Sonntag, 31. Januar 2016

Besuchstag

Seine Hand auf meinen Kopf legend erkundigte sich mein Herr, ob ich an diesem Tag gut gearbeitet hatte. Trotz dieser Berührung ohne Patschen, veranlasste mich die Frage innerlich in „hab Acht Stellung“ zu gehen. Eilig versicherte ich ihm daher, dass ich selbstverständlich mein Oberallerbestes gegeben hatte und berichtete ihm, vom immer noch im Garten liegenden Tabuk links und rechts der Wirbelsäule je ein Stück abgesäbelt zu haben, um daraus Braten zu machen. Leider wusste ich nur nicht, ob der überhaupt etwas werden würde, da das Fleisch noch in einer Lake aus Kräutern und jede Menge Gewürzen lag. „So, so… Braten aus dem Tabuk, das wir erlegt, aber nicht wirklich haben ausbluten lassen und einfach mit Fell in den Garten geworfen haben?“, ließ mich schnell noch ergänzen, dass das Fleisch nicht samt Fell in der Lake lag, sondern nackt.

Diese Aktion war übrigens nicht leicht gewesen. Doch mein Herr interessierte sich weder für den Braten, noch meinen heldenhaften Einsatz, den ich ohne mir einen Finger mit dem superscharfen Messer zu amputieren oder andere Verletzungen überstanden hatte. Es war nämlich nicht einfach gewesen, das Fleisch aus dem über Nacht steif gefrorenen Viech heraus zu schneiden. Den Rest hatte ich großzügig Fenris zugedacht. Diese Fürsorge für seinen stinkenden Sleen fand bei meinem Herrn zwar Zustimmung, nicht jedoch, dass das Tabuk immer noch im Garten lag, anstatt zerlegt im Fass mit den Vorräten für Fenris zu stecken. Mir blieb also nichts anderes übrig, als nun unter den kritischen Blicken meines Herrn diese Arbeit endlich anzugehen.

Die Details spar ich mir jetzt lieber, zumal ich alles Fiese mehr oder weniger verdrängt oder mit geschlossenen Augen gemacht habe, nachdem ich vor jedem Hacken einige Male ohne zuzuschlagen die Zielrichtung meines Beils festgelegt hatte. Zum Glück spritzte kein Blut, da das Tabuk wie gesagt streif gefroren war. Übrigens interessierte sich mein Herr besonders für das Horn des Viechs. Es gefiel ihm, sodass er nun überlegte, einen Helm mit dem Horn als Spitze oben drauf anfertigen zu lassen, den er mir dann beim nächsten Training aufsetzen will, um mich als Tabukersatz realistischer aussehen zu lassen. Ich denke es ist nachvollziehbar, dass ich mir dazu lieber jeden Kommentar verkniff.

Wie gut, dass in dieser Ehn die Schneiderin auftauchte und über dem Arm die neue Uniform meines Herrn mitbrachte, sodass er meine laienhafte Stümperei mit dem Beil nur noch nebenbei beachtete und korrigierte, bis ich schließlich das zerlegte Tier ins Fass stopfen konnte. Ihn interessierte jetzt vor allem, wie seine Rede am Vortag der Frau gefallen hatte. Tja, ich war mir eigentlich sicher, das Weib nicht im Ratssaal gesehen zu haben und lag damit auch tatsächlich richtig. Wegen ihrer guten Auftragslage hatte sie keine Zeit gehabt, sich dort einzufinden, dafür war nun aber die neue Uniform meines Herrn tatsächlich fertig. 


Nachdem das Ergebnis aus rotem Stoff und Leder eine erste kritische Musterung meines Herrn bestanden hatte, wollte er die neue Kleidung natürlich sofort anprobieren, sodass die Herrin auf einen Tee ins Haus kam, während er zum Umziehen nach oben stampfte. Es dauerte auch nur wenige Ehn mit unverständlichem Gebrumme, bis mein Herr am Tunikarock zerrend die Treppe wieder herunter gestampft kam. „Zu eng, zu weit, zu rot?“ erkundigte sich die Schneiderin sofort, während ich vom Anblick meines Herrn total fasziniert war. Die Freie hatte es tatsächlich geschafft, diese Uniform genau wie die anderen meines Herrn hinzubekommen, sodass man fast glauben konnte, er habe sich gar nicht umgezogen.

Einziges Problem war, er meinte zu viel trainiert und dadurch an Bauchmuskeln zugelegt zu haben. Irgendetwas kniff ihn offensichtlich in der Taille, sodass mir schwante, er hatte den sozusagen noch jungfräulichen Gürtel womöglich ein Loch weiter als sonst zugezogen und enger geschlossen. Da ich genau weiß, wie sich die Weite anfühlt, wenn ich meine Hände sanft unter den Gürtel des Kilts schiebe, um das Oberteil meines Herrn heraus zu zuppeln, bestätigte sich meine Vermutung umgehend. Das Kneifen konnte ich durch Verstellen des Gürtels schnell beheben und wurde mit einem gebrummten „sitzt jetzt besser… Dita, was hast du gemacht, du bist doch keine Schneider Sklavin!“ belohnt.

Da ich mit meinen kajiramäßig über den Oberkörper meines Herrn streichenden Händen sofort feststellte, dass das neue Oberteil gar nicht perfekter hätte sitzen können, denn es kleidete ihn quasi wie eine zweite Haut, äußerte er nach einem Blick auf mich und die mir offensichtlich ins Gesicht geschriebene Begeisterung seine Zufriedenheit mit der Arbeit der Schneiderin. Sichtlich erleichtert sprang die Herrin prompt auf, um zurück in ihre Werkstatt zu eilen. Sie wollte nämlich den Auftrag des Schmieds vor ihrem Heimsteinschwur noch fertig bekommen, damit der Herr seine einleitenden Worte nicht mit nacktem Oberkörper halten musste… hmmm, irgendwie schade, denn nicht nur der Körper meines Herrn, sondern auch der des Schmieds kann sich wirklich sehen lassen.

Lustig war übrigens, dass die Schneiderin fast die Faust des ersten Händlers auf die Nase bekam, als sie das Haus meines Herrn verlassen wollte… er holte in dem Moment nämlich gerade aus, um anzuklopfen, konnte den Schwung aber zum Glück in eine andere Richtung lenken. Hatte mein Herr heute Besuchstag? Nun ging es jedoch nicht mehr um Kleidung, sondern um die kurz bevorstehende Neueröffnung der Taverne und ob der Stadtrat der Verpachtung an den Händler inzwischen zugestimmt hatte. Wieso die beiden Männer sich überhaupt noch über einen schriftlichen Vertrag unterhielten, erschloss sich mir allerdings nicht, denn anscheinend herrschte bereits Einigkeit und es gab auch keinen Einspruch gegen die Pacht… sind mündliche Absprachen nicht genauso gültig wie schriftliche? 

Aber vielleicht habe ich das Gespräch auch nicht richtig mitbekommen, da ich mich inzwischen um die Getränke der Herren kümmerte und dabei ganz schön ins Schwitzen kam. Nein… nicht, weil ich dem Händler seinen Paga in einem Becher statt der von ihm bevorzugten Schale servieren wollte. Nach meinem Hinweis hatte er sich nämlich für ein Wasser entschieden, weil ihm ein Paga im Becher angeblich nicht schmeckt. Ich schwitzte und haderte mit mir, ob genug Zeit war oder doch nicht, mich wieder auszuziehen, bevor ich den Herren ihre Getränke servierte... mein Herr wünscht mich zuhause ja nackt und wenn männlicher Besuch da ist natürlich auch.

Mist, meine Entscheidung erst zu servieren, damit die Kehlen der Herren befeuchtet werden konnten, war leider verkehrt und sein Haus verlassen wollte mein Herr auch nicht mehr. Kaum hatte ich das Wasser seinem Gast angereicht, der seine Hand dabei übrigens auf meinem Schenkel ruhen ließ, dass mir noch heißer wurde, brummte mein Herr auch schon „Dita, ich zähl bis drei“ und veranlasste mich, mich meiner Kleidung eiligst zu entledigen, bevor er überhaupt mit „eins“ angefangen hatte. Inzwischen hatten die Herren jedoch alles besprochen, sodass sich der Händler leider schon wieder verabschiedete, um die letzten Vorbereitungen in der Taverne zu überwachen… in Anbetracht der Vuloschar seiner Gefährtin sicherlich eine notwendige und sinnvolle Entscheidung. 


Trotz seiner Eile ließ er es sich jedoch nicht nehmen, im Vorbeigehen noch kurz meine nackten Brüste zu berühren, bevor er mit einem gemurmelten „du fasst dich noch genauso gut an wie früher“ dann endgültig Richtung Taverne davon eilte und ich meinem Herrn nackt noch einen zweiten Paga servieren durfte, der es allerdings in sich hatte… doch Näheres dazu verkneif ich mir mal, da es hier sicherlich niemanden so genau interessiert. ;-))

Samstag, 30. Januar 2016

25 Seiten vor die Tarsk

Eigentlich war es noch viel zu früh, um im Fellumhang ausgehfertig im Wohnraum zu stehen, sodass ich mich eilig bei meinem Herrn erkundigte, ob ich noch etwas Holz im Küchenofen nachlegen soll. Ich war zwar wie immer nackt und fand es trotzdem mollig warm im Raum, wollte aber selbstverständlich nicht, dass er fror. Doch ihm war gar nicht kalt gewesen. Mein Herr hatte sich nur einfach schon mal in Schale geworfen, um rechtzeitig bereit zu sein, während er seine Rede für die anstehende Gefährtenschaft zwischen dem Brauer und der Wirtin gedanklich noch einmal durchging. Beim Erwähnen seines 27seitigen, eng beschriebenen Redemanuskripts machte sich übrigens leichte Panik in mir breit. Mein Herr fragte mich nämlich, ob ich seinen Text auswendig gelernt hatte, damit ich ihm notfalls als Souffleuse dienen kann. 


Args, das hatte ich natürlich nicht! Warum auch, war ich doch total überzeugt davon, dass er keinen Hänger haben würde. Vorsichtig gab ich zu bedenken, dass die beiden Fastgefährten doch eigentlich auch gar keine lange Rede erwarteten… wobei mir sowieso nicht klar war, ob die beiden in meinen Augen eher planlosen Freien überhaupt irgendetwas erwarteten. Egal, einzig wichtig war, mein Herr hatte eine extralange Rede vorbereitet, um die Gäste besonders hungrig zu machen. Mit „Dita, zieh dich an… wir gehen los und schauen, ob im Ratssaal alles in Ordnung ist“, war das Thema dann allerdings durch, obwohl ich gerne noch erfahren hätte, welche Sklavin der Brauereikrieger zum Anreichen des Kalanakelchs gewählt hatte, doch das hätte auch mein Herr gerne gewusst. 

Im Ratssaal war selbstverständlich alles in Ordnung und auch der Kalana war bereitgestellt, denn darum hatte ich mich gekümmert. Zwei wichtige Fragen waren meinem Herrn jedoch immer noch unklar… würde der Brauereikrieger überhaupt auftauchen und falls ja, würde er tatsächlich ein Schriftstück dabeihaben? Eine Gefährtenschaft ist ja nichts anderes als ein Vertrag, der allerdings auch mündlich geschlossen werden kann, denn die meisten Goreaner können nun mal nicht lesen. Es blieb also spannend und ich verstand meinen Herrn wirklich gut, dass er gerne näher gewusst hätte, wie die Vereinbarung zwischen den beiden angehenden Gefährten aussehen sollte, falls es tatsächlich kein Dokument gab, dessen Inhalt sie mit ihren Unterschriften bekundeten. 

Inzwischen tauchten die ersten Gäste auf, darunter auch das Erste Schwert, der seit der Baumfällaktion leider immer noch unter einem fies juckenden Insektenstich oder sogar Ausschlag litt und sich ständig kratzte. Ganz nach dem Motto „wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen“ musste er daher die Frage meines Herrn über sich ergehen lassen, ob er sich nicht gewaschen habe. Viel schlimmer fand der Ärmste offensichtlich jedoch die Unterstellung des Landsitzkriegers, er habe Flöhe und dessen schlauen Tipps dazu, sodass er schließlich genervt den Saal verließ. Doch nach einigen erklärenden Worten meines Herrn über das Fällen im Dschungel lief der Landsitzkrieger dem Insektenstichgebeutelten hinterher, denn selbstverständlich war es nicht seine Absicht gewesen, den Rarius zu vergraulen.

Nach und nach trudelten noch mehr Freie ein und auch ein bombastisches Kleid war vor den Saaltüren zu sehen, in dem die Wirtin steckte. Zu ihr schickte mein Herr mich nun wegen der Fragen zum Vertrag und wer den Kalana reichen soll. Doch wie befürchtet lächelte totale Ahnungslosigkeit darüber mit einer fadenscheinigen Ausrede auf mich herab, sodass ich mir die Kalana-Frage lieber komplett verkniff. Auch von ihrem Fastgefährten, den ich eigentlich immer sehr gerne gemocht habe, der in seiner oberfeinen Kleidung jedoch außer an seinen roten Haaren kaum wiederzuerkennen war, hörte ich nur seine irritiert der Wirtin gestellte Gegenfrage „ähmmm… machen wir einen Vertrag???“ Mein Herr legte darauf einfach fest, dass ich für den Kalana zuständig war.


Die Saaltüren wurden geschlossen, nachdem alle Gäste eingetroffen waren, darunter übrigens auch wieder das Erste Schwert und der Landsitzkrieger. Wie erwartet ging ein leises Raunen durch den Saal, als mein Herr nun die Hoffnung aussprach, alle Anwesenden mögen bequem stehen, weil er ungefähr 27 Seiten Rede vorbereitet hatte. Tja, es zeigte sich wie gut knien ist, denn die Rede meines Herrn begann mit Torcodino, wo er als junger Rekrut vom Brauereikrieger alles Notwendige übers Kämpfen beigebracht bekommen und an der Feier einer früheren Gefährtenschaft des Rarius dort teilgenommen hatte. Wobei er sich an die damalige Rede wohl nicht mehr erinnern konnte, dafür umso mehr an die guten Speisen hinterher. Diese Erinnerung und seine nahende Nachtwache müssen wohl Anlass für ihn gewesen sein, spontan auf 25 Seiten seiner Rede zu verzichten, die vielleicht nur Perlen vor die Tarsks gewesen wären.

Plötzlich durfte ich dem Brauereikrieger nämlich den Kalankelch reichen und nach einem Schluck Wein, einigen salbungsvollen Worten des Rarius über Glück, Reichtum, Fruchtbarkeit und was man noch so sagt, die jedoch irgendwie komplett an mir vorbei gingen, reichte er den Kelch an seine Zukünftige weiter, deren Worte ich noch weniger erinnere. Letztendlich betrachteten sich die beiden anscheinend nach dem Schlückchen Wein ohne schriftlichen oder mündlichen Vertrag als irgendwie vergefährtet und die Feier konnte beginnen. Ich vermute übrigens, obwohl es zwischendurch so aussah, als ob das Weib auf die Knie ging, hatte sie die Worte meines Herrn über das Unterordnen einer Frau unter ihren Gefährten nicht wirklich verstanden… doch sowas behalte ich selbstverständlich für mich und ist mir auch vollkommen egal, geht eine Kajira ja nichts an. 


Das einzig Wichtige für mich war nur, dass mein Herr trotz seines nahenden Wachdienstes etwas vom Büffet abbekam… und das ist tatsächlich gelungen, einschließlich dickem Proviantpacket zum Mitnehmen!

Donnerstag, 28. Januar 2016

Tag des Verschwindens

Erneut fand ich meinen Herrn und seine Gefährtin zwischen den Kissenbergen stehend neben dem Tisch vor, sodass ich vorsichtig fragte, ob ich einen Einrichtungsvorschlag machen darf. Natürlich durfte ich, denn die Neugier meines Herrn war geweckt und er verstand bei meinen Erläuterungen auch sofort, welche Stolpergefahr die Fußabtreterkissen im Durchgang bargen, die ich gerne verschwinden lassen wollte. Auch die Gnädigste erklärte sich einverstanden, wünschte allerdings, sie müssen in der Nähe bleiben, falls mehr als zwei Freie zu Besuch kommen. Ok, das sah ich ein, auch wenn ich fand, Besucher müssen nicht unbedingt wie Prinzessinnen auf der Erbse auf einem Kissenberg thronen, sondern einzelne, gut gepolsterte Gästekissen, die man schnell herholen kann, tun es doch eigentlich auch. Die nun folgende spitze Erwiderung der Grünen spar ich mir jetzt mal und genauso die meinen Schlafplatz betreffenden Überlegungen meines Herrn… trotzdem sahen beide ein, ein weniger stolpergefährlicher Durchgang war nicht verkehrt, sodass der Kissenberg neben das Giannikörbchen verschwinden durfte.

Noch ganz zufrieden mit meinem Erfolg, schwante mir jedoch irgendwie Ungutes, als mein Herr nun ankündigte: „Dita, heute ist ein ganz besonderer Tag“. Das Waffentraining konnte nicht gemeint sein, denn es ist ja nichts Besonderes, weil es jede Hand stattfindet. Sichtlich erfreut eröffnete er mir, seine Uniform sei endlich fertig, ich könne sie bei der Schneiderin abholen. Hmmm, wenn er das schon erfahren hatte, warum war er dann nicht gleich für eine Anprobe in die Schneiderwerkstatt gelaufen? Die ständig auf ihren guten Ruf bedachte Frau hätte den Raum doch so lange verlassen können, während mein Herr sich hinter dem Paravent umzieht! Irgendwie sind sämtliche Dinge im Zusammenhang mit diesem andauernd nicht anzutreffenden Weib kompliziert und für alles was nicht klappt, bekomme natürlich ich die Schuld. „Dita, wenn die Uniform bei der Feier übermorgen nicht passt, dann ist meine Sklavin schuld und das möchte meine Sklavin nicht erleben“, ließ meine Knie schon jetzt ganz zittrig werden.

Na toll, die wenige Zeit, die mir an diesem Tag wegen seines Wachdienstes überhaupt nur mit meinem Herrn vergönnt war, glaubte ich auf wenige Ehn geschrumpft. Doch damit lag ich falsch. Juhuuu… erst einmal durfte ich ihn nämlich zum Waffentraining begleiten! An der Trainingswiese angekommen stellte sich übrigens heraus, mein Herr war der Erste. Nach und nach trudelten zwar noch weitere Rarii ein und der gärtnernde Landsitzkrieger begann den neuen Frischling aus roter Kaste, der seit kurzem in Jorts wohnt und anscheinend noch ganz am Anfang seiner Ausbildung steht, über die Wiese zu hetzen. Mein Herr bekam ebenfalls Lust aufs Hetzen, allerdings in Form von Bogentraining, bei dem er mich durch den Wald scheuchen konnte. Auch wenn ich nie eine Chance gegen die Übungspfeile der Krieger habe, war es mir trotzdem eine große Ehre, für meinen Herrn die Zielkajira sein zu dürfen. In der Hoffnung auf einen kleinen Vorsprung, sauste ich eilig davon.

Tief im Wald verschwunden, verschnaufte ich eine ganze Weile und konnte mir gar nicht erklären, wieso es mir offensichtlich gelungen war, meinen Herrn abzuhängen. Doch schließlich tauchte er auf, sodass ich so schnell ich konnte erneut davon preschte, ab und an einen Haken schlug, mich ihm letztendlich aber doch geschlagen geben musste. Mit Erstaunen erfuhr ich, mein Herr hatte nicht geschwächelt, während ich gewartet hatte, sondern war von Tabuks abgelenkt worden. Obwohl er ja eigentlich auf mich konzentriert gewesen war, hatte er mit dem Speer ein junges Prachtexemplar erlegt. Tja, die Augen eines guten Kriegers sind eben überall und mein Herr ist natürlich einer der besten Krieger schlechthin, denn er ist ja der Hauptmann von Jorts Fähre… für mich aber der Oberallerbeste!


Um mich seines Kragens würdig zu erweisen und ihm vor allem zu zeigen, dass sein Eigentum dazugelernt hat, schulterte ich das Tabuk so richtig hauptmannkajiramäßig und zwar genauso, wie ich es bei meinem Herrn vor kurzem mit dem dicken Packen Zeltstoff vorm Haus des Sattlers gesehen hatte. Ok, so cool wie ich mich eigentlich geben wollte, war ich dann doch nicht, weil meine linke Schulter nicht die breiteste ist und außerdem das Tabuk auf dem Weg zur Wiese irgendwie schwerer und schwerer wurde, sodass ich schließlich befürchtete, kürzer geworden zu sein und total schief nach links gewachsen. Doch kaum brachte die Gnädigste ihre Begeisterung über die Beute zum Ausdruck, während der Landsitzkrieger meinem Herrn vorschlug: „Tabuk ist lecker… du naschst am Tabuk, ich an der Trägerin!“ überwog natürlich mein Stolz über den Jagderfolg meines Herrn. Ich wurde bestimmt schlagartig wieder größer und auch meine Schieflage nach links glich sich wie von selbst aus, sodass beide Schultern wieder waagerecht waren.


Während mein Herr sich nun dem Schwerttraining widmete und seine Gefährtin mit der Sängerin über langweilige Gefährtenschaften tratschte, tauchte der Kriegerbauer auf und wollte wissen, warum neben mir auf dem Schnee das tote Tier lag. Ich nutzte natürlich sofort die Gelegenheit zur Frage, ob ich es zum Hof bringen darf. Doch das wurde mir verweigert… der Bauer wollte dort kein Tabuk haben, das wegen irgendeiner Krankheit verreckt ist. Grrr… welch eine Beleidigung… das Viech war nicht verreckt, sondern mein Herr hatte es mit dem Speer erlegt! Wie konnte dieser Kerl überhaupt aus einer so großen Distanz sehen, ob das Tabuk krank ist? Eigentlich kaum möglich. Auch ohne meinen Herrn zu beleidigen hätte er mir doch sagen können, dass ich unerwünscht bin und mich von seinem Hof fern halten soll… dann eben nicht. Weil ich das Verarbeiten von erlegtem Wild jedoch nicht im Schlaf lernen kann, nahm ich mir nun vor, das Tabuk einfach irgendwie auseinander zu säbeln. Ein paar Bratenstücke würde ich schon irgendwie hinbekommen, den Rest wollte ich ins Fass für Fenris stopfen.

Da mir inzwischen klar geworden war, dass mein Herr anscheinend noch trainieren wollte, bis es Zeit für seine Nachtwache war, schulterte ich die Beute erneut und trabte mit erneuter Schieflage nach Hause, wo ich das Tier einfach im Garten ablegte. Die Temperaturen waren in Jorts weiterhin niedrig und eine andere Aufbewahrung gab es leider nicht auf dem schmalen Grundstück meines Herrn. Außerdem war es mittlerweile Zeit für einen ersten Versuch in Sachen Schneiderin. Mist, wie befürchtet war die Werkstatt jedoch geschlossen und ihre Pächterin nirgendwo aufzutreiben. Mit unguten Vorahnungen suchte ich die Frau in der ganzen Stadt und erfuhr schließlich vor dem Gasthaus vom Sattler, dass das Weib tatsächlich verschwunden, nämlich auf Reisen gegangen war. Na toll, die Begeisterung meines Herrn würde bestimmt sehr unangenehm werden. Doch was sollte ich machen? Je eher heran, umso eher davon… also zurück zur Kriegerwiese.


Mein Herr hatte sich übrigens bereits gewundert, wohin das Tabuk und seine Gefährtin verschwunden waren. Über Letztere konnte ich ihm berichten, dass sie mit zwei Kajirae zur Krankenstation gegangen war, um dort die beiden warum auch immer eingeschlossenen neuesten Vulos der Sklavenhändlerin zu befreien, von denen schon alle geglaubt hatten, sie seien ebenfalls verschwunden. Das war mir aber ehrlich gesagt ziemlich egal, denn an mir nagte immer noch der Frust über die Weiterverarbeitung des Tabuks. Mir blieb daher nichts anderes übrig, als meinem Herrn nun meine Überlegungen einzugestehen, von denen vor allem Fenris profitieren würde. „Lass sie daran üben, sonst lernt sie es nie… ich zerlege die Viecher nicht dauernd für dich“, wiederholte sich der Bauer. Pahhh… wie überflüssig! Natürlich lässt mein Herr sich von niemandem sagen, was er zu tun oder lassen hat und tat die Angelegenheit mit der Ankündigung ab, es mir am nächsten Tag selber zu zeigen, bevor er mich herrlich besitzergreifend an sich zog.

Hach, was war es doch für ein unbeschreiblich schönes Gefühl, seinen starken Arm um mich zu spüren, das leider jedoch etwas geschmälert wurde, weil der Bauer sich nun wie ein kleiner Junge bei meinem Herrn über einen anderen Krieger ausheulte. Offensichtlich war er nicht gewillt, diese Angelegenheit selbst zu klären, bei der es sich eigentlich nur um ein Missverständnis handeln konnte. Nein, er sah Papa Hauptmann in der Pflicht und behauptete, jemand sei das Gehirn weggebrutzelt worden. Komisch, mein Blick auf den Kopf dieses Herrn und seinen dort dauerhaft befindlichen Blechdeckel, ließ die Überlegung in mir keimen, ob er sich mit dem Wegbrutzeln nicht reichlich getäuscht hatte. 

Doch solche Gedanken behalte ich lieber für mich und hörte dem Gemecker einfach nicht mehr zu, sondern genoss stumm die letzten Ehn eng an meinen Herrn geschmiegt, bevor er dann leider zur Nachtwache verschwinden musste und ich zuhause mit der Gnädigsten alleine war. ;-)

Dienstag, 26. Januar 2016

Baumfällung mit Zweikajirasäge

Zur vereinbarten Ahn versammelten sich am Hafen mein Herr, zwei weitere Krieger, der Schmied und die Gefährtin meines Herrn sowie außer mir noch zwei Kajirae, um sich bei der Tropenholzbeschaffung für das neue Badehaus nützlich zu machen. Wir waren alle mehr oder weniger leicht bekleidet, denn es sollte in einen Dschungel gehen, wo das Erste Schwert einen geeigneten Baum gefunden und was besonders wichtig war, erforderliche Absprachen mit den dort ansässigen Waldfrauen getroffen hatte. Naja, er hatte die Weiber bestochen… womit auch immer weiß ich jedoch nicht. Wenn die Wilden sich an die Abmachungen halten, sollte die Aktion relativ ungefährlich sein. Dennoch war ich ganz froh, dass so viele Krieger zum Schutz mitkamen. Das Fällen eines großen Baums ist ja kein Pappenstiel, sondern mit reichlich Knochenarbeit verbunden, die eben ihre Zeit braucht.

Merkwürdigerweise fehlte der neueste Anwärter auf den Heimsteinschwur von Jorts Fähre, obwohl er von meinem Herrn eigentlich mit sehr deutlichen Worten als Begleitschutz verdonnert worden war. Auf einer solchen Unternehmung hätte er nämlich perfekt zeigen können, was in ihm steckt. Vielleicht war er jedoch nicht abkömmlich, weil ihn der Aufbau der jortsschen Thalarionstaffel zu sehr beanspruchte? Egal… die Chance, sich mit Ruhm zu bekleckern, hatte er jedenfalls verpasst. Oberperfekt war allerdings, dass der Schmied sämtliche Werkzeuge zum Fällen auf einem Handkarren verladen hatte, sodass wir Zweimannsäge… die natürlich sofort zur Zweikajirasäge wurde… Äxte, Hammer, Seile und Ketten, einschließlich diverser Spaltkeile in unterschiedlichen Größen nicht schleppen mussten.


Von irgendeinem abgelegenen Handelsposten, an dem wir das Schiff nach einer Reise ohne Zwischenfälle verließen, ging es noch ein ganzes Stück in den immer dichter werdenden Wald hinein. Wir folgten einem mehr oder weniger gut ausgebauten, teilweise sogar recht breiten Pfad, der vom Handelsposten wohin auch immer führte… vielleicht zu einer der größeren Handelsstraßen. Sumpfige Abschnitte und Bäche waren zum Glück mit Stegen aus dicken Bohlenbrettern oder Brücken überbaut, sodass der Karren des Schmieds mit den ganzen Ausrüstungsgerätschaften kein Problem darstellte. Nur wenn es kräftig bergauf ging, mussten wir Kajirae schieben. Die Gefährtin meines Herrn war übrigens vor allem wegen der giftigen Osts mitgekommen und hatte nicht nur ihre Standardarzttasche dabei, sondern sie diesmal zusätzlich mit den vom Ersten Schwert beschafften Gegengiften bestückt, die sie in Jorts nicht braucht, weil es dort keine giftigen Schlangen gibt.

Wegen der Osts war logischerweise gutes Schuhwerk angesagt, am besten sogar Stiefel, was bei den feuchtwarmen, tropischen Temperaturen eine ganz schöne Herausforderung war. Selbst ich, die wenn es warm ist so gerne barfuß läuft, gab keinen Mucks gegen diese Maßnahme von sich, auch wenn ich auf dem Weg durch den Dschungel ziemlich schnell das Gefühl bekam, ich müsste meine Stiefel bald ausleeren und meine schwitzenden Füße ins Wasser tauchen. Doch zu dem Zeitpunkt ahnte ich noch nicht, wie viel Schweiß noch fließen würde. Außerdem hatte ich Angst, meine Zehen könnten bei irgendwelchem Wassergetier Knabbergelüste wecken und womöglich sogar Appetitanreger für meinen kompletten Fuß sein. Mindestens genauso viel Schiss bereitete mir mein Wissen vom Bogentraining und hielt mich vom Fußbad ab, denn ein auf einem Steg hockendes, mit seinen Füßen im Wasser planschendes Ziel ist natürlich um einiges leichter zu treffen, als wenn man sich bewegt.


Wir waren nämlich nicht alleine im Wald. Ab und an hörte ich es irgendwo im Unterholz knistern und knacken, manchmal sah man auch ein Stück nackte Haut oder ein uns aufmerksam beobachtendes Augenpaar. Ich fand es sehr beruhigend zu sehen, wie aufmerksam und in offensichtlich höchster Alarmbereitschaft die drei Krieger waren, obwohl mein Herr vor unserer Abfahrt noch gewitzelt hatte: „Lieber böse Weiber im Wald, als böse Weiber als Gefährtin“… Anwesende meinte er selbstverständlich nicht! Den Priesterkönigen und den Abmachungen des Ersten Schwerts sei Dank… wir erreichten irgendwann schließlich unbehelligt einen Lagerplatz, wo das Erste Schwert kurze Rücksprache mit den dort anwesenden Wilden nahm, die anscheinend die getroffenen Abmachungen bestätigten, sodass wir uns von dort aus seitlich mit Buschmessern einen Weg durch das dichte Gebüsch schlugen und unser Prachtexemplar von Beute erreichten.


Wow… was für ein imposanter Baum! Wir Kajirae liefen erst einmal wie ein aufgescheuchter Vulohaufen hin und her und um den Baum herum. Dieses Monstrum zu fällen, erschien uns vollkommen unmöglich, zumal mein Herr sofort bestätigte: „Na, das riesen Ding sieht nach Arbeit aus… wie gut, dass ich die Hände frei haben muss!“ Während er und der Brauereikrieger sich nur schwer entscheiden konnten, ob sie ihr Augenmerk auf mögliche Gefahren im Wald lenken oder doch lieber auf die Baumfällertruppe, die sich schweißgebadet nach und nach schließlich ihrer Oberteile entledigt hatte, nahm die Sache dank des Einsatzes vom Ersten Schwert und dem sich bestens mit Fällarbeiten auskennenden Schmied sehr schnell Formen mit konkreten Arbeitsanweisungen an. 


Wir Kajirae wechselten uns regelmäßig mit der irre langen Zweimannsäge ab und verwandelten sie in eine Zweikajirasäge, denn wie der Name schon sagt, wir sägten zu zweit und zwar jede nur auf Zug. Während zwei von uns die Säge durch den dicken Stamm zogen, legte die Dritte schon die Spaltkeile bereit, die später in unseren Sägeschnitt mit einem großen Hammer hinein getrieben wurden… das Erste Schwert kämpfte in schwindelnder Höhe auf der anderen Seite unserer Beute mit dem Abtrennen eines dicken Asts.


Und der Schmied tat es ihm am Boden gleich. Es war wirklich beeindruckend anzusehen, mit welcher Kraft er auf eine dicke Baumwurzel mit der Axt einschlug, wie sonst mit dem Hammer auf glühendes, auf seinem Amboss liegendes Metall. Alles unter den aufmerksamen Augen der Grünen, die zum Glück mehr oder weniger herum oder manchmal auch im Weg stand, weil es nichts zu verarzten gab und auch keine Gegengifte gegeben werden mussten.


Es war wirklich eine schweißtreibende Knochenarbeit, die bei mir leider nicht ganz ohne Spuren blieb. Viel zu spät bemerkte ich, dass sich in meinen beiden Handflächen dicke Blasen gebildet hatten, die aber wenigstens noch nicht aufgegangen waren. Die Arzttasche kam also doch noch zum Einsatz. Die Gnädigste strich mir irgendeine Salbe auf die Blasen und umwickelte meine Hände leider auch mit Verbandmaterial, was ich eigentlich voll peinlich fand, weil es aussah, als hätte ich weiße Handschuhe an. 


Doch niemand machte sich lustig über mich. Ich habe die beiden anderen Kajirae zwar bewundert, dass sie keine Probleme hatten, sie eigentlich aber auch nicht wirklich beneidet. Keine Blasen zu bekommen konnte doch nur bedeuten, dass ihre Hände nicht so zart waren wie meine und sich wohl eher wie die raue Hand eines Kriegers oder Schmieds anfühlten… und welcher Mann mag schon, wenn die Hand eines Kriegers oder Schmieds sanft über seinen Körper streicht?!


Während ich noch verarztet wurde, kam plötzlich der laute Ruf, dass alle den Gefahrenbereich um den Baum herum verlassen sollten, denn inzwischen hatte das Erste Schwert seinen Tarn herbei gepfiffen. Als ich den riesigen Vogel über uns kreisen sah, überkam mich natürlich wieder eine große Sehnsucht nach meinem verschollenen Herrn und seinem Carolus. Wie gut, dass mir keine Zeit für Wehmut blieb, weil der Tarn nun erst vorsichtig, dann immer stärker an den langen, um den Baum geschlungenen Ketten zog und unsere Beute schließlich mit lautem Krachen und einem gewaltigen Platsch im Fluss landete. 


Danach ging alles fast wie von alleine. Der dicke, entastete Baumstamm schwamm mit der Kette durch den Tarn gesichert, ab und an in seiner Richtung korrigiert, zum Handelsposten, wo ihn unser Schiff nach Jorts Fähre in Schlepp nahm. Hach, das Badehaus war seiner Vollendung wieder ein gewaltiges Stück näher gerückt! :-)))

Montag, 25. Januar 2016

Nicht mein Tag…

Mein Herr und seine Gefährtin lüfteten sich aus… wohin sie spazieren wollten, wusste ich allerdings nicht oder habe vielleicht auch nicht richtig zugehört, denn sie konnten ja nicht verschütt gehen. Mit meiner Hausarbeit schließlich fertig, kam mir in den Sinn, dass es sicherlich nicht verkehrt wäre, auf der Suche nach meinem Herrn gleichzeitig schnell noch einmal die Strecke einschließlich der Vorgärten von meinem Zuhause Richtung Kastenhaus der Handwerker, weiter zum Ratssaal, die Treppen davor und zuletzt die Gasse vor der Schneiderei hinsichtlich ekeliger Überbleibsel des volltrunkenen Schmieds zu überprüfen, die ich eigentlich am selben Tag noch mit diversen Eimern Wasser beseitigt hatte. Da ich jedoch immer die Schuld an allem bekomme, konnte eine kurze Inspektion nicht schaden, stellte sich dann aber doch als überflüssig heraus.

Ich kam übrigens nur bis zur Schneiderwerkstatt. Dort unterhielten sich nämlich mein Herr, seine Gefährtin, das Erste Schwert und der Schmied mit der Schneiderin über ihren demnächst anstehenden Heimsteinschwur. Die Frau hatte der Bedeutung eines solchen Schwurs offensichtlich wenig bis gar keine Ahnung… naja, ein Nordweib eben und gut für sie, dass mein Herr den Wunsch äußerte, seine Gefährtin möge die Frau ein wenig in die Spur bringen. Den Anfang dieser Unterredung hatte ich zwar nicht mitbekommen, konnte mir aber zusammenreimen, dass diesmal wohl der Schmied für die einleitenden Worte vor dem Schwur zuständig sein soll, was aufgrund seines Ratssitzes und der Zugehörigkeit zur Handwerkerkaste ja durchaus logisch ist. Keine Ahnung, ob ihm diese Aufgabe nicht behagte oder ob er immer noch unter irgendwelchen Nachwirkungen seines Besäufnisses litt, seine Stimmung schien mir nicht die beste zu sein, denn er sah in mir anscheinend das perfekte Opfer für schlechte Laune.


Er bezeichnete mich nämlich als Treppenschubserin… tönte herum, nicht er sei getorkelt, sondern ich hätte ihn die Stufen vor dem Ratssaal hinunter geschubst und wegen mir habe er nun einen blauen Fleck auf dem Hinterteil. Boah, dieser undankbare Kerl! Soll er in Zukunft doch sehen, wie er ohne Hilfe nach Hause kommt!! Und seine Kotzspuren mach ich auch nicht mehr weg!!! Eine Kajira darf Freien zwar nicht widersprechen und muss mit Willkür leben können, doch in diesem Fall war es einfach nicht möglich, mir eine höfliche Korrektur zu verkneifen, in der ich allerdings meine vergeblichen Bemühungen eingestand. Ich wies aber auch darauf hin, dass die Bemühungen mit vollem Körpereinsatz meines im Vergleich zum muskelbepackten Schmied eher nur Fliegengewichts zur Stabilisierung des schwankenden Trunkenbolds erfolgt waren. 

Doch was soll’s, niemanden interessierte es und leider sah auch mein Herr die Schuld bei mir, sodass ich wieder als Sündenbock herhalten musste. Es tat ganz schön weh, meinem Herrn so egal zu sein und dass er mich gleich wieder fortschickte, um dem Händler auszurichten, er möge auf ihn warten, er käme noch. Mir war unklar, was diese mysteriöse Information bedeutete und wer was von wem wollte… der Händler von meinem Herrn oder umgekehrt. Aber egal, im Gegensatz zu meinem verschollenen Herrn und meiner ehemaligen Herrin darf ich bei meinem jetzigen Herrn nicht alles wissen, soll dafür aber möglichst ein eierlegendes Wollmilchtarsk sein. 

Den Händler fand ich übrigens nicht wie erwartet im Gasthaus, sondern zusammen mit der Sklavenhändlerin am Hafen, einschließlich vier ihrer Vulos, die sich auf dem Sklavenblock tummelten. Der Herr behauptete übrigens, sowieso nicht weg zu können, da er mittlerweile festgefroren sei. Ohje, der Ärmste… wobei es mich schon ein wenig wunderte, dass sein Kreislauf nicht auf 290 war… entweder, weil sich das verkniffene Benehmen der weißen Seide endlich gewandelt hatte oder weil sie immer noch kein bisschen Sklavenfeuer zeigte. Doch das ging mich nichts an und ich beeilte mich natürlich, meinem Herrn die Nachricht zu überbringen.

Übrigens legte er danach immer noch keinen allzu großen Wert auf meine Anwesenheit und hatte auch prompt den nächsten Auftrag für mich, bei dem mir in den Sinn kam, ob ich inzwischen womöglich in den Besitz dieses schneidernden Nordweibs übergegangen war oder dauerhaft an sie ausgeliehen, es nur nicht wusste? Egal… ich habe ja keine Wahl und versuche natürlich alle mir übertragenen Aufgaben so gut ich kann zu erledigen, egal ob es sich um das Ausnehmen, Häuten und Weiterverarbeiten von Wild für meinen anspruchsvollen Herrn oder das Stapeln von Brennholz, ein Regalaufbau und das Nehmen von Maßen für die Schneiderin handelt. 

Warum soll die Frau sich auch eine Stadtkajira leihen oder eine eigene Sklavin zulegen, wenn der Hauptmann ständig sein Mädchen zur Verfügung stellt und das vermutlich kostenlos? Egal, ohne meinen Herrn wäre ich an der Stadtkette gelandet oder hätten mich vermutlich beim Baden schon längst die Stromschnellen im Vosk erfasst. Ich bin meinem Herrn wirklich dankbar und weiß außerdem schon lange, dass er mich nicht ständig bei sich haben mag und manchmal ganz gerne scheucht. Ihm reicht meistens die Grüne an seiner Seite… außer seine andere Seite gewinnt Überhand, bei der mein Sklavenfeuer dann ganz heiß lodern darf. 

Die Gnädigste begleitete ihn jedenfalls zum Hafen wegen dieser mir unbekannten Angelegenheit mit dem Händler, während ich mich erneut als Schneiderkajira betätigen durfte. Diesmal aber ohne eifersüchtiges Gestichel eines Weibs, weil ich anstelle der Schneiderin die Maße ihres Gefährten nehmen sollte. Die Gefährtin des Schmieds ist nämlich immer noch auf Reisen. Merkwürdig war nur, dass seine Kajira nicht diese Aufgabe übernahm, die wohl mit anderen Aufgaben beschäftigt war. Wobei ich keinerlei Problem mit dem sturmfreien Haus des Schmieds hatte… meine Aushilfstätigkeit als Schneiderkajira begann also schon mal gar nicht so schlecht.

Spannend war nur, wie sich die schlechte Laune dieses sonst immer so netten, hilfsbereiten Schmieds entwickeln würde, der stets ein offenes Ohr für mich gehabt hatte, als mein Weg zum Hafen oder Marktplatz noch regelmäßig an seiner Werkstatt vorbeiführte. Doch von schlechter Laune war überhaupt keine Spur mehr… im Gegenteil. Schade war nur, dass sich leider gleich als Erstes herausstellte, der Herr hatte zwar einen geeigneten Zettel, jedoch nichts zum Notieren der Knotenanzahl für die einzelnen Maße. Mir blieb daher nichts anderes übrig, als eilig zurück ins Haus meines Herrn zu laufen und einen Stift zu holen. 

Tja, ich bin mir total obersicher, ich war wirklich sehr schnell zurück, trotzdem fand ich den Schmied bei meiner Rückkehr leise schnarchend vor… diesmal allerdings ohne Alkoholfahne. Mist, er war einfach nicht wach zu bekommen, zumindest nicht auf eine für ihn angenehme Art und Weise, denn einen Eimer kaltes Wasser wollte ich ihm selbstverständlich nicht über den Kopf gießen. Nach 15 Ehn blieb mir nichts anderes, als meine sanften Bemühungen schließlich aufzugeben und mich leise zum Hafen zu verdrücken… vielleicht bekam ich dort noch etwas Interessantes mit? 

Doch leider nahte inzwischen bereits die Ahn, in der mein Herr zur Nachtwache aufbrechen musste. Daher durfte ich mich nur noch kurz zu ihm gesellen, seine an diesem Tag wieder ausgeprägt patschende Hand ohne Feingefühl genießen und bekam weder heraus was er von dem Händler oder der Händler von ihm gewollt hatte, noch was die Vulos die ganze Zeit auf dem Sklavenblock veranstalteten… tja, es war tatsächlich nicht mein Tag. ;-)

Sonntag, 24. Januar 2016

Eine Thalarionstaffel

Die Rückreise von Belnend mit den Thalarions war zwar mit sehr frühem Aufstehen verbunden, aber mein Herr erlaubte mir tatsächlich ihn zu begleiten. Die 12 Tiere sahen wirklich imposant aus, am meisten beeindruckte mich jedoch das Thalarion meines Herrn, auf dem ich eng an ihn geschmiegt mitreiten durfte. Meine Angst vor dem Grünen legte sich zwar nach und nach etwas, denn mein Herr ritt ja nicht das erste Mal auf einem dieser gefährlichen Fleischfresser. 

Ich habe dem Viech übrigens heimlich für mich wegen seinem Äußeren den Namen „Grüner“ gegeben und habe mich auch nicht wirklich gewundert, dass mein Herr dieses Tier als Hauptmann geeignet ansah, denn er hat es ja irgendwie mit Grün. Mein Respekt vor den spitzen Reißzähnen des Grünen blieb auch unverändert groß, weil mir nicht klar ist, ob ein Thalarion eine ähnlich enge Beziehung zu seinem Reiter entwickelt wie ein Tarn... vermute allerdings, das ist komplett anders.

Wieder zuhause in Jorts waren natürlich ein paar Hausarbeiten zu erledigen und während ich auf dem Balkon ein Reptuch ausschüttelte, mit dem ich ein paar Krümel weggewischt hatte, bemerkte ich die Sklavin des gegenüber wohnenden Kriegers, die ich seit einiger Zeit nicht mehr gesehen hatte... ihr Herr tritt ja eh kaum in Erscheinung. Ich habe zwar noch zu ihr hinüber gewunken, nachdem sie mich bemerkt hatte, doch leider war keine Zeit für einen kurzen Kajiratratsch, da nun sehr lautstark von unten ein Brummen der Sorte "ungeduldig" gefolgt von "maulig" zu hören war und mich veranlasste, eilig die Treppe hinunter zu hüpfen. Mein Herr war inzwischen eingetroffen, obwohl ich ihn eigentlich noch auf der Wache vermutete. Doch nun erfuhr ich, dass er erst zum Nachtdienst wieder im Kastenhaus der Krieger zurück sein musste.

Nach meiner kurzen Information, dass ich die Kajira von gegenüber gesehen hatte, befürchtete er, sie würde sich womöglich vor irgendwelchen Arbeiten drücken und schickte mich los, sie zu holen. Außerdem war es ihm wichtig zu erfahren, ob ihr Herr irgendwelche Eroberungsziele ausgekundschaftet hatte, denn Gerüchte besagten, dass der Krieger auf einer Reise gewesen war. Tja, anscheinend war die jedoch ein totaler Fehlschlag gewesen, denn laut Aussage seines Mädchens hatte der Rarius weder ein lohnenswertes Eroberungsziel gefunden, noch eine Höhle mit heißer Quelle, in der er ein Bad nehmen konnte. Mit einer großen Portion Wehmut fiel mir natürlich sofort die herrliche Badehöhle von Nadira ein, in der ich mehrfach mit meinem ehemaligen Herrn ganz wundervolle Ahne hatte verbringen dürfen.

Komischerweise erkundigte sich mein Herr jetzt bei uns Kajirae, ob wir Holz sägen können, was selbstverständlich der Fall ist… seine Gedankensprünge sind manchmal wirklich unerklärlich und für mich nicht nachvollziehbar. Oder ahnte er etwa, welche Gedanken mich gerade beschäftigten und wollte mich ablenken?

Der Sklavin war inzwischen eingefallen, dass sie ihren Herrn wecken muss, sodass sie die Erlaubnis bekam, nach Hause zu laufen und mir befahl mein Herr dann: „Dita, zieh dir was an, ich geh vor der Wache noch draußen frische Luft schnappen. Lauf und sag dem Geweckten, dass ich ihn auf der Kuppe im Wald hinter dem Hof bei den Thalarions sehen möchte… ich gehe schon vor.“ Oha, das klang spannend, „harta“ hätte er eigentlich nicht sagen müssen.

Da mein Herr nicht erwähnt hatte, warum er den Krieger dort im Wald zu sprechen wünschte, war dessen Interesse offensichtlich groß und weil ihm nicht klar war, wo sich der genannte Treffpunkt befand, durfte ich ihm den Weg zeigen. Dabei stellte sich übrigens heraus, dass meine Kondition wohl etwas besser ist, als die des Rarius. Das Training ab und an im Wald, bei dem es gilt, möglichst lange den Übungspfeilen auszuweichen, war also nicht das schlechteste und ich glaube, der Krieger hat noch nie am Waffentraining teilgenommen… zumindest nicht, wenn ich dabei war und das bin ich fast immer. Egal, der Herr war jedenfalls ganz schön ins Schnaufen gekommen, als wir schließlich meinen Herrn erreichten.

Als erstes wollte er von dem Krieger wissen, ob er sägen kann und erhielt zur Antwort: „Was die beiden Mädchen fertig bringen, schaffe ich mit links!" Damit war er natürlich dabei, wenn es nächste Hand um das Schlagen von gut geeignetem Edelholz für das neue Badehaus geht, das in den jortsschen Wäldern leider nicht zu finden ist. Einer der Krieger hatte wohl bereits vorsondiert und auch ein paar Absprachen mit irgendwelchen wilden Waldfrauen getroffen. Vielleicht hat er die Wilden auch bestochen, sodass dem geplanten Holzeinschlag hoffentlich nichts im Wege steht.


Bei der zweiten Sache ging es um die Thalarionstaffel, nachdem die 12 Zuchttiere aus Belnend nun endlich in Jorts eingetroffen sind. 11 der Viecher waren vom Treffpunkt aus allerdings nicht zu sehen, sondern nur der Grüne meines Herrn… vielleicht hatten die anderen sich zum Schlafen irgendwo ins Unterholz verdrückt. Obwohl mich das Thalarion meines Herrn eigentlich wiedererkennen musste, war ich natürlich auf der Hut und ging lieber etwas hinter in Deckung. Übrigens sah der Krieger so aus, als ob er ebenfalls auf Vorsicht gepolt war. Allerdings nicht wegen dem Grünen, sondern so wie er meinen Herrn ansah, wohl eher wegen unguter Vorahnungen, die offensichtlich gerade in ihm keimten.

Ich hätte wirklich etwas dafür gegeben, die Gedanken des Rarius lesen zu können, als mein Herr nun die Tarnreiter von Jorts Fähre erwähnte und dass es jetzt auch eine Thalarionstaffel gibt. Dabei machte er nämlich einen Schritt auf den Krieger zu und gab ihm einen Schlag auf die Schulter: „Ich gratuliere, du bist bis auf weiteres der Anführer unserer Thalarionstaffel!“ Der Rarius war sichtlich beeindruckt. Er schluckte und räusperte sich, bevor er schließlich herausbrachte, wie geehrt er sich fühlte und dass er sein Bestes geben wird… um zu überleben. Doch bei dem von meinem Herrn angekündigten Sold, klang der neue Anführer der Thalarionstaffel richtig begeistert. Merkwürdig fand ich nur, meines Wissens gehörte dieser bislang kaum in Erscheinung getretene, häufig abwesende Krieger nicht dem Heimstein von Jorts Fähre an.


Das schien meinem Herrn in diesem Moment ebenfalls einzufallen, denn er wies mich an, noch am selben Abend in seinem Namen am Informationsbrett einen diesbezüglichen Aushang anzunageln. Oha, vor dem Hintergrund, wie überaus wichtig Goreanern ihr Heimstein ist, bin ich sehr gespannt, ob diesem Antrag einfach so zugestimmt wird. Ich kann mir kaum vorstellen, dass kein Einspruch erhoben wird oder irgendeine Mission vorher erfolgreich bestanden sein muss, denn ich erinnere noch sehr gut, dass dies bei anderen Freien so gehandhabt wurde… doch das geht eine Kajira selbstverständlich nichts an. ;-)

Freitag, 22. Januar 2016

Thalarionbeschaffungsreise

Mein Herr und seine Gefährtin waren bereits Richtung Unterstadt aufgebrochen, während ich schnell noch die letzten Sachen einpackte. Dazu gehörte auch ein zusätzliches Stück trockenes Brot, mit dem ich hoffte, meinem Herrn gegen seine auf Schiffen immer schlagartig einsetzende Übelkeit helfen zu können. Allzu gut gelaunt schien er sowieso nicht zu sein, denn kaum gesellte ich mich zu ihm, wollte er von mir wissen, ob ich den neuen Karren verloren hatte. Da sein Zelt nicht mit sollte, fand ich einen Rucksack ausreichend für Gepäck und Proviant. Doch nun hüllte sich mein Herr in Schweigen, sodass ich annahm, seine Gedanken waren vielleicht schon bei den Thalarions, die er nun persönlich aus Belnend abholen wollte, damit sie diesmal auch in Jorts Fähre ankamen.

Anscheinend hatte er ausgiebig nachgedacht, denn auf einmal schmunzelte er: „Dita, der Karren wäre ja vielleicht doch gut… das Gepäck auf deinem Rücken ist ja fast so hoch wie du.“ Also lief ich schnell noch einmal zurück und packte sämtliche Sachen in den Karren. Bei meiner Rückkehr war inzwischen auch die Sklavin des Ersten Schwerts mit ihren Reisevorbereitungen fertig, sodass es nun losgehen konnte und ich meinen Herrn über meine Fürsorge gegen rückwärts essen informierte, da es meistens hilft, wenn der Magen mit unproblematischer Nahrung beschäftigt ist. Seine Gefährtin fand meine Überlegungen sehr umsichtig, doch meinem Herrn sagte trockenes Brot ganz und gar nicht zu: „Das ist ja so, als ob ich das Essen von Sklaven zu mir nehme.“ Tja, dann eben nicht.


Die Reise verlief bis auf das übliche Kotzen meines Herrn zum Glück problemlos, da er sich weiter strickt weigerte, trockenes Brot zu knabbern, sodass er mit leeren Magen, aber unsere kleine Reisegruppe ansonsten heil in der frühen Morgendämmerung in Belnend ankam. Die Bewohner scheinen wohl eher zu den Langschläfern zu gehören, denn der Ort wirkte ziemlich ausgestorben. Direkt vor dem Gasthaus stand ein riesiger Wagen, der sofort mein Interesse weckte, da er mindestens hundertmal größer war als der Karren, den ich hinter mir herzog. Mit Blick auf den Wagen war meinem Herrn und dem Ersten Schwert sogleich klar, dass die nicht gelieferten Thalarions offensichtlich in diesen bestimmt tarskteuren Prachtwagen umgewandelt worden sein mussten.


Ich durfte mir den großen Wagen nachdem es heller geworden war noch genauer ansehen, der sich aus diversen Gründen jedoch als unpraktisch herausstellte. Er ist viel zu riesig und schwer, um von mir gezogen zu werden... die Belnender ziehen die Kiste nämlich mit einem Bosk. Die Geländetauglichkeit in unwegsamerem Gelände kam meinem Herrn und dem Ersten Schwert sehr fragwürdig vor, auch wenn der Kommandant von Belnend erwähnte, mit dem Wagen schon durch den Urwald gefahren zu sein. Allerdings ging er nicht weiter darauf ein, ob vorher eine breite Waldschneise gerodet werden musste. Meine Vermutung, mein Herr wird in diesem Fahrzeug mit Sicherheit seekrank, war außerdem ein nicht von der Hand zu weisendes Argument... zum Einen, weil der Wagen beim Fahren auf unebenem Untergrund bestimmt ziemlich schaukelt und zum Anderen, weil das Lager zwar komfortabel aussieht, aber sehr schwingend aufgehängt war. Damit war das Thema dieser Anschaffung für meinen Herrn jedenfalls erledigt.

Doch jetzt habe ich vorgegriffen, also der Reihe nach... Während ich den kleinen Handkarren mit unserem Gepäck kurz nach unserer Ankunft bei den Stadtwachen parkte, tauchte vor der Herberge eine der Stadtkajirae auf, die anscheinend jedoch anderes im Sinn hatte, als sich um Gäste zu kümmern. Irgendein schwangeres Weib schwächelte wohl und brauchte ihren oder sogar grünen Beistand. Merkwürdigerweise hatte die Gefährtin meines Herrn jedoch ihre Untersuchungstasche nicht dabei, weil sie die Reise als privat betrachtet hatte. Dabei dachte ich immer, Grüne sind genau wie Krieger immer im Dienst. Und das stimmte auch, denn selbstverständlich kümmerte sie sich auch ohne ihre Tasche um das Kreislaufproblem der Frau, bis dann die Grüne der Stadt erschien und den Schwächeanfall in ihr Haus verfrachtete.

Die Stadtkajira wurde von der Herrin allerdings noch angewiesen: „Mach dich nützlich und kümmere dich um die Gäste... wobei ich glaube, Dina kennt sich hier immer noch ganz gut aus.“ Das stimmte tatsächlich, denn meine frühere Herrin hatte hier vor langer Zeit ja eine Weile gewohnt. Obwohl der Ort inzwischen kaum mehr zu erkennen war, sah die Herberge eigentlich noch fast so aus wie vor etlichen Märkten, als ich zuletzt hier gewesen war. Eigenartig war nur, dass die Sklavin die Anweisung der Freien ignorierte und sich stattdessen untätig neben eine weitere Kajira hockte, die zusammen mit dem Schmied des Ortes aufgetaucht war. Daher fragte ich meinen Herrn schließlich leise, ob ich ihm etwas zu trinken bringen darf.

Oha, wie erwartet wünschte er seinen Paga jedoch von der Stadtkajira serviert zu bekommen, da es ja unüblich ist, dass die Mädchen von Gästen einfach ins Gasthaus laufen, um ihre Herrschaften selbst zu bedienen, außer es wird gefragt oder ist viel los. Doch mit 4 Freien sollten zwei Kajirae wohl problemlos klar kommen. Die Ohren der nackten Schmiedkajira schienen übrigens besonders gut zu sein, denn so empört wie ihre Augenbrauen bei meiner leisen Frage an meinen Herrn in die Höhe schossen, musste sie die wohl verstanden haben. Aber vielleicht hatte ich mich auch getäuscht, da ich immer noch keine Gedanken lesen kann und außerdem ignorierte sie den Pagawunsch meines Herrn und holte stattdessen dem Schmied etwas zu trinken. Wie gut, dass mein Herr es mit leicht ungehalten gebrummter Fassung hinnahm, erst nach seiner Gefährtin dann als Letzter von der anderen Kajira doch noch bedient zu werden.


Schließlich tauchte der belnender Kommandant übrigens doch noch auf, sodass der Schmied sich empfahl, um sich mit Wichtigerem zu beschäftigen, als den Gästen aus Jorts Fähre. Mit dieser Frechheit machte er sich weder meinen Herrn noch das Erste Schwert zum Freund, die zum Glück aber sehr friedfertig aufgelegt waren. Letzterer vermutete, dass die schlechte Laune des Mannes möglicherweise vom Gejarle der beiden Bonds kam. Aber was soll‘s, allzu gesprächig war der Herr eh nicht gewesen und die Neuigkeit über die verschobene Feier des jortsschen Brauereikriegers schien ihn sowieso nicht zu interessieren. Immerhin konnte die Lieferung der Thalarions mit dem Kommandanten geklärt werden, mit denen mein Herr am nächsten Morgen sehr früh aufbrechen will… hoffentlich werde ich rechtzeitig wach!

Donnerstag, 21. Januar 2016

Ein Notfall

Ich war spät dran, weil noch diverse Aufgaben im Haus zu erledigen gewesen waren und mein Herr daher ohne mich zum Waffentraining aufgebrochen. Endlich fertig mit meinen Arbeiten, wollte ich nun ebenfalls zur Trainingswiese laufen, entdeckte jedoch den Schmied, der gerade seinen Mageninhalt in unseren Garten entleerte. Ohje, der Herr war betrunken… und zwar stockbesoffen, denn er konnte kaum aufrecht stehen. Sich mit einer Hand auf der Mauer am Grundstück meines Herrn mächtig schwankend abstützend, umklammerte seine andere Hand ein riesiges Trinkhorn, in dem sich anscheinend Met befand. Kaum zu verstehen lallte der Herr irgendetwas über Versklavung, ein blödes Weib, irgendeine Entscheidung und ich weiß nicht mehr, was noch. Mir war nicht klar, ob er dann drohte, besagter Freien den Kopf abzutrennen oder ob er doch den Kopf von Fenris meinte, mit dem er sich offenbar unterhielt, nur leider keine Antwort bekam.


Während ich ihn grüßte, kippte der Schmied zu Boden schauend fast vornüber, sodass ich mich erschrocken erkundigte, ob er etwas verloren hatte. Anscheinend wurde ihm nun erst bewusst, wer vor ihm stand, denn sichtlich erheitert lallte er: „Ja Düüüüta… mei Hausch isch wesch… meinscht du, du findescht es?“ Oha, hier lag ganz klar ein Notfall durch Trunkenheit vor, um den ich mich kümmern musste. Mir war zwar durchaus bewusst, dass mein Herr wenig Begeisterung dafür zeigen würde, wenn ich dem Waffentraining fern blieb, zumal ich mal wieder als Zielscheibe für Übungspfeile dienen und dabei zeigen sollte, wie flott ich rennen kann. Doch ich entschied, dass die Orientierungs- und Gleichgewichtsprobleme eines Heimsteinangehörigen höhere Priorität hatten. Leider war mir in dem Moment noch nicht klar, wie schwierig es sich gestalten würde, den Herrn nach Hause zu bugsieren.

Als erstes schaffte ich es immerhin, dem Betrunkenen mit einem Trick das noch gut gefüllte Horn abzunehmen und es wie zufällig aus meiner Hand gleiten zu lassen, sodass sein Inhalt über das Pflaster strömte. Das bekam der Herr jedoch kaum mit, da er sich nun über eine „Stoffschubse“ ausließ, für die er anscheinend die Aufnahmegebühr gezahlt hatte, damit keine Gebühren geändert werden müssen. Aha, es ging offensichtlich um die Schneiderin und vermutlich auch um die Silbermünze, die vor kurzem an der Türschwelle meines Herrn gelegen hatte. Die Herkunft dieses Silbers hatte er mit dem Schmied zwar nicht endgültig klären können, doch nun klang es so, als ob sie dem Herrn gehört hatte. Als nächstes teilte mir der sehr redselige Schmied mit, dass er von allen seinen Ämtern zurück tritt. Anscheinend wollte er kein Stellvertreter der Handwerkerkaste mehr sein, auch kein Ratsmitglied mehr und sich vor allem nicht mehr mit „freien Trockenpflaumen“ herumärgern, die man alle versklaven sollte oder im Vosk versenken. 


Den schwankenden Kerl die Treppe neben dem Grundstück meines Herrn hinauf zu schieben, war übrigens die erste große Hürde und eine echte Herausforderung für mich, nach der der Schmied so viel Schwung und Vorlage drauf hatte, dass rechts abbiegen am Brunnen einfach nicht mehr drin war und er gleich bis zum Kastenhaus der Handwerker weiter lief, wo er gefährlich schwankend irgendeinen Feind in der Hecke bekämpfte, dadurch aber wenigstens gestoppt wurde. Ich kann nicht sagen, wie viele Vorgärten zwischendurch mit seinem Mageninhalt gedüngt wurden, denn auf meine Nachfrage gestand er ein, nachdem „die Olle“ ihn am Vortag „beleidigt“ hatte, habe er nichts mehr gegessen, sondern sich ausschließlich flüssig ernährt. Ok, das erklärte so einiges und auch die kräftige Alkoholfahne, die den Schmied umwehte. 

Am Ratssaal vorbei war kein Umweg, denn es führen von dort zwei Wege zum Haus des Schmieds… hinter der Schneiderei vorbei oder vorne. Insofern gab es gegen den Weg nichts einzuwenden. Merkwürdigerweise lag das Kastenschild des Schmieds jedoch irgendwo auf den Pflastersteinen und musste zwischendurch als Fußball herhalten, bis wir schließlich am Saal ankamen, wo die Schwerkraft dann leider ihren Tribut forderte. Nachdem der Schmied erneut meinen um seine Taille stützend gelegten Arm mit „Düüütaa, du zeigst zu viel Hitze und irritierst mich, das werde ich deinem Herrn sagen“ von sich gewiesen und den beiden Wachen vor dem Ratssaal mit Soldkürzung gedroht hatte, weil sie nicht halfen, sondern nur herumstanden, peilte er die Stufen an, sauste ohne zu stoppen die Treppe herunter und fiel unten der Länge nach hin. 

Wie gut, dass Besoffene meistens einen Schutzengel haben, denn der Herr hatte keine sichtbaren Verletzungen, vermisste jetzt allerdings plötzlich sein Trinkhorn. Da ich es trotz aller Bemühungen nicht schaffte, diese nicht gerade halbe Portion eines gut gebauten, muskulösen Mannes wieder auf die Füße zu stellen, versprach ich, mich um das Horn zu kümmern, sauste stattdessen aber eilig zur Trainingswiese, um meinen Herrn zu Hilfe zu holen. Zu meiner Erleichterung traf ich ihn aber schon vor dem Gasthaus auf dem Marktplatz, da das Training anscheinend bereits beendet war. Ohne lange Zeit zu verschwenden mit den einer Kajira normalerweise gebotenen Höflichkeiten, berichtete ich meinem Herrn schnell die Fakten dieses Notfalls, sodass wir eilig in die Oberstadt liefen… doch der Schmied war weg.


