Freitag, 20. November 2015

Nass macht angeblich schön…

…kann aber auch mit ungeahnten Folgen einhergehen. Wobei ich bei dem Schietwetter gestern in Jorts Fähre nicht gleich wie der Brauereikrieger an „Nebel des Grauens“ gedacht habe, der nämlich Angst um seine Schwertklinge hatte und befürchtete, sie könne bei dem Wolkenbruch anfangen zu rosten. Doch der Reihe nach…



Mein Herr hatte mich nach unserer Rückkehr nur kurz zuhause abgesetzt und war dann leider ziemlich bald wieder aufgebrochen… schwieg jedoch über nähere Einzelheiten. Ich vermute, er hatte auf dem Flug etwas Wichtiges entdeckt, vielleicht auch etwas für ihn Wichtiges, das er vor seinem Bericht an den Hauptmann noch genauer erkunden wollte. Ihn nicht begleiten zu dürfen, machte mich total traurig, doch konnte ich mich nach unserer langen Abwesenheit einige Tage ganz gut mit diversen Aufgaben in seinem Haus von meinen trüben Gedanken ablenken, weil logischerweise einfach Diverses liegen geblieben war.

Immer wieder schaute ich allerdings aus dem Fenster in der Hoffnung, den Tarn meines Herrn über den Bergen auftauchen zu sehen. Gestern konnte ich es vor Sehnsucht schließlich einfach nicht mehr länger aushalten und machte mich auf den Weg zum Tarnturm, weil die Sicht von dort oben um einiges besser ist. Leider wurde ich am Hafen aber von dem eben schon erwähnten, schrecklichen Unwetter überrascht, sodass ich mich eiligst ins Trockene unter einen Marktstand vor der Taverne flüchtete. Ich grübelte noch darüber, ob mein Herr auf Carolus bei Gewitter und sintflutartigem Regen überhaupt fliegen würde oder ob er sich nicht lieber irgendwo einen trockenen Ort gesucht hatte, als ich neben mir ein langgezogenes „iiiiiiiiiiiiiiihhhh“ hörte.

Der schrille Ton kam von der Gefährtin des Hauptmanns, der offensichtlich genauso wenig begeistert vom Wetter war wie die grüne Herrin, dies allerdings lediglich mit typischem Gebrumme von sich gab. Naja, während sich die Herrin schnell neben mich unter das Dach des Marktstands flüchtete, hatte er in mir gleich ein Opfer für seine schlechte Laune gefunden, denn er kickte mit ungehaltenem Gesichtsausdruck ein kleines Steinchen in meine Richtung und gab mir die Schuld an dem Gewitterguss. Wahh… als ob ich etwas für das Wetter konnte! Meine frühere Herrin hatte immer behauptet, dass ich nur dann Schuld habe, wenn sie das sagt und mein Herr hält das genauso. Wenigstens stellte sich heraus, dass der Hauptmann den Regen bei weitem nicht so schlimm wie seine Gefährtin fand… er meinte nämlich nur: „Pahh, Wasser macht nass und schön!“

Genauso wie ich dann vor Nässe triefend im Regen stehend, wollte er von mir wissen, wo mein Herr steckt und drohte ihm mit Soldentzug, weil ich leider keine genaueren Auskünfte über seinen Verbleib geben konnte. Mit Schreck geweiteten Augen gab ich irgendein Gestammel von mir, verstummte aber sofort wieder, weil es sich für eine Kajira natürlich nicht gehört, einem Freien zu widersprechen und schon gar nicht, wenn sie ohne ihren Herrn schutzlos ist.

Leider kennt der Hauptmann mein Mundwerk inzwischen aber wohl ganz gut und herrschte mich natürlich sofort an: „Dina willst du mir widersprechen?“ Zum Glück konnte ich ihn davon überzeugen, dass mir nichts ferner liegt. Meine Strafe bestand nämlich nur darin, weiter durchnässt zu werden, damit der Hauptmann neben seiner Gefährtin im Trockenen stehen konnte… einer seiner unangenehmen, leider jedoch typischen Kopfpatscher blieb mir diesmal erspart.



