Montag, 29. August 2016

Das Wörtchen „wenn“

Die Stimmen unten im Haus machten deutlich, Sechs erhielt eine weitere Lektion in Sachen Ausbildung, bei der ich auf keinen Fall stören wollte, sodass ich schließlich noch das Brennholz am Kamin ordentlich aufstapelte, bis die Kajira schließlich oben bei mir auftauchte. Wie immer fragte ich sie, ob es etwas gibt, das ich wissen sollte, doch wie immer hatte sie nichts, was wichtig genug war, um es mir zu erzählen. Allerdings bot sie an, sich zukünftig selbständig um die Versorgung von Fenris zu kümmern… eine Arbeit, die ich schon seit einiger Zeit sowieso vorhatte ihr zu übertragen, genau wie das Gianni-Sitten. Doch mangels Gelegenheit und vor allem wegen dem äußerst ungewöhnlichen Schlafrhythmus dieser Sklavin, hatte sich dafür noch nicht keine Gelegenheit ergeben.

Schließlich tauchte oben auch die Gnädigste auf und litt anscheinend wieder unter irgendwelchen Hitzewallungen. Wobei ich zugebe, es war wirklich wunderbar warm und daher mein sorgsames Aufschichten des Brennholzes ein ziemlich lächerlicher Versuch, mich um die Unterrichtslektion unten zu drücken. Bedarf an meinen Diensten hatte die Grüne jedoch nicht, sondern strich mir nur sehr sanft eine Haarsträhne aus dem Gesicht und befahl mir dann nach unten zu laufen, weil mein Herr mich benötigte. Damit tat sie mir natürlich einen riesigen Gefallen, denn es gibt nun mal nichts Schöneres für mich, als mit meinem Herrn ohne alle anderen weiblichen Mitglieder seines Haushalts zusammen zu sein.

Ich glaube, mein Herr freute sich über mein Auftauchen, benutzte sogar dieses wundervolle Possessivpronomen und nannte mich mal wieder „meine Dita“. Danach musste ich allerdings schlucken, weil er nämlich fragte, ob ich bereit bin, in den nächsten Tagen mit ihm in den Wald zu gehen. Ohne groß nachzudenken war mir sofort klar, es ging nicht um einen Waldspaziergang mit Picknick und Bad am Wasserfall, sondern um die Jagd. Eigentlich handelte es sich tatsächlich sogar um eine Unternehmung, zu der ich wirklich sehr große Lust hatte, auch wenn es dabei selbstverständlich nicht um den Spaß einer Kajira geht und ich glaube, so ganz ungeschickt stelle ich mich im Wald auch nicht an.

Tja, wenn nur das Wörtchen „wenn“ nicht wäre… wenn mein Herr nämlich nicht von mir erwarten würde, hinterher die Jagdbeute auszuweiden und ihr das Fell abzuziehen. Damit kenne ich mich nämlich kein bisschen aus und weiß überhaupt nicht, was ich zu beachten habe und wie und wo ich das Messer ansetzen muss. Natürlich ist mir klar, dass man einen Braten nicht von den Bäumen pflückt, doch haben sich meine früheren Herren immer selbst ums Ausweiden gekümmert und sahen auch keine Notwendigkeit, mir dies beizubringen. Meine Knie wurden also schon wieder etwas weich und meine Versagensängste schnürten mir fast die Luft ab, als ich meinem Herrn trotzdem bestätigte, für diese Unternehmung bereit zu sein.

Mein Herr hat sehr große und manchmal eben auch zu große Erwartungen an mich, die ich natürlich nicht enttäuschen möchte, mich aber auch nicht in der Lage sehe, sie zu erfüllen, was mich ziemlich quält. Ich durfte es daher einfach nicht länger hinauszögern, endlich mit ihm darüber zu sprechen, wenn ich wieder besser schlafen wollte, zumal mir seine Frage zeigte, er ahnte durchaus, dass bei diesem Thema etwas nicht mit mir stimmte. Nur wusste er eben nicht was mit mir los war, da er nun mal kein Hellseher ist. 


