Mittwoch, 16. Dezember 2015

Zart besaitet

Mein Herr unterwies gerade eine Sklavin in Sachen Bandschutzmaßnahmen, als ich mich zu ihm und seiner Gefährtin vor seinem Haus dazu gesellte, nachdem ich drinnen soweit alles erledigt hatte. Es ging aber auch um irgendeine Spritze, die die Sklavin bekommen sollte… ich glaub wegen Stottern durch Kuchengelüste oder weil das Mädchen trotz der recht milden Temperaturen fror und sich in dicke Sachen gehüllt hatte… was mich selbstverständlich nichts anging und Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden.

Irritierend fand ich nur, dass mein Herr beim Anblick dieser eingepackten Sklavin nun meinte, es sei kühler geworden und dann an die Sandalen erinnerte, dich ich trotz mehrfacher Versuche immer noch nicht von der Schuhmacherwirtin hatte abholen können. Wobei die Dinger ja eh nicht viel bei Kälte taugen. Leider interessierte ihn kein bisschen, dass meine Füße überhaupt nicht zart besaitet bin und mir außer bei frostiger Kälte und Schnee sowieso nie kalt ist. Er ignorierte einfach meinen in seine Richtung zum Kontrollieren ausgestreckten Fuß und wollte mir statt Wärmetest lieber von seiner Gefährtin eine Spritze in selbigen verpassen lassen. Warum was auch immer in meinen Fuß gespritzt werden sollte blieb unklar, aber auch die Injektion zum Glück aus. Fürsorge hin oder her, meine Füße sind genauso gesund wie ich und stets warm!


Irgendwann schwante mir dann, dass dieses Mädchen glaubte, es habe ein Wintereinbruch stattgefunden, weil sich an einigen Bäumen Äste weiß verfärbt hatten und vermutlich abgestorben waren. Ich bin zwar keine Fachkajira für Forstwirtschaft und GALA Bau, nur kann es noch keinen Frost gegeben haben, solange unter besagten Bäumen sämtliche Blumen noch so farbenprächtig blühen… ihre Blüten wären nämlich als erstes erfroren. Leider stellten sich meine wie ich fand sehr logischen Argumente jedoch als Fehler heraus. Mein Herr WOLLTE, dass es kühler ist und demnächst Schnee fällt, dass ich Sandalen trage und mich mit wärmerer Kleidung bedecke… mein leicht bekleideter Anblick erfreute ihn offensichtlich nicht.

Je länger ich beteuerte wie kernig ich bin, umso gefährlicher wurde sein Brummen, während ich immer verzweifelter wurde. Ständig fand er neue Dinge, die an mir auszusetzen waren: Ich hatte kein Heu geholt… natürlich nicht, es lagen noch 2 Ballen vor dem Sleenkäfig! Ich hatte den Käfig noch nicht ausgemistet… wann hätte ich das machen sollen? Die Beschaffung neuer Lebensmittelvorräte war mir wichtiger erschienen und erst nach einigen vergeblichen Versuchen gelungen. Außerdem hatte ich diverse Male umsonst bei der Schuhmacherwirtin vorbei geschaut… das Weib war einfach nicht aufzutreiben! Und um die Reparatur seines Zeltes hatte ich mich ebenfalls gekümmert… mal abgesehen von meinen üblichen Hausarbeiten. 

Meine Prioritäten waren offensichtlich komplett andere als die meines Herrn… aber ich bin ja auch nur eine nicht hellsehen könnende Kajira, die ihm wie gewünscht zwar die Kosten der Zeltreparatur nennen konnte, aber nicht den Preis für ein neues. Warum auch danach fragen… 10 Kupfer für die Reparatur eines ansonsten noch guten Zeltes war doch ok?! Gar nicht ok an diesem grauenvollen ersten Tag der neuen Hand war letztendlich auch die Reihenfolge meiner Aufträge, wie ich sie verstanden hatte. Mein Herr wünschte plötzlich nun doch nicht, dass ich erst seinen Sleen versorge, danach zur Schuhmacherwirtin laufe, bevor ich dem Sattler seinen Entschluss hinsichtlich der Zeltreparatur mitteile und mir zuletzt irgendeine Spritze in den Fuß geben lasse. 

