Dienstag, 18. Oktober 2016

Prüfungen

Nachdem im Haus meines Herrn endlich eine Badewanne einen Platz gefunden hatte… er hatte mir vor dem Möbelrücken wohl echt nicht geglaubt, dass sich für solch eine Einrichtung immer eine Ecke finden lässt… war es natürlich wichtig, sie erst einmal gründlich sauber zu machen, ihre Dichtigkeit zu prüfen und die Pumpe. Entsprechend zufrieden sah mein Herr aus, als ich ihm freudestrahlend eröffnete, einer Benutzung seiner Wanne in wohltemperiertem Badewasser steht nach erfolgreicher Prüfung nichts mehr im Wege, sollte ihm mal danach sein.

Besonders wichtig schien ihm meine Bestätigung zu sein, dass sich keine Giannihaare in der Wanne befinden… anscheinend hatte er Angst, dass Lilly es sich dort bequem machen könnte. Breit grinsend konnte ich ihn jedoch überzeugen, dass diese Gefahr spätestens nach ihrer allerersten Erkundung der Badewanne nicht mehr bestehen wird. „Mein Herr, ich werde dem Gianni eindrucksvoll klar machen, dass sie da drin nichts zu suchen hat und weiß auch schon wie. Danach wird sie sich fürs Baden bestimmt nicht mehr interessieren!“ Erheitert schmunzelnd war das Thema für meinen Herrn dann ohne weitere Details erledigt. 

„So, so… aber ich interessiere mich nun für etwas anderes, nämlich für einen Paga am Hafen, Dita.“ Nein, kein Schreibfehler… mein Herr gesteht mir ab und an wenigstens noch das „D“ zu und sagte tatsächlich „Dita“. Aber keine Sorge, ich habe das Thema inzwischen resigniert beerdigt und werde mich hüten, die unkreative Namensgebung meines Herrn erneut aufzuwärmen, obwohl sie nicht nur bei mir, sondern generell auf so viel Unverständnis gestoßen ist. Mir zwar kein bisschen egal, leider jedoch nicht zu ändern ist, dass ich zur Kajira mit einem der hässlichsten Namen auf Gor geworden bin, obwohl mein Herr doch eigentlich mit dem „B“ zeigen will, dass ich seine Erste bin.

Am Hafen angekommen, setzte er sich übrigens nicht gleich, sondern blieb stehen, während seine blauen Augen mich prüfend musterten. Nachdenklich dabei mehrfach meinen Namen murmelnd und sich am Kinn kratzend, erkundigte er sich schließlich: „Bita, hast du eine neue Tunika?“ Oh Mist, Männer und Kleidung und ganz besonders mein Herr. Erschrocken gestand ich, dass es eine von den ganz alten war, die ich kaum getragen hatte, seitdem ich ihm gehöre. Sie hatte nämlich ganz zuunterst in der Truhe gelegen und war mir deswegen irgendwie aus den Augen gekommen. Gefiel sie meinem Herrn nicht?

Eigentlich mag ich sie sehr gerne. Der dünne rote Stoff war nämlich schön knapp geschnitten, fiel vorne leicht auseinander, wenn ich nicht aufpasste und entblößte dabei meine nackte Vorderseite. Jedenfalls war es eines der wenigen, von meinem Herrn genehmigten Kleidungsstücke, denn woher sollte ich eine neue haben… seine Gefährtin hatte keinen roten Unterrock ausgemustert und ans Voskufer durfte ich ja nicht mehr, was wirklich bedauernswert ist, weil ich in der Vergangenheit dort wirklich die tollsten Dinge an Land gezogen hatte.

Wegen der ständigen Gespräche über Schnee und den damit verbundenen Vorschriften meines Herrn dicke Kleidung betreffend, hatte ich an diesem Tag das dünne Etwas aus fast durchsichtigem Stoff gewählt. Es herrschten nämlich herrlich milde Temperaturen. Den gebotenen Anstand gegenüber freien Frauen fand ich trotzdem perfekt gewahrt, denn erst bei sehr gründlicher Musterung war mein nackter Körper zu sehen und welche Freie von untadeligen Ruf würde schon eine Kajira so genau und eingehend betrachten, dass mit ihrem Gekreische, gepaart mit Schnappatmung zu rechnen war?

Etliche „Hmm, Hmmmm, Hmmmmmm“ und noch mehr Kinnkratzen später befahl mein Herr mir aufzustehen, damit er sich sein Eigentum genauer ansehen konnte… also das Drüber und auch das Drunter… um dann zu entscheiden, ob ich mich umziehen muss, die Tunika im Ofen aussortiert wird oder ihm gefällt. Selbstverständlich legte ich mich nun ins Zeug, um mich möglichst vorteilhaft zu präsentieren… drehte mich mit sanft wiegenden Hüften langsam im Kreis und hob zuletzt meine Arme hinter den Kopf, damit die Vorderseite etwas aufklaffte und mein nackter Bauch zum Vorschein kam.

„Ist ja fast so, als ob du nackt bist, Bita“ grinste mein Herr schließlich, während ich bezirzend lächelnd betonte, dass sich noch ganz viel Stoff auf meiner Haut befand und dann meine Lippen lasziv mit der Zungenspitze benetzte. Trotz des dünnen Fummels wurde mir dabei ganz heiß, denn der Finger meines Herrn wanderte inzwischen langsam die Innenseite meines Schenkels entlang. „Ja, die Form ist damit gewahrt… aber wenn ich sage, du bist nackt, dann bist du es und wenn ich sage, du ziehst dich an, dann tust du das. Ich entscheide und du gehorchst, Bita“. Hach… zumindest an diesem Tag gefiel ihm durchsichtig und ich musste mich nicht umziehen.


Sein Pagadurst war übrigens nicht besonders groß oder vielleicht war es ihm auch wichtiger, mir seine Abneigung gegen tollpatschige Kajirae und überschwappenden Paga in einer sehr erregenden und gleichzeitig schmerzhaften Art und Weise zu verdeutlichen? Der Gefahr zu zerfließen, bin ich nur ganz knapp durch die sich dazu gesellende Schreiberin entronnen, nach deren Eintreffen mein Herr mich von dem Pagabecher in meinen Händen erlöste und seinen Inhalt davor bewahrte, unter den Berührungen meines Herrn aus Versehen womöglich doch noch überzuschwappen. 


Genau wie bislang alle Einwohner von Jorts, nahm auch das Weib meine Namensänderung mit einigem Erstaunen zur Kenntnis und erkundigte sich neugierig, ob sein Grund dafür nicht war, alle Menschen in seiner Umgebung zu verwirren. Ich war nicht traurig, das nun Folgende über die „itas“ meines Herrn nur halb mitzubekommen, weil ich mich in der Taverne um Paganachschub und den Kalana-Mix für die Freie kümmerte. Bei meiner Rückkehr ging es inzwischen nämlich um den Preis für ein Kalana-Fass aus den Vorräten der roten Kaste, den die Schreiberin herunter handeln wollte. 

Anscheinend hatte sie einem Käufer bereits eine Zusage gemacht und bekam nun einen Satz heiße Ohren, weil sie sich nicht vorher um den Einkaufspreis gekümmert hatte. Es sah nämlich danach aus, als wären nicht mal ihre Reisekosten gedeckt, vom Gewinn ganz zu schweigen. Tja, warum will eine Schreiberin auch mit Kalana handeln? Selbst Schuld, das Weib konnte sich wirklich glücklich schätzen, dass mein Herr ihr letztendlich einen Nachlass von 5 % zugestand und außerdem sein Eigentum kostenlos zur Verfügung stellte, um das Fass vom Kriegerhaus zum Hafen zu kullern. 

Glück hatte sie auch mit ihrem Antrag, auf den Heimstein von Jorts Fähre schwören zu dürfen, es gab bislang nämlich noch keinen Einspruch. Wobei der Knackpunkt sowieso die Einspruchsfrist von zwei Hand ist… die Frau hatte nämlich versäumt im Aushang zu erwähnen, wann die endet. Insofern kann noch viel kommen. Wer nun allerdings glaubt, dieser Fehler war der Frau peinlich, der irrt ganz gewaltig. Im Gegenteil, die Freie betonte erneut, dass sie inzwischen geprüfte Schriftgelehrte ist und keine Schreiberin, und kam auf ihre künftige Entlohnung zu sprechen. 

Einen schriftlichen Antrag an den Stadtrat hatte sie allerdings nicht aufgesetzt… naja, war bei ihren Versuchen im Kalana-Handel Fuß zu fassen vielleicht zeitlich nicht zu schaffen gewesen? Egal, mein Herr einigte sich mit ihr schließlich auf eine Forderung für die nächsten vier Hand, die er dem Rat unterbreiten will, nannte sie aber weiter konsequent Schreiberin. Seinen Befehl an mich, ihn an diese Absprache zu erinnern, nahm die schreibkundige Wichtigtuerin übrigens zum Anlass, mir schnippisch zu befehlen: „Schriftgelehrte! Notier das bloß richtig!“ Oh, oh und das im Beisein meines Herrn… wirklich schade, aber ich notiere gar nichts!! ;-)

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