Freitag, 29. April 2016

UnterMita

Mein Herr war mit seinem Fundstück irgendwo in der Stadt unterwegs, sodass ich mich beeilte, um rechtzeitig zum Zuschauen beim Waffentraining zu erscheinen, denn das Klirren von aufeinandertreffenden Schwertklingen war schon zu hören. Auf dem Weg zur Wiese zeigte sich allerdings, dass ich noch nicht zu spät dran war. Mein Herr trainierte noch gar nicht, sondern unterhielt sich vor der ehemaligen Bäckerei mit dem ersten Händler. Fundstück war jedoch nicht in Sicht. So schlecht wie ich immer noch auf das Miststück zu sprechen war, nachdem sie Anweisungen meines Herrn ignoriert hatte und mich außerdem nicht nur vollgekotzt, sondern auch mit ihrer Besserwisserei versucht hatte zu belehren, war es mir vollkommen schnuppe, ob sie getürmt war. Ich verkniff mir daher jegliche Nachfrage und lauschte lieber dem Händler, der anscheinend befürchtete, sein Kopf habe zu viel Sonne abbekommen.

Hmmm… meine kritische und äußerst gründliche Musterung zeigte allerdings, er hatte keinen roten Kopf und sah wie immer aus. Da mein Herr ihm nun den Rat erteilte, zum Kühlen selbigen in den Brunnen zu tauchen und ihm als Alternative vorschlug, seine Gefährtin könne auch mal drauf schauen, beeilte ich mich lieber schnell mit meinem Hinweis, dass man ihm nichts ansieht. Mit den Grünen habe ich es ja nicht so, auch wenn mein Herr ein Mitglied dieser Kaste zur Gefährtin hat. Die Worte des nun schmunzelnden Händlers ehrten mich jedenfalls sehr: „Ich vertrau da mal dem fachkundigen Blick von Dina… wenn die nichts sieht, dann kann auch eine Ärztin nichts sehen und ich werde jetzt tatsächlich ein Kopfbad im Brunnen probieren.“ Unglaublich, aber mein Herr zweifelte doch tatsächlich an meiner Kompetenz… ich sei nur eine Kajira und keine Ärztin und kann kein Loch in den Kopf bohren, um mit irgendwelchen Geräten hinein zu schauen!


Für mich durchaus verständlich, dass der Herr nun behauptete, seinen Schädel lieber von einem Schwert spalten zu lassen, als sich solch einer Bohrung zu unterziehen. Außerdem war ich mir sicher, einige sehr wichtige Körperreaktionen hätte ich viel besser untersuchen können, als eine Grüne, die aus Angst um ihren Ruf auf die besonders interessanten bestimmt verzichten würde… oder sind die von Sonnenstich gar nicht betroffen? Egal, meine Überlegungen wurden eh verworfen, da mein Herr nun das Jucken seiner Schwerthand nicht mehr länger aushielt und zur Trainingswiese eilte und der Händler mich hinterher schickte, um ihn anzufeuern. Dabei hatte mein Herr das gar nicht nötig, auch wenn der Tischler in seiner luftigen Kleidung fast nicht zu schlagen war und es ab und an anscheinend sogar zu genießen schien, an gewissen Stellen vom Gras gekitzelt zu werden, wenn er mal zu Boden ging… oder habe ich da etwas falsch verstanden?


Richtig verstanden habe ich auf jeden Fall, dass Fundstück sich bei mir für ihr falsches Benehmen entschuldigte. Nachdem das Training bereits zu Ende war, tauchte sie nämlich doch noch an der Wiese auf. Ihre Einsicht war jedenfalls schon mal ein guter Anfang, nur sind ein paar Worte schnell gesagt. Letztendlich werde ich bestimmt schnell merken, wie ernst es ihr tatsächlich ist und ob sie ihr Benehmen ändert. Um ihr eine Chance zu geben, gestand ich ihr also einen Neustart zu und erlaubte ihr, mich ab sofort Herrin zu nennen… falls es mal zu Verwechslungen kommen kann, selbstverständlich mit dem Zusatz Dita. Übrigens bestraft worden war sie bereits mit dem Verlust ihres extrem langen Zopfs, an dem sich mein Herr großzügig versucht hatte. Naja, Haare wachsen nach und um eine Glatze ist sie herum gekommen, wenn auch knapp. Trotzdem verkniff ich mir weitere Überlegungen zu einer Strafe und zeigte mich großzügig.


Mein Herr war übrigens auch sehr großzügig und äußerst spendabel… er lud nach dem Training nämlich zu Freigetränken ein. Mich schickte er mit dem Tischler schon mal zur Taverne am Hafen vor, Fundstück zum Schmied und wollte nachkommen, nachdem er kurz noch einmal hinter dem nächsten Busch verschwinden musste. Ach nee, schmunzelnd hatte er betont, dass er am Hafen erscheinen würde. Tja, kommen oder erscheinen hin und her, irgendwie tauchte er jedenfalls nicht auf und die Zeit verging wie im Flug, denn der Handwerker ist ja ein Genießer von besonderen Serves. Da er mir die Gestaltung überließ, nutzte ich die Abwesenheit freier Frauen und sonstiger Gäste natürlich ausgiebig und ich glaube, es gelang mir mit meiner rotseidenen Bedienung ganz gut, den Herrn von einigen Blessuren durch das Training abzulenken.


Es fiel zwar schwer, aber leider riefen dann die Felle des Tischlers nach ihm, da der Handwerker immer sehr früh aufsteht. Außerdem wollte er meinen Herrn selbstverständlich nicht verärgern, indem er sein Eigentum zu lange mit Beschlag belegt und auch verhindern, dass ich in Ungnade falle. Dafür war ich ihm wirklich sehr dankbar. Mein Herr stand übrigens auf dem Marktplatz und schien mich bei dem Gespräch über Anstand und Benehmen wohl sowieso nicht vermisst zu haben. Keine Ahnung, warum sowas ständig öffentlich diskutiert wird… auf der Feier nach dem Heimsteinschwur hatte sich mal wieder der prüde Bauer mokiert, diesmal aber über den Söldner und nun schien es schon wieder um freie Frauen zu gehen, obwohl die beiden jortsschen Moralapostel gar nicht dabei waren. Doch solche Themen haben eine Kajira nichts anzugehen und außerdem schickte mein Herr mich gleich wieder weg.

Ich sollte dem Schmied einen Beutel mit Münzen überreichen, weil er dem Fundstück anscheinend den Kragen meines Herrn umgelegt hatte. Offensichtlich legte mein Herr bei dieser Sklavin keinen Wert darauf, dies selbst zu tun, wie seinerzeit bei mir… aber auch das war mir egal. Seinen Stehpaga danach stürzte er auch nur sehr schnell hinunter, weil es ihn inzwischen nach Hause zog. Aha, schnell wurde mir auch klar, woher die plötzliche Eile kam. Er hatte seiner Neuen den Kragen mit seinem Namen zwar nicht persönlich umlegt, musterte ihn nun aber sehr genau und befahl mir dann seine Kurt zu holen, weil er das Mädchen traditionell begrüßen wollte. Mir kam in der Zeit die Aufgabe zu, mir einen Buchstaben auszudenken… na toll. Da es nach meinem Empfinden eh keinen Buchstaben gibt, der sich mit „ita“ gut anhört, was aber nicht an dem ersten Buchstaben liegt, kam mir schließlich spontan „M“ in den Sinn… keine Ahnung wieso und ob ich dabei an „Miststück“ gedacht habe?

Im Sklavenkäfig gibt es nun also eine UnterMita, denn ich schlafe in dem verhassten Ding natürlich ganz oben und habe Mita erst einmal das unterste Appartement zugeteilt. Da sie bei ihrer Entschuldigung jedoch beteuert hatte, sich zukünftig Mühe geben zu wollen, um meinen Herrn nicht zu enttäuschen und ihr Benehmen mir gegenüber zu bessern, wird sie vielleicht irgendwann eine Etage höher dürfen… doch die muss sie sich noch verdienen! ;-)

Mittwoch, 27. April 2016

Der Tischler schwört auf den Heimstein

Nachdem ich meine häuslichen Arbeiten fertig hatte, beeilte ich mich, zu meinem Herrn und seiner Gefährtin zu kommen, denn es nahte inzwischen die Ahn, in der der Heimsteinschwur des Tischlers stattfinden sollte. Mein Herr klöhnte am Stadttor mit der Wirtin und war über mein Auftauchen offensichtlich erfreut, aber er wuschelte mir nicht nur herrlich sanft durch meine Haare, sondern stellte mir auch die merkwürdige Frage: „Dita hast du meine Rede mitgebracht?“ Nanu, ich hatte nirgendwo eine Rede liegen sehen und schon gar nicht auf seinem Schreibtisch, was ja am Wahrscheinlichsten gewesen wäre. Dort steckte allerdings immer noch dieser Dolch, der meinem Herrn vor einiger Zeit… naja, wie soll ich sagen… der ihm von einer offensichtlich verwirrten Person als Pfand überreicht worden war. 


Er war über das dummdreiste und vor allem beleidigende Benehmen dieser Person total verärgert gewesen. Doch wegen der vielen sehr ungünstigen Wachen konnte er den seit einiger Zeit in Jorts wohnenden Söldner leider nicht zeitnah persönlich beauftragen, sodass er mich zu dem Krieger schickte, um ihn über das auf die Verwirrte ausgesetzte Kopfgeld zu informieren. Ich hatte sogar auf Anhieb Glück und der Krieger war zuhause. Er nahm meinen Bericht sehr interessiert zur Kenntnis, hatte mittlerweile wohl auch einige Nachforschungen angestellt und es gibt inzwischen ein paar zusätzliche Informationen, allerdings wird der Dolch wohl nach seiner letzten Aussage noch länger als Erinnerung an eine spezielle Sklavin im Schreibtisch meines Herrn pieken und ich werde weiter Stillschweigen über Einzelheiten dieses Vorfalls bewahren. Doch zurück zum Heimsteinschwur des Tischlers...


Letztendlich stellte sich im Ratssaal die Frage nach der vermissten Rede meines Herrn als rhetorisch heraus, denn er erinnerte nun auf einmal doch sehr genau, das Dokument als Anzünder für die Feuerschalen benutzt zu haben, wusste allerdings nicht mehr, wie das überhaupt passieren konnte. Wie immer in Sorge um den kostbaren Heimstein von Jorts Fähre, den mein Herr nach dem Anzünden in einem nicht allzu sicheren Zwischenversteck deponiert hatte, waren wir logischerweise die ersten im Saal. Es war zwar noch vor der vereinbarten Ahn, dennoch ließ ich die weit geöffneten großen Saaltüren nicht aus den Augen… allerdings nicht nur in Sachen Empfangskomitee, wie ich herumdrucksend behauptete.

