Sonntag, 30. Oktober 2016

Endlich…

…sollte mein Herr hoffentlich einige Tage keinen Wachdienst haben. Entsprechend glücklich strahlte ich ihn an, fragte aber vorsichtshalber trotzdem nach, ob sich womöglich etwas geändert hatte, was zum Glück aber nicht der Fall war. Natürlich fand ich das supertoll, erhielt aber keine Gelegenheit mehr, lange meiner Freude zu frönen, denn nun traute ich meinen Augen kaum, als hinter meinem Herrn genau in dieser Ihn die Gnädigste auftauchte. Tagelang hatte ich sie nicht gesehen, sodass ich ungläubig nachfragte, ob sie etwa mit meinem Herrn auf Wache gewesen war und die Grüne etwas über stets zwei Schritte hinter ihm drucksen hörte. 

Doch fast empört stritt mein Herr ihre Begleitung sofort ab… klein gemacht hin oder her, das hätte er mitbekommen, weil sie nicht zu übersehen war. Dabei fiel mir prompt das Weib des Landsitzkriegers mit ihren ausladenden Formen wieder ein, die mindestens das Doppelte der Gnädigsten ist und ihr beim letzten Besuch in Jorts sehr freizügig zur Schau gestelltes, nacktes Dekolletee. Mein Herr interessierte sich sofort dafür, ob der Hals dieser Frau zu sehen gewesen war, doch genau das war trotz des über ihren üppigen Brüsten weit auseinander klaffenden Umhangs leider nicht der Fall gewesen. Gekniet hatte sie zumindest in der Öffentlichkeit auch nicht, obwohl sie ihrem Gefährten ein Getränk serviert hatte, weil ich doch erst so spät im Gasthaus eingetroffen war.

Um ihn vorzubereiten erwähnte ich in meinem kurzen Bericht über die letzten Tage übrigens lieber gleich, dass der Brauer mit meinem Herrn sprechen möchte. Ich deutete auch gleich an, wie sich die Reste eines Gesprächs des Herrn mit dem Landsitzkrieger angehört hatte, nämlich so als ob sich der Heimsteinfremde in Jorts noch rarer machen will als sowieso schon. „Hmmm… ich werde ihn wohl auf dem Land besuchen müssen und notfalls in seinen Hintern treten, wenn er nicht mal mehr zum Training hier auftauchen will… auf Bita, anziehen!“ brummte mein Herr nicht wirklich begeistert, sodass ich mich beeilte. Es zog ihn natürlich in die Unterstadt, um von seinem Freund vielleicht Weiteres zu erfahren.

Wir kamen nur bis zum Hafen, wo sich der Brauer gerade auf ein Ale niederlassen wollte, was meinem Herrn perfekt in den Kram passte, um nach den vielen Spätwachen sein Pagadefizit auszugleichen. Leider bestätigte der schöne Herr meine Vermutungen über den Landsitzkrieger: „Er schimpfte über die Windverhältnisse. Ich soll dir ausrichten, dass er erstmal nicht mehr zum Training kommt, weil es den weiten Weg vom Landsitz hierher nicht wert wäre, wenn die Winde alle seine Bemühungen zunichtemachen.“ Na toll, klang nach fauler Ausrede… leiden nicht ab und an alle Krieger unter dem Wind? Das Sensibelchen sollte auf seinem Landsitz lieber weniger Bohnen essen. Obwohl mein Herr natürlich kein Windmeister ist, will er trotzdem versuchen, die Priesterkönige von besserem Wetter zu überzeugen.

Die Neuigkeiten über den Besucher aus Belnend mit der Information über die Vorliebe des belnendschen Kommandanten für Waldurlaube auf Knien, einen Nordmann, der sich dafür interessierte, sich in Jorts niederzulassen und den anderen Nordmann mit dem Namen meines verschollenen Herrn waren schnell berichtet und auch der Vortrag des empörten Landsitzkriegers erwähnt, wie man mit Opfertieren umzugehen hat. Mein Herr brach über das Dozieren des Windsensibelchens selbstverständlich nicht in Begeisterung aus, zumal er außerdem behauptet hatte, mein Herr könne den Unmut der Priesterkönige jetzt nur noch mit Münzen abwenden. 

Nachdem es für den Brauer dann bald wieder Zeit geworden war, nach seinen Kesseln zu schauen, wurde die Runde am Hafen übrigens nicht kleiner, da sich inzwischen die Schreiberin dazu gesellt hatte. Der Frau war es anscheinend sehr wichtig, besonders rechtzeitig einen Termin für ihren Heimsteinschwur mit meinem Herrn abzustimmen, sofern keine Einsprüche mehr kommen und auch der Stadtrat mit ihrem Schwur einverstanden ist. Irgendwie klar, dass die Aussicht auf die damit verbundene Feier meinem Herrn außerordentlich gut gefiel und er prompt überlegte, wann er mit dem Fasten beginnen soll, damit er bei den leckeren Speisen ordentlich zulangen kann. 


Außerdem sinnierte er darüber, ob er sich mit einer 2 Ahn oder doch lieber mit einer 3 Ahn langen Rede für die entsetzlich langweilige Prozedur der schrecklich in die Länge gezogenen Schreiberprüfung dieses Weibs revanchieren soll, bei der seine Anwesenheit nicht zu vermeiden gewesen war. Merkwürdig fand ich, dass die Frau sich doch tatsächlich erdreistete, ihm zu erklären, dass es bei einer Rede nicht auf die Länge ankommt, sondern auf den Inhalt und für eine kurze, aber aufschlussreiche plädierte. Pahh… was bildete sich dieses neugelehrte Weib eigentlich ein… mein Herr hält doch nicht zum ersten Mal eine Rede!

Wie gut, dass Männer in der Lage sind, an weiblicher Besserwisserei einfach vorbei zu hören und mein Herr sich schließlich an mich wandte: „Ich denke, zwei Ahn als Rede sind angemessen… vielleicht auch drei… oder ich belass es bei einer Ahn… aber mit weniger wäre der Sattler sicherlich nicht zufrieden… Bita, magst du lieber meine langen oder meine kurzen Reden?“ Na, was für eine überflüssige Frage! Ich beteuerte schnell, dass aus den langen Reden meines Herrn fast immer ziemlich kurze geworden waren, weil er seine Notizen vergessen hatte und dass seine Reden immer gut sind, egal ob lang oder kurz, mit oder ohne Notizen, denn er ist einfach ein toller Redner und außerdem mein Herr.

Während ich mich dabei an ihn schmiegte und mit schmelzendem Blick zu ihm aufschaute, reichte der Sattler mir ein Tuch. Args… es erforderte reichlich Beherrschung, doch bin ich natürlich wohlerzogen und daher gelang es mir ganz gut so zu tun, als würde ich hinter mir eine nicht vorhandene Schleimspur wegwischen. Meinen Herrn anzuhimmeln ist nämlich nie verkehrt, trotzdem wollte ich den Handwerker selbstverständlich nicht brüskieren. Da es nach Meinung des Herrn viel zu wischen gab, tat ich entsprechend so als ob, reichte ihm das Tuch dann aber zurück mit dem Hinweis, es sei jetzt gut ausgewedelt.

Leider sah mein Herr in mir schon wieder die Schuldige, sollte mit seiner Rede irgendetwas nicht so klappen wie geplant und lieferte dem Sattler das Stichwort, erneut die vergammelten Opfertiere anzusprechen. Der Kerl tat doch tatsächlich so, als ob der Landsitzkrieger die Schuld alleine bei meinem Herrn gesehen hatte und dass er den Zorn der hohen Herren nur noch mit Münzen abwenden kann. Pahhh, ich war mir sehr sicher, der Krieger hatte im Plural gesprochen! Wie zu befürchten ging es nun um Ersatzopfer und die Strafe für Laya und mich. 

Immerhin kam es für meinen Herrn nicht in Frage, mich zu opfern. Wäre ja auch doof für ihn, wenn er seine fiese Ader nicht mehr an mir auslassen kann. Aber unser Bad im Misthaufen wurde erstaunlicherweise ebenfalls verworfen, genauso wie das Tauchen im Fass mit den stinkenden Abfällen für Fenris. Wir wurden nur dazu verdonnert, den Sleenkäfig besonders gründlich zu reinigen, eine ekelige Arbeit, die sowieso zu meinen Aufgaben zählt.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen