Freitag, 2. September 2016

Arbeit für die grüne Kaste?

Mein Herr war zur Wache aufgebrochen und seine Gefährtin mit irgendwelchen Studien beschäftigt, sodass ich in Sachen Informationsbeschaffung, was so in der Stadt los war und ob es interessante Neuigkeiten gab, mich auf den Weg in die Unterstadt machte. Schon vor dem großen Stadttor stieg mir ein eigenartiger Geruch in die Nase und an einem der Stände am Hafen bemerkte ich eine kleine Menschenansammlung. Es waren der Brauereikrieger mit Sancari, der Schmied und der Sattler sowie eine mir unbekannte Freie mit einem Fischstand, wo anscheinend irgendetwas gebraten wurde. 

Während ich mich dazu gesellte und beeilte, die Freien wie es sich gehört zu grüßen, gab der Schmied gerade etwas von „Haare auf den Zähnen“ über die Fremde von sich, die ihn allerdings nicht weiter beachtete, da sie für den Sattler, der vor ihrem Stand die Fischauslage musterte, gerade eine Sondervorstellung zu geben schien. Sie drückte ihre Finger nämlich in die Kiemen eines Fischs, den sie ihrem Kunden danach direkt vor die Nase hielt und tat so, als ob der Fisch sprechen würde. Während das Fischmaul auf und zu ging, murmelte das Weib nämlich gleichzeitig: "Heute morgen wurde ich gefangen!" 

Die Männer waren sichtlich begeistert von dieser verkaufsfördernd gedachten Einlage… der Sattler lachte das Fischweib an: "Du hast ja noch ganz andere Talente, als nur Fische zu verkaufen!" und der Schmied überlegte grinsend, ob nach einer Mund zu Mund Beatmung das Flossentier vielleicht sogar wieder schwimmt. Von der Qualität und Fastnochlebendigkeit des Fischs überzeugt, entschloss sich der Sattler dann tatsächlich zum Kauf… außer meinem verschollenen Herrn gibt es eben noch andere Männer, die Fisch mögen, mein jetziger Herr gehört allerdings nicht dazu.

Merkwürdigerweise erhielt ich vom Brauereikrieger nun den Auftrag, der Gefährtin meines Herrn auszurichten, dass sie sich das Fischweib „mal ansehen soll“ und der Schmied ergänzte noch „aber bloß nicht mit dem Weib über Fische streiten.“ Worin sich dieses „mal ansehen“ begründete und warum sich ein Krieger um eine Begutachtung dieser Fremden seitens der grünen Kaste kümmerte und nicht die Frau einfach selbst in der Krankenstation vorsprach, erschloss sich mir nicht, da das Weib in diesem Moment gerade das böse „D-Wort“ benutzte und Jorts Fähre als Dorf bezeichnete.

Sämtliche Anwesenden, ich eingeschlossen, erbleichten darauf nämlich, denn Jorts Fähre, die Perle am Vosk, ist schließlich eine Stadt und nicht nur irgendein Dorf. Ich war jedenfalls froh, dass mein Herr Wache hatte, da seine Gesichtsfarbe bei diesem Wort sicherlich die Farbe seiner Kriegertunika angenommen hätte. Nachdem dies geklärt war, machte der Sattler der Fischerin als nächstes klar, dass sie ihre Wucherpreise um einiges herunterschrauben muss, wenn sie verkaufen will. Oder nein, er versuchte es, denn der Schmied mischte dabei aus dem Hintergrund mit, sodass der Sattler ihn schließlich genervt anfunkelte: „Ich verhandele hier… halt dich da raus, Schmied!“


Nachdem sich die beiden Freien schließlich über Fisch gegen zwei Ale einig geworden waren, zog es den Sattler nach ein paar letzten guten Tipps des Weibs darüber, wie zu verfahren ist, sollte der Fisch zu vorlaut sein, logischerweise nach Hause… vermutlich wollte er alles weitere seiner Kajira überlassen, damit das Viech trotz seiner Frische nicht doch noch anfing zu stinken. Übrigens glaube ich, das Fischweib hat es noch weniger mit Namen als mein Herr, denn anscheinend kannte sie nicht mal ihren eigenen. Aber vielleicht habe ich bei den durcheinander redenden Freien etwas falsch verstanden, nachdem sich nun auch noch die Blumenfrau mit irgendeiner blühenden Lieferung für die Fischerin dazu gesellt hatte.

Da der Schmied nun seine drollige Tour bekam und merkwürdige Geräusche von sich gebend wie ein Vulo herumflatterte, bat ich darum mich zurückziehen zu dürfen. Mein Hinweis, zuhause noch etwas zu tun zu haben, war zwar nicht wirklich falsch, aber trotzdem ein wenig vorgeschoben. Ich hatte nämlich keinen Nerv darauf, womöglich noch Erste Hilfe leisten zu müssen, falls der schmiedende Gockel sich nicht wieder einkriegte, zumal er jetzt auch noch davon herumtönte, Krieger zu werden. Auch der Brauereikrieger glaubte anscheinend falsch gehört zu haben und erhielt auf seine Nachfrage die Auskunft: „Dann muss ich nicht mehr arbeiten und bekomme Sold… kann mir dann Streit suchen und mit wem ich will.“ 

Tja, San und ich schauten in einer Mischung aus Unglauben und Irritation über das Gehörte, die schnell in Verzweiflung überging, zwischen den Freien hin und her, während der Brauer nur kurz lachte, um dann wieder zu verstummen… vielleicht sah er anderes als sinnlos an? Die herumalbernden Weiber durchblickten diese Ungeheuerlichkeit gegenüber der Kriegerkaste entweder nicht oder machten sich lustig darüber. Sancari flüsterte mir jedenfalls sehr treffend zu: „Dita, ich glaube, die grüne Kaste von Jorts bekommt viel Arbeit.“ Nach meiner geflüsterten Erwiderung „das Kümmern der Grünen lohnt bei hoffnungslosen Fällen wohl nicht“, beeilte ich mich dann aber wirklich, nach Hause zu kommen… war womöglich ich diejenige, dir nichts kapiert hatte? Egal, muss ich auch nicht und über Freie zu urteilen, steht eine Unfreien eh nicht zu... nur die Gedanken einer Kajira sind frei. ;-)

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