Mein Herr lag mit seiner Vermutung nämlich nicht komplett daneben: „Dita, schmachtest du dem Tischler entgegen?“ Ich mag diesen Herrn nun mal irgendwie und war gespannt, ob er trotz diverser Beleidigungen und der ganzen Knüppel, die ihm in den Weg geworfen worden waren, tatsächlich bei seinem Entschluss bleiben und auf den Heimstein von Jorts Fähre schwören würde. Oh ja, der Handwerker stand zu seinem Wort, hatte sich sogar richtig schick gemacht und sich ohne lange Hose den warmen Temperaturen und den Sitten in Jorts angepasst. Wow… ich war schwer beeindruckt und schaffte es kaum, meine Blicke von den nackten Beinen des Herrn abwenden, der für seine neue Kleidung anscheinend den letzten Rest an Münzen zusammengekratzt hatte.

Übrigens bestätigte die Gefährtin meines Herrn nicht nur schmunzelnd die gute Geldanlage des Tischlers, sondern mit grünkaster Fachkunde auch meinen Hinweis, wie gesund es luftig im Schritt ist, besonders wenn dort mal mehr Platz benötigt wird und so… die Details ließ ich selbstverständlich weg. Außerdem trudelten weitere Bewohner ein, sodass der Tischler nach dem Motto „je weniger, desto besser und je schneller heran, umso eher davon“ drängelte zu beginnen. „Gut, dann werde ich mich räuspern und noch zweimal brummen… danach fangen wir an“, war natürlich eine Aussage, die ziemlich schnell alle Gespräche verstummen ließ, weil niemand das langgezogene Räuspern und schon gar nicht das lautstarke zweite Brummen meines Herrn verpassen wollte, bevor er irgendwie theatralisch seine Hände hob.


Keine Ahnung, ob mein Herr vielleicht die Priesterkönige um Beistand anflehen wollte, weil er seine Rede zum anmachen der Feuer verwendet hatte? Egal, ich glaube ja sowieso, dass er anlässlich eines Heimsteinschwurs immer die richtigen Worte aus dem Ärmel zaubern kann und dabei ist es egal, ob sein Oberteil kurze oder lange Ärmel hat. Jedenfalls sprach er auch vor diesem Schwur sehr schöne, einleitende Worte, die deutlich machten, welch wichtiges, ehrwürdiges und vor allem uraltes Ereignis ein solcher Schwur auf den Heimstein von Jorts Fähre ist, der nicht nur alle Bewohner verbindet, sondern auch der Mittelpunkt dieser Stadt ist, die solange existieren wird, wie ihr Heimstein existiert. Selbstverständlich betonte er besonders, dass man sich das Recht zum Schwur auf diesen Heimstein verdienen muss, da dieses Privileg nicht leichtfertig vergeben wird.


Ein leises Raunen ging durch den Saal und ich glaube, es kam vor allem vom Tischler, als mein Herr erwähnte, dass niemand Einspruch gegen diesen Schwur eingelegt hatte, was nur eher selten vorkommt und daher ein gutes Zeichen war. Da auch keine „Last-Ihn-Einsprüche“ erlaubt sind, durfte der Tischler nun zum Heimstein vortreten. Selbstverständlich behielt mein Herr die Tischlerfinger im Auge und legte seine Hand auf den Schwertknauf, um notfalls einen Raub dieses kostbaren Steins zu vereiteln. Doch das stellte sich zum Glück als vollkommen überflüssig heraus, denn der Tischler wandte sich erst einmal an die Bewohner, um zu schildern, wie er auf der Suche nach Arbeit und einem Dach über dem Kopf nach Jorts Fähre gekommen war.

Er hielt nicht damit hinter dem Berg, wie schwer für ihn das Fuß fassen gewesen war… erwähnte Hindernisse, die ihm als Nordmann immer wieder in den Weg gelegt wurden, der sich mit den mittel- und südgoreanischen Sitten nicht so auskennt… und er erwähnte Verachtungen. Er hätte genug Gründe gehabt, Jorts den Rücken zu kehren. Doch es statt Verachtungen gab es auch Freundlichkeit und Lob von interessierten Bürgern, die seine Arbeit als tischlernden Holzfäller schätzen lernten. Nach einem letzten in die Runde der Anwesenden schweifenden Blick, übrigens auch zu den Kajirae, drehte sich der Tischler um, legte allerdings nicht gleich seine Hand zum Schwur auf den Heimstein, sondern holte aus der Tasche einen kleinen Stein hervor… seinen persönlichen Heimstein, der ihn auf all seinen Wegen begleitet hatte und nun zum Talisman werden sollte. 

Der Tischler, einst Berserker von Skerry, leistete seinen Schwur auf den Heimstein von Jorts Fähre. Der kleine Stein lag daneben, während er gelobte Jorts Fähre in seiner Kaste als Handwerker zu dienen, auch wenn ihm gesagt worden ist, er sei das Allerletzte in dieser niederen Kaste. Und der Herr schwor, bei einem Angriff oder im Kriegsfall diejenigen mit seinem Schwert zu schützen, die ihm wichtig geworden sind und die jortsschen Krieger bei der Verteidigung des gemeinsamen Heimsteins zu unterstützen… Willkommen in Jorts Fähre Torraor aus Jorts Fähre!!

Achso, ich muss selbstverständlich noch erwähnen… das Büffet, das die Wirtin für die Feier des Tischlers aufgebaut hatte, war echt bombastisch und alle Köstlichkeiten superlecker! Ich glaube fast, mein Herr muss die nächsten Tage nichts mehr essen. :-)))


Dienstag, 26. April 2016

Chance schnell vertan

Erneut war ich meinem Herrn total dankbar dafür, dass er mir eine so schöne Auswahl an Tuniken zugesteht, von denen ich mir zuhause schnell eine saubere überstreifen konnte, nachdem sein gefundenes Miststück mich am Hafen vollgekotzt hatte. Während ich mich umzog, überdachte er übrigens seine Entscheidung hinsichtlich der Kleidung noch einmal, die er dieser Kajira vielleicht irgendwann geben will, sofern sich ihr Benehmen dann gebessert hat. Der Sulsack, den er der Sklavin zugestehen wollte und den ich noch vom Hof beschaffen musste, durfte nun kaputt und total löchrig sein. So oberschlecht wie ich auf das Miststück zu sprechen war, beteuerte ich meinem Herrn selbstverständlich umgehend, dass ich mich bemühen werde, den schlechtesten und oberkratzigsten Sack auszusuchen. Ich fand damit nicht nur seine, sondern auch die Zustimmung seiner Gefährtin, die sich aus solchen Dingen normalerweise ja heraus hält.

Um etwas zu trinken, ließen sich mein Herr und seine Gefährtin schließlich auf den Fässern vor der Taverne nieder und mein Herr verspürte außerdem Appetit auf einen Imbiss. Wie immer war natürlich ich dafür zuständig, denn ebenfalls wie immer war von den beiden Tavernenkajirae weit und breit nichts zu sehen. Insofern war es gut, dass ich mich nach der letzten Auseinandersetzung mit der besserwisserischen Luna vor kurzem noch einmal bei ihrem Herrn rückversichert hatte, dass in seiner Taverne noch dieselben Preise gelten, wie im Gasthaus und dass er mangels Kajirae immer noch mit meiner Bedienung einverstanden ist. Schade fand ich nur, von ihm keine Auskunft über die Preise der Bratwürste und Vulospieße zu bekommen. Dafür ist anscheinend Luna zuständig, die jedoch ständig mit Abwesenheit glänzt und sie mir daher immer noch nicht verraten hatte.


Da ich das Fundstück meines Herrn wie schon erwähnt nach ihrem Kotzanfall komplett ignorierte und sie es außerdem vorzog, selbstmitleidig erst mitten auf dem Kai hocken zu bleiben, bevor sie sich ermattet an die Mauer neben der Gnädigsten lehnte, war ich natürlich froh, dass der aus Belnend eintreffende Gast sein Mädchen dabei hatte. Es war für den Herrn nämlich selbstverständlich, dass seine Kajira ihn bedient, sodass ich ihr nur kurz in der Taverne zeigen musste, wo sie alles findet. Ich kenne diesen Kapitän übrigens schon ewig, da er vor vielen Märkten mit seinem Schiff mal im Hafen von Samanu anlegte, als ich dem dortigen Kommandanten gehörte. Weil mir damals jedoch ein peinlicher Fehler mit entsprechenden Folgen passierte, war ich ganz froh, dass er sich jetzt an mich nur im Zusammenhang mit der jortsschen Unterstützung für Belnend bei den kriegerischen Auseinandersetzungen mit den Nordleuten erinnerte. 


Der Krieg und der Sieg über die Angreifer war natürlich Thema Nummer eins, auch wenn es sehr bedauerlich war, dass keine Beute gemacht wurde. Das Gespräch meines Herrn mit dem Kapitän drehte sich aber nicht nur um die Kämpfe, sondern auch darum, dass in Belnend der Wein anscheinend dem Krieg zum Opfer gefallen ist, was der Kapitän als Liebhaber roten Kalanas natürlich sehr bedauerte und daher den wohlschmeckenden, guten Tropfen vor der Taverne von Jorts umso mehr genoss. Da sämtliche Herrschaften nun versorgt waren, war die Gelegenheit günstig, der fremden Kajira im Gasthaus ein Zimmer zu zeigen, da ihr Herr beschlossen hatte, mindestens über Nacht zu bleiben. Eine der Bettdecken in dem Gästezimmer war übrigens der Anlass für reichlich Erheiterung. Sie war nämlich merkwürdig hochgewölbt, sodass die Kajira ausrief: „Da liegt ja schon einer!“ 

Wir waren uns zwar schnell einig, dass es nur Luft war und der Kapitän mit keinem Mann sein Bett teilen musste, allerdings haben wir das selbstverständlich durch Probeliegen herausgefunden, während wir uns gegenseitig unser Leid über Gefährtinnen klagten. Ehrlich und gewissenhaft wie ich bin, habe ich zurück bei den beiden Männern am Hafen selbstverständlich nicht vergessen, unsere Vorsichtsmaßnahme zu erwähnen. Merkwürdigerweise fragte mein Herr jedoch sichtlich erstaunt nach: „Du willst mir sagen, dass ihr nicht einfach die Decke hochheben konntet, um zu sehen, ob das Bett schon belegt ist?“ Ohje, also manchmal ist er wirklich etwas schwer von Begriff! Doch zum Glück stimmte er mir letztendlich zu und konnte aus eigener Erfahrung nachvollziehen, dass Decke wegziehen, im Gegensatz zu sanftem Anschmiegen einer Sklavin, richtig doofes Wecken ist, was man einem Gast natürlich nicht zumuten kann… also wenn dort denn einer geschlafen hätte.