Stattdessen durfte ich mich zuallererst… und zwar noch vor den Sandalen… um ein neues, haltbares, gut aussehendes Zelt kümmern, das einem Hauptmann angemessen ist und Platz für 4 Personen bietet. Während mein Herr mir nun ein Silber in die Hand drückte erwähnte er noch, dass er einen anständigen Preis erwartet. Menno, ist das nicht sowieso selbstverständlich und versuche ich nicht sowieso immer zu handeln? Ich hab bei den Vorräten doch sogar 20 % Hauptmannrabatt bekommen, diese Selbstverständlichkeit meinen Herrn gegenüber aber natürlich nicht erwähnt.


Wenigstens die Priesterkönige hatten nach mindestens 5 Ehn Klopfen und leicht wunden Fingerknöcheln ein Einsehen mit mir, als der Sattler endlich seine Tür öffnete. Sichtlich erstaunt, dass es nun ein neues Zelt sein sollte, weil das alte doch einfach zu reparieren und ansonsten in einem guten Zustand ist, ließ er sich diesen Auftrag dennoch nicht entgehen. Die bis auf den Riss bestätigte gute Qualität war für mich natürlich sofort ein Grund, ihm das Teil zur Inzahlungnahme anzubieten. Schmunzelnd meinte er: " Dina, du handelst nicht schlecht. Also gut... ich rechne das alte mit 10 Kupfer an." Damit er keine Vorschussleistungen erbringen muss, versuchte ich ihm noch Vorauszahlung zusätzlich schmackhaft zu machen und erhoffte mir dadurch einen weiteren Preisvorteil… doch das widersprach wohl seiner Handwerkerehre, er nimmt von seinen Kunden grundsätzlich erst hinterher Geld, wenn sie mit seiner Arbeit zufrieden sind.

Da die Schuhmacherwirtin nach diesem wie ich fand guten Handel erneut nicht anzutreffen war, blieb mir nichts anderes übrig, als in Sachen Sandalen unverrichteter Dinge zu meinem Herrn zurück zu laufen. Doch nahm er dies erstaunlich gelassen und lobte mich sogar für den Preis beim Sattler. Meine trübsinnige Stimmung hob sich zwar etwas, doch trotzdem blieb ich weiter ein wenig geknickt darüber, meinem Herrn außer dem Zeltkauf nichts recht gemacht zu haben… ich bin zwar nur eine Kajira, aber auch ein Mensch und manchmal eben etwas zarter besaitet. Daher war ich ganz froh, mich nun um neues Heu im Sleenkäfig kümmern zu dürfen. Dort hinten in der Ecke des Gartens war ich sozusagen unsichtbar und konnte ein wenig meinem Frust frönen, indem ich den Stinker anzischte, sich ja nicht mit mir oder der Schaufel anzulegen, die er anscheinend als neues Spielgerät ansah. Wenigstens hier hatte ich die Oberhand und musste nicht klein beigeben… ok, nur solange das Viech in seinem Käfig war.

Ich glaube, mein Herr muss gespürt haben, wie sehr ich an diesem Tag neben der Spur war und um wen meine Gedanken in meiner Verzweiflung schon wieder kreisten, denn plötzlich rief er mir zu, das Stroh im Sleenkäfig habe noch Zeit. Kaum neben ihm, legte er seinen Arm um mich, um mich an sich zu ziehen und mich einfach nur festzuhalten, so als ob er mich gar nicht mehr loslassen will. Das war ein total schönes Gefühl, trieb mir aber auch vor Glück fast die Tränen in die Augen, während ich mich endlich etwas entspannte und sehr dankbar an meinen Herrn anschmiegte. Leider stellte er mir dann jedoch die Frage: „Dita ist es schrecklich meine Sklavin zu sein?“ Meine wie ehrliche Antwort „Ja mein Herr… manchmal schon“ führte dazu, dass ich sie meinem Herrn später bei einer sanften Rückenmassage näher erklären musste… wieder habe ich etwas dazu gelernt. ;-)

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