Freitag, 9. September 2016

Jagdausflug

Mein Herr brummte und scharrte schon voller Ungeduld mit den Sandalen, offensichtlich darauf wartend, dass endlich die Vorbereitungen für die Jagd fertig waren. 

Doch bevor es schließlich losging und ich mir die Tasche mit dem Proviant über die Schulter warf, mein zweiter Keksbackversuch hatte übrigens bestens geklappt, löcherte er mich noch mit diversen überflüssigen Fragen… ob ich auch fleißig gewesen war und alles für unseren Jagdausflug bereit ist. Zusätzlich wollte er noch wissen, ob mit Gejammer zu rechnen ist, wenn er ein Beutetier erlegt, was ich natürlich sehr nachdrücklich verneinte, denn mir war klar, dass seine Laune dann sofort obermies werden würde und was danach auf mich zukam, mochte ich mir nicht ausmalen.

Außerdem hatte mein Herr erst vor kurzem versprochen, mir bei der Jagd zu zeigen, wie man größere Beutetiere zerlegt und worauf es dabei ankommt. Ich bin zwar die Kajira eines Kriegers aber keine Superkajira, die über Nacht ganz von alleine alles kann, auch wenn ich mir in der ziemlich langen Zeit meines zweiten Lebens auf diesem Planeten Gor mangels Unterricht vieles abgeschaut habe und selbst aneignen musste. Das Verarbeiten von Beutetieren gehörte bislang jedenfalls nie dazu, da meine früheren Herren sich dies entweder nicht nehmen ließen oder als Aufgabe der Topfmädchen ansahen.

Natürlich hatte ich ungefähre Vorstellungen davon, was auf mich zukommen würde und daher in Anbetracht meines übersensiblen Magens an diesem Tag vorsorglich auf jegliche Nahrungsaufnahme verzichtet. Figur hin oder her, meine entspricht eh nicht dem Schönheitsideal mancher Goreaner, die auf wogende, schaukelnde Massen stehen. Sklavenbrei ist für mich sowieso nicht geeignet, um dicker zu werden, da ich von dem ekeligen Zeugs immer nur eine Miniportion herunter bekomme. Um bloß nicht rückwärts zu essen, erschien es mir also schlau, lieber gar nichts im Magen zu haben und die Gefahr dünner zu werden war zweitrangig.

Lustig fand ich, dass mein Herr die Kekse als Nervennahrung für mich ansah, weil im Gegensatz zu mir, ein gestandener Krieger wie er, selbstverständlich kein bisschen nervös war. Zum Glück ging es aber erst einmal nur bis zum Brunnen in der Unterstadt, wo mein Herr noch ein paar Ehn warten wollte, ob sich der Brauereikrieger oder der Bauer ihm vielleicht anschließen wollten. Dass Sancari lieber kesseln und ohne ihren Herrn vermutlich nicht mitkommen würde, war mir irgendwie klar und genauso ahnte ich, dass Luna höchstwahrscheinlich kneifen würde. 


Wobei ich mir auch nicht wirklich vorstellen konnte, ob Letztere sich überhaupt zum lautlosen Anpirschen eignete und mit ihrer weißen Haut das Wild womöglich schon von weitem blendete, bevor wir auch nur den Hauch einer Chance hätten, es aufzuspüren. Diese Gedanken gingen mir durch den Kopf, während mein Herr einen kleinen Plausch mit der Blumenfrau und dem seit Tagen Met in sich hinein schüttenden Schmied hielt, den er zu überzeugen versuchte, mit der Sauferei aufzuhören, weil das Gehirn von zu viel Met wohl matschig werden kann. Doch der Schmied behauptete einfach, diese Gefahr besteht nur bei Südgoreanern und er stammt ja aus dem Norden.

Schließlich wurde klar, niemand wollte sich dem Jagdausflug anschließen und mein Herr drängte zum Aufbruch. Zuvor vereinbarte er mit dem Blumenweib noch, dass sie von der Beute ein Stück Fleisch ihrer Wahl abbekommt, wenn sie auf den Schmied aufpasst, was der Saufbold natürlich empört von sich wies. Wie die beiden sich dann einigten, bekam ich nicht mehr mit, da mein Herr mir nun befahl vor ihm zu gehen und das Wild aufzuspüren. Ich gestehe, meine Knie waren vor Aufregung ein wenig gummiartig und mein Herz klopfte ganz wild, während ich die Wiese überquerte, um dann im Wald langsam einen Wildpfad mit gespitzten Ohren, mit den Augen aufmerksam das Gelände rechts und links musternd, entlang zu schleichen.

Mein Herr hielt seine Armbrust schussbereit, falls wir ein Tabuk oder Tarsk aufspüren sollten… naja, oder so ein Viech uns. Immer wieder blieb ich konzentriert horchend stehen und versuchte das Unterholz mit Blicken zu durchdringen, doch außer hübschen Blumen entdeckte ich nichts Interessantes, mit denen ich meinen Herrn übrigens genauso wenig von seinem Vorhaben abbringen konnte, wie durch mein aufreizend heraus gerecktes Hinterteil, während ich tief geduckt durch den Wald und das mehr oder weniger dichte Unterholz schlich. 

Leicht frustriert flüsterte ich schließlich, dass der Zeitpunkt vielleicht ungünstig war und die Viecher irgendwo schliefen, erhielt jedoch zur Antwort: „Dita, die schlafen nicht… sind nur nicht leicht zu finden… weiter Ausschau halten!“ 

Tja, nach einer Ewigkeit und gefühlt mindestens 100 Pasang Fußmarsch durch den Wald, hörte plötzlich hangaufwärts ein Knacken und bedrohliches Schnaufen. Erschrocken blieb ich stehen, legte meinen Zeigefinger auf die Lippen und gab meinem Herrn ein Zeichen, aus welcher Richtung ich etwas gehört hatte. 


Tief geduckt schlichen wir im Schneckentempo weiter, hinter einem dicken Baum Deckung zu suchen. Ganz vorsichtig zog ich dort ein paar Ranken auseinander und entdeckte ein Ungeheuer mit wilder Mähne und gigantischen Hauern, dass sich seinen Rücken an einem dicken Baumstamm schubberte… wir hatten einen Tarsk-Eber aufgespürt!


Ich hatte erst einmal nur Augen für das gefährliche Tier und machte mich so klein und sichtbar wie ich konnte, allerdings auch startklar zum Weglaufen. Ein kurzer Blick dann zu meinem Herrn zeigte mir, dass er seine Armbrust langsam hob, noch einmal tief ein- und ausatmete und vorsichtig den Abzug durchzog. Wow… ein wirklich toller Treffer! Doch das Tarsk fiel nicht um. Im Gegenteil, offensichtlich nur mäßig beeindruckt von dem Bolzen drehte sich das Ungeheuer und rannte wutschnaubend auf uns zu! Doch mein Herr hatte die Armbrust schon längst fallen lassen und seinen Speer gezogen, um ihn auf das heranstürmende vor Wut schnaubende Tarsk zu richten, sodass das Viech sich selbst aufspießte und tot umfiel.


„Na Dita… was für eine Jagd, hehe… hast ein prächtiges Tier gefunden!“ ließ mich erleichtert endlich wieder Luft holen, die ich vor Spannung nämlich angehalten hatte. Dann kam leider der oberschwerere Teil, zumindest für mich und das im wahrsten Sinne des Wortes, ich mit Hilfe meines Herrn erstaunlicherweise aber hinbekam. Schon mein Versuch, den Beutekoloss an den Hinterbeinen hochzuziehen scheiterte nämlich. 

Breit grinsend verfrachtete mein Herr den Brocken dann aber irgendwie auf meine Schultern und ich schaffte es tatsächlich bis zum Wasserfall, wo dann eine ziemliche Tarskerei begann, nachdem mein Herr mir seinen Dolch gegeben hatte: „Lass dein Käsemesser weg, Dita… nimm was Ordentliches!“ 

Details über wo wie tief ansetzen und so, lasse ich mal weg und auch, was mein Herr eigentlich mit dem Herz des Tarsk vorhatte. Vor Entsetzen vermutlich kreidebleich konnte ich ihn nämlich davon überzeugen, dass das mit dem Glück bestimmt nur für den Jäger gilt und nicht für die Aufspürerin einer Beute. 

Wirklich Leben kam vermutlich erst wieder in mich bei dem Befehl „Dita, wasch dich am Wasser… du bist dreckig“, den ich mir nicht zweimal sagen ließ, allerdings so tat, als hätte er statt „am…“ „im Wasser“ gesagt. Das Bad war herrlich und ersetzte jedes Badehaus… fand ich jedenfalls, dann aber doch irgendwie nicht mehr, denn mein Herr blieb einfach stur oberhalb dersteilen Uferböschung stehen und tat so, als interessiere ihn sein nacktes, sich im glasklaren Wasser aalendes Eigentum nicht.


„Ich bevorzuge Badehäuser, Dita“ veranlasste mich, das herrliche Bad im See des Wasserfalls zwar sauber, jedoch leicht enttäuscht und vor allem viel zu schnell zu beenden. Manchmal verstehe ich meinen Herrn wirklich nicht, doch so ist er nun mal.

Viel wichtiger war natürlich, nun zur Taverne zu laufen, um das viele Fleisch an die eh meistens an nichts anderes als ans Essen denkende Luna zu verteilen und dem Blumenweib hatte mein Herr für die Bewachung des Met saufenden Schmieds doch sogar ein Versprechen gegeben, zu dem er selbstverständlich stand. 

Als ich schließlich zuhause in den verhassten Sklavenkäfig krabbelte, war ich nach dem Lob meines Herrn übrigens nicht nur dankbar, sondern auch ein klitzekleines bisschen stolz auf mich: „Dita, das hast du heute gar nicht schlecht gemacht… und du hast nicht gemault oder gekotzt, was noch besser ist.“

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