Donnerstag, 31. März 2016

Erst drohen, dann erpressen

Es war zwar Mitte der Hand, doch erstaunlicherweise fand kein Waffentraining der Krieger statt… einer der Rarii war weg, ein anderer nicht da, ein weiterer schmollte, einer hatte Spätwache, der häufig mittrainierende Tischler war offensichtlich mit Überlegungen beschäftigt, wie er den Händler am besten verhauen kann und die beiden Söldner machten sich ebenfalls rar. Ich war mir ziemlich sicher, dass meinen Herrn seine Schwerthand zwar juckte, allerdings mit sich alleine wollte er dann auch nicht trainieren. Jedenfalls grummelte er, dass er so keinen Krieg gewinnen kann, den irgendjemand vermutlich schon angefangen hat, auch wenn ihm nichts anderes übrig blieb, als sich der Tatsache des diesmal ausfallenden Waffentrainings zu stellen. 

Wie gut, dass der Händler und seine Gefährtin nebst ihren Kajirae nun auftauchten, bevor mein Herr sich weiter selbst leid tat. Das nicht stattfindende Kriegertraining passte dem Händler übrigens perfekt in den Kram, da er etwas sehr Wichtiges mit meinem Herrn zu besprechen hatte und ihm nebenbei noch den Paga ausgeben wollte, den ich ihm vor kurzem allerdings schon serviert hatte. Aber darüber hielt ich selbstverständlich meine Klappe… werde darin übrigens auch immer besser… denn vielleicht kam er ja nun in den Genuss eines weiteren kostenlosen Getränks. Ich befürchtete natürlich, weil der Händler bei seinem Gesprächsbedarf so geheimnisvoll tat, dass mein Herr mich nicht dabei haben wollte. Doch zu meiner Freude brüllte er plötzlich wundervoll laut meinen Namen, sodass ich eilig hinterher lief.


Puhh, der Händler machte es mit seiner Einleitung spannend… hatte über die Priesterkönige, die Heimsteinangehörigen, Gor an sich, die Fluktuation der Bewohner von Jorts Fähre und überhaupt nachgedacht, also eigentlich über Dinge, die man nicht wirklich und sowieso nicht ändern kann. Die Frage meines Herrn, ob er auch über die Haue nachgedacht hatte, die ihm vom Tischler blüht, verneinte er allerdings… naja, erst mal. Es ging um meinen verschollenen Herrn, der ja nun schon ziemlich lange nicht mehr mein Herr ist. Der Händler wollte wissen, ob er nun tot ist oder nicht. Ich glaube, bei dieser unfassbaren Frage blieb mein Herz echt fast stehen… mein verschollener Herr kann einfach nicht tot sein! Zum Glück schlug es dann weiter, als mein Herr eingestand, wie schwer er sich damit tut, jemanden für tot zu erklären.

Oha, nun wurde der Händler um einiges konkreter. „Fällt es dir schwer, weil du sonst seinen letzten Willen erfüllen müsstest… fällt es dir schwer, weil du seinen letzten Willen jetzt schon übergangen und ihn nicht weiter beachtet hast, um dir deine Wünsche zu erfüllen?“ Bei diesen Fragen fiel mir sofort wieder ein, was mein verschollener Herr in seinem Testament über den Verbleib seines Eigentums festgelegt hatte… also auch, was mit mir passieren sollte. Ich geriet erneut in Panik. Selbstverständlich hatte er mir auch erzählt, wer die drei Personen waren, die Abschriften von diesem Dokument bekommen hatten. Tja, verschollen sein bedeutet noch lange nicht, dass jemand tot ist und dafür gab es bislang weder einen Leichnam noch einen Beweis und außerdem bin ich fest davon überzeugt, er lebt!!


„Wenn du Lucius nicht für tot erklärst, werde ich dafür sorgen, dass es passiert und zwar noch heute!“ beinhaltete jedoch, dass sich schlagartig ganz oberschreckliche Gefühle in mir breit machten, die mein Kajiraherz mit kaltem Griff umklammerten und mir die Kehle zuschnürten, sodass ich kaum noch Luft bekam und meine Ohren anfingen zu rauschen. Außerdem sah ich alles verschwommen. Heftig plinkernd, neigte ich daher schnell meinen Kopf sehr tief, damit meine langen Haare mein Gesicht verdeckten und bloß niemand mitbekam, wie kurz vorm Überlaufen meine Augen waren. Wie durch Watte hörte ich nun allerdings die gefährlich ruhig klingende Stimme meines Herrn, mit der er sich erkundigte, was diese Drohung überhaupt sollte… er würde mich auch dann behalten, wenn mein verschollener Herr tot sein sollte.

Der Händler erwiderte besserwisserisch, zwischen in Obhut nehmen und in Besitz nehmen ist ein Unterschied und behauptete, mein Herr sei ein Dieb, wenn er den letzten Willen eines der besten Tarnreiter ignorierte, den Jorts Fähre je hatte. Nach einem weiteren großen Schluck mit entsprechender Pause, lenkte das Händlerschlitzohr dann aber ein: „Ich will dir nicht drohen, warum auch? Ich brauch ja deine Hilfe, mein Freund! Es gäbe etwas, was mich dazu bringen kann, diese ganze Angelegenheit zu vergessen.“ Damit wurde die Drohung zur Erpressung. ;-)

Mittwoch, 30. März 2016

Freunde helfen einander

Mein Herr war mit dem Hinweis zu einem Rundgang in die Unterstadt aufgebrochen, dass ich nachkommen sollte, sobald ich meine Arbeiten erledigt hatte. Wie fast immer nahm ich den Weg durchs Nebentor und dann an der Taverne vorbei, um erst einmal am Hafen nach ihm Ausschau zu halten, bevor ich dann Richtung Marktplatz und Gasthaus abbiegen wollte. Doch so weit kam ich gar nicht, da er sich vor dem Auktionsblock mit einem Mädchen der Sklavenhändlerin über Sklavenkleidung unterhielt und nun von mir wissen wollte, ob ich verstehen kann, dass Sassy sich mehr als 3 Tuniken wünscht und nicht gerne in einem Sklavenkäfig schläft. Was für eine Frage… na klar konnte ich das!

Trotzdem war es ein heikles Thema, denn ich mag die nächtliche Käfighaltung im Haus meines Herrn nicht und werde mich daran sicher nie gewöhnen. Doch wenn er schon fragt, bekommt er selbstverständlich auch die ehrliche Antwort, dass ich Käfige in meinem ganzen Gorleben nur bei Bestrafungen kennengelernt habe oder bei Sklavenhändlern für ihre Handelsware und nun eben bei ihm. Genauso ehrlich antwortete ich ihm auch über die Vorlieben von Frauen für schöne Kleidung, egal ob frei oder unfrei… das ist nun mal so und muss wohl in den Genen stecken. Und ich erwähnte auch, wie total dankbar ich für seine Erlaubnis bin, dass ich etliche Tuniken aus dem Haus meines vorherigen Herrn mitnehmen durfte und mich ganz besonders über die schönen neuen Sachen freue, die er mir gekauft hat, obwohl er die zuvor erwähnte, äußerst geringe Anzahl an Kleidungsstücken für seine Kajirae als ausreichend ansieht.

Mir ist allerdings auch klar, dass sich eine Kajira ganz viel erst einmal verdienen muss, wie z.B. eine Nacht außerhalb des verhassten Sklavenkäfigs, genauso wie Zugeständnisse an Kleidung und ich weiß auch, wie schnell so ein bisschen Nichts aus rotem Stoff im Feuer landen kann oder ich unten auf den Fliesen am Sklavenring… an das fiese Loch im Garten mag ich nicht mal denken. Sassy fand mich gestern übrigens süß aufreizend gekleidet und ergänzte noch, dass jede Sklavin ein Aushängeschild für ihren Herrn sein kann, was in Arbeitslumpen aber nicht so gut funktioniert. Hach, es war schon ein tolles Gefühl zu spüren, wie mein Herr dabei an dem bisschen roten Stoff herum zupfte, der meinen Sklavenkörper so gerade eben bedeckte, dessen Anblick meine frühere Herrin aber bestimmt mit „etwas sehr knapp geschnitten“ kommentiert hätte. 

Doch meinem Herrn gefiel das vorne großzügig geöffnete rote Teil offensichtlich sehr und nach eingehender Betrachtung meinte er zu meiner Freude: „Dita zu wenig Stoff gibt es nicht, aber ein bisschen was zum Auspacken mag ich auch.“ In der Beziehung ist er wirklich wie viele andere Herren veranlagt. Nachdem er noch ergänzt hatte „wäre es anders, wäre es schlimm“, folgerte Sassy übrigens: „Dann würde Dita vielleicht Horst heißen.“ Puhhh, wie gut, dass mein Herr nun umgehend behauptete, Horst klingt scheiße und ist somit kein geeigneter Name für mich. Während es inzwischen für Sassy Zeit geworden war, sich bei ihrer Herrin zu melden und sie sich Richtung Oberstadt verdrückte, erhielt ich den Befehl: „Dita geh mal schauen, ob der Sattler da ist.“


Selbstverständlich schaltete ich bei diesem Auftrag meinen Kopf ein und lief nicht gleich zurück, um meinem Herrn die Auskunft zu geben, dass ich den Lederarbeiter schon von weitem auf der Bank vor seinem Haus sitzen gesehen hatte, sondern ich erkundigte mich nach einer freundlichen Begrüßung bei dem Handwerker auch gleich, ob er vielleicht Zeit für ein Gespräch mit meinem Herrn hat. „Für deinen Herrn doch immer“, war wie erwartet natürlich die Antwort, die auch mein Herr sich erhofft hatte. Von der beabsichtigten Klage des Sattlers und dem Anraten meines Herrn dazu wusste ich ja sowieso schon, doch hatte ich auch am Vorabend zuhause ein Schriftstück auf dem Tisch liegen sehen… und genau darum ging es.


„Val, ich habe deine Klageschrift gesehen… leider gibt es damit nun ein kleines Problem. Es hat sich seit unserem letzten Gespräch etwas geändert. Als wir uns unterhalten haben, war unser Zeugmeister noch verschollen. Inzwischen weiß ich aber, wo er sich aufhält und warum er sich dort aufhält… also kannst du dir dein Geld von ihm holen, deine Klage wurde abgelehnt. Allerdings sind du und ich ja Freunde und Freunde helfen einander… oder?“ Der nun folgende Vorschlag meines breit grinsenden Herrn, veranlasste den Sattler übrigens, ihn mit erstauntem Blick und offen stehendem Mund anzustarren, bevor er seine Sprachlosigkeit überwand und das tolle Angebot annahm, das hier aber sicherlich niemanden interessiert.


Äußerst passend war übrigens, dass Sassy sich inzwischen dazu gesellt hatte und nun die von ihrem ehemaligen Herrn beim Lederarbeiter für sie in Auftrag gegebenen Sandalen und das Harness vorführen konnte… ein Anblick, den beide Männer bei einem Becher Paga sichtlich genossen, nachdem ich einige Gurte auf Befehl meines Herrn noch etwas fester gezogen hatte. Besondere Mühe habe ich mir natürlich bei den zwischen ihren Schenkeln laufenden Riemen gegeben, da ich doch aus eigener Erfahrung sehr gut weiß, worauf es ankommt. ;-)

Dienstag, 29. März 2016

Im Hintergrund…

diesmal allerdings stumm und mit neutralem Gesichtsausdruck.

Mist, ich war etwas spät dran, traf meinen Herrn aber gleich hinter dem Nebentor auf meinem Weg in die Unterstadt. Echt schade war bloß, dass mir nur sehr wenig Zeit für seine Begrüßung blieb, nachdem ich mich etwas unbeholfen wegen meiner verschorften Knie und Fußrücken vor ihm niedergekniet hatte. Erst verstand ich gar nicht, warum er mich so schnell zur Seite schob, doch dann entdeckte ich sein Weib, die offensichtlich darauf lauerte, ihn zu umarmen und ich weiß nicht was alles noch sie sich in der Öffentlichkeit nicht verkneifen konnte, weil sie ihn wegen einer Reise eine halbe Hand nicht gesehen hatte. Aber egal, geht mich nichts an und die Moralapostel von Jorts Fähre waren nicht in Sicht. Wobei ich von meinem Platz im Hintergrund nur den Weg vor der Arena sehen konnte, denn ich ließ meine Blicke lieber über das schöne Vosktal und die Stromschnellen vor dem Leuchtturm schweifen, anstatt dem Geknutsche der Grünen zuzuschauen.

Aufhorchen ließ mich schließlich die Frage meines Herrn an seine Gefährtin, ob sie auf ihrem Weg vielleicht den Tischler und den Händler zusammen gesehen hatte und ihre Auskunft, dass sich beide auf der Gasthausterrasse verbal reichlich beharkt hatten, machte mich natürlich sehr neugierig, auch wenn einer Kajira Neugier nicht steht. Meinem Herrn schien es nicht anders zu gehen, denn er schnippte darauf nur noch kurz mit den Fingern nach mir, bevor er sich auch schon Richtung Marktplatz in Bewegung setzte. Die Auseinandersetzung zwischen den beiden Männern schien mittlerweile jedoch vorbei zu sein oder war vertagt worden, denn der Tischler saß stumm auf seinem Lieblingsfass auf der Terrasse. Eigentlich wollte der Händler meinen Herrn auf einen Tavernenpaga einladen, doch das hatte sich anscheinend erledigt.


Ziemlich erstaunt sah mein Herr übrigens aus, als plötzlich ein Säckchen mit Münzen auf ihn zugeflogen kam, das der Bauer ihm von seiner Bank vor der Terrasse aus zuwarf… die Sklavenhändlerin hatte für ihre neueste Kajira einige Kupfer an die rote Kaste gezahlt. Aha, vor kurzem hatte ich diesen Herrn über seine Überlegungen mit meinem Herrn sprechen hören und weiß auch, dass mein Herr etwas Schriftliches anfertigen wollte, doch erfährt eine Kajira natürlich nicht zwangsläufig, wenn der Rat die Stadtgesetze ändert. Oder hatte der Bauer in seiner Funktion als Ratsmitglied zwischenzeitlich einfach so beschlossen, dass die beiden zurückgelassenen Kajirae des verschwundenen Zeugmeisters an die rote Kaste gehen? Gesetze und Geschreibsel hin oder her, über den Preis, den mein Herr für die andere Kajira noch berappen soll, bestand zumindest gestern noch keine Einigkeit, zumal der verschwundene Zeugmeister auch nicht mehr als tot gilt und man seinen Aufenthaltsort zu kennen glaubt. 

Also, was soll’s… das Geschacher um die Mädchen des Zeugmeisters interessierte mich wirklich nicht und da mein Herr mir inzwischen den Münzbeutel mit dem Hinweis überreicht hatte, ihn auf dem Rückweg ins Kriegerhaus zu bringen, erledigte ich das lieber gleich. Bei meiner Rückkehr war der Händler inzwischen fort und auch der Tischler verabschiedete sich gerade… merkwürdigerweise mit der Begründung, er sei in Jorts zwar nicht mehr gerne gesehen, trotzdem aber nicht unehrenhaft. Kein Wunder also, dass mein Herr nun erneut die Frage stellte, ob es Streit mit dem Tischler gegeben hatte. Mist, warum musste es ihn ausgerechnet jetzt nach seinem kostenlosen Paga gelüsten und die Gnädigste sich dann auch noch ein Wasser bestellen, wo mich das doch so interessierte, denn ich mag den tischlernden Holzfäller nun mal.

Doch anscheinend hatte mein Herr noch keine Antwort erhalten, denn als ich zurückkam eierten die Gespräche immer noch um die persönliche Bereicherung an zurückgelassenen Sachen, für die es bislang keine verbindliche Regelung gab… mich hatte mein Herr ja auch einfach so gekrallt, nachdem mein verschollener Herr, der nicht mehr mein Herr ist, nicht zurückkam. Einzig wichtig für mich bei dem eher peinlichen Hin und Her über die Zeugmeisterkajirae war übrigens, mein Mundwerk zu halten und meinen Gesichtsausdruck auf neutral zu stellen, während ich die sanft mein Haar kraulende Hand meines Herrn genoss. Auf eine weitere Lektion seiner Erziehungsmaßnahmen lege ich vorerst wirklich keinen Wert, auch wenn er sie Überraschung nennt.

Meine Geduld wurde schließlich belohnt und die Gespräche wandten sich irgendwann tatsächlich dem Streit zwischen dem Händler und dem Tischler zu, der dem Händler jetzt wohl ein paar Tage Frist eingeräumt hatte, sich bei ihm zu entschuldigen. Nun wurde mir auch klar, warum die Händlergefährtin an diesem Tag ihre Haare bedeckte, die sie sonst ja in einer Mischung aus hochgesteckt und hinten lang wallend trägt. Der Zwist drehte sich nämlich um seitlich geflochtene, ansonsten offenen Haare, mit denen die Schneiderin vor kurzem anscheinend durch die Stadt gelaufen war… hochgesteckt und hinten wallend, wie die langen Haare der eigenen Gefährtin manchmal oder die kürzeren der Gefährtin meines Herrn scheinen den Händler in seiner Funktion als jortsscher Moralapostel nicht zu stören. 

Puhhh, ich hatte mir schon nicht erklären können, warum sich seinerzeit einer der Männer! über die nackte Statue einer Sklavin mokierte, nachdem sie viele Märkte das Haupttor geziert hatte und jetzt ging es um die Frisur einer Heimsteinangehörigen? Beleidigt man deswegen aber einen Handwerker, der sich eigentlich in Jorts Fähre niederlassen möchte und diese Frau gefährten will?! Muss es wegen einer Frisur unter zwei erwachsenen Männern überhaupt zu einer Auseinandersetzung kommen, die so eskaliert, dass sie möglicherweise sogar mit Fäusten ausgetragen wird?!? Für mich irgendwie unfassbar, wobei ich den ganzen Werdegang nicht mitbekommen und einiges daher vielleicht falsch verstanden habe?

Ich dachte immer, es geht den freien Frauen genau wie bei den Schleiern um ihren eigenen Schutz, um nicht mit wallenden Haaren für eine Kajira gehalten und in der nächsten Gasse flach gelegt zu werden oder weil es ihr Gefährte aus dem gleichen Grund zu ihrem Schutz so will! Falsch gedacht… mit dieser Meinung scheine ich in Anbetracht des allgemeinen Aufstöhnens der jortsschen Weiber wegen der Schleierpflicht, die allerdings ihre Rechnung ohne gewisse männliche Moralapostel gemacht haben, ziemlich daneben zu liegen. Es bleibt mal abzuwarten, ob der Stadtrat von Jorts Fähre demnächst nun auch noch die für freie Frauen zugelassene Haarmode in die Stadtgesetze aufnehmen wird… mir soll’s zum Glück egal sein, denn ich bin nur eine Sklavin.

Mein Vorsatz, den Gesprächen der Freien mit neutralem, unbeteiligten Gesichtsausdruck zu lauschen und vor allem die Peinlichkeiten eines Stadtratmitglieds in einer öffentlich auf dem Marktplatz abgehaltenen Ratssitzung einfach zu überhören, wurde übrigens auf eine besonders harte Probe gestellt, ist mir aber wohl mit ein paar Tricks zur Neutralisierung meiner entsetzten Miene einigermaßen gelungen... ich bin eben nur eine Kajira. Aus diesem Grunde werde ich hier nichts weiter darüber erwähnen, wie schnell ein Heimsteinangehöriger fallen gelassen wird und ich werde mich auch nicht näher über das Handeln des Rates nach dem Motto „die mag ich, den mag ich nicht“ auslassen oder wer dazu genickt hat, denn ich bin mir sicher, dass dieses Handeln nicht im Sinne meines Herrn war.

Ich bin zwar unfrei, doch seit dem letzten Überfall und jetzt nach dieser Veranstaltung auf dem Marktplatz wundert es mich nicht wirklich, dass offensichtlich Gerüchte über diesen Stadtrat weit über das Tal des Vosk hinaus kursieren.

Montag, 28. März 2016

Auf allen Vieren

Mein Herr hatte im Kriegerhaus diverse vom Tischler gefertigte Speere begutachtet. Sie fanden offensichtlich seinen Gefallen, denn er schickte mich zurück, um aus seinem Schreibtisch einen vorbereiteten Vertragsentwurf für zukünftige Speerlieferungen an die rote Kaste zu holen, den sich der Handwerker in Ruhe durchlesen sollte. Da inzwischen außer Sassy und mir noch die Kajira des Thalarionstaffelanführers aufgetaucht war, befahl er für einen letzten Test, dass wir uns hintereinander aufstellen sollten, sodass er einen Speer unter unseren Armen einklemmen konnte, um daran herum zu hebeln. 

Sehr zutreffend fand ich übrigens die Bemerkung des Tischlers bei seinem Versuch: „Hauptmann, du siehst aus, als hättest du Verstopfung!“ Mein Herr bekam nämlich einen knallroten Kopf, als er mit aller Kraft den Speer durchzubrechen versuchte. Das Holz drückte zwar richtig unangenehm unter der Achsel und bog sich ziemlich durch, doch es brach nicht. Der Tischler hatte es anscheinend mit irgendeinem Trick geschafft, dass die Fasern sehr biegsam wurden und nicht brachen. Nicht nur mein Herr war mit der gelieferten Qualität zufrieden, sondern selbstverständlich auch der Tischler mit seiner Arbeit, denn er überlegte nun laut, ob er vielleicht mehr verlangen sollte, hatte allerdings noch gar keinen Preis genannt.

Leider passierte es mir dann mal wieder, dass ich zu laut dachte und etwas über Anfüttern mit günstigem Preis von mir gab. Prompt bollerte mein Herr mit dem Speer auf den Boden und gab ein bedrohliches Brummen in meine Richtung von sich, was mich natürlich umgehend verstummen ließ, während der Tischler sich zu mir beugte, um mir leise ins Ohr zu flüstern, dass ich doch auch nicht unter Wert verkauft werden möchte, bevor er mir noch einen Klapps auf mein Hinterteil gab und sich wieder aufrichtete. Immerhin schaffte ich es jetzt wenigstens, die mir auf der Zunge liegende Erwiderung herunter zu schlucken und meinen "kein Wässerchen trüben können" Blick aufzusetzen. 

Der Tischler hatte noch zu arbeiten, Sassy anscheinend einen Termin beim Schmied und auch die Kajira seines Thalarionstaffelanführers verdrückte sich, nachdem mein Herr ihr den Befehl mit auf den Weg gegeben hatte, dass er dringend mit ihrem Herrn zu sprechen wünscht. Die Wartezeit auf diesen eher selten anzutreffenden Krieger überbrückte mein Herr mit einigen Überlegungen, die auch den Wechsel des Kragens seiner neuesten, geerbten Sklavin betrafen. Und wie immer, wenn wir mal alleine sind, nutzte ich die Gelegenheit für die eine oder andere Frage, denn es gibt immer noch sehr viele Dinge, von denen ich nicht weiß, wie er sie handhabt.


Eine meiner Fragen bezog sich auf Bestrafungen und ob mein Herr mich als seine Erste für irgendwelchen Mist seiner anderen Kajirae bestrafen wird, weil ich ja verantwortlich für sie bin. Uff, mir fiel echt ein Stein vom Herzen, als er dies verneinte. Leider kam er bei diesem Thema jedoch auf mein manchmal zu vorlautes Mundwerk zu sprechen. Eiligst beteuerte ich selbstverständlich umgehend meinen Willen, wirklich ständig und immer wieder alles zu geben, um mich zu bessern, da mir mein gelegentlich zu lautes Denken durchaus bekannt ist. Trotzdem überlegte mein Herr, mir gegen Vergessen vielleicht noch eine kleine Lektion zu erteilen. 

Mist, da der Rarius warum auch immer nicht mehr auftauchte, befestigte mein Herr schließlich die Kette an meinem Kragen und stellte seinen Fuß so darauf, dass ich nach unten gezogen wurde. Mein Anblick zu seinen Füßen schien ihm zu gefallen, denn seine Worte „du bist nur ein Tier an einer Kette“ klangen, als ob er schmunzelte, bevor er kräftig an der Kette zog und mich im Raum herum führte, sodass ich hinter ihm hinterher krabbeln musste. Danach befahl er mir, mich auszuziehen, formte aus dem Tunikastoff einen kleinen Ball, den er mir in den Mund stopfte und band meine Sandalen mit Schnüren am Kragen fest, sodass sie herunter baumelten. 


Inzwischen war es spät geworden, mein Herr ruckte ein weiteres Mal kräftig an der Kette und stapfte dann gemütlich nach Hause… ich auf allen Vieren hinterher. Zum Glück war es nur ein kurzes Stück, denn das Pflaster fühlte sich an meinen Händen, den Schienbeinen und vor allem auf den Fußrücken äußerst unangenehm an. Doch was sollte ich machen, meinem Herrn gefiel es, sein Tierchen krabbelnd nach Hause zu führen und nur das zählte. Immerhin durfte ich den Stoff aus meinem Mund nehmen und auch die Sandalen vom Kragen abmachen, bevor ich zur Nacht an den Sklavenring gekettet wurde.


Ich gebe zu, von wilden Träumen über die gefährlichen Stromschnellen des Vosk geplagt, hatte ich nicht allzu gut geschlafen und darüber den letzten Befehl meines Herrn am nächsten Morgen leider vollkommen vergessen. Mit einigen unangenehmen Hieben auf meinen Allerwertesten half er meiner Erinnerung an Haltung und Sprechverbot auf die Sprünge. Ich hatte es mit meinem falschen Benehmen zwar nicht verdient, bekam von meinem Herrn aber trotzdem eine Schale mit Wasser hingestellt und auch einige Brocken Brot warf er neben mir auf den Boden. Hungrig und durstig, aber auch sehr dankbar, machte ich mich darüber her.

Tja, ich hatte nichts gehört, doch als nächstes wurde ich zur Haustür geschickt, weil dort angeblich irgendein Geräusch gewesen war… Hauptmannsohren sind eben besser als meine. Es war dort zwar niemand, allerdings flatterte mir ein Papier entgegen, das vielleicht eingeklemmt gewesen war. Es war anscheinend vom Händler, denn mein Herr kritzelte eine Antwort darauf, gab mir den Zettel erneut zwischen meine Lippen und schickte mich damit zu dem Herrn… natürlich so wie ich war und auf allen Vieren. Wahhh, noch wund vom Vortag, tat das Krabbeln auf den rauen Pflastersteinen jetzt noch mehr weh. Zum Glück musste ich aber nicht bis zum Händlerhaus, sondern traf ihn am Brunnen.


Mit zusammen gebissenen Zähnen kam ich erst mit einiger Verzögerung zuhause an, wo mein Herr seinem Gast inzwischen selbst geöffnet hatte und mich sogleich mit „harta!“anherrschte, zwei Paga zu servieren. Ich denke, wie schrecklich es war, weiterhin auf allen Vieren zu krabbeln und in dieser Haltung Paga zu servieren… wobei es eher ein unbeholfenes Anreichen war… muss ich nicht näher beschreiben. Wobei für mich nur zählte, es war der Wille meines Herrn, mich so zu sehen. Deswegen war es mir auch äußerst wichtig, ihm ohne Murren zu zeigen, dass ich diese Erziehungsmaßnahme mit Demut hinnahm.


Da logischerweise alle meine Sinne darauf gepolt waren, bloß keinen Fehler zu machen, um nicht womöglich noch vom Regen in die Traufe zu fallen und die Nacht im Loch verbringen zu müssen, ging das Gespräch zwischen meinem Herrn und dem Händler über eine vom Sattler angekündigte Klage und was zukünftig mit dem Besitz von verschollenen Heimsteinangehörigen passieren soll, eigentlich komplett an mir vorbei. Außerdem war meine zunehmend wundere Haut immer schmerzhafter zu spüren… dabei ahnte ich nicht, was mir noch bevorstand. 


Kaum hatte der Händler seinen Besuch beendet, gelüstete es meinen Herrn danach, mit seiner krabbelnden Kajira einen Spaziergang zum verlassenen Haus der zweiten Grünen zu machen, die zurück zu ihren Verwandten in den Norden gezogen war. Mein Herr überlegte auch, ob es die anderen Kajiae vielleicht lustig finden, mich krabbeln zu sehen. Doch war es mir vollkommen egal, was wer über mich denkt und hielt darüber wirklich meine Klappe, zumal mir sprechen immer noch verboten war. Außerdem kämpfte ich verbissen, wegen meiner aufgescheuerten Haut, die sich inzwischen wie rohes Fleisch anfühlte, keinen klagenden Piep von mir zu geben.

Todunglücklich und verzweifelt vor Schmerzen, war ich schließlich unendlich erleichtert, als mein Herr mich für diese Nacht unten am Sklavenring ankettete und ich nicht mehr ins Obergeschoss krabbeln musste. Seine sanfte Hand dann streichelnd auf meinem Rücken zu spüren und seine Erlaubnis, mir die wunde Haut eincremen zu dürfen, ließ meine Tränen zuletzt aber doch noch überfließen, nachdem seine Schritte auf der Treppe oben verklungen waren. Auch ohne diese Lektion war mir schon ewig lange klar, eine Kajira hat kein Recht auf Gerechtigkeit und steht in der Hierarchie vielleicht sogar hinter einem Haustier… trotzdem bin ich ein Mensch mit Gefühlen.

Freitag, 25. März 2016

Anträge

Mein Herr stampfte schon ungeduldig mit dem Fuß auf, während ich mich nach der Klärung nicht vorhandener blauer Flecken nun mit dem Anziehen beeilte, denn es sollte zur Wiese gehen. Dort fand wie immer Mitte der Hand das Waffentraining statt und einige aufeinander treffende Klingen waren schon von weitem zu hören, sodass mir klar wurde, wie sehr es meinem Herrn in seiner Schwerthand jucken musste. Er war auch wirklich gut drauf beim Training und der Brauereikrieger zollte ihm entsprechende Anerkennung, auch wenn es natürlich jede Menge Grasflecken gab, denn der Holzfäller war wie immer in unglaublicher Superhöchstform. 


Hach, diesen beiden Männern beim Training zuzuschauen war echt ein unbeschreiblich toller Anblick, bei dem ich mich von den anwesenden Weibern auch nicht stören ließ, die aber wohl ebenso gebannt zuschauten wie ich. Mein Herr befürchtete in einer kurzen Verschnaufpause zwar, am Abend mit blauen Flecken übersät zu sein, war aber trotzdem nicht zu bremsen und da der Tischler zuvor schon seine Klinge mit der des Kriegers von der Brauerei gekreuzt hatte, gönnte er dem Handwerker schließlich ein kurzes Verschnaufen, um sein Training voller Elan mit dem Hünen von Brauereibesitzer fortzusetzen.

Interessant war, dass der Tischler am Ende zu meinem Herrn sagte, dass er sich mal mit ihm unterhalten müsse. Prompt befürchtete dieser, er hätte Schulden beim Tischler und bot sofort an, sie von mir bei ihm abarbeiten zu lassen… doch das war nicht der Fall. Nein, es ging um die Gefährtenschaft mit der Schneiderin, die ja nun schon seit langem jedem Vulo in der Stadt bekannt ist. Einen Antrag hatte der Herr seiner Angebeteten anscheinend jedoch noch nicht gemacht, denn die Herrin sah nun aus, als würde sie vor Schreck fast umkippen. Wie erwartet sagte sie jedoch nicht nein, sondern wandte lediglich ein, dass der Tischler doch kein Heimsteinangehöriger sei, alles also nicht so einfach.

Ich habe es noch nie verstanden und ich werde es vermutlich auch nie, was Männer an einer Gefährtenschaft finden. Doch dem Tischler scheint es mit diesem Weib ziemlich ernst zu sein, denn lachend gab er nun von sich, dass er die Frau andernfalls auch in den Norden zerren kann. Da mein Herr selbstverständlich keine Heimsteinangehörige verlieren und außerdem den Handwerker in der Stadt behalten möchte, hakte er sofort ein, wie schön es wäre, wenn sich der tischlernde Holzfäller zum Schwur auf den Heimstein von Jorts Fähre entschließen würde, zumal der ja außer einer Einladung zur Feier und einem Essen hinterher auch nix kostet. Oha, der Herr wollte sich nicht in Unkosten stürzen und glaubte doch tatsächlich, es sei mit einem Keks vor jeder Tür getan.

Bevor mein Herr jedoch einen Aushang wegen dieses Heimsteinschwurs macht, wollte er natürlich Gewissheit haben. Er schickte mich später noch einmal zum Tischler, der inzwischen mit seiner Fastgefährtin Richtung Gasthaus verschwunden war, mir nach kritischem Schnuppern vorher allerdings noch aufgetragen hatte, ihm am nächsten Tag Badewasser zu wärmen. Wegen der inzwischen vorgerückten Ahn meinte er nämlich, sich zwar mit einer kurzen Wäsche noch helfen zu können, doch ein richtiges Bad gegen Stinken sei auch mal wieder nötig. Wie gut, dass ich ihn schließlich gerade noch erwischte, bevor er in seinem Haus verschwand, da seine Felle nach dem anstrengenden Training wohl sehr laut nach ihm riefen.

Seine Antwort auf meine Frage lautete nämlich: „Ich bin ein Sohn des Nordens, aber ich denke, dass ich wohl hier bleiben werde. Sage deinem Herrn, ich werde den Schwur leisten… und vergiss nicht das warme Wasser morgen.“ Wow, während er diese Worte sprach, legte er sehr sanft seine Hand an meine Wange… eine Geste, bei der es mein Inneres ganz warm durchströmte. Richtig heiß wurde mir jedoch, als der Tischler mich schließlich mit seinen starken Armen an sich zog, um seinen Entschluss mit einem innigen Kuss zu besiegeln, bevor er sich dann aber tatsächlich in seine Felle begab… und zwar alleine, da er morgens immer sehr früh aufsteht.

