Sonntag, 6. November 2016

Eine hitzige Diskussion

Mist, da riss mir doch tatsächlich die Wäscheleine und sämtliche frisch gewaschenen Kriegertuniken meines Herrn fielen in den Sand am Waschplatz. Ok, die zahlreichen Grasflecken vom Waffentraining waren zwar trotzdem noch weg, doch blieb mir leider nichts anderes übrig, als alle erneut durchzuspülen, nachdem ich die Leine mit einigen Mühen endlich wieder zusammengeknotet hatte. Na toll, zuhause stellte ich dann fest, dass mein Herr fort war… vermutlich auf einem Rundgang oder hatte sich womöglich sein Wachdienst geändert? 

Nachdem im Kriegerhaus niemand war, sputete ich mich, zum Hafen zu kommen, traf dort aber nur die Sattlerkajira, der mein Herrn nicht begegnet war, sodass ich nun befürchtete, er könnte womöglich schon wieder mit dem Brauereikrieger Karten spielen und das auch noch ohne Glückspaga! Mir schwante Ungutes, doch zu meiner Erleichterung war der Hof der Brauerei ausgestorben und auch vom Brauer nichts zu sehen. Letztendlich entdeckte ich meinen Herrn, seinen spielbegeisterten Freund, seine Gefährtin und die beiden Gäste aus dem Norden auf der Gasthausterrasse, wo sie von wem auch immer bereits mit Getränken versorgt worden waren.


Es gab also erst einmal nichts zu tun für mich, außer mich dicht neben meinen Herrn zu knien, der doch tatsächlich behauptete, er habe schon befürchtet, sein Sleen hätte mich gefressen. In der Annahme, er würde sich nicht für das Pech mit der gerissenen Wäscheleine interessieren, druckste ich nur vage etwas davon, dass die Wäscheberge schuld gewesen waren. Mitfühlend kommentierte er: „Achso… ja, die sind gemein und springen einen hinterrücks an.“ Ich verkniff mir zwar sämtliche Details, beichtete ihm dann aber doch etwas genauer mein Missgeschick und senkte selbstverständlich schuldbewusst meinen Kopf.

Zum Glück war das Thema dann erledigt, denn es wurde mal wieder über die Schleierpflicht für freie Frauen diskutiert, bei deren Missachtung sogar drei Peitschenhiebe auf dem Block drohen… übrigens ein einstimmiger Erlass des hohen Rates von Jorts Fähre vor etlichen Märkten. Wie gut, dass mich diese Pflicht nichts anzugehen hat und genauso wenig, ob eine Freie mit lang wallenden Haaren, nackten Schultern, tiefem Dekolletee, kurzen Ärmeln, ohne Strümpfe, barfuß oder, oder, oder herumläuft, was als sklavenhaftes Verhalten ausgelegt werden und mit Stahl um den Hals enden kann.

Anlass für eine erneute Diskussion der Schleiervorschrift war die fehlende Gesichtsgardine der Besucherin, die vor etlichen Märkten in den Norden gezogen war, nun in einem Norddorf mit Namen Skadir lebt und nicht mehr den netten Bootsbauer zum Gefährten hat. Mein Herr wies zwar darauf hin, dass es im Gasthaus eine Kiste mit diversen Schleiern gibt, von denen sie sich einen aussuchen konnte, doch wies die Frau mein Angebot, ihr jene Kiste zu zeigen, mit irgendeiner fadenscheinigen Begründung ab… na, mir war‘s egal und den Beschluss des jortsschen Rates kannte dieses Weib, denn der war seinerzeit erfolgt, als sie noch in Jorts Fähre lebte.

Merkwürdigerweise legte sich der Brauer mächtig ins Zeug, um meinen Herrn jetzt davon zu überzeugen, die Schleierpflicht abzuschaffen. Anscheinend war ihm nicht klar, dass mein Herr zwar IM Stadtrat ist, jedoch nicht DER Stadtrat. Der Herr ereiferte sich immer mehr und warf meinem Herrn schließlich sogar beleidigend „Weichei“ an den Kopf, was dieser allerdings an sich abprallen ließ... eine sehr kluge Entscheidung, mit der er dem Brauer vielleicht den Wind aus den Segeln nahm, der darauf sein Ansinnen mit der Prophezeiung beendete, der hohe Rat von Jorts Fähre wird seinen Erlass zurücknehmen. Erstaunlich, dadurch offensichtlich ermutigt, kündigte die Gnädigste jetzt an, den Brauer bei seinem Anliegen unterstützen zu wollen.

Wie gut, dass ich nicht verstehen muss, warum Freie sich dermaßen hitzig ereifern, obwohl sie soweit ich weiß noch nie einen Antrag an den Stadtrat gestellt haben, wenn ihnen die Abschaffung der Schleierpflicht so wichtig ist. Tja, aber wie ich schon sagte… das Kajiraleben ist schön, ich muss nicht alles verstehen und auch nicht, warum dieser Freien zugestanden worden war, den Abend im Gasthaus ohne Schleier zu verbringen, wenn andere dafür drei Peitschenhiebe kassieren.^^

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