Dienstag, 11. Oktober 2016

Wind der Einsamkeit flaut ab

Total ruhig war es zuhause, denn meinen Herrn und die Gnädigste gelüstete es nach tagelanger Stubenhockerei nach Auslüften und Gasthaus. Da nicht ich sie begleiten durfte, sondern Sechs, für ihre Bedienung aber gesorgt war, sah ich es nicht wirklich als notwendig an, mich bei der Erledigung meiner Aufgaben allzu sehr zu überschlagen. Irgendwie gönnte ich es dieser Kajira, vielleicht mit Servieren ordentlich zu tun zu bekommen. Doch schließlich war zuhause alles fertig, sodass mich nichts mehr zurückhielt, ebenfalls in die Unterstadt zu laufen. Hinter der Terrassenmauer ging ich allerdings kurz noch in Deckung, um mir vorher lieber erst nur von weitem ein Bild über die Gäste und das Geschehen auf der Gasthausterrasse zu machen.

Naja, so wirklich viel Servierarbeit war es für Sechs wohl doch nicht gewesen, die meinem Herrn bei meinem Eintreffen gerade einen Becher Paga servierte. Der Bauer hatte nämlich Hadi dabei und nur der Brauereikrieger war ohne Sklavin. Da alle Freien offensichtlich mit einem Getränk versorgt waren, näherte ich mich grüßend mit freundlicher Miene. Während ich dann mit etwas Abstand zum hinteren Tisch und vor allem viel zu weit weg von meinem Herrn niederkniete, musterte ich seine Neue jedoch mit sehr nachdenklichen Blicken, da sie echt keinerlei Anstalten machte, meinen Platz an seiner Seite zu räumen. Mir blieb nichts anderes übrig, als weiter im Hintergrund zu bleiben.

Ich fand es nämlich unangemessen, dieser Kajira gleich auf der Gasthausterrasse ihre Stellung klar zu machen, doch leider sah auch mein Herr keine Notwendigkeit dazu. Na gut, mir blieb also nur, sie in entweder die Gasthausküche zu beordern oder es hinzunehmen. Ich entschied mich für Letzteres, obwohl mir das Verhalten dieser Sklavin sehr missfiel, die sich inzwischen auch noch gegen den Arm meines Herrn quetschte, obwohl sie offensichtlich in Ungnade gefallen war… in ihrem Mund steckte nämlich ein Knebeltuch. Lautlos flehte ich zu den hohen Herren im Sardar, es möge hoffentlich das besonders ölige Waffenputztuch meines Herrn sein! Natürlich versuchte ich mir meine Gefühle nicht anmerken zu lassen, nahm mir jedoch vor, der Kajira bei nächster Gelegenheit erneut ihre Stellung klar zu machen. 

Das hatte ich vor einiger Zeit zwar bereits getan, sie seitdem aber kaum gesehen und anscheinend ist eine Wiederholung wirklich überfällig, wo sie zu knien hat, sofern ich anwesend bin und mein Herr meine Nähe wünscht. Ob es mir allerdings gelingen wird, wegen ihres äußerst ungewöhnlichen Schlafbedürfnisses diese Sklavin wider Erwarten zuhause mal anzutreffen, bleibt weiterhin abzuwarten, ist mir aber auch egal und genauso, wo und wie sie neben meinem Herrn kniet, wenn ich zu irgendwelchen sonderbaren Zeiten tagsüber nicht dabei bin. Solange mein Herr mich jedoch als seine Erste bestimmt, werde ich zukünftig nicht mehr zulassen, dass dieses Ding mir meinen Rang in der Öffentlichkeit streitig macht.

Mist war, an diesem Tag legte mein Herr leider keinen Wert auf meine Nähe, denn auf meine Frage nach Bedarf an meinen Diensten, befahl er mir sogleich, dem Brauereikrieger noch ein weiteres Ale zu bringen… nichts lieber als das. Beim Weg in die Gasthausküche kamen mir nämlich gleich ein paar interessante Fantasien, wie es mir an diesem Abend vielleicht doch noch gelingen konnte, einen gut aussehenden Mann der roten Kaste mit herrlich roten Haaren zu erfreuen, die ich nach dem Servieren des ich weiß nicht wievielten Ales dann auch gleich in die Tat umsetzen durfte… der nette Krieger erlaubte mir tatsächlich, mich mit meinen sanften Händen seiner verspannten Nacken- und Rückenmuskulatur zu widmen.


