Freitag, 11. Dezember 2015

Fast verlaufen…

…hätte ich mich, wenn ich nicht plötzlich von einem freundlichen „Talchen“ aus meinen Träumen gerissen worden wäre. Meine Gedanken kreisten nämlich mal wieder um meinen Herrn, der nicht mehr mein Herr ist, sodass ich automatisch den Weg zu seinem Haus einschlug, obwohl ich doch eigentlich wegen ein paar Lebensmitteleinkäufen zum Hof wollte. Wie gut, dass in diesem Moment die Kajira des Schmieds auftauchte, beim Gruß ihres Herrn ihre Arme um seinen Oberschenkel schlang und meine etwas trübsinnigen Gedanken verscheuchte. Sie lenkte mich nicht mit iherer Begrüßung „Tal mein Herr“ ab, sondern weil sie ihren Herrn, während sie an ihm klebte, gleichzeitig informierte , dass sie nur eben schnell nachsehen will, ob die Windeln trocken sind... sie hielt ihren Kopf dabei nämlich genau auf Kontrollhöhe und wo sich ihre Hände befanden, konnte ich nicht sehen.

Vollkommen erstaunt, denn selbstverständlich glaubte ich mich verhört zu haben und fand ihre Begrüßung eigentlich auch sehr schön, platzte aus mir heraus: „Tahira, dein Herr trägt WINDELN?“ Bislang hatte ich immer angenommen, der Schmied sei kerngesund, dass er nun ein Inkontinenzproblem haben könnte, entsetzte mich ziemlich, trotzdem kann sowas ja vorkommen. Wie gut, es handelte sich jedoch nur um ein Missverständnis… Tahira wollte an ihrem Herrn mit der Umklammerung keine Windeln hinsichtlich nass oder trocken kontrollieren, sondern nach dieser Begrüßung die im Kontor aufgehängten. Wegen des Unwetters vor kurzem hatte sie anscheinend das Schmiedekontor zum Wäschetrockenraum umfunktioniert. Puhh, ich war erleichtert, konnte mir den knackigen Hintern des Schmieds echt nicht in Windeln vorstellen. Richtig froh war ich allerdings, mich nicht um die Sauberkeit der zahlreichen Kinderschar im Haus des Schmieds kümmern zu müssen.

Leider befolgte Tahira nach einer kurzen Nachfrage ihres Herrn, die Leuchtkraft ihres Allerwertesten betreffend, dann  umgehend seinen Befehl „Kleines, schau nach den Windeln und feg hinterher hier ordentlich durch“. Sie begann also die Schmiede auszufegen und legte sich wegen seinem „ordentlich“ dermaßen ins Zeug, dass ich mich in den Gang zwischen Brauerei und Schmiede flüchten musste, damit meine gerade erst frisch gewaschenen Haare in den von ihr aufgewirbelten Staubwolken nicht schlagartig ergrauten. Zum Glück kam ein leichter Wind vom Hafen her, andernfalls hätte ich bestimmt nicht erkennen können, woran der Schmied gerade herumfeilte. Ich glaube, es war eine der Metallfesseln, die mein Herr vor kurzem passend zu meinem Kragen bei ihm in Auftrag gegeben hatte… aber vielleicht habe ich mich auch getäuscht.


Zum genaueren Erkunden blieb mir keine Zeit mehr, da ich nun weiter musste, um einige Aufträge meines Herrn zu erledigen. Doch der Hof schien ausgestorben zu sein und die Lebensmitteleinkäufe waren somit erst einmal aufgeschoben. Echt so gar keine Lust verspürend, wegen der überflüssigen Sandalen nun als nächstes zur Schuhmacherwirtin zu laufen, zumal ich das Weib sowieso gerade mit dem Brauereibesitzer im Gasthaus hatte verschwinden sehen, lief ich weiter zum Sattler, um mich um die Zeltreparatur zu kümmern. Sofern ich auf einer Reise überhaupt mit in seinem Zelt schlafen durfte, war die Reparatur logischerweise in meinem eigenen Interesse. Wer für die Nässe verantwortlich gemacht wird, also die bei Regen von außen eindringende, ist ja klar. Außerdem gelingt Schönheitsschlaf einfach besser, wenn ich nicht unter dem langen Riss als Schwamm herhalten muss.