Er hatte zuvor übrigens gerade gesagt, dass nass schön macht und offensichtlich schien die Wirkung nicht lange auf sich warten zu lassen. Während dicke Regentropfen auf mich nieder prasselten, musterte er mich plötzlich irgendwie interessiert und fragte seine Gefährtin, ob man mich alleine lassen kann, wenn mein Herr fort ist. Prompt beteuerte ich, das sei überhaupt kein Problem… Essen war genug im Haus und außerdem war ich doch schon oft ohne meinen Herrn gewesen und früher noch öfter ohne meine damalige Herrin. Mist, peinlicherweise hatte ich dem Hauptmann nun aber tatsächlich widersprochen und kassierte prompt eine heftige Ohrfeige. Während ich damit beschäftigt war, mir nicht anmerken zu lassen wie fies meine Wange brannte, begannen die beiden Freien zu beratschlagen, was mit mir geschehen sollte.

Offensichtlich war die Herrin mit dem Hauptmann einer Meinung über meinen Verbleib, denn sie schlug ihm schließlich vor, mich in Obhut zu nehmen, bis mein Herr wieder zuhause ist. In der üblichen Hauptmannsart wurde ich daher prompt angebrummt, mich dicht vor ihn zu stellen und erhielt erschrocken die Luft an. Der Hauptmann fummelte nämlich einen Lederriemen von seinem Gürtel, schlang ihn um meinen Hals und verknotete ihn irgendwie, was ich logischerweise aber nicht genauer sehen konnte. „Dina, du stehst jetzt unter unserer Obhut. Sollte dein Herr nicht bald zurückkehren, gehst du in mein Eigentum über… hast du das verstanden!?“ Dass bei meiner Antwort meine Gefühle fast mit mir durchgingen und ich alles geben musste, um meine Tränen zurück zu halten, brauche ich wohl nicht näher zu beschreiben. Der Gedanke, mein Herr könnte nicht heimkehren, war echt kaum auszuhalten.


Wie gut, dass sich der Brauereikrieger inzwischen dazu gesellt hatte und ich ihn etwas wärmen durfte, während sich das Gespräch der Herrschaften um Nässe drehte… also dem schrecklichen Wetter, denn die Grüne fand Nässe schlimm und der Hauptmann bestätigte ihr, Nässe in jeder Ritze ist im Gegensatz zu trockenkalt wirklich schlimm. Immerhin war ich später im Gasthaus einigermaßen in der Lage, alle Hauptmannsbefehle auszuführen… zerstreut wie ich war, leider manchmal jedoch weniger zufriedenstellend. Trotzdem haben mich die vielen Aufträge und Ermahnungen des Hauptmanns „Dina mach dies… Dina kümmer dich um das… hast du zugehört… hol mir einen Tee mit Paga… bediene erst die anderen Freien… Dina wisch den Boden… Dina tunk nicht deinen Finger in mein Getränk, sonst hast du bald einen weniger… und… und… und“ aber auch ganz gut von meinem Kummer abgelenkt.


Zum Glück hatte mein Herumscheuchen irgendwann ein Ende, als der Hauptmann zur Nachtwache aufbrechen musste. Solange ich bei ihm in Obhut bin, darf ich jedoch nicht mehr Zuhause übernachten, sondern muss bis zur Rückkehr meines Herrn im Hauptmannshaus schlafen, wo er mich in einen seiner Käfige sperrte. Nachdem der Herr schließlich zum Dienst aufgebrochen war… seine Gefährtin schlief übrigens schon… konnte ich meine Tränen aber wirklich nicht mehr zurückhalten und muss über meinen sehnsüchtigen Gedanken an meinen Herrn wohl in einen unruhigen Schlaf mit schrecklichen Träumen gesunken sein.

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