Mittwoch, 7. September 2016

Schönreden oder doch eine ehrliche Meinung?

Nach einem unangenehmen Patscher meines Herrn auf meinen Kopf, leider von der typischen Sorte à la Hauptmann, unter denen ich immer zusammenzucke, fiel mein Blick auf die Gnädigste. Ich hatte sie tagelang nicht gesehen, weil sie wegen was weiß ich auf Reisen gewesen war. Ihre Rückkehr allerdings war nicht der Grund für meine Reaktion aus ungläubigem Erstaunen, sondern ihr neues Kleid, das mich mangels Schneiderin in Jorts Fähre nun zu der Frage veranlasste: „Mein Herr, ist die Diebin tatsächlich noch einmal zurückgekehrt und hat die Robe geliefert?“ 

Die neue Errungenschaft in Grün konnte zwar auch sonst wo gekauft worden sein, doch mein Herr bestätigte meine Vermutung: „Ja Dita, ist sie tatsächlich. Ich war sehr überrascht, dass die Diebin nicht nur das Kleid brachte, sondern mir außerdem auch das Geld aus dem Becher zurückgegeben hat.“ Die Gnädigste interessierte sich allerdings weniger für die Diebin, sondern ob meinem Herrn das neue Kleidungsstück an ihr denn gefällt, erhielt allerdings nur eine für mich verständliche Antwort, er sei froh, dass es passt und er sich nicht zwecks Umtausch auf die Suche nach der Händlerin machen muss. Männer bevorzugen nun mal den Anblick ihrer nackten oder mit einem sehr knappen fast Nichts bekleideten Sklavin.

Tja, leider war es mit der Anrede „meine Dita“ jetzt vorbei und aus sanftem Haare wuscheln wurde ein äußerst unangenehmer Kopfpatscher der oberfiesen Sorte „wütender Hauptmann“, nachdem mein Herr sich erkundigte: „Dita, was sagst du dazu?“ Nach ausgiebiger Musterung formulierte ich zuerst allerdings noch vorsichtig: „Naja… viel Grün und kein Rot, mein Herr, und sehr lang... aber scheint ansonsten ja zu passen, würde ich sagen.“ Soweit war also alles noch ok.

Davon ausgehend, dass ich offen sprechen durfte und Schönreden von mir nicht erwartet wurde, ergänzte ich wegen der jortsschen Moralapostel meine Beurteilung zum Sitz der neuen Robe jedoch mit: „…wenn dich die nackte Schulter deiner Gefährtin und auch ihre Haut nicht stört, die durch die Spitzenärmel hindurch scheint, mein Herr.“ Args… diese Offenheit stellte sich leider als Fehler heraus.

„Ich habe ja keine Burka an, Dita… bedeckt ist bedeckt“, belehrte mich die Gnädigste und mein Herr grinste, dieses Kleid ist in Ordnung, der jortssche Obermoralapostel könne nichts dazu sagen. Boah, ich traute meinen Ohren kaum, hatte jedoch richtig gehört… hier wurde mit zweierlei Maß gemessen, denn die Grüne hatte in eigener Sache offensichtlich ihre Meinung geändert, obwohl sie noch vor nicht allzu langer Zeit ein Damenkränzchen für Benimm und Anstand einberufen hatte, um einem zugezogenen Weib u.a. klar zu machen, wie unpassend sie es findet, wenn ein Oberteil Hautfarbe hat und man erst beim zweiten Hinschauen bemerkt, dass doch alle Haut bedeckt ist!

Ok, ich gebe zu, meine Antwort auf ihr „bedeckt ist bedeckt“ war unklug und ich hätte besser meine Klappe gehalten, anstatt zu erwidern: „Ja meine Herrin… und Schulter ist Schulter… und Haut eben Haut.“ Leider brachten mich auch das empörte „wie bitte?“ dieser Frau und eine weitere Kopfnuss noch nicht auf den Boden meines Daseins als Kajira eines Herrn mit Gefährtin zurück, der nun beschloss: „Wir sagen einfach, darunter ist hautfarbener Stoff.“ Wirklich dumm von mir, doch irgendwie schaffte ich es nicht, mir den Hinweis auf jenes Benimm-Anstand-Tribunal aus freien Frauen unter dem Vorsitz dieses Weibs zu verkneifen, das jetzt in grüner Robe mit sichtbarer nackter Haut vor mir stand. 

Die Begeisterung der Gnädigsten über den Vorschlag meines Herrn schlug prompt in einen giftgrünen, wütenden Blick in meine Richtung um, den ich zwar bemerkte, doch erschien es mir angebrachter, nun lieber so zu tun, als hätte ich nichts davon mitbekommen. Während die beiden Gefährten über was wichtig ist und worauf es ankommt herumsülzten, stellte ich meine Ohren auf Durchzug und hüllte mich in Schweigen, zumal für mich eh nicht nachvollziehbar war, warum ein goreanischer Mann überhaupt ein Urteil über eine grüne Robe fällen sollte… aber egal. Viel wichtiger war für mich, eine Gelegenheit abzupassen, um noch etwas für mich sehr Wichtiges grundsätzlich zu klären.

Zurück auf dem Boden meines Kajiradaseins formulierte ich schließlich um Höflichkeit bemüht, die Grüne allerdings komplett ignorierend: „Verzeihung mein Herr… ich nahm an, dass meine ehrliche Meinung gefragt war. Mir war nicht klar, dass ich gar nichts dazu sagen sollte, werde es mir aber merken und in Zukunft nur noch das sagen, was du hören möchtest, mein Herr.“ Es folgte leider ein weiterer Kopfpatscher, bevor ich allerdings erfuhr, dass mein Herr tatsächlich meine ehrliche Meinung hatte hören wollen. Er beendete das Thema dann aber und erkundigte sich, woran ich ihn an diesem Tag erinnern sollte… Schinken auf dem Hof abholen und Besuch beim Sattler. „Wir kümmern uns zusammen darum. Dita, draußen antreten… harta!“ war ein Befehl, den ich selbstverständlich eiligst ausführte, um nicht noch tiefer in Ungnade zu fallen. 


Vor der Tür musste ich mich jedoch noch einige Ehn in Geduld üben, da sich die Gnädigste noch umzog, bis mein Herr mich grob am Kragen packte, um mich an die Kette zu nehmen und nach einem barschen „komm Sklavin!“ ging es zum Hof. Irritiert stellte er dort fest: „Jetzt hab ich Irina abgehängt… so was aber auch.“ Puhh… wie gut, ich hatte mein Mundwerk inzwischen wieder im Griff und bestätigte diese Feststellung lediglich mit einem neutralen „ja mein Herr“, gab also keinerlei Auskunft über mein innerliches Grinsen. Selbstverständlich lag mir sehr daran, meinen Abstieg von „meine Dita“ zu „komm Sklavin“ aufzuhalten und nicht durch eine weitere unbedachte Äußerung über dieses Weib noch mehr in Ungnade zu fallen. 

Mein Herr löste jetzt zwar die Kette von meinem Kragen, dennoch hütete ich mich, nach der Begrüßung des Bauern und seiner Kajira ungefragt irgendetwas von mir zu geben, sondern wartete stumm einfach ab, bis mein Herr mir Geld zuwarf und mir befahl, mich um die Bestellung zu kümmern. 

Bei den Schinken zeigte Hadi übrigens wie versprochen auf einen wirklich schönen, den sie für meinen Herrn ausgesucht hatte und in ein großes Reptuch einwickelte. In der Hoffnung, vielleicht doch noch einen kleinen Preisnachlass zu erhalten, erzählte ich ihr leise, dass mein Herr nicht allzu gut auf mich zu sprechen war und war wirklich sehr froh, dass sie sofort erkannte, in welcher Kopfnussgefahr ich schwebte.

Hadi hatte Verständnis für mich und gestand mir noch einen halben Kupfer Nachlass zu, mehr war wegen der Gefahr, auch ihr Herr könnte schlechte Laune bekommen, allerdings nicht drin. Das Tollste aber war, sie hatte mir wie angekündigt vom See am Wasserfall eine kleine blaue Blüte mitgebracht, die mich an Verminium erinnerte, auch wenn sie von einer anderen, mir unbekannten Blume stammte. Aufgrund der nicht zu unterschätzenden Gefahr, dass diese hübsche Blüte einer Kopfnuss zum Opfer fiel oder verwuschelt wurde, wagte ich sie jedoch nicht in mein Haar zu stecken, sondern deponierte sie erst einmal unter dem Reptuch beim Schinken… eine Entscheidung, die wohl nicht verkehrt war.

So wie die Gnädigste mich mit ihren zusammengezogenen Augenbrauen schweigend anschaute, war sie jedenfalls immer noch schlecht auf mich zu sprechen. 

Mein Herr war von der gesparten halben Kupfermünze jedoch sehr angetan, denn seine Hand patschte plötzlich erstaunlich sanft, sodass ich mich auf dem Weg nach Hause, wo ich vor dem Besuch des Sattlers schnell noch den Schinken abliefern wollte, doch dazu entschloss, die Blüte in mein Herr zu stecken…. vielleicht missfiel sie meinem Herrn und vielleicht war sie am Ende des Tages hinüber, obwohl ich sie eigentlich mit heißem Wachs haltbar machen wollte? 

Juhuuu… sie gefiel ihm und wurde weder verpatscht noch verwuschelt, denn er legte während unseres Besuchs beim Sattler wieder ganz sanft seine Hand auf meinem Kopf ab und erlaubte mir später sogar auf seinem schönen weichen Fell zu schlafen! :-)))

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