Donnerstag, 6. Oktober 2016

Schutz aktiviert

Da es bis zum Waffentraining noch etwas hin war, sah mein Herr vorübergehend das Anhimmeln seines Eigentums als verzichtbar an. Er meinte allerdings, es ginge nur so gerade eben, weil ich bis zum Beginn des Schwertfuchtelns oder spätestens zum Nachtrainingspaga wieder bei ihm bin. Der Blumenfrau passte es jetzt nämlich von der Zeit her sehr gut, dass ich ihr einige leer stehende, unter Gesichtspunkten von Schutz, Blumenanbau und -verkauf in Frage kommende Häuser zeigte, über die ich bereits mit meinem Herrn gesprochen hatte und die er genau wie ich, als für die Herrin geeignet ansah. Sie lagen zwar außerhalb der gut geschützten Oberstadt, allerdings um einiges zentraler als die Mühle am Waldrand, in der die Frau jetzt wohnte, aber zwei direkt vor der Stadtmauer.

Die Verweildauer der mein Hinterteil tätschelnden Hand meines Herrn gelangte mit meinem Auftrag bedauerlicherweise arg ins Hintertreffen, da die Freie in Sachen Umzug anscheinend bereits wild entschlossen war und mich jetzt ziemlich drängelte. Aber ok, je eher heran, umso eher davon. Die Reihenfolge der zu besichtigenden Häuser hatte ich mir schon vor einigen Tagen überlegt und hob mir natürlich das größte, in meinen Augen geeignetste bis zum Schluss auf… das Haus der ehemaligen Bäckerei. Natürlich fand ich es vollkommen unwichtig zu erwähnen, wie viele Vormieterinnen dieser Immobilie in der Vergangenheit bereits auf unerklärliche Weise verschollen waren, denn erstens waren das alles Bäckerinnen ohne grünes Händchen gewesen und seitdem sich ihre Blauäugigkeit gelegt hat, ist die neue Mieterin ein wenig ängstlich geworden, sodass ich sie mit einer solchen Information nicht weiter verunsichern wollte.

Da sich die Blumenfrau in der Oberstadt bereits umgesehen und kein für ihre Bedürfnisse geeignetes Haus gefunden hatte, entschloss sie sich tatsächlich recht schnell zur Anmietung dieses Gebäudes. Es bietet im Erdgeschoss aber auch wirklich eine gute Möglichkeit für einen Blumenladen und hat ein schönes Obergeschoss für den Privatbereich der Herrin, mit Blick auf ihre demnächst wahrscheinlich rechts vom Haus blühenden, bunten Blumenrabatten. Außerdem sind die Instandsetzungsarbeiten des netten Tischlers noch nicht allzu lange her und alles war wirklich sehr gut in Schuss. Mir blieb abschließend daher nur, dem Weib noch zu zeigen, welches Fach im Ratssaal für die Miete ihres neuen Hauses gedacht ist, bevor ich dann zurück zur Wiese sauste.


Bei meinem Eintreffen hatte übrigens das Kriegertraining immer noch nicht begonnen. Allerdings war der Landsitzkrieger inzwischen da und fachsimpelte breit grinsend mit meinem Herrn über irgendwelche mir unerklärlichen Dinge, die anscheinend mit „eine Sklavin mit Paga abfüllen…“, Blähungen und dem Grölen unflätiger Lieder zu tun hatten, meinen Herrn letztendlich aber nicht überzeugten und für mich somit unwichtig waren. Viel wichtiger fand ich, mich ein wenig zu präsentieren, um den beiden Männern einen guten Anblick zu bieten… besonders natürlich auf meine nackte linke Brust. Meine Bemühungen wurden auch umgehend mit einer wundervollen Berührung des Kriegers belohnt, bevor er mir noch Interessantes über meinen Hintern zuraunte, sich dann aber leider kampfbereit machte.