Doch erst einmal bekam ich noch eine weitere Galgenfrist, weil es nun in die Unterstadt gehen sollte. Mein Herr hatte sich nämlich überlegt, dass vielleicht der Brauer Lust hat, ihn mit seiner Kajira auf die Jagd zu begleiten oder vielleicht auch Sancari ohne ihren Herrn, falls der wieder eine doofe Wache erwischt haben sollte. Sancari und ihr Herr waren leider jedoch nirgends zu sehen, allerdings stand die Tür der Brauerei sperrangelweit offen. Während ich nach seinem Befehl nun sogar drinnen nachschaute, erörterte er mit dem Schmied und dem Sattler die merkwürdige Lampenkonstruktion, die seit einiger Zeit über dem Eingang zur Terrasse der Brauerei schwebt. Erst ging es um die Brandgefahr im Falle eines Absturzes, doch dann besprach er mit den Männern seine Überlegungen für ein Fest, bei dem man solch eigenartige Lampen vielleicht einsetzen könnte. 

Schließlich tauchte San aber doch noch aus Richtung Schmiede auf, kaum dass es darum ging, Fenris zu holen und auf ihre Spurensuche anzusetzen. Die beginnenden philosophischen Gedanken zu den Fragen des Bauern, was ein solches Fest denn aussagt und wofür es stehen soll, wurden durch die Erklärung meines Herrn übrigens beendet: „Das Fest besagt, dass Lichter fliegen und dass gesoffen wird.“ Jetzt plötzlich waren sich nämlich alle Männer einig, zum Saufen braucht man gar kein Fest.

Letztendlich fragte mein Herr dann, ob Sancari demnächst Zeit erübrigen kann, ihn in den Wald zur Tabukjagd zu begleiten… wobei ihr Besitzer ebenfalls mitkommen darf. Der Sattler verstand übrigens, falls San Zeit hat, darf der Brauer meinen Herrn begleiten und meinem Herrn wurde klar, dass er wegen der Wärme wohl mit lallender Zunge gesprochen hatte. Während mir nun die Aufgabe zukam, gegen seine trockene Kehle etwas zu tun und ich eilig Richtung Gasthaus davon flitzte, klärte sich das Missverständnis, denn San muss ihrem Herrn natürlich nicht freigeben.

Meinen Herrn zog es wegen der vom Vosk etwas kühler heranwehenden Luft schließlich an den Hafen, wo wir auf Luna trafen, die auf den Feldern vermutlich eine Ewigkeit mit dem Zusammenbau irgendwelcher Muscheln zu einem merkwürdigen Outfit beschäftigt gewesen sein muss. Wobei mir der Fund von Muscheln auf Feldern nicht wirklich klar war. Ach nee, es waren wohl Holzplättchen. Aber egal... meinen Herrn traf es viel schlimmer, da er offensichtlich glaubte, seinen Augen nicht trauen zu können und sich vorsichtshalber bei mir erkundigte, ob das was er sieht, wirklich das ist, was er glaubt zu sehen. Doch Luna war es tatsächlich, denn wie sollte man jemanden mit dermaßen ausladenden Körperdimensionen übersehen? 

Bis auf die wogende, leise klirrende Muschelbekleidung war diese Kajira übrigens wie immer, also genauso frech und unerzogen wie sonst auch, indem sie meinem Herrn oberschlaue, einer Sklavin nicht zustehenden Ratschläge gab, ihn anwies, welche Kajiraarbeiten er zuerst erledigen sollte, bevor sie sich mit einem Vorwand wieder verdrückte. Wie immer kam sie um jede Ermahnung oder Strafe herum und sämtliche Fragen meines Herrn blieben leider unbeantwortet. Doch immerhin ließ sie sich herab, ihrem Herrn zu berichten, sollte der irgendwann von seiner Reise zurück sein, worum es meinem Herrn ging. 

Danach verschwand das ausladend schwabbelnde Hinterteil in der Taverne und ich nutzte die Gelegenheit, meinem Herrn endlich kleinlaut mein Unvermögen beim Ausweiden und Häuten erlegter Jagdbeute zu gestehen und meine Ängste, dass ich seinen Ansprüchen nicht gerecht werde, zumal ja auch nicht zur Ablenkung Ausladendes an mir hin und her wogt. Puhhh... ich gefalle ihm jedoch und zwar trotz fehlender Massen... meine Erleichterung war unbeschreiblich! Außerdem will mein Herr sich bei diesem Jagdausflug die Zeit nehmen, mir endlich zu erklären, was beim Ausweiden eines Tabuks und beim Abziehen des Fells wichtig und zu beachten ist!! Vielleicht hat er inzwischen erkannt, dass eine Sklavin nicht nur Aufsicht, Kontrolle und Härte braucht, indem er sie seine Macht spüren lässt, sondern auch die Führung ihres Herrn!?

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