Donnerstag, 13. Oktober 2016

Überraschungen

„Oh du hast umgebaut?“ fragte die Gnädigste meinen Herrn überrascht, als sie nach ihrer Heimkehr die anders stehenden Möbel im Obergeschoss sah. Während mein Herr es offensichtlich angebracht fand, die Anordnung lieber schnell erst einmal als Entwurf zu bezeichnen, war ich ziemlich erstaunt darüber, dass seine Gefährtin nur von den anders gestellten Kisten und dem Sklavenkäfig sprach und nicht mit einem Ton die inzwischen gelieferte Badewanne erwähnte, die ja nun wirklich eine sehr überraschende, oberinteressante Neuerung im Haus meines Herrn war und mich förmlich anzog. Der Entwurf gefiel ihr jedenfalls und sie sah auch keine Notwendigkeit, noch irgendetwas hin oder her zu rücken.


Merkwürdig fand ich übrigens, dass von den beiden niemand Probesitzen wollte… war es nicht wichtig, solch eine Anschaffung vor der richtigen Einweihung erst einmal im Trockenzustand zu überprüfen?! Pahhh, mein Herr verweigerte trotz meines guten Zuredens konsequent und stur das erste Ansitzen in dem neuen Luxus, obwohl das Hineinklettern dank zweier Stufen echt total einfach war: „Nein nicht heute… wenn mal wieder mehr Zeit ist und auch nicht ohne Wasser, Dita… ich füll das übrigens nicht auf!“ Ok, klarer hatte er wirklich nicht zum Ausdruck bringen können, dass er noch nie eine Badewanne besessen hatte und auch die Gnädigste war offensichtlich nicht erfahren mit solch einer Anschaffung.


Wie gut, dass sie mich hatten, die ihnen nun erklärte, dass das Teil mit einer Pumpe ausgestattet ist, mit der man allerdings nur kaltes Wasser in die Wanne hinein pumpen kann. Den leicht pikierten Hinweis der Gefährtin meines Herrn „…in kaltem Wasser bade ich nicht!“ konnte ich jedoch sofort problemlos entkräften. Man muss nämlich nicht kalt baden, wenn sich ein fürsorgliches erstes Mädchen um rechtzeitiges Erwärmen von ausreichend Wasser auf der Küchenfeuerstelle kümmert, um damit das Badewasser auf eine angenehme Temperatur zu bringen. Meine Badewannenkompetenz war damit wohl bewiesen und da sich die beiden weiter zierten, kletterte ich zum ersten Probeansitzen einfach in die Wanne und tat so, als würde ich mich gründlich waschen.

Wow… das Teil war echt super! Und was sogar obersuper war, obwohl sie gar nicht so riesig aussieht, die Badewanne bietet fantastisch viel Platz… also zum Waschen, Räkeln und so, aber vor allem auch für zwei Personen! Meine Begeisterung war nicht mehr zu zügeln, sodass ich mir mit ein paar übermütigen Hüpfern einfach Luft machen musste. 

Dabei war es mir vollkommen egal, dass ich Gefahr lief, mich womöglich einer Untersuchung unterziehen zu müssen, weil mein Herr gegenüber seiner Gefährtin doch tatsächlich behauptete: „Jetzt ist sie verrückt geworden!“ Zum Glück eilte er dann aber aus dem Haus, um rechtzeitig zum Waffentraining zu erscheinen und die Gnädigste ging auf seine Diagnose nicht weiter ein, da ich mein Hüpfen inzwischen eingestellt hatte.

Da sie an der neuen Möbelaufstellung wirklich nichts auszusetzen hatte und es außerdem wegen der arg spartanischen, nur zur Verfügung stehenden Fläche auch keine wirklichen Alternativen gibt, zog es sie in Sachen „…mal grüne Flecken schätzen“ ebenfalls zur Wiese hinter dem Hof. 

Während ich natürlich den direkten Weg dorthin nahm und hinter dem großen Stadttor gleich nach links abbog, lief die Gnädigste merkwürdigerweise jedoch geradeaus Richtung Hafen. So wirklich ungewöhnlich fand ich das allerdings nicht, da sie ab und an auch mal unbegreifliche Umwege nimmt. An der Trainingswiese angekommen, war ich jedoch mittelprächtig überrascht, dort war nämlich niemand… mein Herr nicht, keine anderen Krieger und auch keine freie Frauen. Trotzdem harrte ich selbstverständlich noch ein Weilchen aus, denn Befehl ist Befehl und ich war ja zur Wiese befohlen worden. 


Nach etlichen Ehn tauchte jedoch immer noch kein Krieger auf und auch die Gefährtin meines Herrn blieb verschwunden, sodass ich mich auf die Suche machte… womöglich war etwas passiert? Oh ja, allerdings, ich wurde am Hafen fündig. Dort stand nämlich nicht nur die Gnädigste zusammen mit dem Weib des Landsitzkriegers herum, sondern auch die zugehörigen Gefährten der beiden Frauen, die sich über ein gefesseltes Waldweib berieten. Der Landsitzkrieger muss von dem Ding anscheinend sogar so abgelenkt gewesen sein, dass er mich verwechselte. Er erwiderte meinen Gruß überraschenderweise nämlich mit „grüß dich Wüstenblümchen“… dabei nennt er doch Hadi immer so. 


So wirklich etwas anzufangen mit der Wilden wusste offensichtlich allerdings niemand... mein Herr hatte sich zwar nicht verkneifen können, sie zu überwältigen, bekam nun aber kalte Füße, weil ihm ihr Mundwerk nicht gefiel. Er bot sie der Grünen an, die jedoch kein Versuchsobjekt benötigte und schenkte sie dann dem Landsitzkrieger, der sofort darüber klagte, nicht mal einen Sleen zwecks Entsorgung des Pakets zu besitzen, das Waldweib aber auch nicht einfach dem Vosk überlassen wollte. Da die Gefährtin des Landsitzkriegers schließlich Mitgefühl mit der Gefesselten zeigte, reichte er sie kurzerhand an sein Weib weiter, allerdings mit dem Hinweis: „Ich schenke sie dir… mach mit ihr, was du willst, aber bevor sie nicht gründlich gewaschen ist, kommt sie mir keinesfalls ins Haus!“

Tja, offensichtlich war der Sattler der einzige Freie, der von dieser Waldfrau schlauerweise die Finger gelassen hatte, als sie vor einigen Tagen schon mal in Jorts Fähre aufgetaucht war. 

Die Gefangennahme der Wilden ging für die Landsitzkriegergefährtin letztendlich leider mit einem schmerzhaften Tritt in den Bauch aus, allerdings fand ich die Flucht ihrer neuen Errungenschaft nicht wirklich überraschend. 

Folge der ganzen Aktion war also, die Gefangene war weg und eine Freie verletzt… die Gnädigste musste sie sogar behandeln. Außerdem fiel das übliche Waffentraining aus und der Landsitzkrieger musste wegen Betreuung seines Weibs auch in dieser Hand wieder auf den Genuss weißen Kalanas verzichten.

Später gab es übrigens noch eine weitere Überraschung. Wobei ich mir jetzt nicht mehr wirklich sicher bin, ob das nicht nur ein schlechter Traum war oder ob mein Herr mir tatsächlich auch noch das „D“ genommen und mich umbenannt hat????????

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen