Donnerstag, 3. Dezember 2015

Was andere nicht können?

Ich beeilte mich ganz gewaltig mit der Erledigung meiner Hausarbeiten und goss zuletzt noch schnell das Gianni der Grünen, bevor ich die Blumen ins Körbchen scheuchte… achnee, umgekehrt. Hoffentlich habe ich tatsächlich nicht vergessen, die Blumen zu gießen, nachdem es mir endlich gelungen war, das um meine Beine wuselnde Gianni satt zu bekommen und von einem Verdauungsschläfchen zu überzeugen. Nicht auszudenken, wenn ich Lilly aus Versehen zur Haustür hinaus gefegt hätte, denn ich hatte es ziemlich eilig, da mein Herr und seine Gefährtin bereits in die Stadt gegangen waren und womöglich halb verdurstet schon auf mich warteten.

Weit waren sie allerdings noch nicht gekommen, sondern nur bis zum großen Stadttor, wo sie sich mit einem der jortsschen Krieger über die 800 Jahr Feier in Belnend am Ende der Hand unterhielten. Lustig fand ich, dass mein Herr mich mit „Tal MEINE Sklavin“ begrüßte und dabei „meine“ besonders betonte, bevor er mir auftrug, für die geplante Reise rechtzeitig alles vorzubereiten. Er will dorthin nicht nur wegen der freundschaftlichen Beziehungen oder um sich auf Kosten des Bündnispartners voll zu schlagen, sondern auch wegen einer noch ausstehenden Lieferung von 10 Thalarions. Aufgrund der inzwischen wirklich langen Wartezeit auf die Viecher, hofft er für den gleichen Preis nun 15 Tiere zu bekommen… ich bin gespannt, ob es klappen wird.

Mist, leider hat er noch nicht entschieden, ob ich ihn begleiten darf und mit der Anrede seiner Gefährtin habe ich nicht wirklich bei ihm gepunktet. Ich hatte die Gnädigste nämlich „Herrin“ genannt und nicht „meine Herrin“, weil „meine“ mir bei dieser Freien quer im Hals liegt, denn ich bin doch nicht ihr Eigentum! Genau wie der Name meines Besitzers auf meinem Kragen, hat es für mich schon immer eine sehr große Bedeutung gehabt, jemanden mit „mein“ oder „meine“ anzureden… dieses Possessiv ist nämlich für meinen jeweiligen Eigentümer bzw. Eigentümerin reserviert. Tja, nur hat leider mein neuer Herr dafür keinerlei Verständnis. Trotz klarer Eigentumsverhältnisse muss ich seine Gefährtin mit „meine Herrin“ ansprechen und ihr genau wie ihm bei der Begrüßung meine Demut zeigen… ein Wunsch, den ich zu erfüllen habe, egal ob ich ihn unpassend finde oder nicht.

Leider unterlief mir wenige Ehn später schon der nächste Patzer, der ein Brummen der Sorte „gefährlich“ bei meinem Herrn erzeugte, während ich gleichzeitig seine Hand auf meinen Kopf spürte, die meine Haare ziemlich fest packte. Dem ersten Schwert war offensichtlich das betonte „MEINE Sklavin“ nicht entgangen, sodass er sich nun erkundigte, ob mein verschollener Herr tot ist. „Mein Herr ist nicht tot!“ platzte es bei diesen Worten prompt aus mir heraus… eine empörte, leider sehr unbedachte und ich muss eingestehen, falsche Äußerung von mir, denn mein Herr ist ja nicht mehr mein Herr. Dennoch kann und will ich sowas vollkommen Unvorstellbares einfach nicht glauben und werde auch nie die Hoffnung aufgegeben, dass mein jetzt nicht mehr Herr irgendwann heimkehren und sein Eigentum zurück fordern wird. 


„Dita, willst du einem Freien widersprechen? Du gehörst jetzt mir und ich mag solche Ausbrüche nicht von meiner Sklavin!“ war eine sehr eindeutige Warnung, die mich eiligst veranlasste, mich für mein Vergehen zu entschuldigen. Vielleicht ahnte mein neuer Herr, welche Gefühlsturbulenzen gerade in mir tobten, auch wenn ich sie selbstverständlich zu verbergen versuchte, indem ich meinen Kopf tief senkte und mich auf eine Fuge zwischen den Pflastersteinen direkt vor mir konzentrierte. Plötzlich wuschelte er nämlich sehr sanft durch meine Haare und lenkte mich mit diesem schönen Gefühl von dem in mir hochsteigenden Kummer ein wenig ab, auch wenn ich kaum glauben konnte, dass sich die Hand des Hauptmanns so gut anfühlen kann.

Leider währte der schöne Moment nicht allzu lange, da ich nun gefragt wurde, ob ich lesen und schreiben kann, was ich selbstverständlich bejahte, weil ich doch so stolz darauf bin. Allerdings gestand ich auch ein, mit Tinte ein wenig auf Kriegsfuß zu stehen, um meinen neuen Herrn schon mal rechtzeitig auf den einen oder anderen unvermeidbaren Klecks vorzubereiten, falls er mir irgendwelche Schreibarbeiten geben sollte. Meine beim Hantieren mit Feder und Tinte sich stets wie von alleine verfärbenden Lippen verschwieg ich ihm dann aber lieber doch, da die Pflastersteine inzwischen platt genug getreten waren und das Erste Schwert vorschlug, sich irgendwo zu setzen, sodass das Thema mit einer Ermahnung, zukünftige Tintenkleckse zu vermeiden, erledigt war.


Mein Herr wählte diesmal nicht die Gasthausterrasse, sondern zu meiner Freude die Sitzgelegenheiten vor der Taverne. Ich mag das Treiben dort… also den Trubel am Hafen… und vor allem den schönen Blick über den Vosk zum Leuchtturm. Während ich mich um die Getränke für die drei Herrschaften kümmerte, gesellte sich noch die zweite Grüne dazu, die sich schrecklich leid tat und Trübsal blies wegen ihres Gefährten, den sie an diesem Tag noch nicht gesehen hatte… anscheinend auch sonst niemand. Mein Herr und auch das Erste Schwert verstanden das Getue dieser Freien um den Hofkrieger überhaupt nicht, denn Jorts ist und bleibt Jorts und wird nicht untergehen, nur weil einer der Bewohner mal nicht da ist, meinte mein Herr dazu nur trocken und wandte seine Blicke mir zu. 


Inzwischen konzentrierte ich mich darauf, ihm seinen Paga zu bringen und blendete alles um ihn und mich herum einfach aus, nachdem ich dicht vor ihm niedergekniet war. Entgegen seiner mir bislang bekannten Gepflogenheiten hatte mir nämlich befohlen, ihm zu zeigen wem ich gehöre. Bei einem so ungewöhnlichen Wunsch legte ich mich logischerweise ganz gewaltig ins Zeug und beobachtete ihn aus dunklen Augen, die bei den in mir keimenden rotseidenen Gefühlen vermutlich immer dunkler wurden, während ich dem Weg des Bechers über meinen Körper nachspürte und mir dabei vorstellte, es wären seine Hände. Außerdem musterte er mich auf eine für mich neue, sehr intensive Art und rieb seinen Fuß leicht an der Innenseite meiner weit gespreizten Schenkel, sodass heiße Schauer durch mein Inneres liefen. 

Trotzdem gelang es mir, ihm nach einem innigen Kuss auf den Rand des Bechers, schließlich seinen Paga zu reichen, ohne auch nur einen einzigen Tropfen überschwappen zu lassen. Bei seinen sonst eher üblichen Kopfpatschern ist dies meistens so gut wie unmöglich, außer der Paga ist sehr vornehm eingeschenkt, wofür man in der Regel jedoch noch einen zusätzlichen Ditscher kassiert. Während sich das Gespräch in meinen Augen überflüssigerweise immer noch um Gefährtenschaften drehte und ob sie mehr als ein Handelsvertrag sind oder nicht… für das Vergnügen gibt es schließlich Kajirae… genoss ich umso mehr die weiteren, sehr sanften Zuwendungen meines Herrn. Er hatte mir sogar erlaubt, mich an sein Bein anzuschmiegen und strich immer wieder mit seinen Fingern durch meine Haare, bevor er sie langsam tiefer zu meinem Kragen wandern ließ. Leider schickte er mich plötzlich als Paketdienst zum Schmied, um ein Paket für die Sklavenhändlerin abzuholen, das er für sie in Verwahrung nehmen sollte.

Schade, dass ich den schönen Platz an seinem Bein verlassen musste und auch nicht mehr mitbekam, was er auf die Frage des mittlerweile aufgetauchten, mich nachdenklich musternden Kriegers vom Hof antwortete: „Was kann die, was die anderen nicht können, Kommandant?“ Aber eine Kajira muss natürlich auch nicht alles mitbekommen. Dem Schmied schien mein Paketdienst offensichtlich nicht so ganz in den Kram zu passen, da er sich anscheinend gerade mit der Bestrafung des ziemlich mitgenommen aussehenden Sklaven seiner Gefährtin befasst hatte. Brummend teilte er mir allerdings mit, er habe sogar zwei Pakete für meinen Herrn und überreichte mir eine kleine Kiste mit Sklavenkragen, die ich nach einem kurzen Kajiratratsch mit Hadi eilig zum Hafen brachte. Dort stellte ich fest, dass der sonst wirklich immer total nette Schmied den Kajirus inzwischen recht unwirsch zum Hafen geschleift und meinem Herrn zur Aufbewahrung übergeben hatte, sodass mir nun schwante, an welches Paket mein Herr gedacht hatte... offensichtlich nicht an eine Collar-Kiste! 

1 Kommentar:

  1. guten Morgen,
    vielen dank für eine erheiternde Geschichte.
    Die Idee zur erste Hälfte fand toll und vielleicht ist dir ein netter Weg eingefallen wie du um das "Meine Herrin" herum kommen kannst.

    Prompt ist mir dazu folgendes eingefallen:
    "m eine Herrin"; "mei ne Herrin"; "mein e Herrin"

    ob sie das mit der Begründung eines Sprachfehlers schlucken? Vielleicht verkaufst du das als folge der Kajira-Kopfdischer.

    lg Sima

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