Freitag, 27. November 2015

Ein neuer Abschnitt

Meine Nacht war schrecklich. Geknebelt, bis zum Hals in einer muffig riechenden Sklavenhaube und meine Hände und Füße an diesen Pfahl gefesselt, hatte ich das Gefühl, bestenfalls 3 Ehn geschlafen zu haben. Meine Gedanken kreisten mangels Schlaf logischerweise erneut ununterbrochen um meinen Herrn, der leider immer noch fort war und auch keinen Boten mit einer Nachricht geschickt hatte. Es verblieben nur noch wenige Tage, bis die großzügig gesetzte Frist des Hauptmanns abgelaufen war und er mich als sein Eigentum betrachten würde. Die übliche Wartehand war inzwischen vorbei und jeder weitere Tag, an dem ein Kragen mit dem Namen meines Herrn meinen Hals zierte, war ein Zugeständnis des Hauptmanns an seinen Kastenbruder. 

Genau in diesen 3 Ehn meines kurzen Erschöpfungsschlafs, muss ich verpasst haben, dass der Hauptmann und seine Gefährtin das Haus verließen, denn plötzlich öffnete sich die Haustür und die grüne Herrin kam herein. Während sie erstaunt murmelte, ihr Gefährte habe bei mir offenbar sämtliche Register gezogen, erlöste sie mich von Sklavenhaube, Knebel und Pfahl. Ihre Bemerkung lieber unkommentiert lassend, gestand ich ihr stattdessen meinen Schummelversuch ein mit den zwei Tuniken zu viel. Nach einem prüfenden, grünen Kastenblick in Sachen Gesundheit wies sie mich aber an: „Dina, du hast deine Strafe jetzt gehabt, zieh dich nun an. Nimm dir ein Brot und trink noch etwas, wir gehen ins Gasthaus.“ 


Selbstverständlich beeilte ich mich, wegen Trödeln keinen Ärger von der Herrin oder womöglich vom Hauptmann zu kassieren und aß mein zwar trockenes, aber dennoch oberleckeres Brot auf dem Weg in die Unterstadt. Die Gasthausterrasse war wieder ganz gut gefüllt und um den Durst der Freien kümmerte sich bereits eine mir unbekannte Kajira der Stadtkette. Noch in Erinnerung, was der Hauptmann von mir bei der ersten Begrüßung am Tag erwartete, beeilte ich mich natürlich, seinem Wunsch nachzukommen und drückte einen Kuss auf seine Fußspitze, um mich von meiner vorbildlichen Seite zu zeigen. Das Gesicht des Herrn konnte ich in dieser Pose zwar nicht sehen, doch wurde meine Begrüßung mit dem üblichen Brummen und einem Patscher erwidert, allerdings nicht auf meinen Kopf, sondern diesmal auf den Po.


Ob das nun ein gutes oder schlechtes Zeichen war, bekam ich nicht mehr heraus, da ich mich nun um den hungrigen Magen des Herrn kümmern durfte… ein Befehl, dem ich bei der Erinnerung an die nicht gerade komfortabel verbrachte Nacht schnell nachkam. Danach schickte er mich los, um beim Schmied wegen eines Termins anzufragen. Leider gestalteten sich meine diesbezüglichen Bemühungen jedoch schwierig, da der Schmied nicht auffindbar war und niemand etwas über seinen Aufenthalt wusste. Mein Eifer war schließlich trotzdem von Erfolg gekrönt, auch wenn der Herr so plötzlich vor mir auftauchte, dass ich ihn fast umlief, wäre er nicht zurück gesprungen. Zum Glück nahm mir der nette Schmied die kleine Unachtsamkeit aber nicht weiter krumm und hatte tatsächlich noch einen Termin für den Hauptmann frei, zu dem ich mit dieser Information umgehend zurückflitzte. 


Eigentlich war ich mit meiner Leistung ganz zufrieden, ahnte zu diesem Zeitpunkt aber auch noch nicht, was auf mich zukam. Irritierend war nur, danach wieder zurück zur Schmiede geschickt zu werden. Ich brauchte mir dort jedoch nicht lange den Hals Richtung Marktplatz zu verrenken, denn nach wenigen Ehn tauchten der Hauptmann und der Schmied auf. Während Letzterer in seinem Werkzeugbestand herumkramte, verkündete mir der Hauptmann, die Frist sei abgelaufen, mein Herr immer noch fort und daher habe er sich nun entschlossen, meinen Kragen auszuwechseln, damit vor seiner am nächsten Tag beginnenden Spätwache „alles seine Richtigkeit hat“. Seine Richtigkeit?? Ich traute meinen Ohren nicht, denn was konnte richtiger sein, als genau der Stahl, der meinen Hals zierte???

