Montag, 10. Oktober 2016

Hoffnung?

Eigentlich glaubte ich, mein Herr sei eilig zu einem Kontrollgang aufgebrochen, nachdem von der Stadtmauer hinterm Haus ungewöhnliche Geräusche zu hören gewesen waren, die sogar mich stutzen ließen, ihn aber natürlich noch viel mehr, denn ein Krieger ist nun mal immer im Dienst. Diese Aussage meines Herrn habe ich übrigens auch von meinen früheren Eigentümern des Öfteren gehört.

Für den Nachtdienst war es allerdings noch zu früh, trotzdem war ich erstaunt, meinen Herrn vor der Haustür stehen zu sehen, als ich nach Beendigung einiger Reinigungsarbeiten draußen schnell noch irgendein Tuch ausschüttelte, bevor ich ihm dann hinterher laufen wollte. Merkwürdigerweise hatten wir uns beide jedoch getäuscht und nichts war anders als sonst, es gab also keinen Grund für Besorgnis.

Beim Erwähnen meiner früheren Herren erkundigte mein Herr sich übrigens, wie viele Mitglieder der roten Kaste darunter gewesen sind und war ziemlich erstaunt, dass ich bereits vier Kriegern gedient hatte und er nun der fünfte ist. „Einmal Kriegersklavin immer Kriegersklavin… oder was soll das bedeuten?“ erkundigte er sich schmunzelnd, doch ich gab zu Bedenken, dass dies sicherlich alles Zufälle gewesen waren.

Wir unterhielten uns noch eine ganze Weile über Vorbestimmung und rechthaberische Wissende, bis mein Herr sich plötzlich erkundigte, welchen Tag der Hand wir hatten. Ups, siedend heiß fiel mir sofort ein, ich hatte die Haustür sperrangelweit offen stehen lassen oder hatte ich außerdem womöglich etwas vergessen, an das ich ihn an diesem Tag erinnern sollte?

Selbstverständlich gestand ich sofort, dass meines Wissens kein Tag der offenen Tür war, sondern ein Tag guter Lüftung und mein Herr sich um das Gianni der Gnädigsten auch keine Gedanken machen musste, weil das wie immer total faul in seinem Körbchen herum lag und tief schlief. Vorsichtig fragte ich jedoch lieber nach, ob an diesem Tag nach dem Waffentraining vielleicht etwas Besonderes anstand, an das ich mich nur leider nicht erinnern konnte.

Puhh, ich hatte Glück… es ging ihm nur um die offene Haustür. Gründliches Lüften fand er außerdem wichtig und nahm zur Kenntnis, dass das faule Viech seiner Gefährtin dabei nicht weggelaufen war. Allerdings vergewisserte er sich noch, dass zu seinen 4 Haustieren kein weiteres Gianni dazu gekommen war, denn die Blumenfrau hatte mir doch eines andrehen wollen.

Wohlerzogen wie ich bin, befolge ich selbstverständlich die Befehle meines Herrn immer, was sich erneut als vorbildlich herausstellte. Er wollte nämlich sichergehen, ob das fiese Sklavenloch in seinem Garten womöglich frei geräumt werden muss… das „Warum“ mochte ich mir gar nicht vorstellen. Nachdem das Blumenweib mir nach der Gianni-Attacke noch „wer auf Wache ist, bekommt zuhause nichts mit…“ oder zumindest Ähnliches noch zugeraunt hatte, befürchtete mein Herr anscheinend, ich könnte eines der kleinen Viecher behalten haben.

Doch seine Entscheidungen nicht zu respektieren käme mir selbstverständlich nie in den Kopf! Außerdem mag ich diese neue Mode bei einigen Freien sowieso nicht, Tiere zu verhätscheln und als Schoßtiere abzurichten oder dass sie ständig um ihre und leider auch andere Füße herumwuseln.

