegeraugen war leider nicht die Richtung entgangen, aus der ich aufgetaucht war. „Dina, wo kommst du her?“, wollte er nämlich sofort wissen. „Wegen des Wetters hatte ich eben nur schnell nachgesehen, ob ich zuhause die Tür zugemacht hatte, Herr!“ Wie gut, mit dieser Antwort gab sich der Hauptmann zufrieden. Sie entsprach natürlich aber auch der Wahrheit… ich lüge nämlich nie. Ohne weiter nachzufragen, wandte er sich zu meiner Erleichterung wieder seiner Gefangenen zu. 

Ihm scheint es nämlich nicht wirklich zu gefallen, wenn ich im Haus meines Herrn bin. Am Vortag schon hatte er unmissverständlich angeordnet, dass ich dort nicht alleine schlafen darf, solange mein Herr nicht zurück ist. Und nun wies er mich an, später ein paar Ersatztuniken zu holen und sie in seinem Haus zu deponieren. Doch erst einmal gab es anderes für mich zu erledigen. Das Erste Schwert hatte neben dem Brunnen eine weitere Gefangen in der Mangel und rief zu mir herüber, eine Kurt zu holen… eine vom Sattler mit dünnen Riemen. Ehrlich gesagt war ich darüber etwas irritiert, hatte jedoch keine Zeit lange zu grübeln, weil der Hauptmann mir nun befahl, ihm seine aus seinem Haus zu bringen, sodass ich mich eilig davon machte. 

Zurück mit der Peitsche, band der Hauptmann sich diese jedoch einfach nur brummend an seinen Gürtel. Inzwischen hatten die beiden Krieger offenbar beschlossen, die Diebinnen zur Strafe ein neues Latrinenloch ausheben und das alte zuschaufeln zu lassen. Sie verzogen sich daher mit ihren Gefangenen hinter die Herberge, während mir aufgetragen wurde, die Kleidung der beiden Frauen zu durchsuchen und danach im Vosk zu entsorgen. Es waren tatsächlich zwei Diebinnen, denn in ihren Taschen fand ich einige Bothas, die sie zuvor anscheinend aus der Gasthausküche gestohlen hatten.


Das Buddeln des Latrinenlochs gestaltete sich wie erwartet recht bockig, doch das Erste Schwert konnte die Arbeiten mit ein paar rot leuchtenden Striemen auf der blassen, nackten Haut der Gefangenen etwas beschleunigen. Mittlerweile waren die Krieger übereingekommen, sich möglichst ohne viel Aufwand der Diebinnen zu entledigen und daher froh, dass der inzwischen aufgetauchte Brauereikrieger versuchen wollte, sich durch ihren Verkauf im Norden ein paar Kuper zu verdienen. Er hatte wohl schon eine Idee, wo er die minderwertige Ware loswerden konnte.

Der Hauptmann wandte sich jetzt von den Diebinnen ab und mir zu. Er befahl mir mich vorzubeugen, was ich natürlich sofort tat. Doch ehe ich auch nur ansatzweise darüber nachdenken konnte, was er wohl vorhaben mochte, verpasste er mir fünf Hiebe mit seiner Kurt. Warum? Keine Ahnung… ich war am Vortag doch so schrecklich durcheinander über das in Obhut nehmen gewesen und erinnere daher nur noch, dass er mir die Hiebe am Hafen angekündigt hatte. Ist aber auch egal, denn mit der Willkür von Freien muss eine Kajira immer rechnen und eine herrenlose ganz besonders. Außerdem kündigte er jetzt an: „Sieben Tage noch Dina… überleg dir schon mal, welchen Buchstaben du gerne hättest.“ 

Beim Einschlafen in diesem unbequemen Sklavenkäfig dachte ich jedoch nicht über Buchstaben nach, sondern an meinen Herrn und die gefährlichen Stromschnellen im Vosk, vor denen er mich seinerzeit mit einem riskanten Flug vom Tarn aus gerettet hatte.

