Montag, 17. Oktober 2016

Keine Gerechtigkeit für eine Sklavin

Mein Herr war bereits zu einem Rundgang Richtung Unterstadt aufgebrochen. Ich sollte später nachkommen, sobald ich meine häuslichen Arbeiten erledigt hatte, die sich an diesem Tag um die Zubereitung des sehr gründlich abgehangenen und danach lange eingelegten Taskbratens drehten. Davon wusste mein Herr allerdings nichts. Ihm irgendetwas verschweigen zu wollen, lag mir zwar gänzlich fern, doch kann eine unerwartete Überraschung nie verkehrt sein, wenn man nicht weiß, was noch alles passiert und außerdem isst mein Herr nun mal sehr gerne Fleisch. Während ich in der Küche herumwerkelte, den Braten im Ofen ab und an begoss, Suls und Gemüse schälte, eine leckere Soße mit Bosksahne und einem Schuss Paga kreierte, ahnte ich allerdings nicht, als welch geniale Idee sich meine Bratenüberraschung an diesem Tag noch herausstellen würde.


Mein Herr war nämlich schon wieder am Zocken mit dem schönen Brauereibesitzer. Diesmal hatte er jedoch einen ähnlich weichen Sitzplatz wie sein Spielgegner gewählt und Laya als Glücksbringer dabei. Er spielte auch nicht um Geld, sondern sollte er erneut verlieren, ob Laya eine Nacht im Pagafass verbringen muss und zusätzlich darum, ob Sechs oder ich einen Abend dem Brauereikrieger dienen. Ok, im Vergleich mit Laya hatte ich eindeutig das gute Los gezogen und natürlich begann es auch sofort in mir zu arbeiten, wie ich diesen Abend mit dem Krieger gestalten könnte… selbstverständlich so angenehm für den schönen rothaarigen Herrn wie möglich. Mehr als angenehm fiel mir übrigens erneut auf, wie bereitwillig Laya meinen Platz an der Seite meines Herrn räumte. Daran könnte sich Sechs wirklich mal ein Beispiel nehmen… aber egal.

Wenigstens die Entscheidung, nicht um Münzen zu spielen, stellte sich für meinen Herrn letztendlich als eine gute Entscheidung heraus, denn er verlor schon wieder haushoch. Wer beim Brauereikrieger dienen soll, Sechs oder ich, möchte sich der Herr allerdings noch überlegen… an diesem Abend passte es ihm jedenfalls nicht. Tja, und Laya kam um die Übernachtung im Pagafass herum, weil keines aufzutreiben war… der Brauer hatte nämlich nur volle Fässer, was auch irgendwie logisch war, denn wer kauft schon halbvolle oder leere? Ein volles Pagafass hätte er meinem Herrn allerdings verkauft, riet ihm jedoch von Layas Unterbringung darin ab, sofern mein Herr wollte, dass das Eigentum des Sattlers gesund und munter blieb.

„Ja, der Paga wäre verdorben, wenn ich sie dort hinein stecke. So ein Mist, da muss ich mir nun etwas Besseres einfallen lassen. Bita, was machen wir jetzt?“ Da ich Laya für ihr Versagen als Glücksbringer die vom Brauer vorgeschlagene fiese Alternative zum Pagafass in Form des Sklavenlochs im Garten meines Herrn nicht zumuten wollte und es ihr vermutlich vor Angst die Sprache verschlagen hatte, versuchte ich mich in kreativer Interpretation der kürzlich erst von meinem Herrn gehörten Worte. Es war nämlich erst wenige Tage her, als er mir erklärt hatte, dass vieles einfach der Wille der Priesterkönige ist. Vielleicht wollten sie ihm jetzt klar machen, wie schnell man beim Spiel verlieren kann? 

Mächtig wie sie sind, war das bestimmt denkbar und genauso, von Laya und mir wünschten sie vielleicht, dass wir uns noch mehr als sonst ins Zeug legten, um meinen Herrn von seinem Spielverlust abzulenken. So ganz überzeugt war er zwar noch nicht, doch als ich dann erwähnte, der Wille der Priesterkönige sei bestimmt auch gewesen, dass ausgerechnet an diesem Tag der Tarskbraten im Ofen garte und Laya selbstverständlich nichts lieber täte, als bei dessen Genuss zur optischen Unterhaltung meines Herrn beizutragen, sozusagen als üppig proportioniertes Tüpfelchen auf dem Braten, um ihn damit zusätzlich von dem verlorenen Kartenspiel abzulenken, hieß es auf einmal „husch, husch, Mädchen… wenn ich vor euch zuhause bin, bekommt ihr je 10 mit der Kurt“. 


