Montag, 12. September 2016

Improvisierte Lösung

…mit ein wenig rotseidener Zuhilfenahme.

Noch mehr als sonst beeilte ich mich mit meinen Arbeiten, weil mein Herr an diesem Tag mit dem Tarn von einer Reise zurückkehren wollte, auf die er mich leider nicht hatte mitnehmen können. Aber meine wachsamen Augen zuhause waren bestimmt auch nicht verkehrt. Außerdem musste ich mich um die Verarbeitung des erlegten Tarsk kümmern, d.h. einen geeigneten Ort zum Abhängen der großen Bratenstücke finden, nachdem mein Herr das meiste Fleisch zum Glück ja verschenkt hatte. Ich wollte ihm nämlich zeigen, dass ich sein Lob wert war. Menno, wie hatten es denn seine früheren Kajirae mit erlegter Jagdbeute gehalten? Keine Ahnung, in seinem Haus gibt es jedenfalls keinerlei Möglichkeit… es war also Kreativität und Improvisation gefragt.

Erstaunlich schnell fand ich tatsächlich einen perfekten Platz und gegen ein wenig rotseidene Zuhilfenahme erhielt ich nicht nur die Genehmigung, sondern nach Beendigung seiner Wache sogar Hilfe von einem der Krieger, die zur Patrouille auf der Stadtmauer eingeteilt waren. Ich musste also nicht die Leiter vom Larmabaum auf die Mauer schleppen, um an die Balken zu kommen… der Herr hob mich mit seinen starken Kriegerarmen einfach hoch, damit ich die großen, nicht verschenkten Tarskstücke direkt hinter dem Haus meines Herrn unter dem Dach der Stadtmauer an einem der Holzbalken anbinden konnte. Das Fleisch des alten Tarsk-Ebers muss nämlich eine ganze Weile abhängen und reifen, damit die sicherlich äußerst zähen, festen Muskelfasern des Viechs schön zart werden und mein Herr nicht auf trockenem Bratenfleisch herumkauen muss.

Um die Heimkehr meines Herrn nicht zu verpassen, hatte ich eigentlich vor, im Tarnturm auf ihn zu warten, entschloss mich kurzfristig dann aber doch für den Hafen, weil man dort schon von weitem einen anfliegenden Tarn sehen kann. Gut gelaunt eine kleine Melodie summend, die wie immer wohl ziemlich schräge ausfiel, lief ich zum Anleger hinunter, wo ich den Brauer, den Händler und das Blumenweib entdeckte. Die Frau wirkte allerdings leicht eingeschnappt, da der Händler ihr gerade sein Desinteresse am Handel mit ihrem blühenden Gemüse klarmachte und mir achtlos eine lila Schnittblume zuwarf, die er zuvor anscheinend von der Freien erhalten hatte.

Selbstverständlich bedankte ich mich wie es sich gehört, bekam jedoch leicht unwirsch zu hören: „Jaja, schon gut Dina… pass auf, dass Fenris die nicht frisst!“ Hach, wie jedes Mal wurde mir auch diesmal wieder ganz warm um mein Kajiraherz! Ja, selbstverständlich auch wegen des hübschen Geschenks, aber vor allem, weil der Händler mich wie immer „Dina“ genannt hatte. Nach meinem Hinweis, dass der Sleen meines Herrn weder Vegetarier ist, noch auf Lila steht, wurde meiner Bitte stattgegeben, die Blume schnell nach Hause bringen zu dürfen, um sie dort ins Wasser zu stellen. Vorher erhielt ich vom Händler aber noch den Tipp, lieber Paga zu nehmen, damit sie länger hält. 

Hmmm… über „Paga oder doch lieber Wasser?“ grübelnd, betrachtete ich auf dem Heimweg nachdenklich die Blume in meiner Hand und lief fast meinen Herrn über den Haufen, der plötzlich vor mir auftauchte und zwar zu Fuß und ohne Tarn. Mist, ich hatte in die falsche Richtung geschaut… also nicht auf meinem Heimweg, sondern zuvor unten am Hafen schon! Sein Tarn war nämlich über die Stadt eingeflogen, sodass ich ihn vom Anleger gar nicht hatte sehen können. 

Das blühende Ding in meiner Hand neugierig betrachtend, wollte mein Herr als erstes natürlich sofort wissen „Warum schenkt dir wer eine Blume… hast du etwas richtig gemacht, Dita?“ Merkwürdigerweise spekulierte er nach meinem Hinweis auf den Händler, dass der Herr vielleicht heimlich in mich verliebt ist, denn warum sollte er sonst mir und nicht Luna ein Geschenk machen? Hmmm… ok, in Luna würde ich mich auch nicht verlieben, denn ich bin ja kein Mann! Ich vermutete allerdings, der Herr hatte wahrscheinlich einfach keine Lust mehr gehabt, die Blume noch länger zu halten und von Luna war nun mal weit und breit nichts in Sicht gewesen. Egal, die Beweggründe für dieses Geschenk blieben unklar, aber ich durfte die Blume zu behalten, sodass ich mich spontan gegen Paga entschloss und sie nun eilig zuhause in Wasser stellte.