Freitag, 20. November 2015

Nass macht angeblich schön…

…kann aber auch mit ungeahnten Folgen einhergehen. Wobei ich bei dem Schietwetter gestern in Jorts Fähre nicht gleich wie der Brauereikrieger an „Nebel des Grauens“ gedacht habe, der nämlich Angst um seine Schwertklinge hatte und befürchtete, sie könne bei dem Wolkenbruch anfangen zu rosten. Doch der Reihe nach…



Mein Herr hatte mich nach unserer Rückkehr nur kurz zuhause abgesetzt und war dann leider ziemlich bald wieder aufgebrochen… schwieg jedoch über nähere Einzelheiten. Ich vermute, er hatte auf dem Flug etwas Wichtiges entdeckt, vielleicht auch etwas für ihn Wichtiges, das er vor seinem Bericht an den Hauptmann noch genauer erkunden wollte. Ihn nicht begleiten zu dürfen, machte mich total traurig, doch konnte ich mich nach unserer langen Abwesenheit einige Tage ganz gut mit diversen Aufgaben in seinem Haus von meinen trüben Gedanken ablenken, weil logischerweise einfach Diverses liegen geblieben war.

Immer wieder schaute ich allerdings aus dem Fenster in der Hoffnung, den Tarn meines Herrn über den Bergen auftauchen zu sehen. Gestern konnte ich es vor Sehnsucht schließlich einfach nicht mehr länger aushalten und machte mich auf den Weg zum Tarnturm, weil die Sicht von dort oben um einiges besser ist. Leider wurde ich am Hafen aber von dem eben schon erwähnten, schrecklichen Unwetter überrascht, sodass ich mich eiligst ins Trockene unter einen Marktstand vor der Taverne flüchtete. Ich grübelte noch darüber, ob mein Herr auf Carolus bei Gewitter und sintflutartigem Regen überhaupt fliegen würde oder ob er sich nicht lieber irgendwo einen trockenen Ort gesucht hatte, als ich neben mir ein langgezogenes „iiiiiiiiiiiiiiihhhh“ hörte.

Der schrille Ton kam von der Gefährtin des Hauptmanns, der offensichtlich genauso wenig begeistert vom Wetter war wie die grüne Herrin, dies allerdings lediglich mit typischem Gebrumme von sich gab. Naja, während sich die Herrin schnell neben mich unter das Dach des Marktstands flüchtete, hatte er in mir gleich ein Opfer für seine schlechte Laune gefunden, denn er kickte mit ungehaltenem Gesichtsausdruck ein kleines Steinchen in meine Richtung und gab mir die Schuld an dem Gewitterguss. Wahh… als ob ich etwas für das Wetter konnte! Meine frühere Herrin hatte immer behauptet, dass ich nur dann Schuld habe, wenn sie das sagt und mein Herr hält das genauso. Wenigstens stellte sich heraus, dass der Hauptmann den Regen bei weitem nicht so schlimm wie seine Gefährtin fand… er meinte nämlich nur: „Pahh, Wasser macht nass und schön!“

Genauso wie ich dann vor Nässe triefend im Regen stehend, wollte er von mir wissen, wo mein Herr steckt und drohte ihm mit Soldentzug, weil ich leider keine genaueren Auskünfte über seinen Verbleib geben konnte. Mit Schreck geweiteten Augen gab ich irgendein Gestammel von mir, verstummte aber sofort wieder, weil es sich für eine Kajira natürlich nicht gehört, einem Freien zu widersprechen und schon gar nicht, wenn sie ohne ihren Herrn schutzlos ist.

Leider kennt der Hauptmann mein Mundwerk inzwischen aber wohl ganz gut und herrschte mich natürlich sofort an: „Dina willst du mir widersprechen?“ Zum Glück konnte ich ihn davon überzeugen, dass mir nichts ferner liegt. Meine Strafe bestand nämlich nur darin, weiter durchnässt zu werden, damit der Hauptmann neben seiner Gefährtin im Trockenen stehen konnte… einer seiner unangenehmen, leider jedoch typischen Kopfpatscher blieb mir diesmal erspart.



Er hatte zuvor übrigens gerade gesagt, dass nass schön macht und offensichtlich schien die Wirkung nicht lange auf sich warten zu lassen. Während dicke Regentropfen auf mich nieder prasselten, musterte er mich plötzlich irgendwie interessiert und fragte seine Gefährtin, ob man mich alleine lassen kann, wenn mein Herr fort ist. Prompt beteuerte ich, das sei überhaupt kein Problem… Essen war genug im Haus und außerdem war ich doch schon oft ohne meinen Herrn gewesen und früher noch öfter ohne meine damalige Herrin. Mist, peinlicherweise hatte ich dem Hauptmann nun aber tatsächlich widersprochen und kassierte prompt eine heftige Ohrfeige. Während ich damit beschäftigt war, mir nicht anmerken zu lassen wie fies meine Wange brannte, begannen die beiden Freien zu beratschlagen, was mit mir geschehen sollte.