Inzwischen war es spät geworden und daher war Wecken leider das Stichwort zum Aufbruch, weil Wecken leider immer ganz besonders schlimm ist, wenn mein Herr die ganz frühe Frühwache hat. Vor dem Schlafen… juhuuu, übrigens schon wieder auf dem schönen weichen Fell vor seinem Lager… erhielt ich noch ein ganz dickes Lob von meinem Herrn: „Dita du hast dich gut durchgesetzt heute, denn ich will nicht, dass Fundstück eine Prinzessin wird. Sie ist ziemlich verzogen und muss lernen sich unterzuordnen oder sie schläft beim Sleen. Wenn sie es nicht wert ist, dann erledigt es sich früher oder später von alleine mit ihr… aber ich will, dass du ihr eine Chance gibst, Dita. Wenn sie die nicht nutzt, dann hat sie Pech.“ Eine Chance hat schon immer jede Kajira bei mir erhalten… egal mit was für schrecklichen, biestigen Dingern ich mich vor allem als Erste meiner ehemaligen Herrin abplagen musste. Ich bin gespannt, ob Fundstück erkennt, wie schnell ihre Chance vertan ist… also mal abwarten.

Montag, 25. April 2016

Ein Fundstück

Puhh, mal überlegen was die letzten Tage außer den täglichen Diensten einer Kajira so los und überhaupt erwähnenswert war. Das ständige Servieren von Getränken oder Essen lass ich also mal weg, zumal ja immer die Gefährtin meines Herrn dabei ist oder ein anderes Weib, sodass einfaches Reichen ohne rotseidene Hingabe gefragt ist und alles andere Perlen vor die Tarsk. Von den Gesprächen der Freien vor der Taverne ist auch nichts hängen geblieben, da ich meistens alleine bedient habe, nachdem die beiden Tavernenkajirae sich entweder verdrückt oder ein Blasenproblem hatten, sodass mein Herr schon befürchtete, von dem hinter ihm den Hang hinab fließenden, nicht nachlassenden Urinstrom weggeschwemmt zu werden. 

Dabei war er bei meinem Eintreffen am Hafen doch gerade an dieser Sklavin so besonders interessiert und mit ihr beschäftigt gewesen, die ihn schon mit einem Stehpaga versorgt hatte, dass ich mir einen Teil der von ihm gewünschten Begrüßung lieber verkniff und nur ein leises „Tal mein Herr“ von mir gab, um nicht unnötig zu stören und mich nicht zwischen ihn und die Kajira quetschte. Mist, das war leider falsch, wie ich am nächsten Tag erfahren sollte. Aber er unterstellte mir auch herum zu trödeln und glaubt anscheinend, Grasflecken verschwinden aus seiner Kleidung von selbst, müssen nicht gewaschen werden und Uniformtuniken legen sich nach dem Trocknen auch von ganz alleine zusammen und in seine Kleidertruhe… aber egal.


Die letzten drei Tage drehten sich übrigens um eine aufgesammelte Reisekajira, die mein Herr passenderweise Fundstück nennt, die sich für mich jedoch jeden Tag mehr zum giftigen Miststück entpuppt. Als Erstes ist sie selbstverständlich ihre feinen Seiden und den ganzen klimpernden Schmuck losgeworden, was ihr zwar nicht passte, trotzdem nahm sie es recht gelassen. Später erfuhr ich, sie kommt aus irgendeiner Karawanserei und kann musizieren, tanzen und einen Haushalt führen. Ach ja... Medizinkenntnisse hat sie auch und gehört einem reichen Händler, der mit seiner Kajira jedoch meistens nicht Schritt halten kann, sodass sie dann im nächsten Dorf auf ihn wartet. Hmmm, sie läuft also vor ihrem Herrn und nicht hinter ihm? Egal.

Mein Herr erhofft sich einen Finderlohn von dem reichen Eigentümer, wenn der sie wieder abholt. Tja, wenn, denn bislang ist das Händlerchen nicht aufgetaucht und ich befürchte, er wird es auch nicht mehr. Mein Herr wird das Fundstück dann vermutlich behalten, falls sie sich fügt… andernfalls wird sie Sleenfutter, allerdings ohne ihre extrem langen, geflochtenen Haare, die bestimmt doppelt so lang sind wie die Kajira und die gehört nicht gerade zu den kurz gewachsenen. Wenigstens aus dem Verkauf dieses Seils aus Haaren erhofft mein Herr sich nämlich einige Münzen… die Sklavin ist mit ihren unschönen Narben wohl leider eher ziemlich wertlos.

Übrigens tauchte an diesem Tag nicht nur Fundstück auf, sondern auch ein Besucher nach dem nächsten vor dem Haus meines Herrn, sodass ein Rundgang durch die Stadt ausfiel… der Schmied, wegen 5 Kupfer Schulden des verschollenen Nachbarn meines Herrn, die Sklavenhändlerin wegen irgendwelcher Sklavenpapiere und der Sattler mit seiner neuen Kajira zum Beschnüffeln durch Fenris. Aus den Gesprächen erfuhr ich, die Handwerker hatten ihr Kastenhaus wieder aufgegeben, die Gnädigste keine Ahnung vom Kastenwesen und dass sie nicht ohne meinen Herrn reist. Insofern musste ich sie nicht auf einer Reise mit der Sklavenhändlerin begleiten und mein Herr wurde mich nicht los. 


Tja, eigentlich war ich erleichtert, an dieser Weiberreise nicht teilnehmen zu müssen. Doch ahnte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht, was für ein Fundstück mein Herr sich tatsächlich aufgesammelt hatte. Die ersten Zweifel kamen mir, nachdem er am nächsten Tag vom Gassi gehen mit seinem Fundstück in Begleitung des Neuzugangs der Sklavenhändlerin zurückkam. Er fand nämlich, dass seine Neue Fortschritte machte und wies mich an: „Dita, Fundstück ist etwas krank. Sie hat zu viel geschnupft… also sei in den nächsten Tagen etwas vorsichtiger.“ Wie bitte? Ich verstand zwar nichts, bekam aber leider auch keine Antwort auf meine Frage. Aber ein wenig verwunderlich war das Zähneklappern der Kajira tatsächlich. 

Doch es kam noch schlimmer. Fundstück fing auch noch an zu kotzen, sodass die Grüne es nun endlich an der Zeit sah, mich über eine alberne Geschichte aufzuklären, die glauben kann wer mag, ich jedenfalls nicht. Aber das behalte ich lieber für mich. Das einzig Nachvollziehbare, nämlich Offensichtliche daran ist, die Kajira leidet unter Entzug. Angeblich hatte sie ihr Leben lang zweimal am Tag ein aus giftigen Osts hergestelltes Pulver zu sich genommen und wurde dadurch selbst giftig oder so…jedenfalls kann sie unliebsame Besucher mit ihren Küssen betäuben. Mist, oder war das vielleicht anders? Mein Herr hatte ihr geliebtes Pulver jedenfalls prompt im Ofen entsorgt. Nun fror sie also und schlecht war ihr auch… na toll, sie war ja so arm dran.


Mein Herr zeigte übrigens wenig Mitgefühl und wollte schon mal die Schere zum Abschneiden des langen Zopfs schleifen. Die Wartehand war zwar noch nicht um, aber ich denke, er glaubte nicht wirklich daran, dass diese Kajira abgeholt wird. Schade, dass Fundstück nun kränkelte und ich den Schleifstein drehen musste. Zu diesem Zeitpunkt war sie mir übrigens noch ziemlich egal, solange sie die Füße meines Herrn nicht vor mir küsst, mich nicht vollkotzt und ihre ekelhaften Hinterlassenschaften selbst weg macht. Am Ende des Tages ging mir ihr Getue und die nicht enden wollende Fürsorge „geht es dir besser Fundstück?“, „trink noch etwas Fundstück“ für das Giftstück schließlich aber doch ganz schön auf den Geist. Selbstverständlich steht mir jedoch kein Kommentar über Entscheidungen meines Herrn zu.

Mein Herr und seine Gefährtin müssen von alleine drauf kommen, was sie sich da aufgehalst haben, wenn sie sich nicht fügt. Übrigens habe ich mich für diese bislang minderwertige Ware eingesetzt und meinem Herrn davon abgeraten, ihr über Nacht einen Knebel zu verpassen, mit dem sie womöglich an ihrer Kotze erstickt wäre. Sogar Erste Hilfe habe ich geleistet, als sie zu vorgerückter Ahn noch einen Kreislaufzusammenbruch bekam… vielleicht weil die Aufmerksamkeit an ihr langsam nachließ? Gestern hätte ich das Ersticken diesem giftigen Miststück nämlich gegönnt. Mein Herr hatte ihr zwar mitgeteilt, dass ich seine Erste bin und sie ihm umgehend großspurig beteuert, sich mit den Hierarchien an Sklavenketten auszukennen, weil sie immer mit vielen Kajirae zusammen war, doch zu merken war davon nichts.


„Dita, mach Fundstück klar, wer mein erstes Mädchen ist.“ Ein schwieriges Unterfangen, denn das giftige Miststück knurrt, schnaubt und brummt nicht nur ständig, sondern hat es auch noch mit den Ohren. Dass in ihren früheren Haushalten anscheinend schmutziges, rissiges Geschirr in den Schrank gestellt wurde, die Wünsche von Freien zusätzlich hinterfragt wurden und mein Herr nicht geeuchzt werden möchte, ist schon nicht schön. Extrem nervig finde ich jedoch, dass sie mir nicht gehorcht, einfach ohne zu fragen ein Fußbad am Brunnen nimmt und auf meine Erklärungen und Hinweise zu den Regeln meines Herrn nicht wie gewünscht, sondern frech antwortet und sich einbildet, mir in ihrer pampigen Art Vorschriften machen zu können.