Ich glaube, ich hatte vor Schreck fast einen Herzstillstand... auf jeden Fall totale Atemnot. Verständlich also, dass ich in meinem Schockzustand nicht den leisesten Piep herausbrachte, mit schrecklich weichen Beinen aber trotzdem dem Befehl nachkam, mich vor den Schmied zu knien, der sich nun meinen Kragen genauer anschaute. Er erkannte sofort, dass dieser Halsschmuck seinerzeit von ihm gefertigt worden war und murmelte außerdem „ahh… Schlüssel im Schloss abgebrochen“, noch bevor ich diesen Hinweis hoffnungsvoll von mir geben konnte. Ob er meinen Kragen mit blockiertem Schloss vielleicht nicht ab bekam? Leise und nur für mich zu hören, ergänzte der Freund meines Herrn dann aber: „Ich weiß, warum dein Herr das getan hat... werde auch nicht das Schloss öffnen, sondern hinten am Scharnier den Bolzen rausnehmen, damit man den Kragen wiederverwenden kann.“

Alles was danach passierte, als sich der Schmied mit seinen Zangen geschickt und sehr vorsichtig an den Scharnieren des Stahls um meinen Hals, um meine Arme und Knöchel zu schaffen machte, erinnere ich nicht genau… nur dass es mehrfach metallisch knirschte und klickte. Wie in Trance nahm ich meine Umgebung kaum mehr wahr und wollte einfach nicht glauben, was gerade geschah. Trotz größter Bemühungen schaffte ich es letztendlich nicht länger, den gewaltigen Strom meiner aufgestauten Tränenflut zurück zu halten, die mich fast ertrinken ließ. In meiner Hilflosigkeit und alles nur noch verschwommen sehend, schloss ich meine Augen, um das was da gerade passierte auszublenden und öffnete sie erst wieder bei den Worten des Hauptmanns: „Das Alteisen kannst du wie immer behalten Schmied.“


Ein klein wenig beruhigte es mich nun zu sehen, wie behutsam der Schmied sämtliches mir abgenommene Metall vorsichtig in ein Tuch wickelte und mit dem kleinen Bündel im Schmiedekontor verschwand. Der zaghaft in mir keimenden Hoffnung, dass mein Kragen vielleicht gar nicht oder zumindest noch nicht so bald eingeschmolzen wird, konnte ich jedoch nicht lange nachhängen, weil der Hauptmann mich nun zu sich winkte. Kaum vor ihm niedergekniet, spürte ich seine Hände, die nun sehr sanft etwas Kaltes um meinen Hals legten, das sich vollkommen ungewohnt anfühlte.

Ich war erstaunt, wie vorsichtig diese Kriegerhände meine Haut berührten, während sie noch ein wenig am Sitz des Kragens herumfummelten und dann hörte ich das typische, metallische Klicken vom Schloss, als das Scharnier zusammengedrückt wurde. Dieses Klicken ließ prompt erneut ein paar Tränen kullern, sodass ich um meine Fassung ringend nicht wirklich bewusst mitbekam, dass der Hauptmann weiteres Metall um meine Handgelenke und Knöchel schloss. Dabei brummte er leise, wischte zuletzt sanft die nassen Spuren von meinen Wangen und legte seine Hand auf meinen Kopf. „Nun beginnt ein neuer Abschnitt in deinem Leben Mädchen… ich hoffe, du machst mir keine Schande?!“

Ich hatte einen neuen Herrn und gelobte selbstverständlich stets mein Bestes zu geben, um ihn zu erfreuen, ihm Ehre zu bereiten und keine Schande. Leider verlor ich nicht nur den Kragen mit dem Namen meines Liebesherrn, sondern auch das kleine „n“, weil ich jetzt eine „ita“ an der Kette des Hauptmanns von Jorts Fähre bin und „Dita“genannt werde.

1 Kommentar:

  1. Oje oje, Dina war doch immer Dina *schnieft*

    Trotzdem alles Gute, Dita und lass dir dein Gehirn nicht rauspatschen bei den Gewohnheiten deines neuen Herrn! ;-)

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