Vermutlich lief ich nach diesem Kuss mit total verklärtem Gesichtsausdruck auf der Suche nach meinem Herrn durch Jorts. Ganz bis zur Wiese musste ich jedoch nicht, denn mein Herr war beim Sattler und hatte ihn gebeten, seine Haustür sperrangelweit auf zu lassen, damit ich ihn ohne Probleme finde. Diese Umsicht und vor allem das Gefühl, erwartet zu werden, ließ es erneut ganz warm in meinem Innern werden… oder wartete er vor allem auf mich, um Näheres über den Entschluss des Tischlers zu erfahren? Später zuhause zeigte er mir allerdings auf eine wundervoll besitzergreifende Art sehr deutlich, dass ihm nicht nur Informationen von mir wichtig sind, sondern an diesem Tag auch eine andere „Aufmerksamkeit“. 

So ganz wichtig schien ihm die Nachricht über die Absichten des Tischlers jedenfalls nicht zu sein, denn er zog mich mit seinem starken Arm erst einmal herrlich eng an sich, um sein Gespräch mit dem Sattler unbeirrt fortzusetzen über eine Klage und ein mit dieser Klage verbundener Antrag an den Rat. Es ging um die offene Zahlung für einige Maßanfertigungen, die der Sattler für eine der beiden Sklavinnen des Zeugmeisters hergestellt hatte, die die jetzige Eigentümerin der Kajira jedoch nicht bezahlen will. Die Problematik dabei scheint wohl die vom Lederarbeiter angezweifelte Objektivität des Stadtrates zu sein. 

Ein Ratsmitglied ist nämlich der Gefährte der Beklagten und das andere kann den Sattler nicht leiden und hatte ihn außerdem in der Vergangenheit schon einmal zum Duell gefordert. Bei diesem logischerweise sehr ungleichen Schwertkampf zwischen dem Krieger und dem Handwerker wäre Letzterer fast zu Tode gekommen. Tja, die Bedenken des Lederarbeiters waren für meinen Herrn also durchaus nachvollziehbar, aber auch kompliziert, da ein unabhängiger Richter natürlich nicht so einfach zu finden ist. Es bleibt also spannend, sollte der Zeugmeister tatsächlich nicht wieder auftauchen.

Donnerstag, 24. März 2016

Blumenverschönerung gescheitert

Oha, mein Blick vom großen Stadttor über die Unterstadt zeigte mir etliche Freie auf dem Marktplatz und auch am Hafen schien einiges los zu sein, da erneut die Leute aus Vakur angereist waren. Ich entschloss mich für den Hafen, um dort nach meinem Herrn Ausschau zu halten und hatte Glück, denn er unterheilt sich gerade mit der Bäckerin aus dem Norden über irgendeinen Handel, den der Zeugmeister vor seinem Verschwinden noch angeleiert hatte. Gleichzeitig ließ mein Herr sich das Getue um zwei gefesselte Wilde nicht entgehen, mit denen sich einige Besucher, der Holzfäller und der Krieger von der Brauerei befassten. Letzterer schien übrigens von einer der beiden Gefangenen gebissen worden zu sein und wurde von der Gefährtin meines Herrn schließlich verarztet. 


Hach, es war einfach ein schönes Gefühl, sanft von der Hand meines Herrn durchgewuschelt zu werden, an der noch sämtliche Finger dran waren. Er stellte nämlich die Vermutung auf, dass der Brauereikrieger gerade einige Finger verlor. Doch nach ausgiebigem Desinfizieren war die Verletzung anscheinend gar nicht so schlimm und alle Finger doch noch dran. Einzige Auflage für den Verletzten war, einige Tage nicht in den Brauereikesseln zu rühren. Wie gut, dass mir sämtliche Brauereierzeugnisse verboten sind, denn die Vorstellung, die Pranken des Brauers rühren bei der Herstellung in den Kesseln, behagte mir irgendwie nicht… aber vermutlich habe ich da irgendetwas nicht ganz richtig mitbekommen.


Durchaus verständlich war für mich, dass mein Herr bei so viel tatenlosem Zuschauen Hunger und Pagadurst bekam, sodass es ihn bald auf die Gasthausterrasse zog, wo sich einige Nordleute bereits Met in ihre Kehlen schütteten. Wieso sie das Zeug aus Hörnern serviert bekamen, erschloss sich mir allerdings nicht, da ich solche unpraktischen Dinger in der Gasthausküche noch nie gesehen hatte… vielleicht waren es  eigene, die sie sich mitgebracht hatten. Während sich das Gespräch mit den etwas mundfaulen Gästen ein wenig zäh gestaltete, schickte mein Herr mich übrigens immer wieder zum Eingang der Terrasse, wo ich Ausschau nach dem Bauern halten sollte… leider immer vergeblich.

Eine ganze Weile später tauchte der Gesuchte dann aber doch noch auf und mein Herr konnte endlich mit ihm über die Stellvertreterfrage sprechen, denn die Gäste waren bereits schlafen gegangen. Bei diesem Gespräch kam außerdem leider heraus, dass sich die Sklavenhändlerin immer noch nicht eingekriegt und bei dem Hofkrieger in seiner Funktion als Ratsmitglied beschwert hatte, weil mein Herr sich angeblich ihren Besitz hatte aneignen wollen… es ging immer noch um die eine der Zeugmeisterkajirae. Tja, schade, dass sich dieser Herr nicht wirklich mit den in Jorts geltenden Gesetzen auskennt und nachdem mein Herr ihm die Sachlage eingehend erläutert hatte, sah er anscheinend keinen anderen Ausweg, als sich in eine Beleidigung über den Stadtrat zu flüchten und seine Rückkehr in selbigen zu bedauern. Selbstverständlich habe ich bei dieser äußerst peinlichen Äußerung aber meine Ohren auf Durchzug gestellt.

Etwas später war von Durchzug jedoch keine Spur mehr, sondern wieder volle Konzentration gefordert, weil es arg brenzlig wurde. Mein Herr zitierte mich nämlich in seinen Garten und wollte von mir wissen: „Dita, Dita, was war das denn… denkst du, ich merke es nicht?“ Ohje, die Blumendekoration auf dem fiesen Loch! Nur darauf konnten seine Fragen abzielen, da war ich mir sofort sicher, druckste aber trotzdem noch kurz herum. Hätte ich mir sparen sollen, denn nun packte mein Herr mich an den Haaren und zog mich zu dem Loch, während er mich erbost anfauchte: „Das Loch… Dita, du hattest es mit den Blumen zugestellt! Willst du, dass man es nicht benutzen kann?!“ Gleichzeitig drückte er meinen Kopf immer tiefer über das fiese Ding, sodass schon der feuchtmoderige Geruch aus der Grube unter dem Loch in meine Nase stieg.

Wegen der Panik, die mich nun ergriff, erinnere ich nicht mehr genau, was ich als Erklärung alles über die Blumenverschönerung gestammelt habe, über die Fenris sich schwanzwedelnd total gefreut hatte und die man doch jederzeit und ganz einfach hätte forträumen können, falls das Loch wirklich mal gebraucht wurde. Ich hatte doch wirklich nicht beabsichtigt, meinen Herrn mit der Dekoration zu erzürnen und wusste doch außerdem, dass es eh keine Möglichkeit gibt, ihn diese schreckliche Strafmaßnahme vergessen zu lassen! Mein Herr klang leider immer noch kein bisschen besänftigt, als er nun das Loch öffnete: „So so… Dita das Loch bleibt offen, ist das klar… keine Blumen mehr! Wir werden es jetzt mal ausprobieren… kletter hinein!!“ Obwohl ich am ganzen Körper vor Angst zitterte, kam ich diesem Befehl eilig nach. Ich befürchtete nämlich in dem Teil womöglich eine Weile verbringen zu müssen. Doch dann lachte mein Herr: „Na gut, du passt rein, das zählt. Mach deine Sachen nicht dreckig… ab nach oben ins Haus mit dir, Dita!“ 

Vermutlich als Nachwirkung von dieser schrecklichen Probe, hatte mich nachts ein Alptraum geplagt. Allerdings träumte ich nicht von dem Loch, sondern davon, dass mir ständig jemand in meine Pobacken piekte… immer wieder… und mich damit zu irgendetwas drängte. Wobei, so ganz sicher über den Traum war ich mir dann doch nicht. Womöglich sah mein Hintern wie ein Fliegenpilz aus, nur war er nicht mit weißen Punkten übersät, sondern mit blauen Flecken? Wie in letzter Zeit fast immer, kam ich mal wieder als Letzte nach unten, während sich mein Herr und seine Gefährtin mit der Obhutsklavin unterhielten, sodass ich erst einmal still im Hintergrund blieb und prüfend über meine Pobacken rieb. Zu spüren war wirklich nichts, aber wenn mein Herr schon eine Gefährtin aus der grünen Kaste hat, dann war es sicherlich nicht verkehrt, sie meinen Allerwertesten mal auf blaue Flecken untersuchen zu lassen. Merkwürdig… es waren tatsächlich keine da.

Mittwoch, 23. März 2016

Was für ein Tag

Der Tag setzte sich nach dem Verholen der Kiste ins Lager und dem Stapeln von Brennholz mit nicht alltäglichen Aufträgen fort. Auch sonst war es ein eher ungewöhnlicher Tag, denn es war einer mit Trubel vor dem Haus meines Herrn, ein paar Sitzkissen sollte ich dann aber doch nicht nach draußen holen. Kaum hatte sich der Schmied verdrückt, tauchte er übrigens schon wieder auf… in Begleitung eines der beiden Söldner, der sich nun offensichtlich dazu entschlossen hatte, meinen Herrn beim Wort zu nehmen. Er hatte den beiden Kriegern am Vorabend auf der Terrasse nämlich eröffnet, unter Umständen Arbeit für sie zu haben, die mit Stahl vollbracht werden muss. Dieses Angebot beruhte auf der vielleicht erforderlichen Unterstützung von Belnend, wo sich wohl einiger Ärger anbahnt und auf kriegerische Auseinandersetzungen möchte mein Herr natürlich möglichst gut vorbereitet sein.


Nun in Jorts Fähre ein Haus zu beziehen, überraschte den Söldner offensichtlich etwas, doch schien er sich nach kurzer Grübelei mit diesem Gedanken anfreunden zu können, sodass mir nun die Aufgabe zukam, ihm einige Unterkünfte zu zeigen. Dabei machte sich zunehmend mehr das Gefühl in mir breit ausgehorcht zu werden… ob mein Herr Ubar seines Heimsteins ist, ob es viele Krieger in der Stadt gibt, wie oft Jorts in Kriege verwickelt ist und auf welcher Seite die Stadt beim Ausbruch des Voskkriegs stand. Meine Antworten wurden logischerweise immer vager, denn dieser Krieger war mir fremd und vor allem hatte er sich noch nicht für Jorts Fähre verdient gemacht. Wie sollte ich einschätzen, ob es wohlwollendfreundliches Interesse war oder das Sammeln von Informationen, die im Kriegsfall an den Meistbietenden verkauft werden könnten? 


Auch wenn eine Kajira für ihren Herrn immer ihre Augen und Ohren bei interessanten Informationen aufsperren muss, hat sie sich aus Angelegenheiten der roten Kaste herauszuhalten, egal wie offen ihr Herr mit ihr spricht, wenn sie alleine sind. Vermutlich weil der Krieger inzwischen gemerkt hatte, dass ich nicht zu den Plaudertaschen über rotkastige Dinge gehöre, entließ er mich als Stadtführerin, lief aber nicht gleich zurück zu seinem Haus in die Unterstadt, sondern machte merkwürdigerweise einen Abstecher, um die Befestigungen in Augenschein zu nehmen. Es kam mir so vor, als ob darüber nicht nur ich, sondern auch die dem Rarius entgegen kommende Sklavenhändlerin einigermaßen verwundert war. Trotzdem stellte sie sich freundlich vor und ich erfuhr nun, dass der Krieger aus Koroba stammt.