Ok, ich mach’s jetzt kurz… mein Herr grinste breit, als ich den Zopf der 99er packte, der sich perfekt zum Ziehen eignete. Danach musste ich mich allerdings voll auf das giftige Miststück konzentrieren und konnte nicht mehr auf die Reaktionen meines Herrn achten. Mein Tritt nach der nächsten frechen Antwort mit meiner sandalten Ferse auf ihren nackten Fuß führte dazu, dass sie nach meiner Schulter schnappen wollte, worauf ich ihr mein Knie in den Bauch rammte und gleichzeitig noch fester am Zopf zog. Wahhh, sie kotzte mir über die Tunika und sackte zusammen! Für den Rest des Abends war Fundstück jedenfalls Luft für mich und wenn nicht noch ganz gewaltiges Einsehen über dieses giftige Miststück kommt und sie sich weiter wie eine 99er benimmt, wird sie das bleiben!

Donnerstag, 21. April 2016

Hand auf legen und besenrein

Unten im Haus an einen Sklavenring gefesselt und geknebelt war meine Nacht nicht allzu komfortabel. Doch ich übte mich in Geduld und ertrug mein Schicksal mit Demut, bis ich endlich die sich nähernden Schritte meines Herrn hörte und ihn kurz anstrahlte. Doch als er genauso stumm wie ich sich vor mir aufbaute, schlug ich meine Augen erneut nieder, um ergeben meine Stirn auf seine Fußspitze zu drücken. Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis ich leises Klirren vernahm und mich sofort der Hoffnung hingab, ich würde nun vielleicht von den Fesseln erlöst. 

Doch leider verpuffte mein Hoffen umgehend wieder. „Ohhh… Dita, ich glaube, den hab ich beim Rundgang verloren!“ Mist, meinte mein Herr den Schlüssel für die Fesseln?! Immerhin schaffte ich es, über meine Enttäuschung keinen Ton verlauten zu lassen, hörte kurze Zeit später dann aber die erlösenden Worte „Ahhh… da ist er ja!“ bevor der Schlüssel direkt vor meiner Nase hin und her pendelte. Mit flehendem Blick schaute ich nur ganz kurz zu meinem Herrn hoch, senkte ihn aber wieder, um zu zeigen, dass ich selbstverständlich jede seiner Entscheidungen annehme.

Puhhh, mein Herr hatte ein Einsehen… er nahm mir nicht nur die Sklavenfesseln ab, sondern auch das ekelige Waffenputztuch, das er als Knebel verwendet hatte und erlaubte mir sanft schmunzelnd: „Meine Dita… geh und trink erst einmal etwas.“ Während ich mich danach voller Dankbarkeit an sein Bein schmiegte, wollte er wissen, ob wegen der Sache mit seiner Gefährtin noch etwas zu besprechen ist. Doch das war nicht der Fall, denn die Frau hatte ihren Wunsch klar und deutlich formuliert und ich ihn verstanden… ich werde sie zukünftig fragen.


An diesem Tag war es erstaunlich leer auf dem Marktplatz, als mein Herr sich auf der Bank vor der Gasthausterrasse niederließ. Trotzdem war natürlich ein Paga nicht verkehrt, den ich ihm eilig holte. Während ich mich mit dem Servieren seines Getränks beschäftigte, bekam er übrigens Gesellschaft vom Tischler, der sich genau wie mein Herr langsam Sorgen über den Verbleib des Brauereikriegers machte, der nun schon seit etlichen Hand ohne Lebenszeichen auf Reisen ist. Eine Erklärung für die lange Abwesenheit des Brauereibesitzers war jedenfalls nicht zu finden… alles blieb merkwürdig und besorgniserregend.

Da die Gelegenheit sich anbot, erkundigte mein Herr sich schließlich: „Tischler, wann willst du denn die Hand auflegen?“ Mir war natürlich klar, dass es um den Schwur auf den Heimstein von Jorts Fähre ging, doch der Tischler gab erst einmal von sich, jeden Abend seine Hand auf ein bestimmtes Körperteil zu legen, weil er dann besser schläft. Diese Gepflogenheit interessierte meinen Herrn natürlich überhaupt nicht. Trotzdem gab er brummend zu, dass diese Art des Handauflegens durchaus sehr entspannend sein kann. Es war übrigens gar nicht leicht, mir das Kichern zu verkneifen, denn das gehörte sich bei der ernsten Frage zu einem Heimsteinschwur selbstverständlich nicht.

Die Terminfindung gestaltete sich mit diversen „Hmmmms“ des Tischlers und dem für ihn so typischen, mehrfachen zurück Streichen seiner Haarsträhne, die immer sofort wieder nach vorne fällt, etwas schwierig. Er wollte nämlich am liebsten einen Termin sofort oder wenn möglichst wenige Bewohner nur da sind, weil ihm das ganze Tamtam bei einem solchen Ereignis nicht liegt. Doch mein Herr machte ihm klar, dass ein Schwur auf einen Heimstein eine große Ehre und etwas Feierliches ist, per Aushang angekündigt werden muss und bei dem die Heimsteinangehörigen gerne zuschauen. Das anschließende Essen mit üppig beladenem Büffet darf natürlich auch nicht fehlen und nur mit einem „ja, ich will“ ist der Schwur eben nicht getan. 


Nachdem dann tatsächlich ein Tag in der nächsten Hand gefunden war, hatte es der Tischler erstaunlich eilig schon mal seine Rede zu üben und auch meinen Herrn zog es nach Hause, allerdings nicht wegen einer Rede. Es war inzwischen zwar ziemlich spät, doch sollte sein Sleen noch am Neuzugang der Sklavenhändlerin schnuppern, damit er ihre Fährte aufnehmen kann, falls sie abhaut. Ich hatte mich wegen meiner Einschränkungen durch die Sklavenfesseln zwar noch nicht um Fenris gekümmert, doch da er sich am Vortag vermutlich überfressen und entsprechend träge gewesen war, passte es auch ohne Futter trotzdem ganz gut. Die Kajira wurde natürlich blass und begann zu stottern vor Angst, als ihr klar wurde, was nun auf sie zukam. Vielleicht überlegte sie auch zu fliehen, doch letztendlich überstand sie die ekelige Tortur und Fenris hatte sich eine Extraportion verdient.


Wie immer auf dem schönen weichen Fell vor dem Lager meines Herrn schlief ich richtig gut. Obwohl ich alle mir übertragenen Arbeiten am nächsten Tag voller Elan erledigte, war ich trotzdem noch nicht ganz fertig, als mein Herr und seine Gefährtin am zeitig zur Trainingswiese aufbrachen. Ich wollte ihn nämlich mit einem Larmakuchen überraschen, der nach dem Waffentraining bestimmt besonders gut schmecken würde. Dementsprechend spät kam ich erst zur Wiese und verpasste das Training zwischen meinem Herrn und dem Bauern. Umso toller war jedoch, mit stummer Begeisterung seinen danach folgenden Kämpfen mit dem Tischler und dem Söldner zuzuschauen, die allerdings überhaupt kein Ende fanden.


Doch schließlich eröffnete mir mein Herr: „Dita, wir haben noch etwas zu erledigen… komm mit! Wir schauen mal, ob die Stadtsklaven gute Arbeit geleistet haben.“ Ziemlich erstaunt lief ich hinter ihm durch die Unterstadt, bis es hinter der Schmiede den Hang hinauf ging und ich wie vom Blitz getroffen feststellte, dass die Tarnreiterflagge am Haus meines verschollenen Herrn fehlte. Wie erstarrt konnte ich mich irgendwie nicht rühren und schon gar nicht ins Haus hinein gehen, denn durch die offene Tür konnte ich erkennen, dass es leer war. Erst als mein Herr dann rief: „Dita, ich glaub das nennt man Besenrein… oder?“ schaffte ich es meine total weichen Beine in Bewegung zu setzen und hinein zu gehen.


Zum Glück kam mein Herr die Treppe schon wieder herunter, sodass mir der Anblick des leeren Obergeschosses erspart blieb. „Ich bin zufrieden, Dita, und ich musste nichts in den Vosk werfen… nun kann das Haus wieder vermietet werden.“ Stockend und um Beherrschung ringend erwiderte ich mit dickem Kloß im Hals, der mir die Kehle zuschnürte: „Das ist... gut mein Herr… es wäre ja... schade... um die schönen… Sachen… gewesen.“ Prompt wollte er allerdings wissen, was los ist und auf mein Gestammel über mein früheres Zuhause antwortete er nur: „Du willst sagen, dass du Teil dieses Haushaltes hier warst.“ Natürlich hatte er vollkommen Recht, denn ich bin ja nur eine Kajira und nichts sonst. „Meine… Dita, du bist meine Kajira… das gefällt mir sehr und ich plane, dass es auch so bleibt.“


Dem hatte ich selbstverständlich nichts hinzuzufügen und war unendlich froh, dass ich meinen Erinnerungen zumindest optisch entkommen konnte, weil mein Herr nun zum Fähranleger lief, um dort den schönen Blick über den Vosk zu genießen, in den also keine Möbel geworfen worden waren. Richtig erleichtert war ich nach dem Anblick des leer geräumten Hauses jedoch darüber, dass mein Herr mich ganz dicht bei sich vor seinem Lager schlafen ließ und mich nicht in den verhassten Käfig sperrte.

Mittwoch, 20. April 2016

Ein schwitziger Tag

Ich hatte noch im Obergeschoss zu tun, hörte zwischendurch aber von unten einzelne Wortfetzen… vor allem hörte ich die Gnädigste meinen Namen mehrfach äußerst abfällig aussprechen. Ich gebe zu, als sie meinen Herrn dann auch noch missmutig anbrummte und behauptete, ich sei bestimmt wieder am Hafen, um den Tischler zu bedienen, war klar woher das Gift in ihrer Stimme kam. Wie gut, dass ich meinem Herrn nach seiner Spätwache von meinem Dienst in der Taverne erzählt hatte, denn er ging auf die Spitzen seiner Gefährtin überhaupt nicht ein… oder bildete ich mir vielleicht nur etwas ein? Das würde sich wohl schnell zeigen.

Ich begrüßte wie immer zuerst meinen Herrn, ignorierte wie immer zuerst mal das Grün neben ihm und tat dann einfach so, als ob nichts war, als ich mich schließlich seiner Gefährtin mit einem freundlichen Lächeln zuwandte. Tja, die Bestätigung kam umgehend in Form eines mehr als ein kurz angebundenen „Tal“. Pahh… dann eben nicht. Ich wappnete mich innerlich auf das übliche Rumgehacke auf mir, was die beiden ja so gerne gemeinschaftlich tun. Doch stattdessen stand ihnen der Sinn nach einem Spaziergang… möglichst mit Leichen, die ich transportieren sollte. Ach nee, ich glaube da kam doch noch der gute Kern der Gnädigsten hervor… sie hoffte keine Leichen zu finden. Mein Herr machte sich nämlich Sorgen um seinen Nachbarn und dessen Kajira.


