Donnerstag, 15. September 2016

Als Glücksbringerin versagt

„ Dita bist du bereit… kann ich an dir rubbeln, um Trainingsglück zu bekommen?“ wollte mein Herr plötzlich wissen, als die Ahn des Waffentrainings nahte. Hmmm… eigentlich eine überflüssige Frage, denn ich muss natürlich immer für alles bereit sein, was ihm in den Sinn kommt, weil ich doch nur eine Kajira ohne Rechte bin. Wobei ich trotzdem bei seinen Kopfpatschern à la Hauptmann meistens ziemlich zusammenzucke, es nicht mag, in den verhassten Sklavenkäfig weggesperrt zu werden, in leichte Panik gerate oder kurz vorm Umfallen bin, weil ich ein erlegtes Beutetier ausnehmen soll und, und, und. 

Was ist dagegen das bisschen Rubbeln an meinen Ohren? Genau, fast nichts! Entsprechend still hielt ich, als sich mein Herr erst an einem und dann am anderen Ohr zu schaffen machte, neigte sogar leicht meinen Kopf, um ihm meine Ohren besser darzubieten, gab mich aber gleichzeitig ein paar sehr interessanteren Rubbel-Fantasien hin, bei denen mir zwar warm wurde, doch darüber ließ ich lieber nichts verlauten. Übrigens kam ich auch noch in den Genuss, meine Haare auf sehr sanfte Art durchgewuschelt zu bekommen, bis es schließlich an der Zeit war, zur Trainingswiese aufzubrechen.

Da mein Herr und ich uns am letzten Abend Gedanken über die wechselnden Farben des über dem Eingang zur Brauerei hängenden Ballons gemacht hatten, allerdings zu keinem Ergebnis gekommen waren, ob Rot nun bedeutet, dass der Brauereikrieger wütend ist oder ein Zeichen für die gute Laune des Herrn, womöglich sogar für Spendierlaune, nutzte ich das Eintreffen des Rarius an der Wiese gleich vor dem Trainingsbeginn noch zur Klärung unserer Farbüberlegungen. 

Lächelnd wurden wir aufgeklärt, dass das Wechseln der Ballonschirme immer eine Mordsarbeit ist, die der Brauer deswegen nicht jeden Tag, sondern nur gelegentlich macht. Als ich noch nachhakte, ob der rote Ballon vielleicht mit einer Lampe im Fenster gleichzusetzen ist, was ja traditionell ein Zeichen dafür ist, wenn ein Herr mit seiner Kajira in den Fellen nicht gestört werden möchte, informierte er uns lachend, die jeweilige Farbe bedeutet meistens, dass sie ihm gerade am besten gefällt. Diese Begründung fand ich nachvollziehbar, zumal Rot ja eine supertolle Farbe ist.


Schade nur, dass ich beim Rubbeln offensichtlich versagte und das herrliche Rot der Kriegertunika meines Herrn nach und nach grüner und grüner wurde… ein Umstand, der mir überhaupt nicht gefiel, wo er doch schon eine grüne Gefährtin hat. Schnell wurde mir klar, er hatte nicht zu wenig und auch nicht viiieeeeel zu wenig gerubbelt, sondern meine Ohren waren zu klein… ich hatte kläglich versagt als Rubbel-Glücksbringerin! Mein Herr versuchte es in einer Trainingspause zwar noch mit ausgiebigem Nachschlag im Rubbeln, den er sogar noch auf meine Nase ausdehnte, doch das und gründliches Haare Wuscheln half alles nichts. Der Landsitzkrieger brachte es sehr gut auf den Punkt: „Hauptmann, du solltest mehr üben, das bringt mehr Glück!“ 

Während mein Herr sein Waffentraining trotz meines Versagens selbstverständlich nicht gleich aufgab, unterhielten sich die zuschauenden freien Frauen über Frisuren und die Gnädigste lobte mich für meine geschickten Finger, mit denen ich ihr beim Hochstecken ihrer Haare geholfen hatte. Dafür war ich ihr total dankbar, denn eine Kajira kann nicht erwarten, dass eine solche Selbstverständlichkeit überhaupt bemerkt und sogar lobend erwähnt wird. Allerdings muss ich gestehen, ich habe den Weibern nur halb zugehört.