Zurück bei meinem Herrn hatte der Auflauf vor seinem Haus inzwischen abgenommen. Seine Gefährtin hatte sich zurück gezogen, dafür gesellte sich nun die zweite Grüne dazu und jammerte meinem Herrn wegen eines Zwists mit dem Händler die Ohren voll, anstatt die Sache direkt zu klären. Ein laut geäußertes Urteil über das Verhalten dieser Frau steht mir zwar nicht zu, doch meine Gedanken sind zum Glück ja frei. Die Grüne war noch nicht fertig mit ihrem Gemecker, als die Sklavenhändlerin auftauchte, um sich ebenfalls bei meinem Herrn zu beschweren. Sie blaffte ihn an, weil er ihr weder vom Verschwinden des Zeugmeisters erzählt, noch dass er dessen Kajira in Obhut genommen hatte… hoppla, welche Laus war der denn über die Leber gekrochen?

Ich bewunderte meinen Herrn ja echt, bei den Anmaßungen dieser Frau so gelassen zu bleiben, weil er angeblich eine Kajira „an ihr vorbei beansprucht hatte.“ Dabei hatte er das Mädchen erst mal nur zu sich genommen bis geklärt ist, was mit ihrem Herrn passiert war. Die Sklavenhändlerin sprach meinem Herrn sogar ab, eine Sklavin so zu nennen, wie es ihm beliebt, sodass ihm schließlich der nicht vorhandene Kragen platzte: „Ich kann machen was ich will, denn in Reichweite meines Gladius bin ich Ubar und du bist nicht die Administratorin von Jorts Fähre, also mach mir keine und versuch mir keine Vorschriften zu machen.“ Danach gab er die Kajira in die Obhut dieser offenbar mit dem falschen Fuß zuerst aufgestandenen Herrin… der Klügere gibt bekanntlich nach.


Ihr letztes Wort war übrigens, mein Herr habe sich an Gesetze zu halten, bevor sie oberstinkig davon düste. Da er selbstverständlich gegen kein Gesetz verstoßen hatte, stampfte er hinter der Sklavenhändlerin hinterher und ich in dezentem Abstand natürlich auch. Es stellte sich heraus, die Frau hatte beim Verkauf der Kajira mit dem Käufer ein Rückkaufrecht vereinbart und war nun der Meinung, wenn der Käufer verschollen ist, gehört das Mädchen wieder ihr. Ich bin mir nicht sicher, ob sie einsah, dass eine solche Vereinbarung ausschließlich zwischen ihr und dem Käufer nur gilt und nicht auch für alle anderen Freien und vor allem kein Gesetz ist. Sie ist zwar Sklavenhändlerin, trotzdem ist mein Herr nicht verpflichtet, ihr eine Sklavin abzuliefern, die gar nicht verkauft werden soll, sondern zurückgelassen wurde.


Was für ein Tag… die Frau rauschte endgültig davon und ich beeilte mich, meinem Herrn jetzt unaufgefordert aus der Taverne einen Beruhigungspaga zu holen, um ihn damit zu erfreuen und den ganzen überflüssigen Ärger möglichst schnell fortzuspülen. Nachdem der Sattler ihm zugestimmt hatte, dass die Herrin bei ihren Verkäufen zwar auf einem Vorkaufsrecht besteht, es in diesem Fall jedoch um keinen Verkauf ging, stand meinem Herrn der Sinn nach einem Spaziergang, auf dem wir dann zufällig auf die andere Kajira des Zeugmeisters trafen. Da die Sklavenhändlerin das Mädchen für sich zwar bereits beansprucht hatte, inzwischen aber doch nicht mehr interessiert war, überreichte mein Herr ihr später noch einige Kupfer und nahm die Sklavin vorerst in Obhut bis die Wartehand um ist oder ihr Herr wieder zurück.


Dienstag, 22. März 2016

Eine gute Nachricht

Wie gut, dass ich noch mit häuslichen Arbeiten zu tun hatte. Der Schmied und mein Herr befassten sich nämlich mit Unterstützung von Sassy mit dem Einbau dieses fiesen Sklavenlochs im Garten, während die Grüne dabei zuschaute. Anfangs noch leicht enttäuscht, dass diese Aktion an mir vorbei ging, zeigten mir meine gelegentlichen Blicke oben aus dem Fenster jedoch schnell, dass ich mit dem Saubermachen die bessere Arbeit erwischt hatte. Die drei Freien ergötzten sich nämlich am Anblick der Kajira in verschiedenen Stellungen im Sklavenloch… Kopf sichtbar - Körper im Loch - … Kopf im Loch - Hintern hochgereckt… ohne oder mit unerreichbarem Essen… ohne oder mit Knebel… ohne oder mit verbundene Augen… und, und, und. Die Möglichkeiten mit oder ohne irgendwelches Getier im Loch wurden übrigens nur angepriesen und nicht mehr vorgeführt.

Der Gefährtin meines Herrn kam irgendwann ihre grüne Kaste in Form von ein paar gesundheitlichen Bedenken in den Sinn, die jedoch eher zaghaft geäußert wurden und mit „für eine Nacht nicht so schlimm“ oder „es soll ja nicht bequem sein“ abgetan wurden. Was die Gnädigste darauf dann erwiderte, verstand ich leider nicht mehr. Stattdessen hörte ich es umso lauter „DITA!“ brüllen, was mich selbstverständlich umgehend veranlasste, eilig auf den Balkon zu laufen, um mit fast hauptmannsmäßig lautem „ja mein Herr???“ schnell zu zeigen, dass ich zwar nicht am Geschehen draußen beteiligt, aber dennoch aufmerksam war. Den Befehl meines Herrn „Z-M-S-K, DITA“ übersetzte ich mit „zu-mir-schnell-Kajira“ etwas freizügig, denn er hieß „zu-mir-sonst-knallt’s“, es lief aber aufs Gleiche hinaus, denn der Ton machte die Musik… oberhöchste Eile war also angesagt.


Oha… außer mir muss es noch jemand sehr eilig gehabt haben, mit meiner dem Stand dreier Personen gezollten Vermutung lag ich jedoch total daneben. Offensichtlich hatte nämlich nicht mein Herr vor seiner Gefährtin das Haus verlassen und die vor Sassy, sondern er muss der Letzte gewesen sein und hatte offensichtlich vergessen, die Haustür zu schließen, obwohl gerade ihm das nicht Schließen von Türen oder Toren richtig schlechte Laune bereitet. Diesmal war es aber die Gnädigste, die meinen Herrn ärgerlich anfunkelte, weil ER die Tür nicht geschlossen hatte und ihr Gianni gerade auf dem Weg nach draußen gewesen war, bei seinen Spaziergelüsten allerdings nicht mit mir gerechnet hatte. Ehrlich gesagt war ich froh darüber, denn entgegen der Aussage der Grünen, mein Herr sei um das Suchen herum gekommen, schwante mir, dass es wohl jemand anderes gewesen wäre, die dank ihrer Reaktionsschnelligkeit nun aber nicht suchen musste.

Nachdem die Möglichkeiten des Sklavenlochs zum Glück ohne mich, aber dennoch inzwischen ausgiebig genug getestet worden waren, eröffnete mein Herr mir, eine gute Nachricht zu haben… die Sklavenkiste im Haus sollte nun zurück ins Lager geschafft werden. Ok, das muffige, dunkle Ding war wirklich fies, aber ich bezweifelte stark, dass der Ersatz draußen angenehmer ist. Insofern war es keine gute Nachricht für mich und meine Begeisterung hielt sich sehr in Grenzen, zumal es eine ganz schöne Plackerei war, die Kiste zusammen mit Sassy aus dem Haus meines Herrn ins Lager zu bekommen. Ach ja, die gute Nachricht lautete übrigens: „Es ist mehr Platz im Haus!“ Wobei man in diesem Gebäude eh nicht wirklich von Platz sprechen kann, auch wenn die Grüne erlaubte, das grünbunte Blumenzeugs in den Garten zu räumen, sodass das Loch nun bestens getarnt ist und Fenris den Ausblick auf Blühendes genießen kann.

Leider war mit dem Kistentransport die Plackerei noch nicht vorbei, da nun der tischlernde Holzfäller laut „ALTEISEN, SCHROTT, ALTEEEIIIIIISSEEEENNNNNN“ durch die Gassen der Oberstadt brüllend mit dem bestellten Brennholz ankam. Nun hat er übrigens wieder etwas gut bei mir, da er mir im Gegensatz zum Schmied half, der doch tatsächlich glaubte, mir in Anwesenheit meines Herrn das Abladen befehlen zu können, indem er mir die Scheite zuwarf, sodass ich sie an der Hauswand nur noch stapeln musste. Nebenbei entwickelte sich übrigens ein gutmütiges Gefrotzel zwischen den beiden Holz und Metall verarbeitenden Herren darüber, ob das Sammeln von Schrott zusätzliche Münzen bringt oder eher reichlich Beulen, dass man sammeln nicht mit wildern gleichsetzen kann und Beulen nicht gehauen werden, sondern verschenkt, es aber eigentlich nur darauf ankommt, ob nach der Arztbehandlung noch etwas übrig bleibt, weil es sich dann trotzdem gelohnt hat. 

Ich glaube, es endete mit der Überlegung des Tischlers, trotzdem weiter Alteisen zu sammeln, um an ein paar Extramünzen zu kommen, worauf der Schmied allerdings drohte, dann Bäume zu fällen. Für mich war der Holzfäller jedenfalls deutlich überzeugender, denn der Schmied erweckte irgendwie den Eindruck, als ob er doch nicht so genau wusste, wie man einen Fallkerb anlegt und wie breit die Bruchleiste sein sollte. Würde er im Holzgeschäft wildern, wäre möglicherweise zu befürchten, dass er am Schluss unter dem Baum landet… da ist das Sammeln von Schrott doch um einiges einfacher.

Montag, 21. März 2016

Eine Entscheidung

Mein Herr genoss die milden Temperaturen draußen auf seiner Bank, was mir außerordentlich gut gefiel. Der Garten zählt für mich nämlich zum Haus dazu und somit gelten auch dort seine Hausregeln. Ich zog mir also nichts über, um ihm Gesellschaft zu leisten, nachdem meine häuslichen Arbeiten erledigt waren. Auch wenn mir klar ist, dass meinen Herrn solche Alltagsangelegenheiten normalerweise nicht wirklich interessieren, wollte ich zumindest kurz erwähnen, dass das Feuerholz zur Neige gegangen war und ich beim Tischler Nachschub bestellen musste. Naja, und gestern war er mit seinen Gedanken wirklich ganz woanders, machte es allerdings schrecklich spannend. 


„Ich habe eine Entscheidung getroffen, Dita. Außerdem habe ich noch etwas, aber ich denke, ich werde es vielleicht doch erst meiner Gefährtin sagen… obwohl… das könnte ja noch dauern.“ Ohje, wie sollte ich bei dieser mysteriösen Ankündigung meines Herrn nicht fast platzen, auch wenn ich selbstverständlich gar nicht neugierig bin, sondern nur wissbegierig? Als mein Herr dann noch ergänzte, er habe einen Gast, der aber eigentlich gar keiner ist, weil Gast wohl das falsche Wort ist, schwante mir allerdings, worauf er hinaus wollte. Vermutlich hatte er mal wieder irgendeine Reisekajira aufgelesen oder hatte sich ihm schon wieder irgendeine dieser um einen Kragen bettelnden Weiber unterworfen?

