Mittwoch, 5. Oktober 2016

Großzügigkeit

Am nächsten Tag machte ich mich zeitig Richtung Unterstadt auf, um gleich den Auftrag meines Herrn in Angriff zu nehmen und in Sachen Hausführung nach der Blumenfrau zu schauen. Leider kam der Zeitpunkt der Freien jedoch ungelegen und musste auf später verschoben werden, sodass ich schließlich unverrichteter Dinge wieder zurück lief. Den Griff der Haustür bereits in der Hand, hörte ich aus dem Obergeschoss die Stimme meines Herrn, der dort mit Sechs zugange war und gerade seine Zufriedenheit darüber äußerte, sie eingesackt zu haben. Es ging ihm also gut, meine Vertretung klappte offensichtlich weiterhin und meine Anwesenheit zuhause war wohl verzichtbar.

Da es selbstverständlich nicht meine Art ist zu lauschen, verdrückte ich mich wieder Richtung Unterstadt… vielleicht wurden meine Dienste dort ja irgendwo benötigt? Damit hatte ich übrigens genau den richtigen Riecher, denn mit meinem Auftauchen am Hafen konnte ich gerade noch knapp das Verdursten des vor der Taverne sitzenden Brauereikriegers verhindern. Mein Anblick schien ihm jedenfalls zu gefallen. Allerdings wunderte sich der Rarius wohl, mich alleine zu sehen und erkundigte sich nach dem Verbleib meines Herrn.

Keine Ahnung, ob meine Antwort zu leise ausfiel oder der Durst auf sein geliebtes Ale bereits die Ohren des Kriegers in Mitleidenschaft gezogen hatte? „Mein Herr ist zuhause...der ist mit Sechs in Gange“, veranlasste ihn nämlich nachzufragen: „…mit Sechs oder mit Sex? …oder mit Sex mit Sechs?“ Mist, ein paar Ahnungen über das Geschehen im Obergeschoss meines Herrn hatte ich zwar, die sich später übrigens bestätigten, doch so genau wollte ich über seine Beschäftigung mit meiner Vertretung eigentlich gar keine Auskunft geben.

Daher war ich ganz froh, dass sich eine Antwort mit meinem in dieser Ehn auftauchenden Herrn erledigte und ich gebe zu, es  gefiel mir auch, dass Sechs vorerst nicht zu sehen war, da sie wohl noch irgendeinen Auftrag auszuführen hatte. Von der guten Laune meines Herrn erfuhr ich übrigens erst später, denn bei meinem sehr knapp ausfallenden Mini-Begrüßungsküsschen auf seinen Fuß zeigte sie sich noch nicht. „Dita, das war nicht innig… deine Begrüßung gefiel mir nicht. Ich erwarte mehr von dir.“ Na toll, wirklich gerne hätte ich mehr Hingabe gezeigt, auch wenn es in diesem Fall nur um die Füße meines Herrn ging. Doch wie kann ich die denn verwöhnen, wenn er ständig in Bewegung ist und nicht still steht?!

Meinen wirklich vollkommen gerechtfertigten Hinweis tat er natürlich prompt mit missmutigem Brummen ab, während ich mir inzwischen alle Mühe gab, sein Gezappel zu verhindern, indem ich seine Knöchel mit beiden Händen fest umklammerte und mit meinen Lippen sehr sanft über seine Fußrücken streichelte. „Meckere nicht und setz dich, Hauptmann… deine Kajira hat mich eben gerade bedient und das hat sie gut gemacht!“, nahm mich der nette Brauer in Schutz, sodass mein Herr tatsächlich umschwenkte. „Stimmt, das kann sie gut… ich bin ja auch zufrieden mit ihr.“ Ich erhielt noch einen Patscher auf mein Hinterteil und dann war mein Herr endgültig besänftigt.

Mit dem Auftauchen von Sechs zeigte ich mich von meiner großzügigen Seite und erlaubte ihr, meinem Herrn den gemeinsam zubereiteten GROßEN  VERWÖHN-Imbiss zu servieren… genau so war übrigens seine Betonung bei der Bestellung. Mist, leider entwickelte sich meine Entscheidung sehr schnell zur Fehlentscheidung. Ich wollte mich nämlich um den schönen Brauereikrieger mit den herrlich roten Haaren kümmern und ihm meine Dankbarkeit zeigen, weil er sich zuvor für mich eingesetzt hatte. Bedauerlicherweise war der Herr angeblich jedoch pappsatt, schnappte sich nach einigem Zureden aber doch ein Grillspießchen und fräste es genüsslich mit seinen Zähnen weg wie nichts.

Er wagte sich sogar noch an ein Würstchen, gab mir davon aber die Hälfte ab, weil er inzwischen wieder zurück an seine Kessel musste. Etwas ratlos schaute ich erst den noch ziemlich vollen Teller an und sah dann meine Planungen in Sachen Verwöhnen Richtung Brauerei davon eilen. Wegen des ekeligen Sklavenbreis, von dem ich immer nur das Nötigste herunter bekomme, um meinen knurrenden Magen zum Schweigen zu bringen, wären die Leckereien für mich natürlich kein Problem gewesen. Doch als hätten die Gerüche der gebratenen Köstlichkeiten seine Heimkehr beschleunigt, tauchte nun der Sattler von einer Reise mit entsprechendem Hunger auf.

Tja, das hatte ich nun von meiner Großzügigkeit… ich hatte mich selbst reingelegt. Sechs bediente meinen Herrn, Laya ihren und ich durfte zuschauen, wie beide Kajirae mit Häppchen verwöhnt wurden. OK, auf den Rülpser ins Gesicht meiner Vertretung konnte ich verzichten, aber ansonsten blieb mir nur, mich in stummer Geduld zu üben, wie es sich für eine wohlerzogene Kajira gehört.

Hach, die Priesterkönige müssen plötzlich ein Einsehen mit mir gehabt haben! Die Augen von Sechs wurden nämlich auf einmal schwer, sodass mein Herr sie nach Hause schickte und ich mich endlich an ihn anschmiegen durfte.

Da es auch den Sattler beizeiten nachhause zog und keine weiteren Gäste mehr auftauchten, war ich nach der Ausleihe als Feld- und Schiffskajira nun endlich mit meinen Herrn alleine, was ich natürlich total genoss. Aber auch ihm schien unsere Zweisamkeit zu gefallen, die er nun allerdings in sein Haus verlagerte, um einige sehr erregende Untersuchungen an mir vorzunehmen, weil ich doch so lange weg gewesen war, die hier aber bestimmt niemanden genauer interessieren.

Nur eines noch… die sehr gründliche Suche meines Herrn nach Sandablagerungen und Co. an besonders empfindsamen Stellen seines Eigentums fiel äußerst tiefenentspannend aus und endete mit seinem zufriedenen Brummen: „Soso Dita… du hast also nichts verlernt“. ;-)

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