Donnerstag, 25. August 2016

Doch Grasflecken...

...und eine Tarnfeder.

Da an diesem Tag wie jede Hand das übliche Waffentraining stattfinden sollte, beeilte ich mich mit meinen Arbeiten und flitzte zur Wiese. Mein Herr war nämlich schon vorgegangen… ich fragte mich nur warum so früh? Keine Ahnung, vielleicht wollte er sich mental besonders rechtzeitig auf die dortige Situation einstimmen und den Geruch der Wiese schon mal inhalieren oder war es gar nicht so früh? Egal, meine Hoffnung war jedenfalls, vielleicht noch ein wenig Zeit mit ihm alleine zu haben, bevor das Schwertfuchteln losging, denn danach war im Gasthaus bestimmt Ausgleich von Flüssigkeitsdefiziten angesagt, was vermutlich viel Arbeit für mich bedeutete.

Mein Herr hatte Stellung unter dem großen Baum bezogen und grinste mir entgegen, als ich auf ihn zugestürmt kam. Lachend wollte er wissen, ob meine Eile daher rührte, dass ich seine Uniform noch ein paar Ehn ohne Grasflecken betrachten wollte. Kajirae sollten Freien zwar nicht widersprechen, doch in diesem Fall fand ich es angebracht zu behaupten, dass seine Tunika bestimmt rot und fleckenlos bleiben wird. Das war wirklich nicht gelogen, denn mit Blick über die leere Wiese war mir gerade ein Gedanke gekommen. Doch mein Herr durchschaute mich sofort und meinte schmunzelnd: „Hehe.. das passiert nur, wenn das Training ausfällt. Aber Dita, weißt du was gut ist?“ 

Puhhh… selbstverständlich weiß ich viel und vieles, was sogar ganz besonders gut ist, doch bin ich keine Hellseherin und hatte daher keine Ahnung, worauf mein Herr hinaus wollte. „Na Dita, selbst wenn da nach dem Training ganz viele, fiese, grüne Flecken drin sind… eine meiner Kajirae wäscht die wieder aus!“ Na klar, aber erst nach ausgiebigem Einweichen. Nachdem ich meinen Herrn noch kurz über die derzeitige Anzahl an Kriegeruniformen in seiner Truhe informiert hatte, denn ich musste vor kurzem doch gerade erst wieder eine zu Putztüchern verarbeiten, traf der Brauereikrieger ein und somit wurde klar, dass es auch diesmal wohl nicht ohne grüne Flecken gehen würde.

Leider bestätigte sich diese Annahme umgehend, denn das schöne Kriegerrot der Kleidung meines Herrn wurde mit jeder Trainingsrunde grüner… allerdings selbstverständlich nur aus rein taktischen Gründen. Mein Herr ist nämlich nicht nur Hauptmann, sondern auch sehr schlau und will seine Untergebenen mit seiner geschickten Waffenführung natürlich nicht frustrieren, indem er sie ins Gras schickt, sondern macht lieber selbst damit Bekanntschaft. Er trug an diesem Tag übrigens seine extra leichtfüßige Kriegertunika und die wie immer ohne Hose, denn die könnte eh kein Bosk halten, wenn er so richtig loslegen und übers Gras gleiten würde… oder so ähnlich drückte er sich wohl aus.


Merkwürdigerweise tauchte an diesem Tag der Landsitzkrieger nicht zum Training auf, sodass darüber spekuliert wurde, ob sein Weib ihn vielleicht nicht ließ. Pahhh, die Männer hatten wirklich keine Ahnung… es gibt nur wenige Herren, der wirklich nicht unter dem Pantoffel von irgendeinem dieser sich ständig viel zu wichtig nehmenden Weiber stehen, aber der Landsitzkrieger ist eindeutig einer davon. Außerdem wurde seine Gefährtin ohne ihn auf dem Weg zum Hof gesehen, der Herr muss also wegen etwas sehr Wichtigem verhindert gewesen sein… obwohl dieser Krieger eigentlich kaum ein Training auslässt.


Mit dem Eintreffen des Blumenweibs, die wegen dem Klirren von Schwertern ihr Nickerchen im Gasthaus abgebrochen hatte, um ihre Neugier zu befriedigen, war das Training dann auch schon zu Ende. Dem Geplänkel der Frau mit den Männern hörte ich jedoch nicht weiter zu, bis der Brauereikrieger schließlich vorschlug „lasst uns zum weniger anstrengenden Teil des Trainings übergehen und uns im Gasthaus ein Getränk gönnen…“. Damit war gleichzeitig klar, wer zahlen würde und der ganze Trupp Freier verlagerte sich auf die Gasthausterrasse. Ich bekam also wie erwartet reichlich zu tun, weil ich mal wieder die einzige Kajira war und somit das Ganze hatte.


Wobei es mich nicht stört, 6 Freie zu bedienen… es tauchte nämlich noch ein Fremder mit einer Großbestellung an Getränkefässern für ein riesiges Fest auf. Später gesellte sich auch noch der Sattler dazu und das Weib bekam Hunger. Doch es gibt wirklich schlimmere Arbeiten als Servieren und eine schnelle Mahlzeit zu improvisieren, an die ich nicht mal denken mag, ohne dass sich mir der Magen umdreht. Insofern war es gut, dass der offensichtlich weiterhin ungebremste Jagdeifer des Schmieds diesmal einen Tarn traf, der den Herrn anscheinend angegriffen hatte. Doch so ganz genau weiß ich das nicht, denn mir blieb vor Angst um Carolus, den Tarn meines verschollenen Herrn, fast die Luft weg, nachdem klar wurde, mit wem sich der Schmied diesmal angelegt hatte. Da Tarnfleisch jedoch nicht schmeckt, war diesmal sicherlich nicht wieder mein Dienst gefragt und der Schmied würde den großen Vogel hoffentlich schnell im Vosk entsorgen.

Hach… meine Erleichterung war wirklich unbeschreiblich und meine Freude doppelt riesig… die Tarnfeder die mein Herr mir später von dem erlegten Raubvogel schenkte, er war dem Schmied nämlich zu Hilfe geeilt, als dessen Gebrüll immer lauter wurde, hatte eindeutig nicht mal einen Hauch von rötlicher Färbung, obwohl Rot ja schon immer meine Lieblingsfarbe war. Carolus war es also nicht!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen