Donnerstag, 3. November 2016

Die Beichte

Ich begrüßte meinen Herrn mit einem etwas flauen Gefühl in der Magengegend und leicht weichen Knien, was aber nicht weiter auffiel, da ich vor ihm zu Boden sank. „Tal meine kleine Arya“, ließ mich ihn dann glücklich anstrahlen, denn offensichtlich war mein Herr an diesem Tag bestens gelaunt… hatte nicht gebrummt und sogar „meine kleine“ gesagt, zwei Wörter, die ich total schön finde, die er jedoch eher selten benutzt. Entsprechend innig legte ich mich natürlich ins Zeug, um ihn mit meinen Lippen auf seinen Fußrücken zu erfreuen und damit vielleicht zu einer weiteren Verbesserung seiner guten Laune beizutragen.

Am liebsten hätte ich meine Beichte zwar noch etwas hinausgezögert, doch einfacher wäre sie dadurch nicht geworden und hätte auch nicht das explodierte Paga-Fass noch die Einzelteile des zerlegten Geschirrs oder den Korb wieder ganz werden lassen. „Mein Herr, ich muss dir leider etwas gestehen“, setzte ich bedrupst zu ihm aufschauend an. Hellhörig geworden, verlangte er Näheres zu erfahren, sodass ich schnell hinzufügte „… wie es gestern auf der Wiese endete, mein Herr… oder hast du das während deiner Wache bereits mitbekommen?“ „Nein, was ist passiert? Wurden die anderen von einem blauen Blitz erschlagen?“ Obwohl die Explosion des Fasses mit einem wirklich nicht zu überhörenden, gewaltigen Rums einhergegangen war, wusste mein Herr davon offensichtlich nichts.


Mit seiner Vermutung liege er gar nicht so sehr daneben, gestand ich nun ein... nur mit der Farbe und dass zum Glück niemand zu Schaden gekommen war. Mein Herr zog die richtige Schlussfolgerung: „Soso, was habt ihr gemacht… das Fass ins Feuer geworfen?“ Ohne länger ein Blatt vor den Mund zu nehmen oder irgendetwas zu beschönigen, schilderte ich den Werdegang bis zum gewaltigen Rums mit der riesigen Stichflamme, dass hinterher alles weggeblasen und nicht mal mehr ein Becherhenkel zu finden gewesen war. „Ja, das kann ich mir denken, im Paga ist viel Bums, hehe… weggeblasen, soso… das trifft es wohl gut. Hast Glück, dass deine Haare nicht auch weggeblasen sind, Arya“.

Sichtlich zufrieden darüber, dass diese Gefahr nicht bestanden hatte, weil ich doch rechtzeitig in Deckung gewesen war, interessierte sich mein Herr nun für den Zustand der Wiese, ob die Krieger dort ihr Training abhalten können oder ob das Loch noch zugeschaufelt werden muss. „Um das Loch habe ich mich heute Morgen ganz früh schon gekümmert, mein Herr, als du geschlafen hast nach deiner Nachtwache“, war anscheinend genau die richtige Aussage, um ihn vom Versohlen meines Hinterteils abzubringen und Überlegungen für andere Maßnahmen zumindest noch nicht aufkeimen zu lassen, komplette Entwarnung war für mich zu diesem Zeitpunkt aber wohl noch nicht ganz angesagt.

„Anziehen, Arya, ich werde wegen dem Fass mal mit dem Brauereibesitzer reden… nicht dass er Pfand will! Und du wirst ihm erklären, wie das Paga-Fass verschwinden konnte!“ Eigentlich vermutete ich den Krieger wie meistens um diese Ahn am Hafen, doch mein Herr nahm diesmal den Weg zum Marktplatz… die Brauerei war jedoch ausgestorben. Nun auf die Suche nach dem Brauereikrieger geschickt zu werden, war natürlich eine perfekte Chance für mich, den Herrn vor meiner Beichte vielleicht ein wenig milde zu stimmen oder zumindest einzuschätzen, ob er gut oder schlecht drauf war.

