Freitag, 11. November 2016

Ausflug in die fies kalte, ländliche Pampa

Wie befohlen beeilte ich mich am nächsten Tag und packte etwas Proviant zusammen, da mein Herr einen Besuch beim Landsitzkrieger plante, um ihn etwas durchzuschütteln. Der Herr stellt zwar sein Schwert inzwischen seit vielen Märkten Jorts Fähre zur Verfügung, gehört aber leider nicht dem Heimstein an. Somit war Diplomatie angesagt, denn einen Befehl, zukünftig wieder an den Waffentrainings teilzunehmen, konnte mein Herr diesem manchmal sehr sturen und eigenwilligen, leider besonders windempfindlichen Krieger natürlich nicht erteilen… doch von Winden war in letzter Zeit nichts mehr zu merken gewesen.

Da der Weg nicht allzu weit sein konnte und daher keine Übernachtung geplant war, musste ich nicht viel in die kleine Umhängetasche einpacken, sodass es kurz nachdem mein Herr vom Wachdienst nach Hause gekommen war auch schon zum Hafen ging. Leider war vom Brauereikrieger jedoch weit und breit nichts in Sicht. Meine Suche nach dem Herrn gestaltete sich übrigens nicht gerade leicht, bis ich ihn schließlich auf der Trainingswiese fand, nachdem ich mich zuvor bereits überall in der Unterstadt nach ihm umgesehen hatte. Ich vermute, die Gnädigste nutzte diese Verzögerung, um über die Überlegungen meines Herrn zu diesem Besuch Näheres zu erfahren, von denen sie bislang offensichtlich nichts mitbekommen hatte.


Die Gefährtin meines Herrn hatte uns zwar zum Hafen begleitet, sodass ich natürlich annahm, sie kommt mit, doch bevor wir dann zusammen mit dem Brauereikrieger Richtung Tarnturm aufbrachen, verabschiedete sie sich, weil sie ihre Anwesenheit bei einer solchen Angelegenheit unter Kriegern als unpassend empfand. Dies war für mich durchaus nachvollziehbar, denn sie ist ja grüne Kaste und muss nicht ständig an der Seite ihres Gefährten sein und ihn überallhin begleiten. Wie gut, dass dies bei einer Kajira meistens anders ist und mein Herr mir erlaubte mitzukommen.

Puhh… mir war durchaus klar gewesen, dass der Landsitz nicht weit entfernt liegen konnte, denn andernfalls wäre das An- und Abreisen am selben Tag des Waffentrainings für den Landsitzkrieger und sein Weib kaum sinnvoll… die beiden übernachten nämlich nie in Jorts. Doch dass der kurze Flug auf dem Tarn Richtung Norden gehen würde oder zumindest in ein Gebiet mit fies kaltem, vorzeitigem Wintereinbruch, also damit hatte ich wirklich nicht gerechnet und mein Herr ebenfalls nicht. Die Wetterlage hatte sich jedenfalls in kürzester Zeit so mies entwickelt, dass meine Zähne in lautem Stakkato aufeinander klapperten.


„Beim Sleen… ist das kalt hier!“ rief mein Herr bei unserer Ankunft in der ländlichen Pampa und Einsamkeit. Auch der Brauereikrieger sah trotz langer Hose ziemlich missmutig aus bei den Temperaturen… es herrschte nämlich nicht nur lausige Kälte, sondern zusätzlich schneite es auch noch. Außerdem blies ein fieser Wind, der die Schneeflocken und einige herbstlich gefärbte Blätter wild durcheinander wirbelte. Während unschöne Gedanken über abgefrorene Zehen in mir keimten, war ich meinem Herrn für die Sandalen unendlich dankbar, auch dass er immer darauf besteht, sie zu tragen, obwohl ich so gerne barfuß bin.


Meine Erleichterung war jedenfalls riesig, gleich nach unserer Landung zwischen den Bäumen ein herrschaftliches Haus zu sehen, auf das wir nun eilig zuliefen. Vor der Tür des Gebäudes hockte übrigens der Landsitzkrieger mit äußerst missmutiger Miene, sodass ich mir überlegte, ob er wegen unseres Besuches genervt war und der Brauer erkundigte sich, ob der Herr womöglich von seinem Weib ausgesperrt worden war. Doch beides war nicht der Fall. Der Krieger hatte eigentlich Holz schlagen wollen, bei dem Mistwetter davon jedoch Abstand genommen und sein Weib war mit irgendwelchen Vulos zugange.