Offensichtlich war die Herrin mit dem Hauptmann einer Meinung über meinen Verbleib, denn sie schlug ihm schließlich vor, mich in Obhut zu nehmen, bis mein Herr wieder zuhause ist. In der üblichen Hauptmannsart wurde ich daher prompt angebrummt, mich dicht vor ihn zu stellen und erhielt erschrocken die Luft an. Der Hauptmann fummelte nämlich einen Lederriemen von seinem Gürtel, schlang ihn um meinen Hals und verknotete ihn irgendwie, was ich logischerweise aber nicht genauer sehen konnte. „Dina, du stehst jetzt unter unserer Obhut. Sollte dein Herr nicht bald zurückkehren, gehst du in mein Eigentum über… hast du das verstanden!?“ Dass bei meiner Antwort meine Gefühle fast mit mir durchgingen und ich alles geben musste, um meine Tränen zurück zu halten, brauche ich wohl nicht näher zu beschreiben. Der Gedanke, mein Herr könnte nicht heimkehren, war echt kaum auszuhalten.


Wie gut, dass sich der Brauereikrieger inzwischen dazu gesellt hatte und ich ihn etwas wärmen durfte, während sich das Gespräch der Herrschaften um Nässe drehte… also dem schrecklichen Wetter, denn die Grüne fand Nässe schlimm und der Hauptmann bestätigte ihr, Nässe in jeder Ritze ist im Gegensatz zu trockenkalt wirklich schlimm. Immerhin war ich später im Gasthaus einigermaßen in der Lage, alle Hauptmannsbefehle auszuführen… zerstreut wie ich war, leider manchmal jedoch weniger zufriedenstellend. Trotzdem haben mich die vielen Aufträge und Ermahnungen des Hauptmanns „Dina mach dies… Dina kümmer dich um das… hast du zugehört… hol mir einen Tee mit Paga… bediene erst die anderen Freien… Dina wisch den Boden… Dina tunk nicht deinen Finger in mein Getränk, sonst hast du bald einen weniger… und… und… und“ aber auch ganz gut von meinem Kummer abgelenkt.


Zum Glück hatte mein Herumscheuchen irgendwann ein Ende, als der Hauptmann zur Nachtwache aufbrechen musste. Solange ich bei ihm in Obhut bin, darf ich jedoch nicht mehr Zuhause übernachten, sondern muss bis zur Rückkehr meines Herrn im Hauptmannshaus schlafen, wo er mich in einen seiner Käfige sperrte. Nachdem der Herr schließlich zum Dienst aufgebrochen war… seine Gefährtin schlief übrigens schon… konnte ich meine Tränen aber wirklich nicht mehr zurückhalten und muss über meinen sehnsüchtigen Gedanken an meinen Herrn wohl in einen unruhigen Schlaf mit schrecklichen Träumen gesunken sein.

Montag, 16. November 2015

Eine Insel...

auf der wir nach einigen Ahn schließlich landeten. Ich war total beeindruckt vom Wechsel der Farben dort und kann mich mal wieder nur ganz schwer zwischen meinen vielen Bildern entscheiden...

karge Berge in vielen Brauntönen
feiner, weißer Sand und glasklares, herrlich warmes Wasser
schwarzer Strand mit beeindruckender Brandung und gefährlichen Strömungen
eine riesige Dünenlandschaft bis ans Meer
schwarzes Lavagestein, dazwischen eine kleine Lagune
trotz der kargen Landschaft, immer wieder Grün
weiße Häuser in ockerfarbener Landschaft
nur Glocken- oder vielleicht auch Tarnturm?
typische Hausfassade
Fischerhäuser in einer erstaunlich ruhigen Meeresbucht
Fischerboote 
tolle Küste mit wunderschönen Stränden, 
aber auch vielen Warnschildern vor gefährlichen Strömungen