Oh, es sah gut aus… nicht nur weil der schöne Rarius tatsächlich vor der Taverne saß, sondern er begrüßte mich erfreut schmunzelnd, sodass ich diese gute Voraussetzung nun gleich nutzte, um mich bei ihm zu bedanken, weil ohne sein Zutun mein Herr bestimmt nicht eines seiner Prinzipien umgestoßen und mich umbenannt hätte. Ohne seine Fürsprache und die Vorschläge einiger Sklavennamen mit „A“ wäre ich immer noch eine „ita“ mit der Ehre eines Anfangsbuchstabens „B“, also im Prinzip von höchster Stelle im Aphabet, weil sich Aita in den Ohren meines Herrn und anderer Freier nämlich doof anhört. Lachend meinte der Brauer: „Gern geschehen und nichts zu danken, Arya, schön wenn dein neuer Name dir gefällt!“


Uff, so gut gelaunt wie der Herr offensichtlich drauf war, waren die Voraussetzungen für meine Fass-Beichte also nicht die schlechtesten, sodass ich mit seiner Erlaubnis eilig zurück zu meinem Herrn sauste, der immer noch wartend vor der Brauerei stand. Zurück am Hafen lief ich in Sachen Paga- und Ale-Beschaffung gleich weiter in die Taverne, denn eine durstige Kehle könnte bei meiner Beichte womöglich nachteilig sein. Mein Herr kündigte seinem Freund inzwischen schon an, ich hätte etwas zu erzählen, an dem er aber keine Schuld hat und dass ich das selber tun muss. Irgendwie verstrich meine Galgenfrist von einer Pagaservelänge rasend schnell, denn kaum hielt mein Herr seinen Becher in der Hand, forderte ich mich auf: „So Arya, dann gesteh mal beim Brauer… wäre schön, wenn er dir nicht die Ohren abschneidet“.

Meine Ohren leicht irritiert musternd, meinte der Krieger nur, ein Schluck Ale sei für ihn erst einmal das Wichtigste, sodass ich ihm sein Getränk zwar schnell, aber nicht ganz ohne ein wenig rotseidenes Bezirzen servierte. Nach dem ersten Schluck verlangte er jedoch zu erfahren: „Was ist los... was hast angestellt, Arya?“ Ich gestehe, ich versuchte noch weitere Zeit zu schinden und erkundigte mich, ob der Herr gut einschlafen konnte – konnte er… ob er von keinem lauten Knall aufgewacht oder hochgeschreckt war – war er nicht. Danach begann ich das Aufräumen zu schildern – es wurde als gutes Ansinnen gelobt, und dass sämtliches Essen ins Feuer gewandert ist, fand ebenfalls Zustimmung. 

Args, vielleicht waren meine nachfolgenden Schilderungen über die Verpflegung meines Herrn und seine hauptmannsmäßigen Portionen, die dem Brauer selbstverständlich wohlbekannt sind, zu… ich weiß nicht… ausführlich abschweifend? Egal, ein wenig Kontrast zu den kurzen Kriegerantworten war sicherlich nicht verkehrt. Doch irgendwann bekam ich die erstaunte Frage gestellt, wieso Essen denn geknallt hat... es ging also ans Eingemachte: „Naja, der Knall... also das kam so...“ Irgendwie musste ich nach Luft schnappen und mir vor allem eine meiner vorwitzig ins Gesicht gerutschten Locken von der Stirn pusten. „Oh, nun wird es spannend“ und der neugierig an meinen Lippen hängende Blick des Herrn veranlassten mich letztendlich zur Ankündigung: „Ich mach es doch lieber kurz Herr... nützt ja nichts oder möchtest du lieber noch ein Ale vorher?“

Mein Herr gab zwar zu bedenken „…warte ab, gleich bekommst du einen trockenen Mund!“, doch der Ale-Becher war noch nicht leer. Zum besseren Verständnis des lauten Knalls fuchtelte ich mit beiden Armen besonders ausladend durch die Luft, als ich das gewaltige Bummmmmmmmmm der Explosion schilderte und der Brauer begann schallend zu lachen: „Du hast das Fass reingerollt ins Feuer? Herrje… verdammt, das hätt ich auch gerne gesehen!! Nun werden die Priesterkönige noch besser gestimmt sein… ist in Ordnung, Arya… es war jedenfalls eine schöne kleine Opferfeier!“ 


Hach, ich kann gar nicht sagen, wie erleichtert ich war und bin. Mein Herr nennt mich nämlich immer noch Arya, denn auch die anschließende Begehung der Trainingswiese zusammen mit dem Brauereikrieger, zur Kontrolle des von mir nahezu spurlos mit Sand von der Steilkante am Bach zugeschaufelten Lochs und einigen Grassoden und Moos als oberste Abdeckung, ergab keinen Anlass für Mecker und Bestrafung. ;-)

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