Dies hatte aber nichts mit meinen Ohren zu tun, sondern weil ich meinen mit dem Schwert fuchtelnden Herrn beobachtete. Gleichzeitig genoss ich die wundervollen Berührungen des Landsitzkriegers in meinem Nacken, bevor der Herr mit erstaunlich sanftem Kriegerfinger die Konturen meines Gesichts nachmalte. Leider kam jedoch viel zu schnell der Moment, in dem er meine Haare behutsam mit der Hand zusammenfasste, sie langsam durch seine Finger gleiten ließ und dann wieder so drapierte wie sie vorher waren, um sich in die nächste Trainingsrunde zu stürzen.

Übrigens verstand mein Herr den Vorschlag des Landsitzkriegers nach etlichen Trainingsrunden „Hauptmann… lass uns aufhören, es wird zu windig“ lustig falsch. Er glaubte nämlich, dem Rarius sei vom Schwerttraining mit ihm schwindelig geworden, doch der Herr korrigierte umgehend: „Nicht von dir, Hauptmann… das liegt ausschließlich an den Brüsten deiner Kajira!“ Da dieser Tag eh ein Tag meiner Ohren war, kündigte mein Herr prompt an, sie mir lang zu ziehen, wenn ich Krieger zu müde zum Waffentraining mache. 

Irgendwie klar, dass sowas von ihm kommen würde, es hielt mich aber nicht davon ab, meine Haare schnell zurück zu streichen, damit der Rarius einen schönen, nämlich freien Blick auf meine Vorderseite und meine entblößte Brust erhielt. Nach kurzem Fachsimpeln über die richtige Strategie anstatt „immer geradeaus… drauf und druff“, war das Training der Krieger dann beendet und der Brauereikrieger musste leider zurück an seine Kessel. Er gab meinem Herrn aber trotzdem eine Runde Paga aus, weil der Ballon über seiner Brauerei doch die rote Spendierfarbe hatte.

Der Landsitzkrieger entschwand nach einem „diene mit mehr als deinen Ohren Dita… deine Brüste sind besser geeignet“ zum Hof, um vielleicht noch rechtzeitig den Einkaufswahn seines Weibs zu dämpfen und meinen Herrn zog es zur Taverne. Wegen der Gnädigsten nahm er allerdings draußen Platz, wo wir Luna trafen, die seit Tagen anscheinend nichts anderes zu tun hat, als sich mit irgendwelchen Schildern zu beschäftigen… diesmal war es ein riesiges, das sie in der Botanik hinter den Sitzplätzen eingebuddelt hatte. 

Da ihr das Brett mit den Tavernenpreisen wichtiger war, als sich mit Servieren nützlich zu machen, kümmerte ich mich darum, meinen Herrn und seine Gefährtin nicht verdursten zu lassen und erntete überschwänglichen Dank von Luna: „Oh, sehr nett Dita, dass du die Güte hast, deine Herrschaften selbst zu bedienen!“ 

Naja… egal und außerdem verdrückte sie sich Richtung Gasthaus, um dort weitere Schilder aufzustellen oder anzuhängen. Den Befehl meines Herrn, dabei nicht herumzutrödeln nahm sie allerdings nicht sonderlich ernst und er hätte sich sparen können, bei ihr einen Imbiss zu bestellen… wahrscheinlich wäre er verhungert, wenn ich mich darum nicht gekümmert hätte.

Mein Herr gab plötzlich übrigens merkwürdig Rätselhaftes von sich: „Irina wir müssen aufhören mit Dita.“ Genau wie ich verstand die Gnädigste allerdings nicht, was er ihr sagen wollte und auf ihre Nachfrage wiederholte er nur: „Aufhören, ganz wichtig, Irina.“ Ich bin mir sicher, seine Gefährtin verstand immer noch nichts, fragte merkwürdigerweise aber auch nicht weiter nach, sondern nickte nur bestätigend. Na toll… ich platzte fast vor Wissbegier, denn neugierig bin ich ja nicht, und mein Herr war sichtlich zufrieden, dass sein Weib wie immer seiner Meinung war und verkündete, nun gleich anzufangen. 

Wahhh… wie konnte es angehen, dass diese komplett ahnungslose Freie nun von sich gab „Du entscheidest wie immer, mein Gefährte“ und mich damit inzwischen auf glühenden Kohlen knien ließ?! Naja, freie Frauen habe ich noch nie verstanden und werde ich wohl auch nie. Letztendlich stellte sich heraus, mein Herr will zukünftig keine Abmachungen mehr treffen, mich auf die Felder zu schicken, weil er es sehr lästig findet, wenn ich nicht zuhause bin. Tja… jedoch erst das nächste Mal will er eine Ersatzsklavin schicken und kommt diesmal wohl nicht drum herum, zwei Hand auf mich zu verzichten... ein Krieger steht natürlich zu seinem Wort. ;-)

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