Natürlich versuchte ich mich in Geduld zu üben, denn mein Herr würde mir sowieso nichts erzählen, wenn er nicht wollte. Ihm muss aber wohl aufgefallen sein, wie schwer mir das Schlucken dieser äußerst vagen Information fiel, sodass er sich nun besorgt erkundigte, ob mir etwas im Hals stecken geblieben war und mich damit leider weiter auf die Folter spannte. Genau das war aber auch seine Absicht, denn in meinem Hals war nichts und dass sein Kragen besser sitzt denn je, weiß er genau… warum machte er es nur so spannend und erwähnte einen Gast, der keiner ist? Schließlich hielt ich es einfach nicht mehr aus fragte ihn konkret, ob er mir vielleicht sagen möchte, dass ihm eine weitere Kajira gehört?

Na also, warum nicht gleich?! Genau das war nämlich der Fall, allerdings gehört ihm die Sklavin noch nicht, sondern ist vorerst noch in seiner Obhut, weil er keine Kajira ohne Aufsicht in der Stadt herumlaufen lässt. Genau diese Erfahrung hatte ich vor über einem Markt selbst gemacht, als mein verschollener Herr von einem Patrouillenflug nicht wie erwartet zurückkam und leider bis heute noch keine Nachricht über seinen Verbleib eingetroffen ist. Nun ist zu befürchten, dass dem Zeugmeister womöglich etwas zugestoßen ist, denn der Krieger scheint spurlos verschwunden zu sein, obwohl er eigentlich umziehen wollte. Sein Mädchen wird also ab sofort im Haus meines Herrn leben und nach Ablauf der Wartehand vielleicht sogar sein Eigentum werden. 

Das war allerdings noch nicht die ganze Entscheidung, von der mein Herr gesprochen hatte… ein  für mich sehr wichtiger Teil kam noch, er ernannte mich nämlich zu seiner Ersten! Uiihhh, ich traute meinen Ohren kaum, mit sowas hatte ich nun wirklich nicht gerechnet. Mein Herr besitzt doch schon seit langem eine andere Kajira, sodass ich mich als seine Neue immer als die Letzte an seiner Kette gesehen habe, auch wenn die andere ständig auf den Feldern ist. Nach den jahrelangen Erfahrungen als erstes Mädchen meiner ehemaligen Herrin war mir jetzt natürlich sofort klar, was nun auf mich zukommt, trotzdem bedankte ich mich sehr innig und in aller Demut für diese große Ehre und das Vertrauen, das mein Herr offenbar in mich setzt und versprach ihm erneut, mir oberallergrößte Mühe zu geben, ihn nicht zu enttäuschen.


Vielleicht war es ganz gut, dass ich jäh aus den nun auf mich einstürmenden Überlegungen gerissen wurde, als mein Herr in seiner hauptmannsmäßig lauten Art plötzlich „tal Schmied“ brüllte. Das Nähern des inzwischen vor der Gartenmauer stehenden Metallhandwerkers, hatte ich nämlich nicht mitbekommen. Er informierte meinem Herrn übrigens ganz offiziell über sein Urlaubsende und die Wiedereröffnung seiner Schmiede, nachdem das nicht mehr zurück getretene Ratsmitglied dies „angeordnet“ hatte. Ratsmitglied hin oder her, eine solche „Anordnung“ wäre sicherlich heikles Einmischen gewesen. Doch erstens hatte der Schmied „angeordnet“ ironisch betont und außerdem war ich mir ziemlich sicher, dass er das Schließen seiner Werkstatt nicht ernsthaft vorgehabt hatte. Insofern war wohl alles gut zwischen ihm und diesem in den Rat zurückgekehrten Mitglied.

Während sich die beiden Männer nun ausgiebig über Kajirae und über den Platz für das Loch zur Bestrafung von Sklaven unterhielten, das mein Herr in seinem Garten haben möchte, tauchte die Kajira des Zeugmeisters mit ein paar Sachen auf, die sie aus dem Haus ihres Herrn geholt hatte. Ich war eigentlich ganz froh, ihr nun schnell die wichtigsten Hausregeln meines Herrn zu erzählen, um so den Überlegungen zu diesem fiesen Loch zu entgehen. Kaum tauchte dann aber noch die Gnädigste auf, überredete sie meinen Herrn auch schon zu einem Spaziergang. Na, mir egal… immerhin brüllte mein Herr noch laut, dass wir nachkommen sollen, bevor sich die beiden dann wohin auch immer verzogen. Spannend war nur, ob mein Herr vielleicht von seinem Weib bedient wurde, sofern sie ins Gasthaus einkehrten?

Tja, da ich nun mal nicht oder zumindest nicht auf dieses Bedienen allzu neugierig war, ließ ich mir etwas Zeit, um der Obhutsklavin das Wichtigste zu erklären. Da ich mir sehr gut vorstellen konnte, wie sehr sie durch den Wind sein musste, versuchte ich sie ein wenig zu trösten, legte sanft meinen Arm um ihre Schultern und ermunterte sie, ihren Tränen freien Lauf zu lassen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass man diese Fluten auf Dauer eh nicht zurückhalten kann und wir waren doch alleine. Zuletzt zeigte ich ihr noch ihren Schlafplatz im unteren Fach des Käfigs. Ich erklärte ihr auch, dass in der Mitte die Feldsklavin meines Herrn schläft, wenn sie denn mal da ist und oben ich. Über die Käfighaltung schluckte sie offensichtlich genauso wie ich, zumal mein Herr leider nur viel zu selten mal eine Ausnahme macht und jetzt mit einer weiteren Kajira wahrscheinlich noch seltener. Doch egal wie verhasst mir die Dauerbestrafung in diesem Kasten auch ist, ich werde mich hüten, darüber etwas verlauten zu lassen.


Wie vermutet befanden sich mein Herr und seine Gefährtin tatsächlich auf der Gasthausterrasse, wo erstaunlicherweise jedoch die Wirtin an diesem Tag ihre Gäste äußerst rührig bewirtete, was sonst ja eher nicht der Fall ist. Da ich mich um die Getränke also nicht mehr kümmern brauchte, nutzte ich die perfekte Gelegenheit, mit dem auf seinem Lieblingsfass sitzenden tischlernden Holzfäller über den Brennholznachschub zu sprechen. Dabei stellte sich dann eine Peinlichkeit heraus, die nun hoffentlich aber nicht mehr vorkommen wird, seitdem ich weiß, wie die Zahlungsvereinbarung zwischen meinem Herrn und dem Tischler aussieht. Es gibt zwar eine feste Abmachung über die Holzlieferungen, mein Herr war jedoch mit seiner letzten Zahlung im Rückstand, die er nun aber schnell ausglich, sodass dem Holznachschub nichts mehr im Wege steht.

Da am Tisch außer dem Sattler noch zwei fremde Krieger saßen, von denen mir der Wortkarge irgendwie bekannt vorkam, der andere aber auch vage, drehten sich die Gespräche logischerweise um den drohenden Krieg, in den Jorts wegen seines Bündnisses mit Belnend vermutlich involviert werden könnte. Die beiden Fremden hatten anscheinend am Voskfeldzug teilgenommen, seitdem aber keine Gelegenheit mehr gehabt, ihre Schwertklingen für Gold und Ehre zum Einsatz zu bringen. Aha, es waren anscheinend Söldner, die nach eigener Aussage davon leben, ihre “Klingen mit Blut zu wässern“, vermutlich also für jeden, der gut zahlt. Erstaunlich fand ich übrigens, dass der Wortkarge sogar kurz die Zähne auseinander bekam, als der andere ihm für die Nacht eine Kajira besorgen wollte. Allerdings gefiel ihm das Mädchen des Zeugmeisters nicht, da er anscheinend mehr auf ausladendere Formen steht.

Tja, und ob es schließlich mit der äußerst üppig ausgestatteten Kajira der Sklavenhändlerin noch geklappt hat oder ob sie die Idealvorstellungen dieses Herrn vielleicht zu sehr übertroffen hat, kann ich nicht sagen, da inzwischen die Wache nach meinem Herrn rief und ich ihm noch schnell seinen Proviant ein packen musste.

Sonntag, 20. März 2016

Vier-Augen-Ohren-Gespräch

…und ein Kurztrip nach Belnend

Mein Herr und seine Gefährtin waren spazieren gegangen, während ich noch im Haus zu tun hatte… Kajiraschicksal eben und nicht zu ändern. Schließlich fertig, machte ich mich natürlich auf die Suche nach meinem Herrn und nahm wie immer den Weg zum Hafen durchs Nebentor an der Taverne vorbei, wo ich ihn aber wie erwartet nicht traf, weil er doch die Gnädigste dabei hatte… also weiter zum Marktplatz. Ups, dort hätte ich fast den Händler über den Haufen gerannt oder er mich. Er suchte meinen Herrn ebenfalls, um etwas mit ihm zu besprechen. Seine Aussage „mal schauen, was sich mit einer Kajira so allein anfangen lässt“, war daher nicht ernst gemeint, zumal inzwischen von der Gasthausterrasse Stimmen zu hören waren… darunter auch die meines Herrn.

Das Gespräch auf der Terrasse drehte sich anscheinend um das neue Mädchen des Händlers, das von der Sklavenhändlerin gerade ein paar grundlegende Regeln erklärt bekam, während ein fremder Krieger wohl irgendwelche Fragen über diese Kajira stellte. Doch was es damit genauer auf sich hatte, bekam ich nicht mehr mit, weil mein Herr vom Händler nun um besagte Unterredung gebeten wurde. Da es sich um eine Angelegenheit des Stadtrats handelte und der Händler ein Gespräch unter vier Augen wünschte, verlagerten sich die beiden Männer Richtung Marktplatz. Trotzdem durfte ich meinem Herrn einen Stehpaga servieren und sogar bei ihm bleiben, bekam aber meine Augen verbunden. Sehen konnte ich nun also nichts mehr, hören ging allerdings immer noch.


Den Worten meines vermutlich grinsenden Herrn entnahm ich übrigens, dass der Händler über diese Maßnahme wohl irgendwie irritiert war: „Vier Augen Gespräch oder Georg?“ Mist, der Händler erwiderte prompt, ein vier Ohren Gespräch ist noch sicherer als eins unter vier Augen, sodass ich nun die klare Anweisung meines Herrn für dieses Vier-Augen-Ohren-Gespräch erhielt: „Dita, weghören!“ Tja, wie gut, dass ich schon immer in der Lage war, Gehörtes schlagartig zu vergessen. Schade aber, ich hatte bisher nur mitbekommen, dass es um den zurückgenommenen Rücktritt eines Ratsmitglieds ging, wobei mein Vergessen erstaunlicherweise wohl doch ein paar Lücken gelassen hat, denn mir ist so, als ob sich der Händler mal wieder oberwichtig nahm und in rotkastige Dinge einmischte, nachdem er gerade behauptet hatte, es nicht tun zu wollen… egal, so ist dieser Herr nun mal.

Hauptsache für mich war eigentlich nur, den Befehl meines Herrn hinterher wieder klar und deutlich zu hören: „Dita, ab jetzt wird wieder gehört, sonst kommt das Tuch von den Augen in den Mund!“ Er hatte mir nämlich sein ölig riechendes Waffenputztuch über die Augen gebunden, auf dessen Geschmack ich absolut keinen Wert legte. Zurück auf der Terrasse durfte ich ihm dann zwar noch einen Paga servieren, doch konnte er sein Getränk nicht lange sitzend genießen. Es tauchten nämlich aus Belnend ein Freier und seine Kajira mit einem Hilfegesuch auf. Obwohl die grüne Kaste in dieser mit Jorts befreundeten Stadt fast überbesetzt ist, war dort anscheinend keine Grüne zugegen, sodass man als einzigen Ausweg gesehen hatte, an den Vosk zu reisen. 


