Sonntag, 27. November 2016

Entscheidungen

"Arya, das Opfer... grüß dich Schätzelein!" empfing mich der Brauer sichtlich begeistert, als ich am Hafen auftauchte, wo er sich mit meinem Herrn und der Gnädigsten unterhielt. Bei solch einer Begrüßung schwante mir natürlich sofort Ungutes, was sich auch leider zu bestätigen schien, denn offensichtlich fachsimpelten die drei Freien schon wieder über Opfer und ein gewisser rothaariger Herr fasste dafür gerade mich ins Auge. Puhhh, doch zum Glück ignorierte mein Herr diesen eher indirekten, dennoch auf meine Kosten gehenden Ausruf, der aber wahrscheinlich sowieso nicht ernst gemeint gewesen war. Vielleicht bekam er ihn auch nicht mit, denn nun wurden Möglichkeiten besprochen, den Priesterkönigen durch Verspeisen eines Tabuks oder Bosks zu huldigen... das leckere Fleisch sollte natürlich mit Opfer-Paga heruntergespült werden.

Mit dem Hinweis des gut aussehenden Brauereikriegers, sofern mein Herr den Bosk kauft, würde er auch bei dieser Aktion für einen hoffentlich ausbleibenden Wintereinbruch in Jorts Fähre wieder ein Paga-Fass spendieren, glaubte ich erneut den lauten Rums meiner letzten Fassopferung zu hören. Doch dann wurde das Thema fallengelassen... der Paga- und Ale-Durst der beiden Männer hatte inzwischen wohl überhandgenommen. Außerdem kam vom Stadttor lautes, ungehaltenes Gemaule: "Geh mir aus dem Weg, Rotrock!" Oha, der Schmied machte seiner immer noch miesepetrigen Laune auf meinen Herrn Luft... ließ sie erst an einer der Wachen aus und lehnte danach die Richtung Stadttor den Hang hinauf gebrüllte Einladung meines Herrn auf ein Getränk abverweigerte vor der Taverne angekommen stur meine Bedienung ab, um seine Wut am Ende des Kais zu pflegen... alleine.

Die Aussicht, zwecks Wiedergutmachung von meinem Herrn umarmt zu werden, führte schließlich dazu, dass er seinen geleerten Becher wütend in den Vosk pfefferte, den er sich zuvor in Selbstbedienung aus der Taverne geholt hatte und zu der empörten Drohung: "Versuche mich zu umarmen, dann hast du keine mehr, Hauptmann!" Auch das Angebot meines Herrn, er würde mich zwecks Umarmung auch ausleihen, da er selbst meine sanfte Anschmiegsamkeit immer sehr genießt oder der beleidigte Schmied könne ihm alternativ auch Eine reinhauen, falls das hilft und es ihm dann besser geht, war nicht wirklich von Erfolg gekrönt. Doch immerhin näherte sich der Grummelnde jetzt der Sitzgruppe.

Während der nicht nachlassenden Bemühungen meines Herrn den Schmied wieder aufzubauen, nahte leider unaufhörlich die Ahn, in der die Brauereikessel immer lauter nach ihrem rothaarigen Besitzer riefen, sodass diesem irgendwann leider nichts anderes übrig blieb, als nachzugeben und sich zu verabschieden. Erstaunlicherweise wurde sein Stuhl nun tatsächlich vom Schmied eingenommen... vielleicht führt miese Stimmung im Stehen besonders schnell zu platten Füßen?

Egal, denn jetzt stellte sich heraus, die schlechte Laune rührte nicht nur vom makabren Witz meines Herrn über die angeblich auf der Suche nach dem Schmied befindlichen, schwarzkastigen Schuldeneintreiber. Mein Herr befahl mir nach dieser Erfahrung übrigens, dass ich ihn zukünftig rechtzeitig daran erinnern soll, mit dem sensiblen Schmied solche Witzchen nicht mehr zu machen.

Aber ich denke, der Metallhandwerker war auch wegen anderer Dinge nicht gerade gut drauf, was für mich durchaus nachvollziehbar war, denn er hatte mir vor längerer Zeit schonmal von seiner früheren Gefährtenschaft mit einem Nordweib erzählt, die ein unglückliches, sehr trauriges Ende genommen hatte. Wobei ich sowieso nicht verstehe, warum sich manche Männer überhaupt eine Gefährtin nehmen, außer es geht um den Nachwuchs für die Kaste, denn fürs Vergnügen gibt es doch Rotseidene! Aber das ist ein anderes Thema, denn dieses Weib des Schmieds hatte ihrem Gefährten immerhin Kinder geboren, war mit ihnen vor etlichen Märkten leider jedoch spurlos verschwunden.

Inzwischen ist märktelang jede Menge Wasser den Vosk herunter geflossen, ohne dass der Schmied auch nur ein einziges Lebenszeichen von dieser Freien erhalten hat. Nicht weiter verwunderlich und für meinen Herrn durchaus nachvollziehbar, der mit seiner ersten Gefährtin wohl Ähnliches erlebt hat, ist daher die Entscheidung des Schmieds, dieses Weib und seine Kinder als verschollen zu erklären, sein Haus in der Oberstadt aufzugeben und seinen Gefährtenvertrag vor Ablauf der vereinbarten und allgemein üblichen vier Märkte aufzulösen. Mit einem diesbezüglichen Aushang hatte er die jortssche Schreiberin beauftragt.


Doch irgendwie kam die Blaue damit nicht zu Potte und hatte sich sogar mit meinem Herrn in seiner Funktion als Ratsmitglied darüber beraten. Mist und nicht wirklich gute Laune fördernd war leider, dass die Schreiberin seitdem anscheinend tagelang nicht auffindbar im Stadtarchiv verschwunden war und der Schmied sich wohl schon mehrfach die Nase an ihrer Tür gestoßen hatte. Die Seelenblähungen der Blaukastigen, die an diesem Abend schließlich zu vorgerückter Ahn doch noch am Hafen auftauchte, ob die Auflösung einer Gefährtenschaft einfach so ohne  Wissen und Zustimmung der Gefährtin publiziert werden darf, waren mir ehrlich gesagt unverständlich.

Aber ich bin auch nur eine einfache Kajira und keine sich wegen überbetonter Gelehrigkeit selbst im Weg stehende Neuschreiberin. Für mich sind die Überlegungen der Schreiberin nicht realisierbar und daher gänzlich unlogisch, dass eine Verschollene irgendetwas zustimmen soll oder unterschreiben muss, wenn sie schlicht und einfach ihren vertraglich vereinbarten Pflichten nicht nachgekommen und der Vertrag somit nichtig ist. Auch aus Sicht meines Herrn sprach selbstverständlich nichts gegen die Entscheidung des Schmieds, seinen Gefährtenvertrag vorzeitig aufzulösen. ;-)

Kommentare:

  1. eine Gefährtenschaft dauert üblicherweise 1 Markt so wie ich weis.

    Slaverin aus Siwa petra

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  2. ....nein, für 4 Märkte (= 1 Jahr) ;-)

    https://www.gorwiki.de/wiki/index.php/Freie_Gefährtenschaft

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