Mittwoch, 9. Dezember 2015

Auf dem Weg...

...vielleicht doch eine richtige Hauptmannkajira zu werden? Naja, das ist wohl noch ein langer und manchmal auch nicht ganz leichter Weg.

Gestern verpasste ich den Heimsteinschwur der Schuhmacherwirtin, obwohl ich eigentlich gut in der Zeit lag und fast angezogen war. Mein Entschluss, an diesem Tag Nr. 4 zu wählen… eine der nicht geklauten Tuniken, die mein Herr mir erst am Vorabend zurückgegeben hatte, Nr. 5 – 7 bleiben leider noch länger in seiner Schreibtischschublade eingeschlossen… war nämlich schnell gefallen. Es war still im Haus, nachdem meine Herrschaften bereits Richtung Ratssaal aufgebrochen waren, weil mein Herr sich ja noch um den Transport des Heimsteins von seinem sicheren Versteck in den Saal kümmern musste. Doch plötzlich hörte ich merkwürdige Geräusche von unten, die ich mir nicht erklären konnte, zumal ich Lilly, das Gianni der Gefährtin meines Herrn, zusammengerollt bei einem Verdauungsschlaf in seinem Körbchen vermutete.

Tja, leider falsch vermutet… ich dachte mich trifft der Schlag, als ich die Treppe herunter kam. Das Erdgeschoss des Hauptmannshauses sah aus, als wäre dort eine ganze Schar Vulos gerupft worden. Lilly war auf die für sie vielleicht spaßige, für mich jedoch sehr zeitaufwendige Idee gekommen, ihre überschüssigen Kräfte an einem der Sitzkissen auszulassen. Zum Glück konnte ich den Schaden am Kissenstoff dank der guten Ausstattung im Nähkasten der Gnädigsten einigermaßen schnell beheben, schaffte es danach jedoch nur äußerst mühsam, die vielen umherflatternden Federn alle wieder einzufangen und zurück ins Kissen zu stopfen… eine Tätigkeit, bei der Lilly sich hilfsbereit gab, dabei nur leider keine Federn einfing, sondern sie immer wieder neu verteilte. 

Auch wenn mir nicht wirklich zum Lachen war, fand ich unsere Federschlacht eigentlich lustig und ob eine Kajira nun irgendwo stumm im Hintergrund beim Heimsteinschwur kniet oder nicht, fällt vermutlich sowieso niemandem auf… dachte ich, irrte mich aber auch darin. Meinem Herrn war meine Abwesenheit aufgefallen, ich hatte nämlich seine Rede verpasst und damit vermutlich nicht gerade bei ihm gepunktet. Wie gut, dass ich tagsüber wenigstens den Auftrag von der Schuhmacherwirtin erledigt und die in der Bäckerei bestellten Kuchen und Brote ins Gasthaus gebracht hatte, sodass auf der anschließenden Feier keine Backwaren fehlten, da mein Herr ja auch gerne Süßes isst. Ob das Ausgleich genug war, würde sich noch zeigen müssen.

Nachdem endlich sämtliche Spuren des Gianniübermuts beseitigt waren, sparte ich mir in Anbetracht der vorgerückten Ahn den Weg in den Ratssaal und lief gleich zum Gasthaus, wo die Feier offensichtlich schon voll in Gange war. Mein erster Blick über die Terrasse galt natürlich meinem Herrn und der zweite seiner Gefährtin, die zu meiner Erleichterung beide bereits mit Essen versorgt waren, wobei das für meinen Herrn natürlich erst der erste Gang war. Aber sein Teller war noch nicht ganz leer, im Gegensatz zu seinem Pagabecher... es gab vorerst also Bedarf an Getränkenachschub, dem ich schnell abhelfen konnte. Leider bekam ich dabei von den Gesprächen der Freien nicht wirklich etwas mit, sondern konzentrierte mich stattdessen lieber ganz darauf, meinem Herrn seinen Paga zu servieren.

Wie gut diese Konzentration war, zeigte sich übrigens, als mein Herr mir mittendrin überraschend, so richtig „à la Hauptmann“ auf mein Hinterteil patschte, dass ich vor Schreck quer auf seinem Schoß landete. Ich weiß zwar nicht wie, jedoch ist es mir dabei total hauptmannkajiramäßig gelungen, das Überschwappen seines Pagas zu verhindern. Wow, außer ein bisschen Gebrummel „Dita, ich bin kein Sklavenlandeplatz, außer ich zieh dich auf meinen Schoß“, war tatsächlich nichts passiert, sodass ich mich einfach wieder aufrappelte und erleichtert, aber auch ein wenig stolz über dieses Leistung, meinem Herrn seinen Pagabecher überreichte… nicht auszudenken, wenn ich den ganzen Inhalt seiner Gefährtin auf den Schoß gegossen hätte! Ob ich vielleicht doch langsam auf dem Weg zur Hauptmannkajira bin?

Keine Ahnung, jedenfalls hoffte ich, dass die sanfte Art meines Herrn nicht schon wieder beendet ist und sich seine Veranlagung zur Grobmotorik zurückmeldete. In weiser Voraussicht überreichte ich seiner Gefährtin ihren Kalana trotzdem vorsichtshalber lieber etwas zügiger, denn ich konnte ja nicht ahnen, was sich hinter mir noch tun würde und zwischen den Kissen auf der Gasthausterrasse ist relativ wenig Platz. Doch die Enge gefällt mir eigentlich, bietet sie so eine schöne Möglichkeit, sich mit dem Allerwertesten leicht an einen Herrn zu drücken… in diesem Fall an meinen. Meine Ahnungen wurden durch einen Knuff in meinen Rücken leider jedoch leider bestätigt, allerdings hielt die Herrin ihren Kalanakelch bereits in der Hand, sodass auch diesmal nichts passierte.

Eines muss man der Schuhmacherwirtin wirklich lassen, das Büffet bog sich unter den vielen leckeren Speisen, die sie aufgefahren hatte, sodass nicht nur mein Herr satt wurde… wir Kajirae durften zuletzt übrigens auch noch von den Köstlichkeiten essen. Dabei hatte mein Herr beim Schreiben seiner Rede schon sämtliches Essen vertilgt, was im Haus war, sodass seine Gefährtin sich nun wunderte, ihn schon wieder kräftig zulangen zu sehen… naja, beim Rede schreiben war es Mittag und nun eben Abend. Nachdem sich die Gnädigste und andere Gäste schließlich zurückgezogen hatten, kam nach dem dritten Gang meines Herrn übrigens seine sanfte Ader zurück. 

Ach nee, es war wohl doch der vierte, denn zwischendurch musste ich der Sklavenhändlerin noch einen Schlüssel für den Kragen ihrer neuesten Ware überreichen, den mein Herr loswerden wollte. Ihm war tagsüber anscheinend nach Aufräumen gewesen und der Entsorgung unwichtiger Dinge. Dabei hatte er auch den Schlüssel zu meinem Kragen weggeworfen… einfach über die Mauer in den Vosk. Keine Ahnung, aber vielleicht war die Erinnerung an das Ausmisten und seine Erleichterung darüber, keinen so schweren Beutel mehr mit sich herumtragen zu müssen, vielleicht die Ursache, dass zu vorgerückter Ahn seine sanfte Seite zurück kam und er mich so herrlich besitzergreifend an sich zog?   ;-)

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