Nicht wirklich verständlich fand ich allerdings, dass der Herr und seine Kajira nichts Genaueres über die Art der Verletzung eines schwangeren Weibs sagen konnten, sondern nur, dass der Gefährte der Frau ein Schreiber ist und sehr verzweifelt wirkte. Trotzdem war Hilfe selbstverständlich und ich erhielt von meinem Herrn den Befehl, schnell ein paar Sachen für die Reise zu packen. Seine Gefährtin wollte außerdem, dass ich zusätzlich der zweiten Grünen Bescheid gab. Nachdem ich meine Aufträge erledigt hatte, war zwar immer noch nicht klarer, was denn überhaupt vorgefallen war, doch inzwischen vermutete die Gefährtin meines Herrn Komplikationen bei einer Geburt. Dies stellte sich nach unserer Ankunft allerdings als Irrtum heraus… die Schwangere hatte sich anscheinend wegen irgendetwas erschrocken und dabei heißen Tee auf ihren Bauch gekippt.


Ok, der oben am Fenster seines Hauses stehende Schreiber war wirklich reichlich konfus, denn erst nach der Aufforderung meines Herrn „mach die Tür auf, von hier draußen können wir nichts machen“, ließ er die beiden jortsschen Grünen ins Haus. Insofern hatte mein Herr also doch nicht ganz Recht gehabt, als er zuvor noch seinen Arm um mich legte und mich dicht zu sich heran zog, während er meinte: „Dita, ich glaube, dass wir beide hier nicht gebraucht werden.“ Dennoch bestand die Reise für ihn nicht nur aus Bewachung und einen werdenden Vater in die Spur bringen, sondern vor allem auch aus Informationsbeschaffung wegen der besorgniserregenden Gerüchte über möglicherweise bevorstehende Kämpfe mit angreifenden Nordleuten, von denen ihm zuvor erst ein aus Belnend stammender Krieger erzählt hatte. 


Mit dem Auftauchen des Kommandanten von Belnend ergab sich nämlich eine gute Gelegenheit, sich über die Probleme mit den Nordleuten auszutauschen, aber auch über die Umbauten in Belnend und ganz besonders über die der dortigen Stadtmauer. Schließlich eilte der Kommandant jedoch zu einer wichtigen Angelegenheit ins Rathaus, sodass sich mein Herr sich schon mal um das Schiff für unsere Rückreise kümmerte, denn nach den Erfahrungen in dem kahlen Zimmer des Gutshofes vor kurzem wollte er lieber nicht außerhalb seines Heimsteins übernachten. Sein Entschluss, mich vor dem Haus des Schreibers zurück zu lassen, stellte sich übrigens als eine sehr weise Entscheidung heraus, denn die Gnädigste hatte nach Beendigung der Behandlung keinerlei Ahnung, wie sie den Hafen finden sollte… dabei war es zurück der selbe Weg wie bei unserer Ankunft und für eine Kriegerkajira natürlich einfach zu finden. ;-)

Freitag, 18. März 2016

Schlechte Laune

Ich hatte meine häuslichen Aufgaben noch nicht alle erledigt und mein Herr lüftete sich schon mal aus oder eigentlich hoffte ich, er würde sich draußen nicht nur lüften, sondern auch ausstinken. Seine Laune war nämlich immer noch oberstinkig, also mies hoch drei. Als ich mich schließlich zu ihm gesellte, sah es leider noch nicht besser aus, sodass ich nun versuchte, seine Stimmung etwas zu heben, indem ich ihm meine Demut mit innigen Küssen auf seine Füße bewies. Darauf verpasste er mir zwar einen Patscher auf mein Hinterteil, der wohl fast der Sorte gutmütig zugeordnet werden konnte, doch sein Brummen klang eindeutig grummelig. Ohje, hatte ich es übertrieben mit meinen Bemühungen und ihn mit meinem Tun genervt?

Meine Nachfrage, ob ich ihn mit irgendetwas erzürnt hatte, machte es leider nicht besser. “Hab ich was in dieser Richtung gesagt Sklavin? Du hast keinen Grund Vermutungen anzustellen oder? Meistens drücke ich doch mich sehr deutlich aus, insbesondere wenn mir etwas nicht gefällt… willst du mir vorschreiben wie ich brumme?“ Selbstverständlich lag mir das komplett fern, denn ich würde doch nie wagen, meinem Herrn etwas vorzuschreiben und anderen Freien natürlich auch nicht! Schnell versuchte ich ihn daher mit einem anderen Thema abzulenken… dem Gespräch zwischen dem Schmied und dem Bauern auf der Gasthausterrasse. Ich wusste nämlich nicht, ob seine Gefährtin ihm davon schon erzählt hatte, die vermutlich alles vom Nachbartisch viel besser gehört hatte als ich, da ich doch ständig neue Getränke servieren musste.


Doch kaum hatte ich angesetzt, tauchte die andere Grüne auf. Sie war auf dem Weg in die Krankenstation, weil der Schmied für eine Untersuchung seiner schwarzen Wilden bei ihr angemeldet war. Da die Sklavin ziemlich bissig zu sein scheint, tauschte sich mein Herr mit der Frau über verschiedene Möglichkeiten aus, wie man eine Sklavin maßregeln kann. Das Weib war übrigens besonders stolz auf ihre Gerte, die anscheinend sogar einen Angreifer mit einem Schlag töten kann. Mein Herr kennt sich mit solchen Dingern ebenfalls aus, bevorzugt zum Glück aber die Kurt, die mir ja schon genug Angst macht. Er wollte wissen, ob meine frühere Herrin auch so eine Gerte hat. Doch das war in der Zeit, in der ich ihr gehörte, nicht der Fall gewesen. Gegen Räuber oder anderes Gesocks konnte sie sich mit ihre Spezialhaarnadeln zur Wehr setzten und vor allem mit ihrer spitzen Zunge. Für Sklaven hatte sie außerdem eine viel bessere Waffe als die Kurt… ihre äußerst kreativen, oberfiesen Strafen. 

Der Schmied war zwar immer noch nicht aufgetaucht, trotzdem verzog die Grüne sich jetzt Richtung Krankenstation, sodass ich meinem Herrn nun von der Drohung des Metallhandwerkers erzählte, seine Schmiede zu schließen, wenn der Bauer seinen Rücktritt aus dem Stadtrat nicht rückgängig macht und wie der Hofbesitzer darauf reagiert hatte. Mir war zwar klar, dass ich damit zur erneuten Verschlechterung seiner Laune beitrug, doch fand ich, dass er über eine diese Protestdrohung, die dann in Honig um den Bart schmieren übergegangen war und auch die Antwort seines Stellvertreters informiert sein sollte, zumal zwischen ihm und Letzteren wohl noch ein Gespräch stattfinden wird. Mir steht zwar kein Urteil über Freie zu, doch sehe ich die Aussichten für den Rat nicht allzu rosig, weil der Bauer sehr deutlich zum Ausdruck brachte, sich mit seinem Handeln im Recht zu fühlen.


Schade, gerade als mein Herr zu einigen sehr interessanten Andeutungen ansetzte, kam der Krieger vorbei, der die Suche nach der Händlerin zu einem erfolgreichen Abschluss gebracht hatte. Er hielt in der Hand eine blinkende Silbermünze, die er meinem erstaunten Herrn überreichte. „Ach, wir haben die Händlerin gefunden?“ „Ja, WIR haben das“, kam grummelnd die Antwort mit Betonung auf „WIR“, sodass mein Herr nun breit grinsend sehr logisch folgerte: „Na, dann waren WIR doch erstklassig im Zusammenspiel der Arbeit.“ Wieso der Rarius aber weiter vor sich hin grummelte, dass einer arbeitet und der andere Päuschen macht, fand ich übrigens ziemlich frech von ihm gegenüber seinem Hauptmann, der in der schlechtesten Wache, die es gibt, nämlich im Nachtdienst für die Sicherheit der Stadt gesorgt hatte. Doch dazu verkniff ich mir selbstverständlich jeden Kommentar und funkelte den Krieger nur empört an.

Aber egal, der Händler war jetzt hoffentlich zufrieden, seinen Frust über das entgangene Geschäft an dem Weib befriedigen zu können und zwar offensichtlich im wahrsten Sinne des Wortes. Ob dies aber tatsächlich zur Verbesserung seiner Laune betragen wird, hängt jedoch vom Feuer der Frau ab und bleibt wohl noch abzuwarten. Das Weib kniet inzwischen nämlich, da sie sich an diesem Handelsposten anscheinend einem Schreiber hingegeben hatte. Damit wurde dann auch klar, warum das Warten des Händlers umsonst gewesen war.

Donnerstag, 17. März 2016

Freundlicher Besuch aus dem Norden

„Tal meine Sklavin… bist aber früh fertig mit deinen Aufgaben“, empfing mich mein Herr schmunzelnd, nachdem ich ihn auf der Trainingswiese erreicht hatte und ließ mein Kajiraherz mal wieder einen kleinen Extrahüpfer machen, weil er bei der Begrüßung „meine Sklavin“ gesagt hatte. Wem ich gehöre zeigt ja der Kragen mit seinem Namen um meinen Hals, trotzdem finde ich es einfach schön, wenn er mit diesem Pronomen zusätzlich seinen Besitzanspruch deutlich macht, auch wenn er dieses Wort leider nicht allzu oft benutzt. Ich hatte mich an diesem Tag übrigens tatsächlich besonders beeilt, vor allem nachdem mein Herr schon recht früh schon zur Trainingswiese aufgebrochen war.

Es war nämlich Mitte der Hand und ich wollte ihm natürlich beim Waffentraining zuschauen und für ihn ganz fest meine Daumen drücken. Vorher hatte ich jedoch noch eine kleine Überraschung in Form einer kleinen Hartwurst für ihn, die mich angebettelt hatte, von meinem Herrn verspeist zu werden und vor dem Schwertfuchteln bestimmt genau das Richtige als kleine Zusatzstärkung war. Bei seiner Nachfrage, woher sie stammte, war ich mir jedoch nicht ganz sicher war, ob vom Hof oder vom Ersten Schwert, der nach seinen Jagdausflügen immer sehr leckere Sachen herstellt. Dabei fiel mir ein, dass letzterer mich manchmal Stöckchen genannt und mir auch schon mal eine Leckerei zugesteckt hatte, weil meine Figur ja nun mal nicht dem goreanischen Schönheitsideal entspricht.


Mein Herr gebot mir nun übrigens mit einem Fingerzeig aufzustehen, allerdings nicht, weil das Gras zu kalt zum Knien war, sondern um mich ausgiebig zu mustern, sodass ich mich ihm selbstverständlich etwas aufreizender präsentierte. Sich am Kinn kratzend „Hmmmte“ er mehrfach und veranlasste mich schließlich nachzufragen, ob ihm etwas an mir nicht gefiel, nachdem sich unter den Blicken seiner blauen Augen eine leichte Nervosität in mir breit gemacht hatte. Wie immer bei einer so intensiven Musterung, entfachte mein Herr allerdings auch ein gewisses Kribbeln, gepaart mit heißen Schauern in meinem Innern und veranlasste mich dazu, mich ganz dicht vor ihn zu stellen. Ihm schien jedenfalls zu gefallen was er sah und er fand mich nicht zu dünn, andernfalls hätte er mich nämlich schon zum Mästen geschickt.