Nach meiner Rückkehr stand mein Herr immer noch an der gleichen Stelle in der Gasse, die zum großen Stadttor führt, inzwischen allerdings zusammen mit dem Schmied. Der Herr… er war übrigens nüchtern und hielt kein Methorn in der Hand… erzählte von seiner Reise zu einem Sandhaufen mit Palmwedeln in der Tahari, wo Ende letzter Hand diese bombastische Feier wegen zweier Unterschriften auf einen Gefährtenschaftvertrag stattgefunden hatte. Für Jorts war das Fest wegen der Lieferung diverser Kalana-Fässer ein gutes Geschäft gewesen und für das Blumenweib auch, obwohl jetzt irgendein Dorf beleidigt zu sein scheint, das wohl normalerweise den Kalana zu diesen Palmwedeln liefert. Doch das interessierte meinen Herrn natürlich nicht.

Für ihn war es auch unwichtig, dass der Oasenvorsteher anscheinend wie ein Wasserfall geredet hat oder als ob er dafür bezahlt bekam. Darin wird sich dieser Emir wahrscheinlich nicht mehr ändern, denn auch bei Besuchen meiner früheren Herren oder Herrin frönte dieser Freie schon vor vielen Märkten gerne sehr ausgiebig seinem verbalen Mitteilungsbedürfnis. Letztendlich hat der Schmied das Fest wohl relativ zeitig wieder verlassen, allerdings weniger wegen dem Redeschwall des Pluderhosenträgers, sondern weil er sich wegen einiger klettenartiger Kajirae wohl nicht anders zu retten wusste.

Die beiden Herren unterhielten sich noch eine Weile über diese Sorte Sklavinnen und Weiber, die wie Furunkel am Hintern kleben, bis der Schmied sich Richtung Unterstadt verabschiedete. Danach genoss ich es sehr, dass mein Herr mich wie so oft aufforderte offen zu sprechen, nachdem ich erwähnt hatte, er sei anders als andere Herren.

Puhhh, es fing an bei den für ihn so typischen, manchmal unangenehmen Kopfpatschern und endete bei seiner Vorliebe, mich über Nacht oft in diesem grässlichen Sklavenkäfig wegzusperren.

Dazwischen drehte sich unser Gespräch aber auch kurz um seine Gefährtin, die Jagd, sein schönes weiches Fell, auf dem er mir manchmal erlaubt zu schlafen, eine meiner schlechten Erfahrungen mit der grünen Kaste, unehrliche und minderwertige Kajirae und warum mein Herr es mag, mich als Sklavin zu haben.

Die richtigen Worte zu finden, war wirklich nicht ganz einfach, denn es lag mir selbstverständlich vollkommen fern, über meinen Herrn ein Urteil zu fällen, weil ich schließlich weiß, was sich für eine Kajira gehört und was eben nicht. Doch es muss mir wohl ganz gut gelungen sein, meine Rolle zu bewahren. Zuletzt wollte mein Herr natürlich noch sehen, welche Lösung ich für das Abhängen des Tarsk-Fleisches gefunden hatte, sodass es nun auf die Stadtmauer ging. Ich denke, meine improvisierte Idee gefiel ihm ganz gut, allerdings glaubte er, ich hätte die Hilfe des Kriegers zum Aufhängen des Fleisches nur bekommen, weil dieser beim Hochheben die gute Sicht auf meinen Allerwertesten genießen wollte.


Ehrlich wie ich nun mal bin, gestand ich selbstverständlich ein, dass der Rarius etwas anderes eingefordert hatte, bei dem allerdings nicht mein Hinterteil zum Einsatz gekommen war, weil ich doch vor dem Krieger kniete. „Zeig mal, Dita!“ veranlasste mich natürlich umgehend, ganz dicht vor meinen Herrn zu rutschen und ihm mit meinem Mund und jeder Menge Hingabe den Weg zu zeigen, den ich zuvor angedeutet hatte. Sehen konnte ich ihn mit dem Kopf unter seinem Uniformrock zwar nicht mehr, doch das Brummen meines Herrn klang nach den ersten Berührungen meiner weichen Lippen äußerst zufrieden: „Soso… mach weiter, Dita!“ ;-)

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