Fast befürchtete ich schon, mein Zeitpunkt beim Sattler war falsch gewählt, denn es dauerte ein paar Ehn, bis seine Tür geöffnet wurde und zwar von dem Herrn persönlich… seine Kajira konnte nämlich nicht, da sie mit tief gesenktem Kopf kniend an einen Pfahl gefesselt war. Args, das sah mir ganz nach einer Bestrafung aus, bei der ich natürlich nicht stören wollte. Doch meine Frage wurde bejaht, ob ich das kaputte Zelt meines Herrn zur Reparatur bringen kann, um ihm einen Preis fürs Flicken zu nennen, sofern der Sattler meinem Herrn nicht empfehlen würde, lieber ein neues zu kaufen. Da diese Investition in meinen Augen um ein Vielfaches sinnvoller war, als Geld für Sandalen auszugeben, beeilte ich mich, um nun den zusammengerollten Zeltstoff herbei zu schaffen.

Während der Sattler dann eingehend das Tuch untersuchte, befahl er mir, seine Sklavin von ihren Fesseln zu befreien, damit sie ihm einen Paga servieren konnte. Dabei entdeckte ich, warum sie ihren Kopf immer noch so tief hielt… ihr Gesicht war nämlich ziemlich nass, allerdings nicht von Tränen. Woher diese weiß bis durchsichtige Nässe in leicht dickflüssiger Konsistenz kam, war mir natürlich sofort klar, sodass ich mir beim Lösen der Fesseln breit grinsend nicht verkneifen konnte zu fragen, ob sie sich mit einem Eiweißdrink bekleckert und ihn im Gesicht verteilt hatte. Ohje, oberschlecht drauf war sie und fauchte mich humorlos an, meine Frage sei nicht witzig. Leider nannte sie mich dabei „Bosk“, sodass ich ihre Handfesseln erst noch etwas anzog, bevor ich sie nicht gerade vorsichtig löste… um den Rest konnte die Zicke sich dann gefälligst selbst kümmern.

Danach ignorierte ich das verschmierte Ding und wandte mich ihrem Herrn wieder zu, der mir nach Untersuchung des Schadens nun mitteilte, eine Reparatur des Risses lohne sich. Er erklärte mir auch genau, wie er sie durchführen wollte, was sie kosten würde und erlaubte mir, das Zelt solange bei ihm zu lagern, bis mein Herr sich zur Reparatur entschlossen habe. Während seine Kajira sich darum kümmerte, ihrem Herrn nun den gewünschten Paga zu bringen, erkundigte er sich bei mir, ob ich durstig bin. Dankbar für diese Fürsorge nach der nicht ganz leichten Zeltschlepperei bejahte ich natürlich, hatte ich mir doch schon vorgenommen, mir vor meinem Rückweg in die Oberstadt noch einen Schluck Wasser am Brunnen zu genehmigen.

Für mich war eigentlich selbstverständlich, schnell in der Küche des Sattlers zu trinken, doch der Herr forderte mich auf, mich auf eines der weichen Sitzkissen an seinen Tisch zu knien, damit seine Sklavin mir das Wasser servieren konnte. Das ließ ich mir natürlich nicht zweimal sagen, war es mir doch eine ganz gewaltige Genugtuung, von diesem frechen Vulo, das mich „Bosk“ genannt hatte, nun bedient zu werden. Dementsprechend herablassend schaute ich auf sie von meinem Kissen herab, um ihr gnädig die Erlaubnis zum Servieren zu erteilen und betonte jeden Buchstaben ihres Namens überdeutlich. Leider kapierte das eingeschnappte Ding nichts, nannte mich jetzt zwar nicht mehr „Bosk“, sondern konterte mit der Betonung des „T“ in meinem Namen. Mal sehn, ob  R A V I N A  irgendwann von alleine drauf kommt, womit sie es sich bei mir verscherzt hat?! ;-)

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