Samstag, 5. November 2016

Glückspaga

Die beiden am Vortag eingetroffenen Besucher aus irgendeinem Norddorf hatten sich tatsächlich ein Zimmer im Gasthaus genommen. Naja, ihnen blieb eigentlich auch nichts anderes übrig, als einige Tage in Jorts Fähre Zwischenstation zu machen und zu hoffen, dass dem Weib die Priesterkönige vielleicht doch noch wohlgesonnen sind und die Heimkehr des sich auf Reisen befindlichen Händlers beschleunigen. Außerdem sind die Zimmer im Gasthaus günstig und die Matratzen weich. Hinzu kommt noch, die Frau klagte über irgendwelche gesundheitlichen Beschwerden, die für eine Weiterreise sicherlich nicht von Vorteil sind.

Nach einer weiteren Nachtwache verschlief mein Herr fast den gesamten nächsten Tag, war aber anscheinend gut drauf, denn er kniff mir übermütig ins Hinterteil. Ich hatte ihn nämlich gar nicht die Treppe herunter kommen hören, da ich mit den Vorbereitungen seines Proviants für die nächste Nachtwache beschäftigt war und weit vornüber gebeugt in den Ofen geschaut. Leise vor Schreck quietschend drehte ich mich natürlich eilig um und sank zum Gruß vor ihm auf die Knie, während ich erklärte, dass ich den Braten beobachtet hatte, um den richtigen Zeitpunkt zum Herausholen nicht zu verpassen, der abgekühlt bestimmt oberlecker schmecken wird.

„Klingt gut, Arya, aber woher weißt du, dass das Fleisch lecker ist… hast du genascht?“ erkundigte sich mein Herr. Na toll, solch eine Frage kann nur von einem Mann kommen, denn natürlich muss ich probieren um sicherzugehen, dass ich meinem Herrn kein Essen zubereite, das nicht richtig abgeschmeckt ist! Mit dieser Erklärung war er allerdings noch nicht zufrieden und hakte nach: „Ja, aber hast du nun probiert oder genascht?“ Ich hatte wirklich nichts Verbotenes getan und nicht genascht, was ja eher davon richtig was essen gewesen wäre, sondern selbstverständlich hatte ich nur probiert, ob noch Gewürze fehlten.


Letztendlich war mein Herr mit meinen Auskünften zufrieden und der Braten fertig, sodass es ihn nach kurzem Wuscheln durch meine Haare vor die Tür zog. Meine Frage, ob er schon mal kosten möchte, was ihn essensmäßig auf der Wache erwartet, ignorierte er jedoch, stattdessen war von draußen zu hören: „Komm Arya… harta!“ Ich brummelte leise kurz etwas vor mich hin, rief dann aber laut durch die offene Tür, dass ich auch nachkommen kann, wenn er es so eilig hat. Erstens musste ich mir noch meine Kleidung überstreifen und außerdem wusste ich doch genau, wie schnell er immer zum Dienst aufbricht. Es war also sehr wichtig, dass das Proviantpaket fertig geschnürt auf der Anrichte bereit liegt.

Gefühlt nicht mal eine Ehn später stürmte ich allerdings dann nach draußen und kickte die Haustür mit leisem Rums zu. Aha, so eilig hatte er es nun anscheinend doch nicht, denn jetzt wollte er wissen, was ich noch gesagt hatte, als er das Haus verließ. „Hat sich inzwischen erledigt mein Herr“, gab ich wegen seiner Eile daher nur zur Antwort. „Ich meinte da etwas gehört zu haben, Arya… ich habe dich gefragt, was du gesagt hast und nicht, ob es sich erledigt hat oder müssen wir deine Ohren spülen?“ veranlasste mich, doch lieber erklärend hinzuzufügen: „Ich fragte dich, ob du von dem Braten probieren willst, mein Herr… aber da du einfach nach draußen gelaufen bist, wurde mir klar, dass du keinen Appetit zum Probieren hattest. Meine Frage hatte sich also erledigt und war überflüssig.“

„Nein, ich esse auf der Wache… zur Not läufst du halt noch mal zurück und holst das Probierstück oder ist das ein Problem, Arya?“ brummte mein Herr gefährlich, sodass ich mich beeilte zu erwidern: „Es ist mir stets eine Ehre, deine Befehle zu befolgen, mein Herr!“ Damit war er zum Glück zufrieden, befahl mich näher zu sich und strich mir sanft über den Kopf… allerdings nur sehr kurz, denn in der nächsten Ihn packte er meine Haare und zog mich an ihnen hinter sich her. Am Hafen angekommen ließ er mich leider immer noch nicht los. Sich umschauend drehte er sich hin und her und damit auch recht schmerzhaft meinen Kopf, entdeckte offensichtlich jedoch niemanden. Es ging weiter zum Marktplatz, wo wir dann auf den Brauereikrieger und den fremden Nordmann trafen.

Dort angekommen ließ er meine Haare schließlich los, sodass ich vorsichtig meine Kopfhaut betastete, um mal nachzufühlen, ob sich inzwischen etwa kahle Stellen gebildet hatten, war aber nicht der Fall.

Während ich für die Getränkebeschaffung zuständig war, lud der Brauer die anderen beiden Männer zum Kartenspiel ein. Sie setzten sich also zu dritt an den Tisch auf dem Brauereihof. 

Mein Herr wollte seinen Paga übrigens mit einer großen Dosis Glück im Glücksbecher. Ich gab bei dieser Bestellung selbstverständlich mein Oberallerbestes und hoffte inständig, er möge endlich mal gute Karten erwischen oder andernfalls der Paga wenigstens seinen Frust wegspülen… Hauptsache er verkauft mich nicht.

Leider sah es anfangs jedoch gar nicht gut aus, obwohl ich beim Servieren des Ales für den Brauer lautlos sämtliche Register zog, indem ich die Priesterkönige um gewisse Dinge anflehte, die ich hier lieber nicht wiederholen werde. Wie gut, dass im Norden dieses Spiel anscheinend eher selten gespielt wird und mein Herr sich tatsächlich etwas besser als der Nordmann schlug. Entsprechend konzentriert starrte der Fremde logischerweise auf seine Karten und griff statt zum Becher an meine Brust. Merkwürdig war nur, wie schnell dieser Mann seinen Irrtum korrigierte, obwohl weit und breit von seinem Weib nichts in Sicht war… naja, er ist eben auch nur ein Kerl mit Gefährtin.

Kaum kniete ich wieder neben meinem Herrn, begann endlich seine Glückssträhne… also zumindest eine kleine war das wohl, denn ich war inzwischen unter den Tisch gerutscht, um mich sanft und voller Hingabe seinen Beinen zu widmen… und so. Er meinte dazu, es muss wohl am servierten Glückspaga liegen und äußerte seine Zufriedenheit darüber, dass seine Spielpartner Ale und Met tranken, also auf die vorteilhafte Wirkung seines Getränks verzichten mussten. Zwischendurch gab es natürlich auch wieder frustigen Verlust und sein „Arya, das war scheiße. Warum hast du mir das nicht gesagt?!“ veranlasste mich natürlich schleunigst zu wiederholen: „Das war scheiße mein Herr!“ 


Danach kam der Glückspaga offensichtlich erst so richtig zum Einsatz und entfaltete seine gesamte Wirkung. Ich muss jedoch gestehen, ich war froh, als endlich die Ahn der Nachtwache für meinen Herrn nahte. Er gewann nämlich ordentlich und schaffte es nicht, vor dem Wachdienst seinen Gewinn komplett wieder zu verspielen oder sogar Schulden zu machen… ich gehöre ihm also immer noch! ;-)))

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