Die Reihenfolge auf dem Spaziergang war also erst in den Wald zum Thalarionhügel, dann zum Haus des Söldners, danach vielleicht im Gasthaus einkehren und NICHT zur Taverne… Letzteres hätte sie wirklich nicht so abwertend betonen müssen. Wie gut, dass sich der von meinem Herrn im Wald vermeintlich entdeckte Arm bei näherem Hinsehen dann doch als Ast entpuppte. Wobei ich den ja nicht sah, weil die Grüne mir sofort die Sicht versperrte, kaum dass ich mich neben meinen Herrn stellte, um in die von ihm gedeutete Richtung zu schauen. Aber gut, ich kenne meinen Platz, der selbstverständlich nicht links neben ihm ist, sondern links hinter ihm. Aber egal, da ich mögliche Fundstücke tragen sollte, reichte es eigentlich, sie erst dann zu sehen. Zum Glück blieb ich davon aber verschont.

Irgendetwas hatte die Gnädigste übrigens mit ihrer Nase. Mein Herr und ich rochen zwar nichts, doch die grüne Nase roch Merkwürdiges beim Haus des Söldners. Sie stellte die Vermutung auf, ob womöglich jemand durch einen Thalarionhaufen gelatscht war… war aber nicht der Fall. Vielleicht hatte sie sich an unsere Geschichte vor kurzem über das Missgeschick meines Herrn in Hochburg erinnert, wo ich ihm die Sandalen säubern musste, weil er im Tarnturm in die Hinterlassenschaften der großen Vögel getreten war? Die Ursache für diesen angeblichen Geruch war jedenfalls nicht festzustellen und der Krieger nicht zuhause, sodass es zügig weiter zum Marktplatz ging. So schnell wie sich der Platz nach unserem Eintreffen mit Bewohnern füllte, stellte ich mir die Frage, ob der Stadtrat inzwischen den freien Frauen das Auslüften ihrer Roben vorschrieb oder war irgendetwas anderes Besonderes los?

Oh ja, es gab tatsächlich etwas und zwar etwas wirklich Sehenswertes! Wobei die anwesenden Herrinnen wohl mehr oder weniger kurz davor waren, aufgrund einsetzender Schnappatmung in Ohnmacht zu fallen. Allen voran übrigens die Grüne, deren erschrockene Sprachlosigkeit, bevor sie schnell in eine andere Richtung schaute, mich aufgrund ihrer Kastentätigkeit doch arg verwunderte. Die einzig normale Reaktion zeigte eigentlich nur die Sklavenhändlerin, die schwer damit kämpfte, keinen Lachanfall zu bekommen. Aber ok, solange ein prüder Bauer betont „wir achten hier auf das Aussehen“ und später droht „beim nächsten Mal klatsch ich ihm auf den nackten Arsch mit meinem Schwert bis es glüht“, war das Benehmen der freien Frauen nicht wunderlicher.


Zum Glück gibt es auch ein paar normale Männer wie den Schmied und meinen Herrn, die in Lachen ausbrachen, weil der Tischler fröhlich pfeifend nur mit einem Handtuch bekleidet über den Marktplatz spazierte und alle freundlich mit einem „Tal zusammen“ grüßte. Er erzählte, er hatte einen schwitzigen Tag gehabt und war mangels eigener Badewanne nun auf dem Weg ins Badehaus. Außerdem war er ja nicht komplett nackt, sondern hatte sich das bereits erwähnte Handtuch um die Hüften geschlungen und einen Körperbau, der wirklich ein Augenschmaus war… aber das wusste ich ja bereits. Das leise Getuschel unter den Weibern „ist er weg?“ und „ne, ich glaub noch nicht“ schmälerte diesen Anblick jedenfalls kein Stück, den ich still schwelgend sehr genoss.


Inzwischen versuchte der breit grinsende Schmied die tomatenroten Gesichter der echauffierten Frauen mit einer Finte Richtung Hafen zu lenken und der Bauer meinte dem Tischler befehlen zu können: „Geh gleich weiter und nächstes Mal ziehst dich erst im Bad aus“. Doch warum sollte der Tischler darauf reagieren? Stattdessen kratzte er sich nochmal ausgiebig am Hinterteil, sodass das Tuch dabei etwas hoch rutschte, bevor er dann aber doch Richtung Bad davon schlenderte und mein Herr lachend zum Bauern meinte: „Hehe, er ist wenigstens selbstbewusst!“ Offensichtlich war der Tischler im Bad immer noch bestens gelaunt, denn nun war lauter Gesang zu hören: „Ein Schiff wird kommen… la Paloma ohe, Seemannsbraut ist die See… Matrosen ohe, wir fahren zur See……“ 


Den Rest über die jortssche Küste und den jortsschen Strand mit Fischen im Wasser und nicht an Land, konnte ich mir dann nicht mehr merken, weil mein Herr seinen ersten Gratispaga ausgetrunken hatte und bei der Gesangsdarbietung einen weiteren zur Beruhigung seines Gehörs benötigte. Er befürchtete nämlich, das Dach über dem Bad war wegen der Darbietung kurz vorm Zusammenbruch. Auch die Sklavenhändlerin, die ja mit großer Erheiterung reagiert hatte, meinte, ein wenig Gesangsunterricht könnte wohl nicht schaden… komisch. Aber ok, etwas schräge klang die Darbietung des Tischlers tatsächlich, für mich allerdings auch nach jeder Menge guter Laune. In der Hoffnung, dass ein weiterer Paga den Gesang doch noch zum Höchstgenuss für meinen Herrn werden ließ, beeilte ich mich natürlich besonders mit dem Servieren.

Irgendwann tauchte auch die Gefährtin meines Herrn wieder auf, die zur Behandlung einer fußkranken Pilgerin zwischendurch in der Krankenstation gewesen war. Der Tischler hatte sich mittlerweile saubere Kleidung angezogen und gab Luna jetzt die Münzen für seine Getränke am Vorabend und meinen Herrn gelüstete es nach einem weiteren Paga, mit dem er das Ende des beeindruckend schrägen Tischlergesangs begießen wollte. Leider veränderte sich damit nun die bislang lustige Stimmung sehr ungut. „Dita, wäre nicht mal der Moment gekommen?“ fragte mein Herr und seine ziemlich grimmig aussehende Gefährtin befahl mich zu sich. Ups… was war denn nun los? Ich hatte keinen Schimmer und stotterte um Verzeihung für meine Ahnungslosigkeit bittend herum.

Mist, der Gnädigsten gefiel es nicht, dass ich sie „ignoriere“… mein Verhalten vor der Taverne am Vortag und dass ich sie jetzt nicht nach einem Getränkewunsch gefragt hatte, passte ihr nicht. Wie hatte ich nur so blöd sein und von der Art meines Herrn darauf schließen können, dass seine Gefährtin mir ebenfalls sagen oder wenigstens einen Fingerzeig geben würde, wenn sie ein Stehgetränk wünscht? Die Lust auf etwas von mir war ihr jedenfalls gehörig vergangen, doch in Zukunft erwartet sie, gefragt zu werden. Sie drohte noch, sonst anders zu reagieren und klammerte sich dann an meinen Herrn, der mir nun einen Auftrag gab, der in meinen Augen reines Wegschicken war.

Kaum war sein Weib dann verschwunden, stellte er mich zur Rede, was er da eben gehört hatte. Aha, sie hatte sich offenbar bei ihm beschwert. Selbstverständlich beteuerte ich sofort, verstanden zu haben und mich in Zukunft wunschgemäß zu verhalten… schließlich weiß ich, was sich für eine Kajira gehört. Zum Glück fragte mein Herr dann etwas schwammig: „Sie ist meine Gefährtin, sie muss für dich fast so wichtig sein, wie ich oder siehst du das anders?“ Eine Frage, die ich ehrlich wie ich bin mit „ja“ beantwortete. Wie gut, dass er nicht noch nachfragte, ob sich meine Antwort auf den ersten oder den zweiten Teil seiner Frage bezog. Trotzdem kam ich um eine Strafe natürlich nicht herum, die eigentlich keine war... also keine ganz schlimme.^^

Dienstag, 19. April 2016

Verfeinerungen

Leider hatte mein Herr noch ein weiteres Mal die Spätwache erwischt und seine Gefährtin war anderweitig beschäftigt. Ich machte mich daher alleine zur Schmiede auf, denn ich hatte die Hoffnung noch nicht aufgegeben, was den Auftrag für die Wartung der Ketten anbelangte. Erneut war der Schmied jedoch nirgends zu sehen und offensichtlich sah man mir wohl auch an, dass ich darüber leicht zerknirscht war. Der am Hafen vor der Taverne sitzende Tischler wollte nämlich wissen, was mit mir los ist. Luna platzte allerdings oberwichtig dazwischen, wurde von ihm aber angewiesen, vorerst ihre Klappe zu halten, da er kein Durcheinandergeschnatter mag und sich noch mit mir unterhalten wollte. Tja, nach ihrem unwilligen Gesichtsausdruck zu urteilen, gefiel ihr das offensichtlich nicht, trotzdem musste sie sich in Geduld üben.

Interessant fand ich übrigens das Anliegen, mit dem sie schließlich herausplatzte… sie wollte sich entschuldigen. Anscheinend hatte sie den Tischler vor kurzem aufgesucht und erzählt, dass der Söldner immer noch in kahlen Räumen ohne Möbel wohnt. Mittlerweile hatte sie aber wohl herausgefunden, dass ihre Informationen nichtig sind, weil sich der Krieger von einem auswärtigen Tischler Mobiliar hatte anliefern lassen. „Dann habe ich die Bäume ja umsonst gefällt… muss ich sie wohl für andere Dinge verarbeiten.“ Oha, gab es gar keinen Auftrag und da war jemand vorgeprescht? Näheres bekam ich jedoch nicht mehr heraus, da ich tunlichst meine Klappe zu dieser am jortsschen Tischler offensichtlich vorbei gegangenen Möbelanfertigung hielt, der darüber natürlich nicht gerade in Begeisterung ausbrach und sich nun besaufen wollte… wobei sein Becher offensichtlich leer war.


Diesmal warf er ihn übrigens nicht einfach hinter sich in die Botanik, sondern nach vorne Richtung Hafenbecken. Ich glaube, mit der geänderte Richtung wollte er es uns Kajirae einfacher mit dem Aufheben machen… wir mussten nämlich nicht erst lange im Gebüsch suchen. Da ich jedoch befürchtete, der Becher könnte ins Wasser kullern, hüpfte ich eilig hinterher. Luna blieb mit ihrem ausladenden Hinterteil allerdings knien und tat lieber kichernd ihr nordisches Wissen kund, dass die Trinkgefäße im Norden eigentlich immer nach hinten geworfen werden. Tja, Pech für sie, der Tischler wies sie wegen Besserwisserei zurecht und bestellte seinen Paga bei mir. Hach, außerordentlich gut gefiel mir natürlich, dabei auf seinen Schoß gezogen zu werden. Trotzdem vergaß ich natürlich nicht, die sich dazu gesellende Gefährtin meines Herrn zu grüßen, die nun von Luna mit einem Getränk versorgt wurde und lachend behauptete, mich überhaupt nicht gesehen zu haben.

Leider sah die Gnädigste danach dann allerdings mit einem Blick zu mir hinüber, den ich zwar nicht wirklich einschätzen konnte, weil ich ja nun mal keine Gedanken lesen kann, bei dem mir jedoch Ungutes schwante. Letztendlich veranlassten mich ihre hochgezogenen Augenbrauen, doch lieber vom Schoß des Tischlers herunter zu rutschen, auch wenn es schwer fiel und wir ja schließlich vor der Taverne waren. Na toll, gedankenversunken, oder vielleicht auch gelangweilt, blickte sie danach nur noch übers Wasser, ließ das Gespräch offensichtlich an sich vorbei plätschern und nippte gelegentlich an ihrem Kalana. Ob ich nun neben ihr kniete oder nicht, war ihr offensichtlich egal. Daher war ich froh, den Becher des Tischlers schließlich erneut füllen zu dürfen.

Womit ich allerdings nun überhaupt nicht gerechnet hatte, der Herr kam hinter mir her und wünschte wegen der freien Frauen draußen seinen Paga von mir in der Taverne serviert zu bekommen… er hatte offensichtlich keine Lust auf das eher züchtige Anreichen nach Topfsklavin Art. Auf den nordischen Serve vom Nachhilfeunterricht verzichtete er jedoch, denn er respektiert, dass ich nicht seine Sklavin bin, sondern das Eigentum des Hauptmanns. Stattdessen wünschte er eine Art des Servierens mit „Verfeinerung“… so nannte er nämlich seine sanften Korrekturen… die im Norden vielleicht nicht unüblich ist, hier im Süden aber eher privat oder in einer Taverne angebracht ist, ohne anwesende freie Frauen.


Ich gestehe, diese „Verfeinerung“ hatte es in sich und ließ mich jeden Gedanken an die Gefährtin meines Herrn draußen vergessen, zu dessen Ehre ich mit meiner rotseidenen Veranlagung gerade ganz gewaltig beitrug. Die „Verfeinerungen“ des Tischlers entfachten mein Sklavenfeuer lichterloh, sodass ich schließlich beim Überreichen des Pagas mit meinem Mund kurz davor war zu verbrennen. Kein Wunder also, dass ich kaum mitbekam, als der erste Händler mit einer neuen Sklavin seines Weibs die Taverne betrat. Allerdings zog er sich nach einer kurzen Einweisung des Mädchens in ihre demnächst beginnenden Tavernenaufgaben auch sogleich ins Obergeschoss zurück, um der Kajira eine traditionelle Begrüßung mit der Kurt zu verabreichen.


Ohne dass ich merkte wie die Zeit verging, war es schließlich spät geworden und die Felle des Tischlers riefen laut nach ihm, da der Handwerker immer sehr früh aufsteht. Trotzdem spülte ich wie es sich gehört schnell noch den Becher ab und stellte ihn an seinen Platz zurück, bevor ich dann ebenfalls nach Hause wollte. Vor der Taverne war es leer geworden und auch die Gefährtin meines Herrn hatte sich zurückgezogen… nur der Schmied gönnte sich noch ein von Tahira gereichtes Feierabendgetränk. Kaum hatte ich gut gelaunt gegrüßt, forschte Luna übrigens sofort nach, wo ich die Münzen des Tischlers hingelegt hatte. „Nirgends Luna… ich denke, der Herr wird morgen bei dir bezahlen… ich kenne die Tavernenpreise nämlich nicht.“

Oha… schade, dass Luna sich nicht selbst sehen konnte, als sie sich jetzt bemühte, ihre weißen Wangen ihrem ausladenden Körperbau anzupassen, indem sie sie gewaltig aufplusterte und mir dann in ihrer so typischen, besserwisserischen Art an den Kopf warf: „Ah ja, dann solltest du auch nicht hier bedienen oder? Oder man fragt mal nach, wäre doch auch eine Möglichkeit nicht?" Vollkommen ruhig erkundigte ich mich vorsichtshalber lieber noch, ob sie mir vorschreiben will, von wem der Tischler bedient werden darf und dem Herrn unterstellt, seine Getränke nicht zu bezahlen? Zur Antwort bekam ich: „Kommt drauf an, Dita. Du solltest die Preise schon kennen, wenn du hier bedienst oder willst du meinem Herren erklären, wenn ihm Geld fehlt?“

Wie gut, dass ich vor einiger Zeit gleich nach der Neueröffnung ihren Herrn bereits gefragt hatte, wie die neuen Gepflogenheiten in seinem gepachteten Etablissement sind und ob ich in der Taverne überhaupt noch bedienen darf… ich durfte. Nach dieser Auskunft lächelte Luna nur noch leicht und verkniff sich zum Glück den Rest, sodass ich mich endlich an den zwischen uns hin und her schauenden Schmied wenden konnte und den Auftrag für die Wartung der Ketten am Sklavenpfahl loswurde, bevor ich dann nach Hause lief, da die Wache meines Herrn bald zu Ende sein würde. Bei seinen Spätdiensten bleibt vor dem Schlafen zwar meistens nicht mal eine halbe Ahn, trotzdem genieße ich diese kurze Zeit mit ihm immer sehr und berichte, was so losgewesen war… die Wichtigtuerei von Luna tat er jedenfalls ab, denn er kennt diese Kajira eben schon etwas länger und will wohl wegen einer Preisliste gelegentlich mit ihrer Herrschaft sprechen.

Montag, 18. April 2016

Nachhilfeunterricht

….ein Abend mit reichlich Theorie am Lagerfeuer, gepaart mit ausgeprägtem Vorstellungsvermögen und praktischen Fingerzeigen und ein anderer mit kurzem Hausunterricht in Anatomie und ohne Stadtrundgang.

Mein Herr hatte Spätwache, seine Gefährtin sich für irgendwelche grünen Studien zurückgezogen und ich meine Aufgaben fast erledigt, aber eben nur fast. Es war mir leider immer noch nicht gelungen, den Schmied anzutreffen, um die Wartung der Ketten am Sklavenpfahl vor dem Haus meines Herrn in Auftrag zu geben. Mist, auch an diesem Tag schienen mir die Priesterkönige nicht wohlgesonnen… zumindest nicht in Sachen Schmied. Weder in seinem Haus, nicht am Hafen oder in der Taverne, noch auf dem Marktplatz und auch im Gasthaus war der Herr nicht anzutreffen und auch sonst niemand, den ich nach dem Verbleib des Schmieds hätte fragen können. Da offensichtlich auch niemand Bedarf an meinen Diensten hatte, schlenderte ich gedankenversunken den Hang hinter der Schmiede hinauf.

Eigentlich hatte ich vor, die Schmiedewerkstatt im Auge zu behalten, um die mögliche Rückkehr des Metallhandwerkers nicht zu versäumen, als ich plötzlich jemanden lachen hörte. Es war der nette Tischler: „Grüß dich Dita… na, hast du wieder etwas ausgefressen und ich muss dir helfen?“ Oha, an dieser doch nicht allzu rühmlichen Meinung über mich sollte ich wohl mal arbeiten? Wobei ich dem Herrn nach kurzem Nachdenken Recht geben musste… immer wenn ich ihn aufgesucht hatte, war es wegen eines Auftrags von meinem Herrn gewesen und leider schwebte stets irgendeine fiese Strafandrohung über mir, sollte es mir nicht gelingen, den Tischler zu finden und seine Hilfe zu erbitten. Daher passte es jetzt perfekt, mich endlich für seine Freundlichkeit und mehrfachen Rettungseinsätze erkenntlich zu zeigen, zumal er doch erst vor kurzem sogar um meine Hilfe bei dem Auftrag für die rote Kaste gebeten hatte.

Ach herrje, vermutlich röteten sich meine Wangen vor Verlegenheit, als der Tischler mir eröffnete, dass mittlerweile schon drei Dinge ausstanden, die ich ihm für seine Hilfe versprochen hatte, für die bislang jedoch leider noch keine Zeit gewesen war, weil meine Dienste für meinen Herrn natürlich Vorrang haben. Vielleicht bot sich dieser Abend jetzt an? Der Herr hatte seine Tischlerarbeiten allerdings bereits beendet und Feierabend gemacht… meine Hilfe bei Holzarbeiten fiel also aus. Er verspürte auch keine Lust auf Haare schneiden oder das versprochene Bad, da er es sich auf einem seiner dicken Sitzkissen am Lagerfeuer mit wunderschönem Blick zum Leuchtturm und ins Vosktal gemütlich gemacht hatte. Ihm stand der Sinn nach ein wenig Nachhilfeunterricht und zwar im nordischen Servieren... er befahl mir  auf seinen Schoß zu krabbeln.


Uuiiih, was für ein tolles Angebot! Über Servieren nach Nordsitte hatten wir uns tatsächlich vor einiger Zeit mal unterhalten und dass ich bei meinen wenigen kurzen Besuchen im Norden nie ausführlicher mitbekommen hatte, wie die Kajirae dort servieren. Eine perfekte Gelegenheit also, wieder etwas dazu zu lernen und den Tischler zukünftig beim Bedienen vielleicht etwas nordischer zu erfreuen… naja, falls keine freien Frauen anwesend sind. Ich machte also Anstalten, von seinem Schoss wieder herunter zu rutschen, um erst einmal ein Getränk zu holen. Doch dieses Vorhaben wurde prompt von starken Tischlerarmen verhindert, die mich herrlich fest an den Herrn drückten, was mir natürlich ausgesprochen gut gefiel. Er ignorierte auch einfach meine erstaunte Nachfrage und wollte stattdessen wissen, ob ich mir Dinge gut vorstellen kann, wenn sie mir erklärt werden.