Dicker sollte ich aber auch nicht werden, sonst würde er mich auf Diät zu setzen. Mit dem Herausstrecken meines Bauchs… eine mir sinnvoll erschienene Vorsichtsmaßnahme, um nicht zu dünn zu erscheinen… war bei ihm offensichtlich der Wunsch zum Hineinpieken entstanden. Eine kitzelige Angelegenheit, bei der ich meinen Bauch schnell wieder einzog. Diesen rasanten Bauchschwund fand bei Berührung mein Herr übrigens erstaunlich. Neugierig geworden, erkundete er nun mit sanftem Kneten meiner Brüste, ob diese womöglich ebenfalls kleiner werden und „Hmmmte“ dabei erneut mehrfach. Huih, das von seinen Blicken bereits entfachte Kribbeln wurde dadurch natürlich noch mehr geschürt und ich bekam ganz weiche Knie… mein Bedürfnis, mich an meinen Herrn zu schmiegen, war kaum mehr auszuhalten.

Mit dem „tal ihr zwei“ einer mir wohlbekannten weiblichen Stimme, war dieser schöne Moment dann jedoch schlagartig vorbei… mein Herr ließ mich los und ich sankt zurück auf die Knie, da sich seine Gefährtin sich zu uns gesellte. Unsere schöne Zweisamkeit hätte aber sowieso kurz darauf ein Ende gehabt, weil nun laute Rufe aus der Unterstadt zu uns herüber schallten und außerdem die Ahn des Waffentrainings immer näher gerückt war. Da mein Herr an der Stimme des Rufenden wohl erkannt hatte, dass es kein Feind war und er wegen des Trainings außerdem nicht abkömmlich, machten sich die Gnädigste und ich als Empfangskomitee auf.


Die Erinnerung an den Überfall einiger Nordleute vor einer Hand noch nicht vergessen, war ich natürlich auf der Hut, denn die Besucher kamen ebenfalls aus dem Norden, allerdings waren sie aus Vakur, einem mit Jorts Fähre befreundeten Dorf und somit gern gesehen. Schade fand ich nur, dass der nette Bootsbauer und Händler diesmal nicht mitgereist war. Doch für mich war jetzt natürlich erst einmal servieren angesagt. Das Stöhnen über die angeblich zu niedrigen Sitzkissen und die ungewohnten Gesichtsgardinen ging wild durcheinander mit den Getränkebestellungen, doch irgendwie bekam ich mit, dass jede Menge Met, Met, Met, Met und noch viel mehr Met gewünscht wurde und für die Gnädigste ein Kalana… keine Ahnung, ob das wirklich alles richtig gewesen is. Zumindest hat sich niemand beschwert, denn die Reise der Nordleute muss anscheinend extrem trocken gewesen sein und zumindest die Kehlen der beiden Männer komplett ausgedörrt.

Die Besucher waren wegen eines Handels mit dem Zeugmeister angereist, der nur leider nirgends zu finden war und die jortssche Sklavenhändlerin sorgte mit ihrem Hinweis, ihr sei nicht bekannt, dass dieser Krieger in die Händlerkaste aufgenommen wurde, für ein wenig Verwirrung. Doch vielleicht ging es bei diesem Handel ja um Vorräte der roten Kaste für den Fall einer Belagerung? Der Zeugmeister wird wegen der Waren nun also demnächst in den Norden müssen. Dennoch war die Handelsreise der Nordleute nicht ganz vergeblich, da sich der Schmied des Dorfes und seine Gefährtin auf der Suche nach einer Sklavin angeschlossen hatten. Die beiden wurden sich nämlich erstaunlich schnell mit der Sklavenhändlerin über den Kauf einer Kajira einig, die zwar noch nicht endgültig ausgebildet ist, aber vielleicht ganz gut in den Norden passt und nun vor allem das „Jarlen“ lernen muss.


Das Training der Krieger fiel gestern übrigens aus, denn es war nicht das typische Klirren der Schwerter zu hören, was jedoch nicht am Stimmengewirr auf der sehr gut besuchten Gasthausterrasse lag. Es waren an beiden Tischen fast alle Sitzkissen besetzt und es saß auch einer der Krieger dort, der sonst sicherlich trainiert hätte. Mir schwante nicht wirklich Gutes, zumal ich auch einzelne Wortfetzen vom Gespräch des Schmieds mit diesem Krieger mitbekam. Leider bestätigten sich meine unguten Ahnungen, als mein Herr erst sehr spät auftauchte, dafür aber mit oberschlechter Laune, gegen die auch zwei Paga nichts halfen. Bei dem, was er zum Krieger am Nebentisch herüber rief, konnte ich jedenfalls sehr gut verstehen, was ihm die Laune so vermiest hatte… aber das sind alles Dinge, die eine Kajira natürlich nichts angehen.

Mittwoch, 16. März 2016

Suche abgebrochen


Da selbstverständlich die Sicherheit der Stadt oberste Priorität hat vor der Befriedigung der Geschäfte oder Rachegelüste eines gefrusteten Händlers, reisten wir am nächsten Tag wieder nachhause, während das Erste Schwert alleine weiter nach dieser Händlerin suchte. Mein Herr war nämlich wieder für eine ganze Reihe von Nachtwachen eingeteilt worden. Bevor er zum Dienst musste, hoffte er jedoch noch mit dem Händler sprechen zu können, allerdings wohl weniger wegen der bislang erfolglosen Suche, sondern vor allem wegen einer Angelegenheit im Stadtrat. Da es noch ein wenig früh für den Besuch war, brauchte ich mich noch nicht anziehen und genoss einfach die Nähe meines Herrn, der anscheinend tief in Gedanken versunken war… für einen Hauptmann und gleichzeitig wichtiges Mitglied im Stadtrat sicherlich nichts Ungewöhnliches.


Den Knebel für mein unerlaubtes dazwischen Quasseln vor kurzem noch sehr gut in Erinnerung, hüllte ich mich in geduldigem Schweigen und wartete einfach ab, bis mein Herr seine Überlegungen vielleicht zu Ende gedacht hatte. Doch plötzlich und vollkommen unerwartet patschte er mir auf mein nacktes Hinterteil: „Dita, was bist du so still heute… bist du nicht froh wieder in Jorts zu sein?“ Na, was für eine Frage! Natürlich ist es zuhause immer am Schönsten und nach diesem verlassen wirkenden Hof mit den ganzen abgeschlossenen Türen und den merkwürdigen, nicht gerade gastfreundlichen Sitten in dieser unfreundlichen Oase war es sogar besonders schön.

Mein Hinweis, dass ich ihn in seinen Überlegungen nicht hatte stören wollen, weil er auf mich so beschäftigt gewirkt hatte, schien ihn zu erstaunen: „Ach? Also so gut scheinst du mich zu kennen! Woran merkt man denn, dass ich beschäftigt bin?“ Darauf war ich jetzt bestimmt mindestens genauso erstaunt wie er zuvor, erklärte ihm aber gerne meine wie ich fand logische Schlussfolgerung, dass er eben immer sehr schweigsam ist, wenn er in Gedanken ist. Belustigt schmunzelnd, kniff er mir in die Seite und veranlasste mich, weil er eine kitzelige Stelle erwischt hatte, kichernd noch zu ergänzen, dass er mich dann auch nicht kneift oder etwas anderes mit mir macht.

Mein Herr beendete schließlich die Kitzelei und damit mein Gekicher und Herumzappeln, indem er mich plötzlich packte und sehr besitzergreifend dichter zu sich heran zog, was mir logischerweise ganz außerordentlich gut gefiel, denn nun konnte ich mich ein wenig an ihn anschmiegen. Dabei kam mir die neue Kleidung des Ersten Schwerts in den Sinn, die sicherlich sehr vornehm und festlich aussieht, aber mit den Handschuhen, den langen Ärmeln und den Hosen kein bisschen Haut zeigt und daher vermutlich nicht nur sehr warm, sondern auch sehr kajiraunfreundlich ist. Ich liebe es nun mal, die Haut meines Herrn zu spüren und freue mich, dass er jetzt endlich wieder seine Sommeruniform trägt, mit Sandalen, kurzen Ärmeln, Tunikarock und darunter nichts.


Sicherlich aus anderen Gründen, dennoch schien meinem Herrn die neue Kleidung des Kriegers wohl auch nicht so richtig zu gefallen und wer sie geschneidert hatte, wusste er ebenfalls nicht, sodass es nun hieß: „Zieh dich an Dita, wir gehen zur Schneiderin.“ In der Nähwerkstatt war allerdings niemand zu sehen, sodass ich die Treppe hinauf zu ihrer Wohnung lief, um dort erst vornehm und dezent zu klopfen, dann etwas lauter und zum Schluss bollerte ich hauptmannsmäßig gegen die Tür. Leider blieb sie jedoch verschlossen, dafür taten meine Knöchel inzwischen weh. Das Weib war offensichtlich wieder nicht zuhause, denn mein Klopfen war so laut gewesen, dass sich sogar der gegenüber wohnende Schmied über den Lärm wunderte und vor die Tür kam. 

Da Goreaner zwar immer wissbegierig und auf Neuigkeiten aus sind, manche Geschehnisse sich erstaunlicherweise dann aber doch nicht herumsprechen, nutzte mein Herr die Gelegenheit, dem Handwerker von den letzten Irritationen innerhalb seiner Kaste zu erzählen, also wer warum sauer auf wen ist und was das für Folgen nach sich gezogen hatte, sodass mein Herr nun eine Menge Arbeit am Hals hat. Übrigens und nur mal so nebenbei… die Priesterkönige müssen ein Einsehen mit mir gehabt haben, denn dank ausgiebiger Konzentration auf die Betrachtung der Fugen zwischen den Platten vor meinen Füßen gelang es mir, mich komplett in Schweigen zu hüllen, sodass bei diesem Thema von mir kein Piep zu hören war und ich ein bisschen stolz auf mich.

Die Geschäfte des Schmieds laufen momentan wohl nicht so richtig auf Hochtouren, was aber wohl nicht ungelegen kommt, da er sich mehr um seinen Neuzugang kümmern kann… eine sehr dunkelhäutige Wilde, die weder goreanisch spricht, noch bislang einen Hauch von Erziehung genossen, geschweige denn verinnerlicht hat, was eine Sklavin ist. Stattdessen ist sie aufmüpfig hoch drei und noch schlimmer, sodass der Schmied wohl keinen anderen Weg gesehen hatte, als sie seit zwei Tagen ins Loch zu stecken. Das ist eine wirklich fiese Maßnahme, bei der nur der Kopf herausschaut, die mein Herr leider jedoch als praktisch bezeichnete. Wahhh, mir sträubten sich echt alle Nackenhaare, doch mein Herr gab beim Schmied tatsächlich solch ein Ding in Auftrag. 


Der Sklavenkäfig ist mir ja schon verhasst genug und um nicht in die fiese, muffige, dunkle Kiste gesteckt zu werden, würde ich sonst was machen… und nun auch noch solch ein Loch? Die Kiste wäre dagegen das reine Luxusappartement, sodass ich mir ziemlich sicher bin, lieber in den Vosk zu gehen und dabei wäre es egal, ob im Winter oder im Sommer. Von irgendwelchen Viechern gefressen zu werden oder in den Stromschnellen zu ertrinken erscheint mir um einiges wünschenswerter, als solch ein Loch. Wenigstens ist mein Herr so schlau, sich das Teil nicht ins Wohnzimmer zu bauen, sondern in den Garten… die Gerüche, die durch den Raum waberten, nachdem der Schmied seine Wilde herausgeholt hatte, waren nämlich zum Umfallen.