Hach, das Klappern fand zum Glück schnell ein Ende, denn der Krieger lud uns in sein herrlich warmes Kaminzimmer ein, wo mein Herr mir nicht nur den Befehl gab, den Rucksack abzulegen und mich neben ihn zu knien, sondern besorgt um meine Gesundheit, mich noch dichter zu sich und an das warme, knisternde Kaminfeuer heranzog. Während die Männer sich übers Holzhacken, die Versuche des Landsitzkriegers Nachwuchs zu zeugen, aber auch über Kriegsveteranen und ihre Strategien unterhielten, die man auf Karten nachstellen kann, tauten meine durchgefrorenen Knochen tatsächlich wieder auf.


Paga gab es im Haushalt dieses Landsitzes zwar nicht, aber natürlich Kalana, um den ich mich nun kümmern durfte. Leider bekam ich auf dem Weg in diese mir unbekannte, aber sehr interessante Küche, den Hinweis nicht mit, dass der Brauer eine Botha mit seinem geliebten Ale dabei hatte. Wie gut, mein Herr hatte kein Problem damit, einfach zwei Kelche Kalana zu trinken. Etwas unsicher wegen der Hierarchie, denn ich bediene natürlich immer meinen Herrn zuerst, wollte aber auch dem Gastgeber die gebotene Ehre erweisen, fragte ich lieber nach, als ich mit den Weinkelchen im Kaminzimmer ankam.

Doch es blieb alles so wie von mir angenommen… meinem Herrn reichte ich seinen Kalana mit dem Wunsch, der Wein möge ihn zwar die schreckliche Kälte draußen vergessen machen, aber trotzdem die richtigen Worte für sein Anliegen finden lassen und dem Landsitzkrieger wünschte ich, dass ihm dieser Kalana genauso gut schmeckt wie der, den er nach dem Waffentrainings in Jorts Fähre zu trinken pflegt, er vielleicht aber auch ein bisschen Sehnsucht nach der Perle am Vosk in ihm weckt, wo es in letzter Zeit kaum noch windig ist und vor allem viel wärmer als auf seinem Landsitz.


So wie der Landsitzkrieger aussah ahnte er spätestens jetzt, dass mein Herr ihm nicht erneut den Posten des Oberwaldaufseherkriegers anbieten wollte, obwohl der immer noch zu haben war, sondern um ihm mitzuteilen, dass die letzten Waffentrainings ziemlich windfrei gewesen sind, was man vom Landsitz wirklich nicht behaupten konnte. Letztendlich sicherte der Krieger ganz ohne Durchschütteln zu, Jorts Mitte der nächsten Hand egal bei welcher Wetterlage einen Besuch abzustatten, da sein Weib beim Sattler noch irgendwelche reparierten Gürtel abzuholen hat.

Wie gut, dass das Durchschütteln nicht wirklich ernst gemeint war, denn es hätte wohl sowieso nicht geklappt oder mein Herr hätte es selbst tun müssen… der Brauereikrieger wiedersetzte sich doch tatsächlich seinem Hauptmann und meinte lachend: „Nööö… mach ich nicht.“ Dabei hätte er diese Maßnahme aufgrund seiner Körpergröße perfekt durchführen können, egal mit welcher Strategie, ob mit kopfüber an den Füßen gepacktem Landsitzkrieger oder richtig herum. Sichtlich gut drauf über die Zusage des Kriegers, kam ich in den Genuss zahlreicher sanfter Berührungen meines Herrn, denen ich mich genussvoll hingab.


Nachdem sich auch das Weib des Kriegers dazu gesellt und die Männerrunde sichtlich erfreut begrüßt hatte, wurde noch eine ganze Weile über alte Zeiten geklöhnt. Stumm schmiegte ich mich eng an meinen Herrn und lauschte den interessanten Geschichten aus Torcodino und Kassau, die ich teilweise sogar selbst miterlebt hatte, wie zum Beispiel den Feldzug gegen Lydius, oder über freie Frauen, die nicht nur Haare im Pelz haben, Badewannen und Rotseidene, die man eng an die Kette nehmen muss, weil sie Männern den Verstand sogar aus kleinsten Körperöffnungen lutschen können… was mit Letzterem gemeint war, verstand ich allerdings nicht.


Bei unserem Aufbruch war es zwar immer noch lausig kalt, schneite aber nicht mehr und wurde wärmer und wärmer je näher wir Jorts Fähre kamen. Zuhause packte mein Herr mich übrigens immer noch bestens gelaunt und warf mich herrlich besitzergreifend über seine Schulter, um mich auf dem letzten Stück bis zu seinem Haus auch nicht wieder los zu lassen, bis er mich schließlich auf sein schönes weiches Fell warf und ich dort eng an ihn gekuschelt einschlafen durfte. :-)))))

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