Mittwoch, 16. Dezember 2015

Sandalen

So tief und gut wie in dieser Nacht auf den dicken Fellen vor dem Lager meines Herrn, habe ich noch nie im Hauptmannhaus geschlafen. Es ist eben doch ganz anders, sich jederzeit recken und strecken zu können, ohne meine Füße und Beine zwischen den Gitterstäben des Sklavenkäfigs durchfädeln zu müssen. Doch darüber würde ich mich selbstverständlich nie beschweren. Außerdem liebt mein Herr anscheinend Gitter… ob er vielleicht so eine Art Klau-Phobie hat?

Super gut gelaunt machte ich mich schnell etwas zurecht, bürstete vor allem meine langen Locken  kräftig durch und hüpfte zwei Stufen auf einmal nehmend die Treppe hinunter. Ich hatte unten nämlich die Stimme meines Herrn gehört, die allerdings wie immer in sein typisches Brummen überging, kaum dass er mich sah. Leider ist diese Sorte Brummen vollkommen undefinierbar, ohne auch nur einen Hauch von Hinweis über seine Laune zu geben. Doch anscheinend war er an diesem Tag gut drauf und legte seine Hand leicht wuschelnd auf meinen Kopf, wobei sich eine sanfte Wärme in mir breit machte.

Während ich das neue Kleid der Gefährtin meines Herrn zu bewunderte, freute ich mich darüber, dass ihr die von mir vorgeschlagene neue Frisur immer noch sehr gut gefiel. Stets auf ihren guten Ruf bedacht… sie ist schließlich von hoher Kaste… hebt sie sich wirklich mit ihren unterschiedlichen Hochsteckfrisuren von anderen freien Frauen ab, die darauf nicht so viel Wert legen und teilweise sogar mit kurzen Ärmeln und tief ausgeschnittenem Dekolletee eine Menge Haut zeigen.

„Dita, es ist kalt geworden… du gehst jetzt 5 Ehn nach draußen, wenn dir dann immer noch warm ist, kannst du barfuß laufen“, ließ sämtliche Alarmglocken auf einmal in mir läuten. Args… war die Laune meines Herrn doch nicht so gut wie ich angenommen hatte? Mir wurde sofort klar, welche Kleidung er an diesem Tag an mir zu sehen wünschte. Leider hatte er mir damit echt einen Strich durch die Rechnung gemacht, denn schon beim Aufwachen hatte ich mir vorgenommen, die warmen Sachen anzuziehen, die er mir im Norden gekauft hatte und zwar ganz ohne Gezeter, um ihn zu überraschen. Außerdem hoffte ich, endlich die neuen Sandalen abholen zu können.

Die 5 nackten Ehn draußen waren eigentlich überflüssig und vergingen gähnend langsam. Vor dem Haus stand zwar die Kajira mit dem erhöhten Wärmebedürfnis, diesmal allerdings ohne Fellmütze. Dafür war sie extrem schlecht gelaunt. Bevor ich mich jedoch anschweigen ließ, leistete ich lieber dem schlafenden Sleen im Garten Gesellschaft, nachdem ich mich vorsichtshalber bei meinem Herrn erkundigt hatte, ob die 5 Ehn nicht vielleicht schon vorbei waren. Grr… waren sie leider nicht. Das untätige Herumstehen und darauf warten, ob mir kalt wird, war echt total langweilig. Ich befürchte, ich habe mich im Ehntakt nach der Zeit erkundigt, die ich noch ausharren musste.

Sonderlich kalt wurde mir in dieser kurzen langen Zeit allerdings nicht. Trotzdem beeilte ich mich meinem Herrn schließlich zu bestätigen, dass es draußen tatsächlich nicht so warm war wie am Vortag, allerdings auch nicht richtig kalt. Uff… die Priesterkönige und vor allem mein Herr müssen nun ein Einsehen gehabt haben… ich durfte die schönen Sachen aus dem Norden anziehen. Selbstverständlich kam ich diesem Wunsch eiligst nach, zumal ich diese Kleidung doch sowieso hatte anziehen wollen, auch ohne Kältetest. Danach erkundigte ich mich, ob ich wegen der Sandalen noch einmal zur Schuhmacherwirtin laufen durfte, was mir brummend erlaubt wurde. 


Mir war inzwischen wirklich klar geworden, dass ich um die Dinger nicht herum kam und außerdem erzeugte die Fürsorge meines Herrn ein ganz warmes Gefühl in mir… oder lag das an der warmen Kleidung? Egal, ich sputete mich, einen weiteren Sandalenversuch schnell hinter mich zu bringen und konnte kaum glauben, dass die Herrin tatsächlich zu Hause war. Tja… es kam sogar noch besser, denn die Sandalen waren fertig und saßen wie für mich gemacht. Das Gefühl unter meinen Fußsohlen war jedoch sehr ungewohnt und ich bildete mir ein, ich würde wie ein Thalarion trampeln. Auch an den Anblick meiner sandalten Füße muss ich mich erst noch gewöhnen und blieb auf dem Rückweg immer wieder stehen, um mir die Dinger anzuschauen… so schlecht sahen sie eigentlich gar nicht aus.


Mein Herr war jedenfalls zufrieden und nur das zählt für mich. Aber auch seiner Gefährtin sagten die Sohlen mit den dünnen Riemchen zu, die unter medizinischen Gesichtspunkten ja immer sehr darauf achtet, dass ich nicht zu viel Kontakt mit kalten Steinen habe. Endlich warm genug eingepackt stand einem Getränk am Hafen also nichts mehr im Wege. Mein Herr bevorzugte wegen der etwas kühleren Temperaturen übrigens Tee mit Honig, allerdings ohne Pagaschuss, während er sich mit dem Ersten Schwert über die Planungen für das neue Badehaus unterhielt und ankündigte, gründlich ausprobieren zu wollen, ob das Auflegen kleiner warmer Steine besser ist oder doch sanft knetende Kajirahände… na, das ist doch wohl oberklar! ;-))

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