Samstag, 5. Dezember 2015

Gefunden

Ich bin mir nicht ganz sicher, womit mein tiefer und anscheinend recht langer Schlaf auf den schönen weichen Fellen im Bad von Axe beendet wurde. Mir ist allerdings so, als ob es ein Patscher auf meinen Po gewesen sein kann. Aber egal, irgendetwas ließ mich jedenfalls erschrocken zusammenzucken, sodass ich suchend meine Hand nach meinem Herrn ausstreckte. Doch er war weg. Nanu? Irritiert schlug ich meine Augen auf und entdeckte direkt neben mir zwei Stiefel, die mir sehr bekannt vorkamen… sie gehörten nämlich meinem Herrn und das nun recht deutlich in meine Ohren dringende Brummen von der Sorte ungeduldig kannte ich ebenfalls. Hatte ich verschlafen?

Selbstverständlich beeilte ich mich jetzt mich aufzurappeln und ihn mit einem sanften Kuss auf seinen Stiefel zu begrüßen, während er sich erkundigte, warum ich so lange geschlafen hatte. Zum Glück gab mein Herr sich mit meiner Auskunft zufrieden, dass ich schon immer die Veranlagung zu längerem Schönheitsschlaf gehabt habe... er deutete nämlich auf den Kleiderstapel neben mir. Mein Herr war früh aufgestanden und hatte im Dorf eingekauft, weil er mich bei den niedrigen Temperaturen nicht länger nur mit meiner kurzen Tunika bekleidet herumlaufen lassen wollte. Wow… ich gebe zu, über diese Fürsorge war ich total gerührt, denn ich bin doch nur eine Sklavin! Voller Dankbarkeit brachte ich meine Freude über die schönen warmen Sachen zum Ausdruck, indem ich erneut meine Lippen sehr innig auf seine Stiefelspitze drückte.


Der dicke Fellumhang war natürlich viel zu warm, um ihn drinnen zu tragen und schon gar nicht im Bad. Mein Herr erlaubte mir daher, ihn wieder auszuziehen, nachdem ich ihm sämtliche neuen Kleidungsstücke vorgeführt hatte. Andernfalls wäre wohl zu befürchten gewesen, dass ich wegen Hitzestau ein Loch in den Boden gebrannt hätte. Auch in der gut geheizten Hall benötigte ich eigentlich keine so warme Kleidung. Doch in meiner Freude über dieses tolle Geschenk, kam für mich selbstverständlich nicht in Frage, die schönen Sachen auszuziehen, während ich meinem Herrn ein möglichst wenig fettiges Brotfrühstück bereitete. Er befürchtete leider, auf dem Schiff wieder rückwärts essen zu müssen, ist inzwischen aber inzwischen so schlau, dies nicht mehr über die Luv-Reling zu versuchen, sondern in Lee. Sein Magen ist nämlich nicht allzu seetauglich, auch wenn sich die Fische vermutlich gefreut hätten. 

Nachdem auch die Gefährtin meines Herrn gefrühstückt hatte… sie hatte übrigens noch länger als ich geschlafen und vor der Tür ihres Zimmers im Gästehaus ebenfalls ein Paket mit dicker Kleidung gefunden… war es an der Zeit die Reise fortzusetzen. Mein Herr bekam vorher noch ein paar letzte Tipps von den freundlichen Dorfbewohnern für seine Suche nach der Sklavenhändlerin und gab die Geschichte zum Besten, wie schnell ein Sandalen tragender Krieger aus dem Süden auf einer Feier im Norden einen Zeh verlieren kann, wenn er seinen Kopf nicht einschaltet. Den Weg durch die nordische Pampa nach Fehu Isa hätten wir uns jedoch sparen können, denn dort war alles ausgestorben… weit und breit niemand zu sehen, sodass es uns schließlich in ein Dorf namens Sagheerah verschlug.


Die Temperaturen dort waren um einiges wärmer, sodass wir unsere Umhänge auf dem Schiff ließen, auch wenn mir dies bei dem schönen Geschenk aus kuschelig weichem Fell nicht gerade leicht fiel. Da der Krieger von der Brauerei erst kürzlich an diesem entlegenen Flecken Ware ausgeliefert hatte, war der Weg ins Dorf trotz dichtem Gestrüpp schnell gefunden… seine Fußabdrücke konnte man allerdings nicht mehr erkennen. Die Begrüßung des Dorfvorstehers war überaus freundlich, auch wenn mich seine muskulöse, zum Gruß erhobene Pranke und die brummig klingende Stimme dazu veranlassten, mich erst einmal im sicheren Hintergrund hinter meinem Herrn zu halten, bis dieser mit den Fingern nach mir schnippte und dann neben sich zeigte.


Mit Erleichterung hörten wir, dass wir willkommen waren und dann: „Ihr seid bestimmt gekommen, um euer Weib abzuholen? Shani nennt man sie, Sklavenhändlerin aus Jorts Fähre.“ Wir hatten die Herrin endlich gefunden und zwar bis auf einen lädierten Knöchel gesund und munter und im ganzen Stück. Sie hatte wohl Probleme mit ihren kurzfristig für die Handelsreise angeheuerten Söldnern gehabt, die anscheinend gleich an ihrem ersten Ziel das Weite gesucht hatten. Leider kam dann ein Kälteeinbruch mit Schnee, sodass die Herrin offensichtlich lange hatte gelaufen müssen, wenn ich alles richtig mitbekommen habe. Wann, wo und wie es genau passiert war, ging wegen meiner Serviertätigkeit dann aber doch an mir vorbei. Jedenfalls kam irgendwie auch noch diese recht schmerzhafte Blessur am Knöchel dazu, die sie zu einigen Tagen Rast gezwungen hatte, sodass man sich in Jorts schließlich Sorgen um sie machte und mein Herr sich zu dieser Reise entschloss. 


Da es inzwischen spät geworden war, nahm mein Herr die freundliche Einladung des Dorfobersten zur Übernachtung dankend an und beschloss, sich erst am nächsten Tag auf den Rückweg nach Hause zu begeben, zumal von einem Fest am Vortag in der Hall dieses Dorfes noch jede Menge Essen übrig war und uns großzügig angeboten wurde. Es sprach also alles für einen gemütlichen Abend am warmen Lagerfeuer, während die Herrin von ihrer abenteuerlichen Reise erzählte, über die ihr Gefährte sicherlich nicht begeistert sein wird… falls er denn Genaueres darüber erfahren sollte. Die Sklavenhändlerin ist meinem Herrn damit nämlich schon Gefallen Nr. 3 schuldig.


Ich glaube übrigens, der Gefährtin meines Herrn behagte die Übernachtung nicht so wirklich, weil den Männern und ihren Kajirae die Alkoven rechts über der Hall zum Schlafen vorbehalten waren, das Weibsvolk jedoch in der ebenso großen Kammer auf der gegenüberliegenden Seite nächtigen sollte, was mir natürlich ganz ausgezeichnet gefiel. Mein Herr empfand die Unterkunft übrigens als Verbesserung, weil ihm angeblich die LUFT im Bad von Axe zu feucht gewesen war… tja, meine mir auf der Zunge liegende Bemerkung über Feuchtigkeit verkniff ich mir dann aber doch lieber. ;-)

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