Leider muss ich gestehen, das Anhimmeln meines Herrn zeigte keinerlei Wirkung, sodass wohl eine Art automatische Schutzfunktion in mir aktiv geworden sein muss. Um seine ständigen Stürze und seine sich leider grüner und grüner färbende Kriegertunika etwas auszublenden, ließ ich meine Gedanken einfach abschweifen, muss dabei merkwürdigerweise jedoch eingenickt sein. Plötzlich stand nämlich mein Herr vor mir und wollte wissen: „Dita, träumst du etwa?“ Das Training war inzwischen zu Ende, mein Traum von einem irgendetwas über die Wiese schleppenden Käfer der Sorte fieser Hauptmannzehenbeißer allerdings noch nicht… das Viech war für mich inzwischen Realität. Nicht auszudenken und wirklich fatal, wenn das Biest meinen Herrn beim Schwertfuchteln verletzt hätte!

Ok, ich gebe zu, nach und nach dämmerte mir, ich hatte vom Training tatsächlich nichts mitbekommen und konnte auf die Frage meines Herrn, wie oft er zu Boden gegangen war, nicht wegen meiner Käferstudien nicht antworten, sondern weil ich mit offenen Augen geträumt hatte. Peinlich berührt über mein falsches Benehmen schob ich einfach erst mal Insektenbeobachtungen vor, um mich irgendwie aus der Affäre zu ziehen und druckste schließlich etwas über die Fairness meines Herrn, ständig zu stolpern und dem Landsitzkrieger dadurch in fast jeder Trainingsrunde die Oberhand zu lassen. Mist, Unehrlichkeit ist eigentlich noch nie mein Ding gewesen und ging in diesem Fall natürlich auch ganz gewaltig nach hinten los. 

Mein Herr meinte nach meinem Hinweis auf seine Großzügigkeit zwar grinsend: „Sklavenmund tut Weisheit kund“, doch der Landsitzkrieger bemerkte angesäuert: „Hauptmann, deine Kajira gibt heute nur widersprüchlichen Unsinn von sich.“ Während mein Herr mich nun seinem Trainingsgegner anbot, damit dieser mir auf seinem Landsitz später seinen Standpunkt verdeutlichen konnte, beeilte ich mich einzugestehen, dass es zwischen meinen Käferbeobachtungen vielleicht doch so ausgesehen hatte, als ob der Landsitzkrieger sein Schwert besser geführt hatte, als mein Herr, was den Rarius vielleicht ein wenig beruhigte. 

Jedenfalls schlug er nun schmunzelnd vor, alles weitere bei einem Kalana zu besprechen. Auch für meinen Herrn war das Thema zum Glück beendet: „Dita, du hast tatsächlich geträumt und überhaupt nicht aufgepasst. Harta… ab ins Gasthaus mit dir, ich brauch jetzt einen Paga!“ Inzwischen war ich wirklich froh, dass es nur ein Traum gewesen war und die Zehen meines Herrn nicht von einem Käfermonster mit fiesen Sägezähnen an- oder womöglich sogar abgebissen. Ehrlich wie ich nun mal bin, gestand ich jetzt selbstverständlich ein, tatsächlich geträumt zu haben und beeilte mich dann ganz gewaltig, Richtung Gasthaus davon zu flitzen, da nicht mehr viel Zeit blieb, bis mein Herr zur Nachtwache aufbrechen musste.


Tja, leider wurde es nur ein Stehpaga, da die Blumenfrau plötzlich die ganze Stadt zusammen schrie, weil eine Großfamilie Giannis über sie hergefallen war. Wie gut, dass die Viecher mit vereinten Kräften entsorgt werden konnten und nun im Hafenbecken das Schwimmen lernen oder einen Kopf kürzer sind. Spätestens nach diesem Erlebnis stand für die Frau ihr Umzug wohl endgültig fest.

Bevor mein Herr leider sehr eilig zum Wachdienst aufbrechen musste, bot er dem Weib noch die Hilfe seiner Kajirae an und da wir eh in der Nähe der Mühle standen, zeigte mir die Frau schon mal, was am Ende der nächsten Hand an weiblichem Krimskrams und freie Frauen Zeugs alles einzupacken und zu transportieren ist… doch sowas kenn ich ja bereits von den Umzügen meiner früheren Herrin. ;-)

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