Donnerstag, 8. September 2016

Glücksbringer mit Pech

Mein Herr und seine Gefährtin waren zeitig zur Wiese aufgebrochen. Wie immer Mitte der Hand, wenn er nicht zum Wachdienst eingeteilt war, wollte mein Herr natürlich am Waffentraining der Krieger teilnehmen. Diesmal lief ich jedoch nicht gleich mit, sondern wollte nachkommen, weil ich noch ein paar wichtige Arbeiten zu erledigen hatte, die nicht aufgeschoben werden konnten. Mein Herr musste also vorerst auf mich als Glücksbringer verzichten und mit der Gnädigsten Vorlieb nehmen, obwohl er mich eigentlich immer gerne dabei hat, wenn er den anderen Kriegern blaue Flecke verpasst. Ich freute mich echt, dass nähere Details zu meiner recht vagen Information über die unaufschiebbaren Arbeiten nicht weiter interessierten und meine geplante Überraschung tatsächlich eine blieb.

Kaum waren mein Herr und die Gnädigste fort, legte ich mich gewaltig ins Zeug, denn ich wollte für die am nächsten Tag geplante Jagd eine süße Aufbesserung des Proviants in Form von leckeren Keksen backen, die sicherlich auch zur Beruhigung der Nerven meines Herrn nicht verkehrt waren, falls ich oder eigentlich mein Magen es nicht schaffen sollte, seinen Ansprüchen bei gewissen fiesen Tätigkeiten nach dem Erlegen der Beute gerecht zu werden. Tja, eigentlich klappte auch alles ganz gut… der Teig gelang mir wirklich oberperfekt und war äußerst schmackhaft, mein Bauch tat mir trotz ausgiebigen Probierens nicht weh und der Ofen bollerte in der richtigen Backtemperatur… glaubte ich jedenfalls.

Alles lief also bestens, nur kam mir zwischendurch leider spontan in den Sinn, draußen mal nachzuschauen, ob der Sleen meines Herrn gut versorgt war… darum kümmert sich nämlich Sechs seit einigen Tagen eigenständig. Meine Kontrolle stellte sich allerdings als überflüssig heraus, dennoch schien Fenris über meinen Anblick hocherfreut zu sein, sodass ich ihm noch ein Weilchen Gesellschaft leistete. Ein wenig Kontaktpflege mit dem gefährlichen Stinker war sicher nicht verkehrt, denn wer weiß, ob ich nicht mal auf ihn angewiesen bin. Tja, leider roch es plötzlich jedoch sehr merkwürdig und zwar in einer Mischung aus Sleen und noch etwas anderem.

Voller Entsetzen wurde mir klar, mir stieg Brandgeruch in die Nase und dann fielen mir auch der Ofen und das Backblech mit der Überraschung wieder ein. Oh Mist verdammter… Flammen waren zwar keine zu sehen, aber hinter der vorsichtig geöffneten Haustür stand Qualm wie eine zusätzliche Wand… das Gianni der Gnädigsten flitzte panisch quietschend an mir vorbei aus der Tür hinaus, nachdem es bei seiner Flucht den Kerzenhalter vom Tisch gestoßen hatte, der mit lautem Gepolter auf den Boden knallte und… naja… und als die Sicht Richtung Küchenecke dank ausgiebiger Lüftung endlich etwas besser geworden war, blieb mir leider nur noch festzustellen, die herrlichen Kekse waren zu schwarzen, holzkohleartigen Bröckchen verkokelt.

Ich denke, ich muss nicht genauer beschreiben, was nun an Arbeit für mich anfiel, bis nichts mehr zu riechen war, der Ofen gründlich entrußt, alles wieder blitzblank, das Gianni eingefangen und schließlich alle abfärbenden schwarzen Spuren von mir entfernt waren. Das Waffentraining war jedenfalls lange vorbei, als ich schließlich auf die Gasthausterrasse stürmte und mich neben meinen Herrn kniete, dem natürlich sofort auffiel, dass meine Haare noch leicht feucht waren. Dem scharfen Kriegerblick des Landsitzkriegers entging dies übrigens ebenfalls nicht, denn er begrüßte mich mit „tal, nasses Gianni“. 

Mist, was sollte ich bloß auf die Frage meines Herrn antworten, ob ich gebadet hatte, wo ich doch immer ehrlich bin, ohne mein Pech mit der geplanten Überraschung zu verraten, weil sie dann ja keine mehr wäre? Verlegen druckste ich daher: „Ähmmm... nein… also ja… eigentlich doch, mein Herr… aber es war sozusagen ein Notbad und kein Vergnügungsbad... wirklich nicht!" Wie befürchtet stellte ihn diese Antwort leider nicht zufrieden. „Was beim Kur ist ein Notbad… hast du dir in die Tunika gemacht vor Vorfreude, mir als Glücksbringer beim Training zuzusehen?“ 

Na toll, ich weiß ja nicht, woran der Landsitzkrieger dachte oder welch ein Bild er womöglich vor Augen hatte, als sich sein Gesicht jetzt zu einem breiten Grinsen verzog, während ich keinen anderen Ausweg mehr sah, als von meinem Pech mit den Holzkohlekeksen zu erzählen. „Naja… also nee, hab ich nicht, mein Herr… es war... wie soll ich sagen... die Priesterkönige haben heute einen ungeschickten Tag für mich vorgesehen... aber ich steh zu meinen Fehlern und gebe den hohen Herren ganz gestimmt nicht die Schuld dafür... also wirklich nicht! Ich war sozusagen nur zum falschen Zeitpunkt mit was Falschem beschäftigt, mein Herr. Aber es ist alles wieder bereinigt und sieht aus wie sonst immer… man riecht auch nichts mehr… also keine Sorge!“

Keine Ahnung, warum der immer noch schmunzelnde Rarius nun vorschlug, dass man mich als Beraterin des hohen Rates anstellen sollte, denn nach meinem Erklärungsschwall hielt ich jetzt tunlichst meine Klappe. Außerdem meinte der Händler, dass ich meinen Herrn ja sowieso schon berate und das reicht eigentlich... oder so ähnlich drückte er sich jedenfalls aus. Während der Krieger nun Richtung Landsitz aufbrach, müssen die Priesterkönige inzwischen wohl ein Einsehen mit mir gehabt haben, denn mein Herr meinte gutmütig schmunzelnd: „Soso, du hast Tarskerei gemacht, Dita. Na, dann sei froh, dass ich dich nicht dabei erwischt habe!“ 


Danach war das Thema für meinen Herrn erst einmal beendet und während er nun seinen starken Kriegerarm um mich schlang, um mich wunderbar dicht an sich heran zu ziehen, kündigte er schon mal an, dass er mit mir als Glücksbringer dem Brauereikrieger in der nächsten Hand beim Training eine Menge grüner und blauer Flecken verpassen will. Später zuhause schnüffelte er natürlich erst mal sehr kritisch, war aber offensichtlich zufrieden mit dem Ergebnis und dass sein Haus nicht abgebrannt war, sodass ich ihm selbstverständlich noch genauer erzählte, welches Missgeschick mir passiert war. 

Ich durfte übrigens trotzdem wieder auf seinem schönen weichen Fell schlafen… ok, diesmal allerdings geknebelt und gefesselt! :-)))

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