Dienstag, 22. Dezember 2015

Kupfer oder lieber Schläge

Von Sancaris unerlaubtem Dekowahn mit roten und weißen Perlenschnüren hatte ich ja schon berichtet und auch, dass sie alles wieder abnehmen und gemeinsam mit mir den Teppich verkleinern musste, damit sich Rekruten bei einem Anschiss „nicht zu wohl fühlen“. Obwohl ich mir nichts zu Schulden kommen lassen hatte, war zumindest bei mir von „wohl fühlen“ keine Spur bei der Standpauke, die mein Herr Sancari wegen des offen gelassenen Nebentors hielt. Dabei war der Teppich zu diesem Zeitpunkt noch riesig. So bedrupst, wie San zu Boden schaute, bin ich mir fast sicher, dass sie bei seinem Anblick nicht wirklich Trost fand wegen der 10 Strafkupfer, die für ihren Fehler in die Stadtkasse zu zahlen waren… ihren Herrn erfreute sie damit sicherlich nicht. 

Nach dem Donnerwetter und dem Verteilen unserer Vorhang- bzw. Teppichverkleinerungsaufgabe, machte mein Herr sich mit seiner Gefährtin zu einem Spaziergang Richtung Hof auf. Natürlich nutzten San und ich beim Umdekorieren der Fenster die Gelegenheit für einen ausgiebigen Kajiratratsch, denn sie war eine Weile auf den Feldern oder ich weiß nicht wo gewesen und interessierte sich jetzt logischerweise sehr dafür, wie ich von einer Tarnreiterkajira zur Hauptmannskajira geworden war. Doch schließlich war alles fertig und für sie auch an der Zeit, nach den Brauereikesseln zu schauen, während ich erneut zur Schneiderin lief… diesmal wieder ohne Erfolg.


Meinen Herrn und seine Gefährtin traf ich danach vor dem großen Stadttor, wo sie sich mit der zweiten Grünen unterhielten. Trotzdem galt das Interesse meines Herrn nun unseren Bemühungen im Kriegerhaus. Offensichtlich sehr erfreut darüber, dass er sich dort wieder hineinwagen kann, ohne vom Deko-Schlag getroffen zu werden, setzte er dann aber sein Gespräch über die Verlängerung seines Gefährtenvertrags fort und ich erfuhr, dass der Hofkrieger anscheinend die Verlängerung nur bezeugen soll. Zu meiner Erleichterung wird daraus diesmal nicht wieder ein großes Tamtam gemacht, wie es neuerdings bei solchen Anlässen in Mode zu sein scheint. Trotzdem kündigte mein Herr an, mich demnächst mit auf die Jagd zu nehmen… er hatte Appetit auf einen Tabukbraten bekommen.

Juhuuu… in den Wald und nur mein Herr und ich?! Prompt gingen mir jede Menge Fantasien über weiches Moos, piekende Baumnadeln und einsam gelegene Hütten durch den Kopf, wo man vor der hereinbrechenden Dunkelheit wunderbar Zuflucht finden kann. Meine glitzernden Augen fielen seiner Gefährtin übrigens sofort auf, nur führte ihre Bemerkung leider bei ihm zu der Überlegung, ob er nicht lieber alleine gehen sollte. Letztendlich sah er mein Mitnehmen jedoch als eher vorteilhaft an. Schade nur, dass seine Gründe so ganz andere waren, als die in mir herumspukenden und nichts mit meiner „Macht des Anschmiegens“ zu tun hatten, von der er zuvor gerade erst gesprochen hatte. Na toll, vielleicht bezog sich das Anschmiegen auf die Beute, die er mir auf die Schultern binden wollte?!


Ich war am nächsten Tag noch nicht ganz fertig mit ein paar häuslichen Arbeiten, als es an der Haustür klopfte. Es war die Brauereikajira, die meinen Herrn darum bat, etwas mit ihm besprechen zu dürfen. Natürlich ging es um die in die Stadtkasse zu zahlenen 10 Kupfer, für die sie sich mildernde Umstände erhoffte, weil sie schwer beladen gewesen war und deswegen keine Hand frei gehabt hatte. Doch mein Herr ließ sich nicht umstimmen… San hätte zweimal laufen oder zum Schließen des Tores ihre Sachen genauso wieder abstellen können, wie zuvor beim Öffnen. Auch ihr Augenklimpern prallte von ihm ab und genauso wenig interessierte meinen Herrn der Hinweis, dass sie in eine Art Arbeitskoma gefallen war, kaum dass sie das Kriegerhaus erreicht hatte.

Da San keine 10 Kupfer dabei hatte, ließ er sich letztendlich erweichen, ihre Strafe mit 20 Schlägen zu begleichen und war auch mit ihrem Vorschlag einverstanden, die Schläge zu halbieren, indem er ihr anstelle der 20 großen Schläge 40 kleine zugestand. Tja… Sancari bevorzugte dann aber doch die 20, nachdem sie einsehen musste, dass eine Belehrung bei meinem Herrn nicht gut ankommt und er keinerlei Verständnis für ihre buchführerischen Kenntnisse zeigte. Da „je eher heran, umso eher davon“ in solchen Fällen nie verkehrt ist, kam mir nun die Aufgabe zu, San an den Pfahl zu fesseln und mich danach zu beeilen, meinem ziemlich mürrisch wirkenden Herrn seine Kurt zu bringen, diesmal wollte er die mit den harten Riemen.


Während ich jeden Schlag, der auf Sancaris Rücken niederging fast körperlich zu spüren glaubte und mir auf die Unterlippe biss, um keinen Piep von mir zu geben, bewunderte ich sie für ihre Beherrschung, denn außer leisem Stöhnen und unterdrücktem Schluchzen kam lange Zeit kein Ton über ihre Lippen. Erst bei den letzten Schlägen auf die inzwischen gut sichtbaren Striemen, konnte sie ein deutlich zu hörendes Wehklagen nicht mehr verhindern. Leider klang das Brummen meines Herrn aber immer noch mürrisch, als er San die Kurt vor ihr tränennasses Gesicht hielt, damit sie sich mit einem Kuss für ihre Strafe bedanken konnte.

Seine Laune besserte sich auch nicht, als sich zwischen ihm und seiner Gefährtin nun eine eigentlich überflüssige Auseinandersetzung darüber entwickelte, ob der Rücken einer mit der Kurt behandelten Kajira ärztliche Versorgung benötigt, ob das dem grünen Kastenkodex entspricht oder ob es Verhätscheln einer zu Recht bestraften Sklavin ist und die Strafe dann nicht mehr weh tut. Ehrlich gesagt erschloss sich mir nicht, warum die Grüne jetzt auf einmal so ein Tamtam darum machte, hatte sie bei meinen Schlägen vor kurzem doch auch nicht! Außerdem entstehen durch die Schläge einer Kurt nur mehr oder weniger blutunterlaufene Striemen, die zwar sehr schmerzhaft sind, aber keine dauerhaften Schäden hinterlassen und daher keiner Behandlung bedürfen. 

Je kühler die Anworten der Grünen wurden, umso finsterer wurden leider auch die Blicke meines Herrn, die er mir zuwarf, sodass ich mich beeilte, dicht neben ihn zu rutschen, während seine Gefährtin nun tatsächlich den Rücken von San begutachtete. Wie gut, dass ich Kekse gebacken hatte, während mein Herr seinen durch die Nachtwache fehlenden Schlaf nachholte und ihm nun dieses leckere Gebäck zusammen mit einem frisch aufgebrühten Tee servieren durfte. Die Kekse fielen leider etwas klebrig aus, weil ich es mit dem Honig zu gut gemeint hatte, doch daran störte sich mein Herr zum Glück nicht… er liebt ja Süßes. 


Vielleicht trugen die Klebkekse ein wenig dazu bei, dass er die Bestätigung seiner Gefährtin über die Ausgewogenheit seiner Schläge mehr oder weniger von sich abprallen ließ. Es war ja wie gesagt nicht das erste Mal, dass er eine Sklavin mit der Kurt bestraft hatte. Während sich die Gnädigste nun dem Streicheln ihres Giannis hingab, hätte seine an mich gerichtete Warnung übrigens nicht deutlicher sein können und ist angekommen: „San kann froh sein, dass sie nicht mir gehört… Dita wäre nicht so einfach davon gekommen… da leg ich hohe Maßstäbe an.“ Ich bin mir sehr sicher, dass ich diese Maßstäbe nicht näher erkunden möchte, denn so viel Honig kann ich in den Teig zukünftiger Kekse wohl doch nicht hinein rühren, um damit eine mildernde Wirkung bei meinem Herrn zu erreichen.

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