Dienstag, 23. August 2016

Schicksal einer Hauptmannkajira

„Na du nacktes Sklavending“, empfing mein Herr mich, sodass ich ihn nicht nur anstrahlte, sondern mich auch noch ein wenig mehr in Positur brachte, indem ich meinen Rücken besonders vorteilhaft durchdrückte und die langen Haare zurück strich. Wenn er mir schon seine Aufmerksamkeit schenkt, wollte ich ihm selbstverständlich einen schönen Anblick der gesamten Nacktheit seines Eigentums bieten. Doch wurde ich nun zwar gründlich, allerdings leider mit fiesem Hauptmannblick gemustert und außerdem tauchte hinter mir ausgerechnet jetzt die Gnädigste auf, sodass mir nichts anderes übrig blieb, als mich in den Hintergrund zu verziehen. 

Mein Herr wandte sich mir schließlich jedoch wieder zu und wollte wissen, was ich an diesem Tag angestellt hatte. Nanu, wieso was angestellt? Ich schluckte meine Irritation herunter und setzte meine Oberunschuldsmiene auf, während ich mich beeilte zu beteuern, überhaupt nichts angestellt zu haben und mir auch kein Missgeschick passiert war, was ja nicht so selbstverständlich ist, wenn ich da an meinen unfreiwilligen Aufenthalt in einer der großen Kisten vor kurzem denke. „So, so… nichts gemacht, sondern faul auf dem Fell herum gelümmelt?“ 

Na toll, manchmal ist mein Herr wirklich ein Schussel und hat kein bisschen Ahnung von nichts! Aber warum sollte ausgerechnet er wissen, wie sehr ich mich jeden Tag ins Zeug lege, wenn schon die Gnädigste nicht wirklich registriert, dass es für mich im Haus dieses Herrn wirklich kein Herumlümmeln gibt und außerdem für eine wohlerzogene, fleißige Kajira wie mich Herumlümmeln sowieso ein Fremdwort ist? Oha, offensichtlich hatte mein Herr viel Zeit am diesem Tag, denn nun wollte er tatsächlich genauer wissen, womit ich mich beschäftigt hatte.

Na klar, ein Mann hat natürlich auch keinerlei Vorstellungen davon, was es zu tun gibt in einem Haushalt, zu dem auch noch eine Gefährtin gehört, zwei reichlich Dreck machenden Viechern, gefühlt 150 in Ordnung zu haltenden Roben, 19 ständig zu waschende und zu reparierende Kriegertuniken, eine hatte ich inzwischen übrigens zu Putztüchern verarbeitet und einer zur Kajira auszubildenden ehemaligen Freien, die zum Glück sehr willig ist. 

Seine Behauptung, die Aufzählung meiner alleine an diesem Tag verrichteten Arbeiten dauert bestimmt nicht lange, konnte ich meinem Herrn übrigens schnell widerlegen, werde mir Näheres darüber hier jedoch verkneifen, damit niemand beim Lesen einschläft und womöglich vom Stuhl fällt. Die Luft im Haus war nach meinem gefühlt ahnlangen, oberspannenden Bericht über meine Heldentaten als Topfsklavin nämlich fast verbraucht, sodass es meinen Herrn nun nach draußen zog und mein arbeitsreicher Tag natürlich noch nicht zu Ende war. Die Gnädigste blieb allerdings zuhause.


Unsere Betrachtung einer merkwürdigen Lampenkonstruktion vor der Brauerei war noch nicht beendet, als die vom Händler adoptierte Freie mit irgendeinem Nordmann auftauchte… der Kerl war nämlich nordmäßig mit total unpraktischer langer Hose bekleidet und trug als Kontrast zum nackten Oberkörper selbstverständlich besonders dicke Stiefel. Damit mir nicht langweilig wurde, durfte ich die beiden im Gasthaus vorm Verdursten retten, denn von der Wirtin war wie immer nichts zu sehen und mein Herr wollte noch einen Baum bewässern. 