Der Hofbesitzer meinte zwar bei meiner diesbezüglichen Frage novh, der Herr sei nach reichlich Ale-Genuss inzwischen bereits glückselig, doch schmolz ich unter den mich dankbar anlächelnden blauen Augen des Brauereikriegers echt dahin und durfte mich umgehend ins Zeug legen. Schade nur, dass der Herr seine Waffen nicht ablegen wollte, weil er als Mitglied der Kriegerkaste in der Öffentlichkeit stets wehrbereit sein muss. Aber egal, ich wusste mir auch so zu helfen und schob meine Hände schließlich einfach unter den linken, kurzen Ärmel seines Oberteils, der dann zwar ganz schön ausleierte, was den Krieger aber, abgelenkt von meinen zarten Fingern wie er war, nicht weiter zu interessieren schien. Außerdem kamen seine wirklich beeindruckenden Oberarmmuskeln jetzt noch viel besser zur Geltung.

Nur logisch also, dass die Gespräche der Freien über bestellte Schneehöhen im Norden, die wegen unbezahlter Rechnungen womöglich ausfallen könnten, dabei weitestgehend an mir vorbei gingen. Ich bekam jedoch mit, dass sich ein weiterer Gast näherte und die Gnädigste nur knapp um seine Behandlung als Patient herum kam. Es war der Sattler mit so kreidebleichem Gesicht, dass der Bauer ihn erschrocken fragte, ob er Geister gesehen hat. Grund für den Leichen-Teint waren jedoch nur die vielen Leute auf der Terrasse, mit denen der Lederarbeiter überhaupt nicht gerechnet hatte. Die Reisezeit ist inzwischen offensichtlich weitestgehend vorbei und zusätzlich hilft vielleicht die Drohung meines Herrn, sollte der Wind der Einsamkeit wieder öfter durch die Straßen pfeifen, will er alle Einwohner laut anbrummen, die sich verkriechen… wer mag schon Brummen à la Hauptmann hören?!

Tja, irgendwie vorhersehbar… mit meinem Tun in Sachen Massage des Brauers fiel ich bei der sich später noch dazu gesellenden Oberzicke in Blau natürlich sofort durch. Das wie immer sehr schnippische, anscheinend zusätzlich auch noch genervte Weib, weil mit ihrem Antrag, auf den Heimstein von Jorts Fähre schwören zu dürfen, nicht alles so lief, wie sie es sich vorgestellt hatte, hatte mich mal wieder auf dem Kieker. So wie ihre Augenbrauen zuckten, hatte sie die jedenfalls nicht unter Kontrolle, nachdem sie zum Brauereikrieger geschaut und dabei bemerkt hatte, womit sich meine Hände beschäftigten. Wahhh… ich massierte den Herrn doch lediglich mit meinen Fingern OBERHALB der Gürtellinie! Wobei ich zugeben muss, nicht nur meine Hände freie Frauen tauglich zu halten, fiel mir wirklich nicht leicht.

Tüdelig war die Neuschreiberin übrigens auch noch, obwohl sie vor kurzem anscheinend endlich ihre Prüfungen bestanden hatte und in die blaue Kaste aufgenommen worden war. Sie fragte den Sattler doch tatsächlich, ob er Rita ausleiht, obwohl Sechs immer noch meinem Herrn gehört. Übrigens wich die Sklavin später doch noch von seiner Seite und machte mir Platz, als mein Herr mich schließlich zu sich winkte, weil die Pflicht den Brauereikrieger leider zurück an seine Kessel rief. Aber egal… die spitzen Bemerkungen der Schreiberin, gepaart mit bedeutungsvollen Blicken in meine Richtung über Mädchen, die sich in Gegenwart freier Frauen nicht vorbildlich benehmen, waren mir ein innerer Genuss.

Natürlich ist mir die ganze Zeit klar gewesen, dass ich den Kürzeren ziehen würde. Doch das war mir die Sache wert, zumal ich mich auch nicht wirklich schlimm daneben benahm, denn ich will selbstverständlich keine Schande über meinen Herrn bringen. Nach der pikierten Beschwerde des Weibs „dein Ding funkelt mich an, Hauptmann, vielleicht sollte man ihr eine Augenbinde anlegen, damit sie nicht so blitzt“ befahl er mir jedoch meinen Kopf zu senken, was ich nach einem letzten arroganten Blick dann auch sofort tat. Typisch, freie Frauen sind einfach nicht in der Lage, woanders hin zu schauen, wenn ihnen irgendein Anblick nicht gefällt. ;-))

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen