Dienstag, 25. Oktober 2016

Opferräumkommando

Inzwischen kam es mir wie eine Ewigkeit vor, dass mein Herr diesen schrecklichen Wachdienst hatte, bei dem einfach keine Zeit mehr für den einen oder anderen Paga am Hafen und ein paar Neuigkeiten aus der Stadt blieb. Wobei es sowieso sehr ruhig war, weil viele Bewohner in ihren Häusern blieben, einige immer noch auf Reisen waren oder andere die Luft auf ihren Landsitzen genossen. Das hielt mich jedoch nicht davon ab, auch an diesem Tag zu einem kurzen Spaziergang Richtung Hafen und Unterstadt aufzubrechen. Außerdem war es auch an der Zeit, mir wegen der Opfertiere etwas zu überlegen, die immer noch auf dem Marktplatz lagen und bedauerlicherweise nicht frischer wurden.

Wie fast immer nahm ich den Weg durchs kleine Nebentor der Stadtmauer, der mich an der Arena vorbei zur Hafentaverne führte, wo mal wieder die Tür sperrangelweit offen stand, sodass ich sie mit dem Fuß schwungvoll zu kickte. Oha, mit meiner Vermutung, die Taverne sei ausgestorben, lag ich diesmal daneben. Zu spät bemerkte ich den Sattler, den Kapitän aus Belnend und ihre Kajirae, die nach dem deutlich zu hörenden Rums der zuklappenden Tür jetzt neugierig in meine Richtung schauten, als ich die Stufen zum Kai erreichte.

Anscheinend hatten sich die beiden Männer gerade den nackten Vorzügen der Kapitänskajira widmen wollen, die ihren Herrn allerdings fragte, wo sie stehen soll, damit ihr nackter Oberkörper besser zur Geltung kommt… was für eine merkwürdige und überflüssige Frage von einer Sklavin! Noch mehr irritierten mich jedoch die an den Sattler gewandten Worte des leicht grinsenden Besuchers aus Belnend über seine Erziehungsmaßnahme: „Ich versuche, meine Kajira mal wieder an Nacktheit unter Leuten zu gewöhnen… meine Gefährtin hat da so komische Vorstellungen.“

Zeit, über diese mit freien Frauen leider so typischen Probleme mitfühlend nachzudenken, hatte ich jedoch nicht, da sich der Sattler jetzt wegen der Viecher auf dem Marktplatz empört an mich wandte: „Dina... die Opfertiere liegen immer noch auf dem Marktplatz! Meinst du, die Priesterkönige wollen Gammelfleisch? Bringt sie weg, was macht das für einen Eindruck! Laya, du hilfst ihr und sau deine Kleidung nicht ein!“ Na toll, Opferräumkommando… ich war nicht wirklich begeistert, zumal mein Herr doch befohlen hatte, sie dort abzulegen… allerdings zu einem Zeitpunkt, an dem unklar gewesen war, dass so viele ungünstige Wachdienste kommen würden.


Nach einem Tipp des Kapitäns, den ich lieber nicht genauer hinterfragte, befahl er seinem Mädchen zu helfen, sodass wir uns schließlich zu dritt ans Werk machten. Die Kapitänskajira war ja eh halb nackt, aber Laya zog sich vorsichtshalber aus… eine Sorge, die ich nicht wirklich teilte, nachdem ich die beiden darüber informiert hatte, dass ich das große Tier an den Hörnern packen wollte und ihnen die Beine überließ. Warum ich mich so entschieden hatte, verschwieg ich lieber, denn warum sollte ich ein Scenario mit abgerissenen Gliedern aufgrund fehlenden Halts durch fortgeschrittene Verwesung heraufbeschwören? 

Am Kopf war die Gefahr, ekelige Innereien abzubekommen, sicherlich nicht allzu groß und da Laya anscheinend keinen Plan hatte, wohin mit den Viechern… die Kajira des Besuchers war natürlich entschuldigt… hatte ich mich wohl als fachkundige Anführerin qualifiziert. Ich beschloss, die beiden Tiere vorerst nur den Hang hinauf zu schleppen und sie im Schatten vor der Stadtmauer ins Gras zu legen. Ob sie überhaupt noch als Opfer geeignet waren und somit die Schlepperei in die Oberstadt überflüssig, fand ich bei dem eher strengen Geruch, der beim Packen der Hörner in meine Nase stieg, äußerst zweifelhaft.

Ich muss gestehen, die beiden Mädchen waren wirklich sehr bemüht und schleppten das kleinere Tier sogar nur zu zweit den Hang hinauf. Naja, es hatte auch keine Hörner, an denen ich anfassen und beim Tragen helfen konnte. Trotzdem habe ich selbstverständlich nicht mit Lob gespart und da wir so schnell fertig geworden waren und die Trinkbecher der beiden Herren bestimmt noch gefüllt, nutzte ich die Gelegenheit, um die Kapitänskajira ein wenig auszuhorchen… Kajiratratsch ist manchmal wirklich nicht verkehrt und außerdem war mir so, als ob ihr Herr schon einmal eine Sklavin mit demselben Namen gehabt hatte, allerdings eine blonde. 



Doch ich muss ihn offensichtlich mit jemand anderem verwechselt haben, denn der Herr mag anscheinend gar keine blonden Sklavinnen. Zumindest ist mir nicht wieder so eine peinliche Verwechslung wie damals auf Samanu passiert… aber das ist dem Kapitän hoffentlich schon längst aus dem Gedächtnis, obwohl seine Strafe… egal und wirklich ewig lange her. 

Mir war zwar nicht bewusst, lange geschnattert zu haben, am Hafen herrschte bei unserer Rückkehr jedoch bereits Aufbruchsstimmung, weil der Kapitän weiter wollte, sodass ich dem Sattler nur kurz das erfolgreiche Umlagern der Tiere in den Schattenbereich meldete und dann ebenfalls nach Hause lief, um auf meinen bald von der Wache heimkehrenden Herrn zu warten.;-)

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