Doch was gibt es Schöneres für eine Kajira, als einem Nordmann „für den Süden brauchbaren Met“ zu servieren? Bei diesem Freien war ich übrigens wieder froh, keine Gedanken lesen zu können… aber egal, vermutlich habe ich mich getäuscht und der Kerl war gar nicht so gelangweilt wie er aussah. Viel Zeit, lange darüber nachzudenken war eh nicht, da sich die Terrasse jetzt zunehmend mit weiteren Freien füllte, sodass reichlich zu tun war und ich meinem Amt als Gasthaussklavin ausgiebig frönen durfte, zum Glück aber tatkräftige Hilfe von der Sattlerkajira bekam. 


Im Gegensatz zu anderen Freien, legt mein Herr nämlich nicht allzu viel Wert darauf, mich ständig neben sich zu haben und lässt mich sogar die Qualität der von einer fremden Händlerin zum Verkauf angebotenen, allerdings restlos überteuerten Robe beurteilen, die ursprünglich für eine hochgestellte, dann aber Verstorbene angefertigt wurde… naja, Letzteres war bestimmt nur ein verkaufsfördernder, vor allem aber nicht prüfbarer Hinweis. 

Mein Herr hat übrigens auch kein Problem damit, dass jeder Freie in seinem Beisein wie selbstverständlich über mich verfügt und mir Aufträge erteilt, obwohl es die Höflichkeit mindestens geboten hätte, ihn zu fragen. Doch was soll’s… ich war schon während der ständigen Abwesenheit meiner früheren Herrin Mädchen für alles und wurde wie eine Stadtkajira hin und her gescheucht, warum sollte mein Schicksal als Hautpmannkajira ein anderes sein? 

Zur Sauberkeit der Gasthauszimmer musste ich allerdings passen, denn auch der Tag der Sklavin des Hauptmanns hat nur 20 Ahn. Ich mag in vielen Dingen vielleicht ganz geschickt sein, bin aber keine Überkajira und für umfangreiche Änderungen an den Roben einer freien Frau genauso wenig ausgebildet, wie ich abgesehen von Vulos, nie gelernt habe Tiere zu zerlegen oder zu häuten. Schade, dass mein Herr immer noch nicht erkannt hat, welchem Typ Sklavin er vor über 3 Märkten seinen Kragen umgelegt hat.


Die Gespräche der Freien und um welchen Einsatz der Sattler diesmal mit der fremden Händlerin würfelte, rauschten jedenfalls weitestgehend an mir vorbei. Allerdings bekam ich mit, dass der Schmied sehr tief in seinen Geldbeutel griff, um von einer fremden Blumenverkäuferin vollkommen überteuerte Blüten zu kaufen, von denen ich mir eine aussuchen durfte, um sie mit Erlaubnis meines Herrn in mein Haar zu stecken. Die Farbe war natürlich klar... ich suchte mir eine hübsche rote aus, die mich sofort an eine Dina erinnerte und somit an den schönen Namen, den ich mein ganzes Leben auf Gor immer tragen durfte, der mit meinem Schicksal als Hauptmannkajira leider jedoch begraben worden war.

Es ist wohl nachvollziehbar, dass ich mich vor dem Schlafengehen gar nicht von dieser roten Blüte im Haar trennen mochte, was natürlich auch meinem Herrn auffiel: „Mir scheint, die Blume gefällt dir, Dita.“ Er meinte sogar, sie steht mir, konnte sich aber auch nicht verkneifen zu betonen, dass ich nicht mehr Dina genannt werde, sondern Dita. 

Obwohl ich nie aufhören werde, dem Namen der Sklavenblume hinterher zu trauern und mit dem unschönen, nach meinem Empfinden total unpassenden, nämlich viel zu harten „t“ immer auf Kriegsfuß stehen werde, habe ich selbstverständlich noch nie dagegen gemurrt und werde es auch nicht, denn wer mag schon eine traurige, aufmüpfige Hauptmannkajira?

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