Montag, 31. Oktober 2016

Nur ein schlechter Traum

Ich gestehe ich war ziemlich abwesend, denn ein schrecklicher Alptraum wegen der bevorstehenden Strafe, weil Laya und ich die Schuld dafür bekommen hatten, dass die Opfertiere vergammelten, ging mir einfach nicht aus dem Sinn. Ich hatte erst bis zum Hals in einem übel riechenden Misthaufen gesessen und war danach von meinem fies grinsenden Herrn in ein riesiges Fass ohne Boden mit verfaulendem Gammelfleisch gesteckt worden, in dem ich zu versinken drohte, weil niemand mir half. Kurz bevor ich erstickte, wurde ich jedoch panisch nach Luft schnappend zum Glück wach. Ekelige Details spare ich mir hier besser, doch meine geistige Abwesenheit nach solch einem Traum ist wohl nachvollziehbar.

„Bita, was lungerst du da herum?“ holte mein Herr mich in die Gegenwart zurück und ich beeilte mich zu beteuern, dass mir Herumlungern selbstverständlich gänzlich fern lag. Über meinen Alptraum wollte ich jedoch lieber kein Sterbenswörtchen verlieren. Um eine Erklärung für mein Verhalten ringend bemerkte ich nun, dass die Gnädigste am Schreibtisch meines Herrn im Sitzen ein Nickerchen hielt, sodass ich ergänzend schnell noch etwas über „wollte nicht stören“ stammelte. Dabei schreckte sie allerdings von ihrem Buch hoch, sodass ich den wirklich gut gemeinten Rat von mir gab, sie sollte vielleicht früher schlafen gehen oder länger ausschlafen.

Mein Herr wuschelte mir inzwischen herrlich sanft durch die Haare… ein wirklich tolles Gefühl, bei dem es mich ganz warm durchströmte. Bis auf die angekündigte Bestrafung an diesem Tag war also alles gut… dachte ich jedenfalls… doch mein freundlich gemeinter Rat war leider Anlass für meinen Herrn, mich nun anzubrummen, ob ich etwa seine Gefährtin belehren will. Args, ich war doch wirklich nur besorgt gewesen! Ich glaube übrigens, ist es zuvor noch nie vorgekommen, dass die Gnädigste meinem Herrn widersprochen hat, doch in diesem Fall nun ergriff sie Partei für mich!! „Es war keine Belehrung, mein Gefährte, denn sie hat ja Recht und ich werde ihrem Rat heute folgen und mich früher zurückziehen.“

Total erleichtert bedankte ich mich, gab allerdings zu bedenken, dass mit zu frühem Schlafengehen möglicherweise das Verpassen der Ekelaktion mit verwesendem Gammelfleisch im Fass einhergehen könnte. Die Gnädigste war sichtlich irritiert und mein Herr stellte fest: „Na Bita, du hörst wohl nicht zu, wenn ich rede… ich hab doch gesagt, dass der Sleenkäfig sauber gemacht wird!“ Oje, das hatte ich tatsächlich nicht mitbekommen, war nun aber unvorstellbar erleichtert, da dies ja eh zu meinen Aufgaben gehört, falls die Zweitkajira meines Herrn anderweitig beschäftigt ist. „Bita, so eine harte Strafe wie das Ekelfass hast du nicht verdient“.

Da ich annahm, irgendein besonders gemeiner Teil meiner Strafaufgabe käme vielleicht noch oder mindestens ein unangenehmer Kopfpatscher der Sorte fies, war ich natürlich auf der Hut. Doch erneut spürte ich die Hand meines Herrn sehr sanft durch meine Haare streichen, während er die Gnädigste darüber informierte, dass er mich nicht beschädigen möchte, weil er mich so mag wie ich bin… ohne Bissspuren seines Sleens oder Ähnlichem und ich ihm für irgendwelche Experimente dieser Art auch zu wertvoll bin. Hach… so gemocht zu werden, war wirklich ein unbeschreibliches Gefühl, das mich förmlich dahin schmelzen ließ.

Wie gut, dass Laya keine Drückebergerin ist und die Reinigungsaktion gemeinsam mit mir in Angriff nahm, während ihr Herr mit anderen wichtigen Dingen beschäftigt war. Sie glaubte allerdings, wir sollten nicht nur den Käfig, sondern auch Fenris waschen. Doch davon hatte mein Herr nicht mehr gesprochen und es war in meinen Augen auch überflüssig, denn ein wild lebender Sleen wird auch nicht gewaschen, sondern kümmert sich um seine Körperpflege selbst. So wie Fenris mich anfauchte, war er sowieso nicht allzu gut gelaunt. Es war also äußerste Vorsicht angesagt und Laya musste sogar die Distanz zu ihm erhöhen, weil er sie noch viel ungehaltener anfauchte als mich.

Zum Glück befahl mein Herr seinen ungeduldig mit den Tatzen scharrenden Sleen dann zu sich, sodass Laya und ich freie Bahn für die gründliche Käfigreinigung hatten. Es lohnte sich an diesem Tag ganz besonders, denn Fenris hatte vor lauter Freude über unseren Anblick noch einen besonders stinkenden Extrahaufen hinterlassen. Übrigens erst die Entscheidung, dass ich ihm noch einen Extrahappen aus dem Fass zuwarf, mit dem er eine Weile schmatzend und Knochen knackend beschäftigt war, ermöglichte es Laya, sich auf dem Weg zum Brunnen an ihm vorbei zu quetschen, nachdem er mit seinem langen Schwanz versucht hatte, nach ihr zu schlagen.


Mein Herr war natürlich nicht begeistert darüber, dass sein Sleen zuletzt noch den Larmabaum bewässerte, denn es war zu befürchten, die daneben stehende Sitzbank könnte besprenkelt worden sein. Allerdings blieb das frische Stroh dadurch vorerst trocken, nachdem ich Fenris mit einem weiteren Gammelfleischhappen zurück in den Käfig gelockt hatte, wo er wie immer die frische Sauberkeit erst einmal ausgiebig beschnupperte. Anscheinend befand er alles für gut, denn es dauerte nur wenige Ehn bis er sich hinlegte und einschlief. Danach stand nur noch an, die mit dem ausgemisteten Stroh gefüllten Eimer auf die Stadtmauer zu schleppen.


Der Dreck war im hohen Bogen schnell die Klippen herunter gekippt, sodass ich genau wie Laya nun meine Eigenreinigung in Angriff nehmen durfte. Mein Herr war wohl ganz zufrieden damit, wie schnell wir unsere Strafarbeit erledigt hatten und um ihn besonders zu erfreuen, zumal er ja auch von sämtlichen fiesen Ideen Abstand genommen hatte, betupfte ich mich zuletzt noch mit einem Hauch Sklavenparfüm aus der kleinen Flasche, die ich zusammen mit einigen anderen mir sehr wichtigen Schätzen aus dem Haus meines verschollenen Herrn gerettet hatte. 

Hach, es wurde ein toller Abend, den mein Herr sichtlich genoss… zwei nackte anschmiegsame Kajirae neben sich, ihren betörendem Duft in der Nase und einen von seinem Eigentum mit Hingabe servierten Paga im Becher… na, wenn das kein Höchstgenuss war! ;-))

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