Montag, 14. Dezember 2015

Keine unnötige Geldausgabe

Ich hatte gerade oben alle Fenster wieder geschlossen und wollte eigentlich nur noch schnell die Blumen begießen, als ich ein Brummen hörte, das mich veranlasste, schleunigst die Treppe hinunter zu sausen. Mein Herr war nach einem Rundgang durch die Stadt vor dem Beginn seiner Spätwache noch einmal kurz nach Hause gekommen und sein Brummen bezog sich vermutlich auf die sperrangelweit offen stehende Haustür… eine wirklich erforderliche Lüftungsmaßnahme wegen meiner diversen Essensvorbereitungen und dem Braten von Zwiebeln und Speck, obwohl mir echt nichts angebrannt war. Um ihn gar nicht erst auf falsche Gedanken kommen zu lassen, stellte ich zur Ablenkung daher schnell die Frage, ob es im Haus immer noch nach Essen riecht, denn er kam ja von draußen. Puhh, meine Rechnung ging tatsächlich auf.


Anstatt mir einen Anschiss zu verpassen, begann mein Herr nämlich zu schmunzeln und erkundigte sich: „Dita, du willst mir also sagen, dass die Tür nicht die ganze Zeit offen stand, sondern nur kurz?“ Nach meiner Bestätigung interessierte ihn merkwürdigerweise meine Meinung zu seinen Überlegungen, an den Erdgeschossfenstern Gitterstäbe anbauen zu lassen. Tja, wenn er die tatsächlich hören will, muss er damit rechnen, dass es eine andere als seine ist... ich mag nämlich keinen vergitterten Ausblick nach draußen und denke, dank Stadtmauern und bewachter bzw. geschlossener Tore wohnt man in der Oberstadt sehr sicher, Gitterstäbe sind also überflüssig und somit eine unnötige Geldausgabe.

Mit dem Blick nach draußen gab er mir tatsächlich Recht, will aber trotzdem noch weiter über Gitterstäbe nachdenken… er „… mag nicht aufwachen und feststellen, dass das Haus weg ist, weil es geklaut wurde.“ Na gut, denken kostet noch nichts.

Nach dem Eintreffen seiner Gefährtin gab mein Herr der übrigens immer noch offen stehenden Tür einen Schubs, sodass es gewaltig rumste und die Gnädigste nicht nur zusammenzuckte, sondern sich leicht irritiert nach seiner Laune erkundigte. Doch die war ganz hervorragend… zumindest noch. Er kündigte nämlich an, erst dann schlechte Laune zu bekommen, wenn seine neueste Errungenschaft „nackt, blond, weiße Haut“ abhaut, weil ich nicht aufgepasst habe. Na toll, das Ding war anscheinend eine Diebin… warum hatte er sie nicht einfach in den Stadtkennel gesteckt? Meine Begeisterung über diese Aufpasseraufgabe ging fast gegen Null, doch das versuchte ich mir natürlich nicht anmerken zu lassen. Mal sehn, vielleicht gelingt es mir, gewisse Nettigkeiten meines Herrn zu vermeiden, falls die Vulodiebin nicht türmt… wobei ich mir gerade die Frage stelle, ob ihr Abhauen nicht vielleicht weniger schlimm ist?

Nachdem mein Herr dann zur Wache aufgebrochen war, goss ich schnell die Blumen und erkundigte mich schließlich bei seiner Gefährtin wegen der diversen inzwischen wirklich erforderlichen Lebensmitteleinkäufe. Ich hatte sie leider schon zwei Mal aufschieben müssen, weil ich auf dem Hof niemanden angetroffen hatte. Der Gnädigsten fehlte zwar jeglicher Durchblick über die Vorräte… offensichtlich war an ihr vorbeigegangen, dass mein Herr bei der Vorbereitung seiner Rede für den Schuhmacherwirtinheimsteinschwur einer Fressattacke erlegen war… doch verspürte sie Lust zu einem kleinen Spaziergang.

Ob aller guten Dinge drei sind, wollte ich vorerst jedoch noch abwarten, sodass ich die Einkaufskörbe erst einmal zuhause ließ. Doch diesmal hatte ich Glück und eine der Kajirae Hofkriegers öffnete tatsächlich die Haustür.

Ich erzählte ihr, welche Lebensmittel wir brauchten und lief dann eilig zurück zum Haus meines Herrn, um zwei Einkaufskörbe zu holen. Während ich mit meinem Sprint gleich das von ihm verordnete Lauftraining absolvierte, stellte Hadi die von mir genannten Dinge zusammen, die dann flott in meinen herbeigeschafften Körben verstaut waren. Nicht ganz so flott gelang ihr allerdings die Addition der einzelnen Preise, bei der sie auf die unglaubliche Summe von einem Silber und zwei Kupfer kam… unvorstellbar, denn ich hatte bei ihrem Gemurmel der Einzelpreise ungefähr 15 Kupfer ausgerechnet. Letztendlich stellte sich heraus, dass Hadi Silber in Kupfer nicht wie in Jorts üblich mit 1:100 gerechnet hatte. Sowas passiert, weil dieser Umrechnungskurs in jeder Stadt anders sein kann und vielleicht war sie ja gerade erst mit ihrem Herrn auf einer Reise gewesen.


Es zahlte sich jedenfalls aus, dass mir Rechnen schon immer einigermaßen leicht gefallen ist und ich das Haushaltsgeld meines Herrn, der nicht mehr mein Herr ist, immer vollkommen selbständig verwalten durfte, sodass jede Hand meistens etwas übrig war. Als Kajira eines Kriegers mit nur wenig Sold war nicht nur Haushalten wichtig, sondern gutes Kopfrechnen einfach unumgänglich, weil mein Herr von seinem Sold außer Lebensmitteln natürlich auch noch alle sonstigen Ausgaben bezahlen musste.

Nach diesem Einkauf gestern, war ich jedenfalls etwas stolz auf mich. Während die Gefährtin meines Herrn sich nicht weiter darum kümmerte, sondern stattdessen mit der inzwischen aufgetauchten anderen Grünen über Met ohne Alkohol und Kinder schnatterte, gelang es mir nämlich, nicht nur den richtigen Kurs zu bekommen, sondern noch zusätzlich einen guten Hauptmannrabatt heraus zu handeln! ;-))

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