Ich sauste also los wie der Blitz und war mit Abstand schneller als Laya und mein Herr. „Laya, Laya… das musst du noch üben! Ich glaube, du solltest zu Trainingszwecken 20 mal um die Stadtmauer laufen.“ Zum Glück schienen die leckeren, durchs Haus wabernden Düfte meinen Herrn milde zu stimmen, denn mit einem Oberangstmachendendurchdringblick, einer fiesen Kopfnuss und drohendem Brummen à la Hauptmann, war das Thema für ihn erledigt und Laya durfte ihm nicht nur den Paga bringen, sondern auch Tisch zum Abstellen des Bechers auf ihrem Rücken sein, als er sich über den von mir servierten hauptmannsmäßig überfüllten Teller mit seinem Essen genüsslich schmatzend hermachte. „Bita, das sieht nicht nur gut aus, das ist auch gut… aber hol mir mal eine Feder. Meinst du Laya ist kitzelig?“ Mir war sofort oberklar, was mein Herr vorhatte. Ok, nicht ganz, denn ich lag etwas daneben mit meiner Vermutung.

„Bita, du nimmst die Feder und streichst Laya über die Flanke, über ihre Beine und die Brüste… und streng dich an“, war von meinem kauenden Herrn zu hören, kaum dass ich ihm meine Hände mit dem gewünschten Teil entgegen streckte. Nicht er, sondern ich legte mich also ins Zeug, doch von Laya war lediglich ab und an leises, unterdrücktes Kichern zu hören, während sie ihre Finger in den Teppich krallte. Der Becher wackelte dabei kaum, geschweige denn, dass etwas überschwappte, weil doch schon einige Schlucke Paga daraus fehlten. Mein Herr beschloss daher, den Becher nachfüllen zu lassen, trank den Inhalt auf ex, rülpste leise und befahl: „Gut, nun mach den Becher händlermäßig wieder ordentlich voll und dann auf den alten Platz mit ihm, Bita… ich bin gespannt“

Wie erwartet, bröckelte Layas Beherrschung bei den kitzelnden Wegen, die ich mit der Feder auf ihren nackten Körper zeichnete irgendwann tatsächlich und aus gefährlichem hin und her Schwappen, kommentiert von meinem breit grinsenden Herrn mit „Laya hab ich was von Verschütten gesagt?“ wurde Überschwappen, sodass schließlich erbostes „Laya, ich wollte meinen Paga aus dem Becher trinken und nicht von deinem Rücken lecken!“ zu hören war. Laya liefen in ihren Bemühungen, ihr Lachen irgendwie in den Griff zu bekommen, zuletzt echt die Tränen über die Wangen, bis mein Herr sie endlich erlöste. „Bita, es reicht. Ich will noch etwas von meinem Paga haben. Gib ihn mir und Laya, trockne dir den Rücken!“ Mein Herr überlegte noch kurz, sie für die Pagaverschwendung eine Nacht ins Sklavenloch zu stecken, überließ die Entscheidung dann aber mir.

Laya kam um das fiese Loch herum. Es heißt zwar „für eine Sklavin gibt es keine Gerechtigkeit“, doch bezieht sich diese Aussage auch auf die Willkür von Freien und ich bin ehrlich gesagt nicht sonderlich erpicht darauf zu erleben, was der Sattler mit mir veranstaltet, wenn seine Kajira wegen meiner Entscheidung nachts nicht nach Hause kommt. Nachdem sie sich für ihre Fehler entschuldigt hatte, entließ mein Herr sie: „Laya, du wirst deinem Herrn erzählen, dass du ein schlechter Tischersatz, eine Pagaverschütterin, eine schlechte Glücksbringerin bist und zu langsam läufst… er soll dich zur Strafe ordentlich ran nehmen deshalb.“ 


Mit meiner Großzügigkeit hatte ich mir das schöne weiche Fell meines Herrn jedoch leider verscherzt und musste die Nacht wieder in Käfighaltung verbringen. Tja, für eine Sklavin gibt es eben keine Gerechtigkeit.

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