Letztendlich fanden wir den Herrn vor seiner Haustür liegend, zwischen einem umgeworfenen Stuhl und der Bank. Nun zeigte sich, wie gut es gewesen war, meinen Herrn zu holen, der es mit ein wenig Nachschieben von mir schaffte, den Herrn im Haus auf sein Fell zu betten. Der Betrunkene kam dabei sogar wieder etwas zu sich und versuchte nun meinem Herrn zu erklären, dass er wegen „der ollen Stoffschubse… dem Mistding“, alle seine Ämter niederlegen will. Doch mein Herr ging darauf nicht weiter ein, sondern brummte nur: „Beim Kur, was hast du alles gesoffen Schmied… Betrunkene legen gar nichts nieder, außer sich selbst aufs Fell!“ Danach schaute er sich im Garten des Herrn um, ob dort ein Toter lag, denn angeblich hatte der Schmied einen Weißen geköpft, was aber wohl nur alkoholische Hirngespinste gewesen waren.


Das Timing von Hadi und Eo, den beiden Hofkajirae, hätte übrigens nicht besser sein können, denn kaum lag der Schmied endlich vor seinem Kamin, kamen sie mit einer Essenslieferung. Darunter waren auch Suppe und Brot, das in die Suppe eingestippt, sich besonders perfekt zum Aufpäppeln des Schmieds eignete. Das gemeinschaftlich einverleibte Essen blieb zum Glück drin… zumindest war es das noch, als ich schließlich nach draußen lief, um meinen Herrn über den aktuellen Zustand des Schmieds zu informieren. Da es inzwischen spät geworden war und ich ja noch ein paar nicht so schöne Spuren auf der Gartenmauer zu beseitigen hatte, durfte ich meinen Herrn nach Hause begleiten, der mir vor dem Schlafen übrigens noch sagte, dass mein Handeln entgegen seines Befehls ok gewesen war, weil es sich schließlich um einen Notfall gehandelt hatte.

Mittwoch, 20. Januar 2016

Schrecken der Jagd

Wegen dem mit dem Umtrunk verbundenen Trubel, hatte ich der Gefährtin meines Herrn ganz vergessen zu erzählen, dass ich ihr neues Kleid von der Schneiderin abgeholt und auf ihre Kleidertruhe gelegt hatte. Doch sie hatte es gefunden und alles war gut. Außerdem erwähnte sie erneut, wie zufrieden sie mit mir bei der kleinen Feier gewesen war und machte mich total glücklich. Damit ich mich aber nicht zu sehr freute, dämpfte mein Herr meine Euphorie gleich wieder. Er fand, meine Dienste waren „annehmbar“ gewesen und „besser geht immer“, sodass ich nun lieber meinen Blick senkte und vor aufkeimenden Nervosität vermutlich an meiner Unterlippe knabberte. Doch schließlich fasste ich mir doch ein Herz und fragte ihn leise, was er denn gerne anders gehabt hätte. Juhuuu, meine Haare wurden durchgewuschelt und ich erfuhr, er war zufrieden mit mir gewesen und niemand hatte sich beschwert.


Leider schwenkte meine tolle Stimmung kurz darauf in schreckliche Panik vor der nächsten Jagd um, ich die Vorstellungen meines Herrn hinsichtlich der Verarbeitung seiner Beute erfuhr, die er zu erlegen gedachte. Die Jagd an sich finde ich wirklich klasse, denn ich mag den Wald… und dass eine Kajira nie auslernt, ist mir auch klar. Oberschrecklich fand ich jedoch, nun eine Art Schlachterausbildung machen zu müssen, von der ich jetzt schon weiß, dass ich dafür keinerlei Begabung habe und meinen Herrn wahrscheinlich nicht erfreuen werde. Sein Wunsch ist nämlich, dass ich die erlegten Tiere komplett verarbeite, indem ich das Fleisch konserviere, räuchere, zu Würsten verarbeite und, und, und… achja und das Ganze natürlich in der relativ spartanischen Küche seines Hauses mit Gerätschaften, die zwar bestens zum Kochen geeignet sind, aber nicht für solche Fleischmassen und schon gar nicht für ihre Lagerung. 

Die Gnädigste war zwar wegen möglicherweise vergammelndem Fleisch ebenfalls skeptisch, aber ansonsten keine Hilfe. Vor allem stellte sie die merkwürdige Überlegung an, dass es im Gasthaus bestimmt Bücher mit Rezepten gibt… BÜCHER??? Jetzt glaubte ich tatsächlich, dass meine Ohren eine Spülung benötigten. Die Herrin ist sicherlich sehr gebildet und ja auch von hoher Kaste, nur hatte sie offensichtlich komplett vergessen, dass die meisten Goreaner weder lesen noch schreiben können und irgendwelche Rezepte oder Wurstherstellungsmethoden innerhalb der Kasten und jeweiligen Familien wahrscheinlich mündlich zwischen den Generationen übermittelt werden. Aber vielleicht täusche ich mich da auch? Zum Glück sah mein Herr schließlich ein, das Räuchern dem Ersten Schwert zu überlassen und dass die restliche Fleischverarbeitung auf dem Hof Sinn macht. Das Thema war für ihn erledigt: „Dita, kläre wo, wie, was. Ich mag jagen und ich mag Fleisch… wenn ich ein Tabuk erlegt habe, dann soll das nicht umsonst gewesen sein.“


Da die ursprünglich an diesem Tag geplante Reise ausfiel, überlegte mein Herr nun, die Schneiderin in irgendeine Oase zu begleiten, wobei wohl unklar war, ob es dieses Vorhaben überhaupt noch gab, sodass es nun zur Schneiderwerkstatt ging. Doch wie fast immer war das Weib nicht auffindbar, stattdessen hörten wir es laut fluchen. Der Schmied gebärdete sich total abenteuerlich, um sich mit einem Dolch von seinen langen Haaren zu trennen. Echt schade, denn ich mag Männer mit langen Haaren wirklich leiden, besonders so gut aussehende wie dieser Herr. „Schmied, soll dir Dita helfen, bei was auch immer du da machst?“, zeigte dann eine weiteres meiner Talente, zu denen das Verarbeiten von Wild allerdings immer noch nicht gehörte und Bäume kann ich auch noch nicht fällen und einige sonstige Dinge ebenfalls nicht. Ich bin eben kein eierlegendes Wollmilchtarsk. Übrigens fand auch die Gefährtin meines Herrn, dass es um die herrlich langen Haare des Schmieds ein Jammer war.

Doch da der Herr vorne und seitlich schon kräftig seinen Dolch eingesetzt hatte, blieb mir nichts anderes übrig, als die angefangene, halbe Frisur an seinem Hinterkopf zu vervollständigen und alles dann so gut ich konnte noch leicht stufig zu schneiden… einen schönen Mann entstellt eben nichts und seine Frisur ist nun um einiges pflegeleichter als die lange Matte. Grund für diese Maßnahme war anscheinend, dass die Haare ständig in sein Essen einstippen und er Angst hatte, sich nachts mit ihnen zu erhängen… komisch, diese Angst habe ich nie. Ob eine Kajira vielleicht anders schläft als ein Herr? Keine Ahnung, ich habe mir beim Schlafen ja noch nie zugesehen. Spannend wird bestimmt noch, was die Gefährtin des Schmieds zu seinen kurzen Haaren sagen wird, denn sie ist ja schon eine Weile auf Reisen. Vorsichtshalber bat er meinen Herrn daher, sein Weib einzufangen falls sie durch die Stadt rennen sollte und kreischt, dass ein Fremder in ihren Fellen liegt.


Schließlich tauchte die Schneiderin doch noch auf und das Brummen meines Herrn nahm eine zufriedene Tonlage an, nachdem er erfahren hatte, dass seine neue Uniform im Werden ist und die Herrin wegen der ledernen Applikationen Rücksprache mit dem Sattler nehmen wird. Ich denke, so klar und deutlich wie die Worte des Lederarbeiters gleich nach der Ankunft dieser Frau in Jorts über sein Handwerk waren, wird sie sich hüten Leder zu verarbeiten, das er ihr nicht geliefert hat. Es geht eben nichts über klare und eindeutige Absprachen zwischen den Kasten.

Dienstag, 19. Januar 2016

Umtrunk mit kleinem Imbiss

Als die Ahn nahte, zu der mein Herr anlässlich der Verlängerung seines Gefährtenvertrags zu einem Umtrunk mit kleinem Imbiss ins Gasthaus eingeladen hatte, beeilte ich mich natürlich, dort hinzukommen. Die Schuhmacherwirtin hatte ihm und seiner Gefährtin zwar versprochen, sich um alles zu kümmern, aber daran glauben wollte ich erst, wenn ich die Leckereien sah. Daher hatte ich auch keinen Nerv, Duff mit den Feuerschalen zu helfen. Sie hatte zuvor gerade von einem der Krieger den Auftrag erhalten, sich um die Asche zu kümmern und Holz nachzulegen und erhoffte sich nun von mir Hilfe , weil sich ihre Kettenschwestern anscheinend verdrückt hatten. Na toll, damit war auch klar, dass ich vermutlich die einzige Kajira sein würde, die sich um die Gäste meines Herrn kümmerte.

Tja, wie befürchtet war die Schuhmacherwirtin wirklich nirgends aufzutreiben und irgendwelche vorbereiteten Köstlichkeiten waren auch nicht zu sehen… es war also mal wieder Improvisation aus den Gasthausvorräten angesagt, denn nun tauchten auch schon mein Herr und seine Gefährtin auf, die Schneiderin im Schlepp. Leider rannte Duff sehr zur Irritation meines Herrn endgültig davon, kaum dass eine Fähre anlegte und der mit Jorts befreundete Kommandant von Belnend höchstpersönlich eintraf. Lachend begrüßte er meinen Herrn und meinte, er habe etwas läuten gehört, dass es im jortsschen Gasthaus leckeres Essen und Trinken ohne Bezahlung geben soll. Allerdings erwartete er auch eine Zeremonie und wusste nicht, dass es lediglich eine Vertragsverlängerung mit ein paar Unterschriften gewesen war. Ich glaube, mit dem Umtrunk hatte mein Herr sich letztendlich wohl nur seiner Gefährtin zuliebe einverstanden erklärt.

Gut war, dass die Freien auf dem Marktplatz noch etwas herumpalaverten und mir dadurch ein wenig Zeit zur Vorbereitung des improvisierten Imbisses blieb. Doch durch Zufall entdeckte ich plötzlich im Nebenraum des Gasthauses diverse vorbereitete Platten mit gegarten Fleischspießen, Vuloschenkeln oder Käse, die ich eilig nach draußen brachte, sodass sich die hungrigen Herrschaften auf der Terrasse niederlassen konnten. Mein Herr und vor allem seine Gefährtin und die für die Wetterlage viel zu dünn angezogenen Gäste sahen zwar etwas skeptisch aus, aber mit den Feuerschalen ging es wohl einigermaßen mit der Temperatur… rechtzeitiges Kommen sicherte jedenfalls einen warmen Platz in deren Nähe. Drinnen im Haus war es zwar wärmer, nur wie sollten alle Freien dort bedient werden, wenn sie sich an einen Tisch quetschen müssen, der eigentlich nur Platz für vier Personen bietet und so dicht vor der Außenwand und einer Reihe Fässer steht, dass servieren kaum möglich ist?

Ich gestehe, von den Gesprächen der vielen Gäste habe ich so gut wie nichts mitbekommen, war ich doch viel zu sehr damit beschäftigt noch Krüge mit diversen Getränken, Becher und Kelche heran zu schleppen und alle Freien mit dem Gewünschten zu versorgen. Von irgendwelchen jortsschen Kajirae war leider weit und breit immer noch nichts in Sicht, da sie wohl noch andere Aufgaben zu erledigen hatten. Der Kommandant aus Belnend fand die Bedienung in Anbetracht so vieler Freier zu Recht „ausbaufähig“ und wies seine Kajira daher lachend an, mir zu helfen und ihm nicht nur Kalana einzuschenken, sondern auch einen Teller mit diversen leckeren Köstlichkeiten zusammenzustellen. Doch mein Herr nahm diese Bemerkung gelassen und gab zu meiner riesengroßen Freude schmunzelnd von sich: „Bo, aus dir spricht Neid... eine Dita hat nicht jeder.“


Zum Glück konnte mein Herr als fast alle Herrschaften versorgt waren, doch noch eines der drei Mädchen der Sklavenhändlerin zum Servieren einspannen, weil sich inzwischen weitere Gäste am zweiten Tisch platzierten und der Schmied war an diesem Tag leider ohne seine Kajira. Die anderen beiden Kajirae der Sklavenhändlerin waren wohl immer noch mit irgendwelchen Feuerschalen am Hafen und Marktplatz beschäftigt, bedienten später aber wenigstens ihre Herrin. Ich war jedenfalls mehr als froh, dass ich mich um den zweiten Terrassentisch nicht zu kümmern brauchte, nachdem ich dort einige Platten mit Essen, Getränkekrüge, Becher und Kelche platziert hatte, denn der Sattler hatte seine Ravina mitgebracht, die dort notfalls bedienen würde.


Während mein Herr sich mit dem Kommandanten aus Belnend über dessen neue Sklavin, dass der Brauereikrieger am Handende unter die Haube einer Gefährtenschaft kommt, kriegerische Bedrohungen, ob Vulos Eier legen, wenn sie gackern und die immer noch säumigen Thalarions unterhielt und die beiden das Missverständnis über die Viecher nun wohl aus der Welt schaffen konnten, erlaubte er mir von den noch reichlich vorhandenen Köstlichkeiten zu nehmen. Doch irgendwie war weiterhin so viel zu tun, dass dafür einfach keine Zeit blieb. Hunger verspürte ich erst, nachdem endlich alle Herrschaften versorgt waren und ich mich ein wenig an meinen Herrn anschmiegen durfte. Keine Ahnung, vielleicht hörte er meinen knurrenden Magen, denn plötzlich füllte er mir etwas von dem leckeren Essen auf einen kleinen Teller und stellte ihn vor mich… mmmmhh, war das köstlich!


Wie gut, dass meinem Herrn nicht nur der Imbiss, sondern auch der Kalana ganz hervorragend schmeckten. Nachdem seine Gefährtin sich schon längst zurückgezogen hatte und schließlich fast alle Gäste gegangen waren, machten sich bei ihm wohl zusätzlich zu Wein und gutem Essen noch die vielen Frühdienste in der letzten Zeit bemerkbar, sodass es ihn ebenfalls nach Hause zog. Wobei ich ihn weder stützen musste, noch einen Eimer vor sein Lager stellen sollte… ich durfte nämlich dort auf dem herrlich weichen Fell schlafen und brauchte an diesem Abend nicht in den verhassten Sklavenkäfig krabbeln. Hach, wie schön… offensichtlich war es mir gelungen, meinen Herrn an diesem Tag besonders zu erfreuen, denn andernfalls hätte er mir eine so tolle Belohnung bestimmt nicht zugestanden! :-)))

Montag, 18. Januar 2016

Die drei Säulen von Gor

Voller Hoffnung, meinen Herrn zu erfreuen, berichtete ich ihm nach seiner Rückkehr von der Wache, dass alle in den letzten Tagen aus den unterschiedlichsten Gründen liegen gebliebenen Hausarbeiten erledigt waren. Außerdem war ich stolz darauf, aus dem viel zu riesigen Knebeltuch zwei annähernd quadratische Tücher gemacht und umsäumt zu haben, denn für einen kleinen Kajiramund wie meinen, war die Masse an Stoff echt zu viel gewesen. Wenn ich meinen Unterkiefer jetzt Tage danach hin und her bewege, bekomme ich immer noch das Gefühl, so gerade eben um eine Maulsperre herumgekommen zu sein. „Ach, du entscheidest was Übergröße ist und was nicht… wäre es nicht schlauer gewesen, Dita hätte vor der Schneideroperation gefragt?“ war natürlich nicht, was ich mir erhofft hatte. 

Zum Glück akzeptierte mein Herr meine total überzeugende Argumentation, dass ich ihn wegen seiner vielen Wachen, der vorzubereitenden Rede, den Absprachen wegen der Zeremonie und der unzähligen anderen Dinge, in die er sonst noch involviert ist, mit einer solchen Nichtigkeit nicht hatte behelligen wollen… er ließ meine Eigenmächtigkeit „ausnahmsweise durchgehen“, obwohl ich nur eine Sklavin bin. Auch was das Füttern und Käfig Ausmisten seines Sleens anbelangte, konnte ich ihn davon überzeugen, alles gut im Griff zu haben und dass ich in seinem Sinne und was das Stroh anbetraf, auch im Sinne seines Geldbeutels handelte. Einzig sein Wunsch, Fenris regelmäßig zu striegeln, lag mir quer im Magen, denn ich weiß, wie ungern der Stinker das mag und außerdem habe ich auch eine gehörige Portion Angst davor, dem gefährlichen Viech und seinen vielen messerscharfen Zähnen ausgerechnet mit einer Bürste zu nahe zu kommen. 

Doch das interessierte meinen Herrn nicht. „Als ob das von Belang ist, so ein Sleen ist teuer… ich frage mich ja, wer mehr gekostet hat, Dita oder Fenris?“ Tja, eigentlich eine überflüssige Frage, denn für mich hatte er ja gar nichts bezahlt und ich bin ja auch kein Sleen, sondern wie gesagt nur eine Kajira. Trotzdem war es gut, dass es in diesem Moment laut an der Haustür klopfte, denn vermutlich hätte mein Herr als nächstes wieder versucht herauszufinden, wie hoch der Preis gewesen war, den mein verschollener Herr seinerzeit meiner früheren Herrin für mich bezahlt hatte. Darüber habe ich nämlich versprochen, Stillschweigen zu bewahren und egal wie oft mein Herr mich noch löchert, ich muss diese Zahl irgendwie komplett aus meinem Gedächtnis gelöscht haben. Aber ok, irgendwann wird er vermutlich meine Sklavenpapiere finden, in denen diese Summe von einem Schreiber eingetragen worden ist.

Der Besucher war der erste Händler mit der Neuen der Sklavenhändlerin, die übrigens den Namen „Hope“ bekommen hat, sodass nun abzuwarten ist, wer bei dieser eher schwierigen Kajira die Hoffnung zuerst verliert. Ihre Herrin wollte, dass sie genau wie alle Sklaven in Jorts von Fenris besabbert wird… also beschnüffelt, damit nach überlebter Sleenprüfung sozusagen eine funktionierende Weglaufsperre installiert ist, weil der Sleen jederzeit ihre Fährte aufnehmen kann. Die Laune des Händlers schien nicht gerade die beste zu sein, allerdings hellte sie sich gewaltig auf, als mein Herr ihm bestätigte, die übermäßige Leuchtkraft der roten Haare dieser Kajira würde sich vermutlich geben, wenn Fenris seinen ekelig stinkenden Schleim erst mal darüber gesabbert hat.

Ich glaube, für die teilweise grassierende, merkwürdige Fußkrankheit, ständig auf Zehenspitzen zu laufen, war die Abhilfe des Sleen gar nicht mehr nötig. Das Mädchen lief schließlich ganz von alleine wieder normal, nur „harta“ verstand sie erst, nachdem ich ihr klar gemacht hatte, der Hunger des Stinkers auf frisches Kajirafleisch würde mit jeder verstrichenen Ehn weiter steigen. Immerhin kam sie diesmal in ihrer Panik nicht erneut auf die Idee, ihre Schenkel zusammen zu kneifen, denn ich vermute in dem Fall hätte Fenris ihr mehr als nur einen Kratzer mit seinen Krallen verpasst. So konnte sie wohlbehalten, allerdings am ganzen Körper mit ekeliger Sleenspucke beschmiert, mit spitzen Fingern ihre Kleidung nehmen und dem Händler nach Hause folgen, um sich dort zu waschen.

Es dauerte übrigens nicht lange und eine Besucherin tauchte auf. Es war die Schneiderin, die der Gefährtin meines Herrn ausrichten ließ, dass ihr neues Kleid, die Handschuhe und auch der dazu passende Stoffgürtel in der Schneiderei zur Abholung bereit lagen. Die Gnädigste hatte sich zwar schon zurück gezogen, doch mein Herr nutzte die Gelegenheit und erkundigte sich, ob es denn schon mit dem Beitritt in die Schneiderkaste geklappt hatte, die vom Sattler und Schmied wohl genau wie alle anderen Kasten eines Handwerks als Unterkaste der Handwerkerkaste angesehen wird. Doch das Weib stammt ja aus dem Norden, wo das Kastenwesen weitestgehend unbekannt ist, sodass der Frau offensichtlich gar nicht bewusst ist, welche Ehre ihr zuteilwird. Außerdem schien ihr die Aufnahmegebühr aufzustoßen, obwohl sie tagelang kostenlos im Kastenhaus der Handwerker gewohnt und die Schneiderei mit einem gut gefüllten Stofflager gegen eine akzeptable Abgabe übernommen hat. 

Letztendlich kam es mir so vor, als ob es der immer halsstarriger werdenden Freien ums Prinzip ging und offensichtlich gar nicht um die Anzahlung, denn sie verdient an einem einzigen Kleid mindestens so viel wie ein Krieger in einer Hand Sold bekommt! Die Frau erkannte vielleicht grundsätzlich nicht, dass in Städten wie Jorts Fähre das Kastensystem eine der drei Säulen ist, genau wie der Heimstein, auf den sie ja demnächst schwören will und die Sklaverei. Jorts ist nicht irgendein Dorf im eher unzivilisierten Norden, wo sie herstammt und wo es natürlich ganz anders aussieht. Ohje, vermutlich habe ich das alles falsch verstanden… muss davon ja auch keine Ahnung haben, denn aus solchen Angelegenheiten hat sich eine Kajira selbstverständlich herauszuhalten. ;-)