Ich erinnere nicht mehr, wieso mein Herr plötzlich leise grummelnd erwähnte, dass ich immer noch ab und an „Dina“ genannt werde, obwohl inzwischen fast 4 Märkte vergangen sind, seitdem er das „n“ durch dieses harte „t“ in meinem Namen ersetzt hat. Auch das ist übrigens eine Entscheidung, die ich respektiere, obwohl ich sie oberschrecklich finde und ich mich sicherlich nie wirklich an den Namen „Dita“ gewöhnen werde.

Doch egal wie warm mir um mein Kajiraherz immer vor Freude wird, wenn jemand mich wie die Sklavenblume nennt, das interessiert meinen Herrn nicht und nach mir geht es nun mal nicht… ich bin nur seine Kajira. Er hat die Macht mit mir zu tun, was ihm beliebt. Wenn er mich allerdings fragt, werde ich immer wieder sagen, dass „Dina“ einfach ein schöner Namen für eine Sklavin ist.

Die nächsten Tage waren davon geprägt, dass die Gnädigste wieder zuhause war, einigen Nachholbedarf an Informationen hatte und mein Herr leider immer noch zum Nachtdienst eingeteilt war. Er verspürte jedenfalls keinerlei Lust auf Spaziergänge, zumal er zwischendurch bei einem Besuch des Gasthauses zusammen mit Sechs, nur knapp einer 99er entgangen war.

Sehr irritierend war für mich allerdings, dass die Gnädigste mich zum Arbeitsdienst in der Krankenstation eingeteilt hatte, ohne mit meinem Herrn darüber zu sprechen und noch irritierender, dass ihr das neu war, da ihre Wahl auf Sechs gefallen war.

Uff… nicht zum ersten Mal verwechselte mein Herr die Namen seiner Kajirae, weil sie sich ja nur durch den Anfangsbuchstaben unterscheiden, auch wenn er seine Verwechslung auf die angeblich „heilertypische Schönschrift“ seiner Gefährtin schob.

„Vielleicht sollte ich den Namen von Dita ändern, damit ich sie besser von Rita unterscheiden kann… welchen könnte man denn für sie nehmen?“ fragte mein Herr die Gnädigste plötzlich. Puhhh, ich traute meinen Ohren echt nicht und bekam heftiges Herzklopfen… über sowas hatte er doch noch nie nachgedacht, zumindest nicht laut! Leider folgte die Bestätigung umgehend.

Mit unbeschreiblicher Enttäuschung, die ich mir natürlich versuchte nicht anmerken zu lassen, hörte ich nämlich, dass seine Gefährtin lediglich über einen anderen Anfangsbuchstaben grübelte. Nachdem einige wirklich nicht gut klingende Namen durchprobiert worden waren, informierte mein Herr seine Gefährtin: „Ich glaube, sie hätte ihr „n“ in der fast Mitte ihres Namens gerne wieder.“

Tja, nicht nur ich, sondern auch die Gnädigste bekam große Augen vor Erstaunen, denn sie weiß genau, dass ich diesen Wunsch nie aufgegeben hatte und das auch niemals tun werde, während ich einfach nicht anders konnte, als mich stumm ganz eng an das Bein meines Herrn anzuschmiegen. Leider, nämlich wie zu erwarten, ergänzte er dann jedoch noch: „Aber ich habe heute Morgen nachgeschaut, die kleinen „n“ sind aus. Vielleicht hat sie Glück und irgendwann finden wir eins für sie… aber im Moment lassen wir es wie es ist. Sie hat sich denke ich auch inzwischen daran gewöhnt.“

Wie gut, dass ich mich seit fast vier Märkten inzwischen darin übe, mich der Hoffnung auf diesen kleinen Buchstaben nicht hinzugeben, auch wenn sie tagein tagaus jeden Tag 20 Ahn in mir schwelt und dies immer tun wird… die Hoffnung stirbt zuletzt. ;-)

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