„Klar kann ich das, Herr.“ Nach meiner Bestätigung begann sofort der Unterricht. „Schließe deine Augen, Dita. Lausche dem, was ich dir sage und stelle es dir vor.“ Meine Vorstellungskraft ist wirklich schon immer sehr ausgeprägt gewesen und bei dieser Lektion, die aus leise an meinem Ohr gemurmelten Worten bestand, warmem Atem, der meinen Hals liebkoste und den sanft über meine Haut streichenden Tischlerfingern, die den über meinen Körper laufenden Met sehr einfühlsam verdeutlichten, konnte ich nicht nur gedanklich fühlen, wie der Met an mir herab rann, sondern ich spürte tatsächlich, wohin er lief und was dann passieren würde! An diesem Abend, an dem ich alles um mich herum ausblendete, lernte ich also reichlich Theorie, allerdings erhielt ich auch… ähmm… naja, eben eine Menge praktische Fingerzeige, denn ich blieb die ganze Zeit ganz brav auf dem Schoss des Herrn. Ich konnte mir aber trotzdem nicht nur richtig gut vorstellen, was der Herr mir zu dem Serve erklärte, sondern spürte es!

Mein Herr war bereits von der Spätwache zurück, als ich nach kleinen Zwischenstopps hinter einem Busch und schneller Gianniwäsche am Brunnen zu vorgerückter Ahn schließlich zuhause ankam. Erstaunlicherweise war auch seine Gefährtin noch wach, sodass ich mich mit Details über das neu gelernte Servieren selbstverständlich zurückhielt. Übrigens wunderte mich die Aussage meines Herrn nach meinen Andeutungen nicht wirklich, denn ich kenne ihn ja inzwischen schon einige Tage: „Ich hab ja gern eine Sklavin auf dem Schoss und dabei mein Getränk in der Hand oder auf dem Tisch, sodass ich die Hände frei habe… aber ich trinke am liebsten aus Gefäßen.“ Seine Gefährtin meinte zwar lachend, ich hätte wohl noch einige Überzeugungsarbeit zu leisten, doch eigentlich ist es nett, wenn nicht alle Geschmäcker gleich sind. Ich mag, wie mein Herr schmeckt und er mag, wie ich mich anfühle… dieser Serve aber bleibt dem Tischler vorbehalten.

Tiefenentspannt wie ich war, schlief ich in dieser Nacht ausgesprochen gut, träumte bestimmt ganz viele tolle Dinge, an die ich mich jedoch nicht mehr erinnern konnte, als ich am nächsten Tag auf dem schönen weichen Fell vor dem Lager meines Herrn aufwachte. Ich wurde übrigens von einem Patscher à la Hauptmann auf mein Hinterteil geweckt… mein Herr hatte mich nämlich nicht in den verhassten Käfig gesperrt. Ich erinnere allerdings nicht mehr, wieso mein Herr schließlich auf Urts zu sprechen kam und warum er von mir etwas über ihre Zähne wissen wollte. Jedenfalls setzte er nun zum Nachhilfeunterricht über die Anatomie von Urts an. 


Ich lernte, dass die Viecher drei Reihen Zähne haben, scharf wie eine gut gepflegte Gladiusklinge, ständig hungrig sind, heimtückisch und überall. Der Tag verging, ohne dass es meinen Herrn nach einem Rundgang in die Stadt gelüstete, mit einem bunten Strauß an erinnerungen und Themen, über seine Kuchenvorliebe, wann seine in Auftrag gegebenen Uniformen endlich fertig sind und ob sie überhaupt passen werden, überkandidelte Freie, minderwertige Ware, erste Mädchen, wie viele Pasang ich schaffe hinter mich zu bringen, ohne von jemandem an die Kette gelegt zu werden und auch über sowas wie „manchmal kommen Dinge und manchmal kommen sie anders, als man denkt“. ;-)

Donnerstag, 14. April 2016

Gerade die Kurve noch gekratzt

…oder auch nicht.

Selbstverständlich brachte ich nicht nur zuhause, sondern auch nebenan im Haus der Krieger alles auf Vordermann, da mein Herr mir nach der Besprechung und unserem sehr intensiven Zusammensein zu vorgerückter Ahn erlaubt hatte, die herbei geschafften Krüge und Trinkgefäße stehen zu lassen, die nun zurück in die Taverne mussten.

Es dauerte daher also ein kleines Weilchen, bis ich am nächsten Tag in der Taverne fertig war und Richtung Schneiderei lief, um mich zu ihm und seiner Gefährtin zu gesellen, da ich sämtliches Geschirr auch noch abwaschen musste.

Die Schneiderin war übrigens erneut nicht zu sehen, dafür stand aber eine fremde Händlerin bei meinem Herrn, der mich leicht ungehalten empfing: „Wo hattest du dich versteckt, Dita? Komm mit!“ Ups, das fing ja gut an, auch wenn es mir durchaus gefiel, von ihm besitzergreifend am Arm gepackt zu werden… es war schön zu spüren, wie wichtig ihm war, mich bei sich zu haben.


Erst auf dem Marktplatz, direkt vor der Gasthausterrasse ließ mein Herr mich wieder los und wandte sich an die Fremde: „So, da wären wir… das hier ist unser Gasthaus.“ Die drei Freien ließen sich auf die Sitzkissen plumpsen und ich bekam mit dem Herbeischaffen von Getränken zu tun. Ihr eher uninteressanter Smalltalk über Schreiber und Gefährtenschaftsverträge ging jedoch weitestgehend an mir vorbei. Viel interessanter war dagegen, nicht von der patschenden Hand meines Herrn das Gleichgewicht zu verlieren, als ich mit dem großen Tablett neben ihm niederkniete. Der Patscher war nämlich von der Sorte, die ich normalerweise ausgenutzt hätte, um mich an ihn zu drücken. Doch in diesem Fall gelang es mir zum Glück die Balance zu halten, was bei meinem Herrn ein leicht enttäuschtes Brummen verursachte, sofern ich es richtig gedeutet habe.


Lustig war die Begründung des Tischlers, mit der er sich wie immer auf das Fass setzte, von dem er behauptete, es würde schon seinen Namen tragen. Die Einladung am Tisch Platz zu nehmen, lehnte er lachend ab, weil sein dicker Hintern angeblich Schwierigkeiten machen würde, vom Sitzkissen wieder hochzukommen. Hmmm… also ich fand seinen Allerwertesten nun wirklich nicht dick, die Gefährtin meines Herrn ebenfalls nicht und mein Herr lachte: „Da bin ich froh, dass ich einen dünnen, gut durchtrainierten Arsch habe.“ Der Handwerker grinste nur belustigt, mein Herr möge ihm nicht böse sein, doch ein Hauptmannhinterteil interessiere ihn gerade überhaupt nicht, egal wie trainiert. Übrigens bestellte er an diesem Tag einen Kalana, kündigte aber an, falls er ihm nicht schmecken sollte, müsste ich ihm den mit einem Kuss versüßen. Ok, wie ihm der Wein tatsächlich geschmeckt hatte, bekam ich nicht mehr heraus, weil leider viel zu tun war, doch einen Kuss hatte ich schon nach dem Servieren erhalten!

Inzwischen tauchte auch die Sklavenhändlerin noch auf, war allerdings nicht durstig, sondern auf der Suche nach dem Söldner, den sie als Schutz für eine Reise angeheuert hatte. Oha, die Preise dieses Kriegers sind wirklich nicht ohne. Durchaus nachvollziehbar also, dass mein Herr hellhörig geworden, das Thema Soldanpassung fallen ließ, wenn dieser Rote mit seinen Forderungen durchkommt. Auch der Tischler sprach von Hungerlohn, für den er sein Leben riskiert hatte und wenn die Sklavenhändlerin dem Söldner Silber zahlt, ist es wirklich kein Wunder, dass es meinem Herrn nicht gelingt, für 5 Kupfer am Tag jemanden anzuheuern. Die Freie druckste zwar mit ein paar fadenscheinigen Argumenten noch eine Weile herum, verdrückte sich schließlich jedoch eiligst. Keine Ahnung, ob sie gemerkt hatte, wie unlogisch sie klang.

Frech fand ich übrigens den Bauern, der doch tatsächlich glaubte meinem Herrn mit dem Tod drohen zu können, weil dieser angeblich auf „seinem“ Sitzkissen saß… wobei er das grinsend von sich gab, seine Drohung konnte also nicht ernst gewesen sein. Trotzdem fand ich es angebracht, mich nun sehr sanft an meinen Herrn anzuschmiegen und ihm ganz leise ins Ohr zu flüstern, ob ich vielleicht seinen Namen auf das Sitzkissen sticken soll? Mist, der Kerl neben uns bekam das trotzdem mit. Er beugte sich nämlich zu mir herüber und raunte: „Kajira, möchtest du, dass ich dir mit meinem Messer den Namen deines Herrn in deine Arschbacken ritze?“


Bei der Beantwortung dieser Frage war natürlich äußerste Vorsicht angebracht und ich erwiderte: „Herr, ich glaube, das würde ich lieber von meinem Herrn machen lassen, auch wenn es nicht nach den Wünschen einer Kajira geht, aber sicher eine große Ehre wäre und ich dich nicht enttäuschen möchte.“ Puhh, es endete mit einem Klaps dieses Herrn auf mein Hinterteil, während er mir zugestand, gerade noch die Kurve gekratzt zu haben. Trotzdem war ich froh, nun in die Küche verschwinden zu können, um den Kelch meines Herrn erneut zu füllen und somit aus der Reichweite der Bauernpranke zu kommen. Außerdem kam eh weitere Arbeit auf mich zu, da sich die Terrasse gerade noch mehr füllte, obwohl sich einige Herrschaften inzwischen auch schon zurückgezogen hatten.

Der Sattler gesellte sich nämlich dazu, merkwürdigerweise jedoch ohne seine Kajira, stattdessen mit einer Freien im Schlepp. Mein Herr vermutete natürlich, der Lederarbeiter habe auf seiner Reise eine neue Gefährtin gefunden und lauerte schon auf kostenloses Essen. Doch offensichtlich war das nur eine weitere Pilgerin, die er auf seiner Reise aufgegabelt hatte, nachdem ihr warum auch immer die Reisegruppe abhandengekommen war. Jorts Fähre scheint momentan wohl eine Pilgerhochburg zu sein… die Getränkebestellungen wurden daher nicht weniger und als der Sattler schließlich missgelaunt brummte, seine Kajirae beim Würfeln verspielt zu haben, musste er sich von meinem Herrn die Weisheit anhören: „Val, das kenn ich… hat man Glück, zack, dann hat man zwei Kajirae… mit Pech aber keine mehr. Deshalb würfel ich nicht.“


Mit Ravina war also nicht mehr zu rechnen und auch die zweite Pilgerin reiste ohne Kajira. Die schwarze Sklavin des Schmieds half zwischendurch zwar kurz, verdrückte sich aber auch wieder, sodass ich weiter Gasthauskajira war. Blöderweise ist mir bei dem Hin und Her darüber, ob Honig nun verwerflich ist oder nicht und dem Gespräch des Sattlers mit meinem Herrn über den Ausgang der Schlacht bei Belnend, eine Peinlichkeit passiert, die mit dem ungehaltenen Brummen meines Herrn leider noch nicht erledigt war. Seine Frage später zuhause, ob ich mal nicht im Käfig schlafen möchte, klang zwar toll, doch ist mir schon seit einer Ewigkeit klar, dass ich es mir abschminken kann, jemals eng an ihn geschmiegt einschlafen zu dürfen...Vorsicht war daher angesagt. 


Es ging tatsächlich um diese noch nicht Gefährtin des Sattlers, deren Bestellung eines Schluck Kalanas ich hinterfragt hatte. Das Weib hatte natürlich einen Schuss Kalana gemeint, damit ihr Wasser etwas Geschmack bekommt… also nichts mit Schluck nehmen und ins Wasser spucken. Mein Herr nahm meine Rückfrage leider jedoch zum Anlass, mir nun einen ganz besonderen Schlafplatz zu geben. Er packte mich am Kragen, zog mich zu den Truhen hinüber und fing an, sämtliche Sklavensachen aus einer heraus zu werfen und über den Boden zu verteilen. Danach hielt er kurz inne, musterte die Kiste abschätzend, murmelte schließlich „das passt“ und beförderte mich hinein. Bevor er den Deckel allerdings zuklappte, warf er noch eine Decke auf mich und brummte „gute Nacht, Dita“, bevor das metallische Klacken vom Schloss zu hören war. 


Na toll, von wegen Kurve gekratzt… weggesperrt hatte er mich, wollte nichts mehr von mir sehen und hören. Todunglücklich wie ich war, hatte ich aber sowieso einen dicken Kloß im Hals, sodass ich eh keinen Ton mehr heraus brachte, um mich nicht zu verraten… es war das erste Mal, dass ich meinem Herrn nicht „gute Nacht“ gewünscht hatte.

Dienstag, 12. April 2016

Ein Joker

...zur Verbesserung schlechter Laune.

Später am Tag der Rückkehr des Tischlers berichtete ich meinem Herrn endlich, was mir der Landsitzkrieger am letzten Abend in Belnend erzählte und dass er mir angeraten hatte, diese Information zum Verbessern der Laune meines Herrn zu verwenden, falls die mal zu schlimm ist. Mir war unklar, ob ich mich vielleicht noch ärgern werde, den Laune-Verbesserungs-Joker eingesetzt zu haben, andererseits wusste ich, dass er irgendwann verfallen wird und in Ungnade gefallen war ich ja eh schon wegen des unerlaubten Tuchs. Ich rückte also damit heraus, dass der Krieger gedenkt, beizeiten das Angebot meines Herrn anzunehmen. „Soso, beizeiten?“ Genau diese Frage meines Herrn war mir nach den Worten des Rarius ebenfalls in den Sinn gekommen und mir war sofort klar gewesen, dass er sie stellen wird. Leider blieb mir nur, die nichtssagende Antwort des Landsitzkriegers weiterzugeben, dass sich Neugier in Sachen der Kaste nicht ziemt, nach der ich dann selbstverständlich meinen Mund gehalten hatte. Obwohl nicht konkreter, trug dieser Joker aber tatsächlich zur besseren Laune meines Herrn bei.

Er kramte nämlich plötzlich das eingesackte Oberteil aus seinem Beutel und ließ es wortlos vor mir zu Boden fallen, allerdings musste ich es nicht in den Ofen stecken. „Nein, heb es auf, es hat ja sicherlich mal Münzen gekostet“, veranlasste mich ehrlich wie ich bin zu gestehen, dass ich es vor langer Zeit auf Samanu aus einem angeschwemmten Stoffballen genäht hatte. „Dann heb es als Erinnerung erst recht auf… solange ich es dir erlaube.“ Hach, mein Herr war auf einmal in einer total schönen Stimmung und kraulte sanft durch meine Haare, wollte aber plötzlich wissen, was ich mit dem Tischler angestellt hatte. Der Handwerker hatte wohl ein Auge auf mich geworfen und für zwei Hand Ausleihe eine Menge Geld für mich geboten, für das man normalerweise mehr als eine Sklavin kaufen kann… ein Thema, zu dem ich lieber schwieg.

Obwohl mir der Sklavenkäfig wirklich verhasst ist, in den ich jeden Abend sperrt werde, schlief ich in dieser Nacht besonders gut… vielleicht lag es an dem eng an mich gedrückten roten Oberteil, das mich an die schöne Zeit bei dem Kommandanten von Samanu erinnerte? Keine Ahnung, jedenfalls wachte ich erst spät auf und musste mich dann gewaltig beeilen, um die Laune meines Herrn nicht schon wieder zu verschlechtern. Meine Lektion vom Vortag noch bestens in Erinnerung, wählte ich auch eine ziemlich alte Arbeitstunika und packte alles für die Reise in den Norden zusammen… der Tischler war zwar zurück, doch der Verbleib des Söldners weiter ungeklärt. Da mein Herr und seine Gefährtin bereits zum Hafen aufgebrochen waren und ich nicht wusste, welches Schiff wir nehmen würden, sauste ich mit entsprechender Eile schließlich hinterher.


Tja, aus der Reise wurde nichts. Der Vermisste hatte ohne uns den Weg zurück nach Jorts gefunden und stand zusammen mit meinem Herrn am Hafen. Ich durfte also alles wieder auspacken und sollte die Münzen, die der Kapitän für die Reise bereits bekommen hatte, nun der Schneiderin aushändigen. Das Weib hatte doch tatsächlich die Behauptung aufgestellt, mein Herr sei dicker geworden… so ein Quatsch! Als der Landsitzkrieger unerwartet eintraf, zeigte sich übrigens, wie gut es war nicht in den Norden gereist zu sein. Vor allem aber war mein Herr durch den Einsatz meines Jokers schon ein wenig vorbereitet auf sein: „Kastenerster... wir haben noch etwas zu besprechen!“ Die Unterredung war natürlich nicht privat, sondern dienstlich, sodass ich den Auftrag erhielt, Kalana und Paga ins Kriegerhaus zu bringen, da dort nicht so viele Ohren zuhörten.


Zu meinen vielen tollen Eigenschaften zählt übrigens auch, Dinge rasend schnell zu vergessen. Manchmal ist das zwar etwas kontraproduktiv, aber durchaus praktisch, wenn etwas nicht für viele Ohren gedacht ist… mir ist also leider komplett entfallen, was die beiden Krieger besprochen haben. Nur eines erinnere ich genau… es war ein gutes Gespräch, mein Herr sehr großzügig und der Landsitzkrieger ebenfalls, allerdings war er in Sachen Heimsteinschwur auch so stur wie eh und je. Besonders an dem Krieger schätzte ich übrigens seine zum Ausdruck gebrachte Zufriedenheit, weil ich mir selbstverständlich genau gemerkt hatte, wie er seinen Kalana zu trinken wünscht, obwohl er behauptete, dass ich mich an ihn ja angelblich nicht erinnere. Pahhh… natürlich werde ich das immer tun, ich kann einen solchen Herrn doch nicht vergessen!


Es war wirklich eine ganz gewaltige Ehre für mich… obwohl Freie doch immer Recht haben, gestand dieser sehr strenge Krieger mir gutmütig schmunzelnd zu, dass zwischen erinnern und erkennen tatsächlich ein Unterschied besteht! Ich hatte ihn eines Abends nämlich auf der Gasthausterrasse in Belnend erst nicht erkannt, als er sich dort zusammen mit dem Tischler, die Füße lässig auf einem Fass abgelegt, einem Kalana widmete… und mein nicht Erkennen hatte nichts damit zu tun, dass mein Augenmerk vor allem dem Handwerker galt! Na, warum behält man beim Genuss eines Weins überhaupt seinen Helm auf, wo man doch kaum Platz hat, den Kelch zwischen dem Blech an den Mund zu führen!? Ok, ein Herr ist mir bekannt, der seinen Helm nie absetzt, bei dem allerdings auch zu befürchten ist, dass sein Blechdeckel womöglich am Kopf festgewachsen ist... doch das ist zum Glück nicht mein Problem.

Kurz war mein Problem noch die verdammte Schneiderin mit ihrer Behauptung, erneut bei meinem Herrn Maß nehmen zu müssen, zu der er mich wegen eines Termins nämlich schickte, nachdem sich der Landsitzkrieger von ihm verabschiedet hatte. Das Weib war natürlich schon wieder nicht anzutreffen. Ich hätte mir den Weg zur Schneiderwerkstatt also sparen können und hatte außerdem angeboten, mit meinen prüfenden Fingern mal nach Kuchen- und Kekspölsterchen bei meinem Herrn zu tasten… doch das wollte er natürlich nicht. Dann eben nicht, sehen konnte ich jedenfalls nicht, ob er dicker oder nach den Kämpfen in Belnend sogar dünner geworden war. „Also ich dachte, dass du da mehr Augenmaß hast… guck mal genauer, Dita.“ Na toll, ich musterte meinen Herrn intensiver, doch er sah aus wie immer. Irgendetwas schien ihm jedoch schon wieder nicht an mir zu gefallen und entsprechend war ich auf der Hut.

Ich ließ meine Hände hinter meinem Rücken, wurde allerdings auch immer unsicherer, weil mein Herr mittlerweile echt in Rätseln sprach und um den heißen Brei herum redete. Menno, hätte er mich nicht gleich packen können? Dann hätte ich mich nicht so lange gegen meine Natur verbiegen müssen. Ich hatte ihm doch schon längst vorgeschlagen, wie ich am besten irgendwelche Zuwächse an ihm prüfen konnte! Ach ja, ich bekam übrigens auch schon wieder die Schuld, angeblich hatte nämlich ich mich geziert und nicht er. Aber der Joker hatte seine Wirkung offensichtlich doch noch nicht verloren............ ;-)))