Dienstag, 1. November 2016

Ideen des Tages

„Bita, zieh dir etwas an… wir gehen frische Luft schnappen“, war ein Befehl meines Herrn, den ich selbstverständlich umgehend befolgte. Zusammen mit der Gnädigsten ging es zum Hafen, wo uns der Brauereikrieger mit „Ahhh… tal, Clan des Hauptmanns!“ lachend begrüßte und mein Herr seinem Freund gutgelaunt auf die Schulter schlug. Während ich mich um die Getränkebestellungen kümmerte, nachdem sich alle Freien auf den Sitzen vor der Taverne niedergelassen hatten, kam erneut der bevorstehende Winter und das immer noch nicht erfolgte Opfer für die Priesterkönige zur Sprache. Mein Herr hatte sich inzwischen nämlich überlegt, dass Balduin, der Verrbock des Sattlers, doch sehr gut als Opfertier herhalten konnte. 

Aber würden die hohen Herren im Sardar tatsächlich milde gestimmt und Jorts Fähre von einem kalten Winter mit Schnee verschonen, wenn ihnen solch ein zähes Viech geopfert wurde, mal abgesehen davon, dass der Sattler von diesem Einfall noch gar nichts wusste? Doch mein Herr verkündete nun als Idee des Tages, man müsste den Sattler doch gar nicht fragen … Balduin könnte sich beim nächsten Waffentraining einfach losgerissen haben und beim Weglaufen, puff, von einem verirrten Pfeil getroffen worden sein, sodass seine Kerzen ausgingen. Solch ein tragischer, aber nicht zu ändernder Zufall könnte durchaus ja wirklich passieren. Das Opfern wurde dann aber vorerst vertagt, nachdem ich der Gnädigsten ihr Getränk serviert hatte und mehrfach mein Name gefallen war. 

Ja, ich weiß, wie unwichtig es ist, wie eine Sklavin gerufen wird, doch irgendwie ist die Namensgebung meines Herrn zum Dauerthema in Jorts geworden. Nicht gerade förderlich für gute Laune bei ihm ist, dass mich immer mehr Freie wieder „Dina“ nennen oder einfach bei „Dita“ bleiben. Der schöne Brauereikrieger erkundigte sich nämlich besorgt: „Hast eine dicke Lippe, Irina, oder täusch ich mich… das Mädel heißt doch Dita.“ Tja, natürlich versuchte ich mir nicht anmerken zu lassen, was in mir vorging… mir blieb doch nichts anderes übrig als hinzunehmen, dass ich nun schon fast vier Märkte eine „…ita“ bin, mit welchem Anfangsbuchstaben auch immer. Der Brauer fand „Dita“ allerdings besser, erfuhr nun von meinem Herrn aber den Grund für den Austausch von „D“ gegen „B“, der mich wirklich sehr ehrte. 

Mein Herr wollte mit dem Anfangsbuchstaben nämlich die Rangfolge der „itas“ an seiner Kette zum Ausdruck bringen und dass ich seine Erste bin. „Na, dann musst sie „Aida“ nennen oder so“. Ich mochte gar nicht mehr zuhören, als die Diskussion erneut in Gange kam, ob Aita wie Eiter klingt oder nicht, sondern genoss stattdessen lieber das sanfte Wuscheln meines Herrn in meinen Haaren. Doch dann wurde es plötzlich äußerst interessant, als der Brauereikrieger behauptete: „Wäre ja leicht, etwas mit „A“ zu finden, wenn du nicht so auf die ita-Endung fixiert wärst!“ Der Herr machte auch sogleich einige Namensvorschläge und auch der Gefährtin meines Herrn fielen diverse Namen ein. 

Tja, und dann kam’s… da hatte der Brauereikrieger wirklich etwas in Gange gebracht. „Bita, kennst du Sklavennamen mit A? Dann raus damit!“ forderte mein Herr mich auf. Oh je, mit einer solchen Frage hatte ich wirklich nicht gerechnet und unkreativ wie ich bin, fielen mir auch spontan nur zwei ein, die mein Herr jedoch sehr nachdenklich immer wieder aussprach. Bei den anderen beiden Freien fanden sie übrigens sofort Zustimmung, weil sie in ihren Ohren besser als „Bita“ klangen. Weiter sehr sanft durch meine Haare streichelnd überlegte mein Herr schließlich laut: „Vielleicht sollte ich mich doch von der Methode mit den itas trennen? Es gibt immer mal Momente, wo man Dinge ändern muss. Arya… hmmm… das klingt gut und ist schön kurz! Bita, dein neuer Name ist Arya.“ 


Ich glaubte falsch gehört zu haben, doch ich war tatsächlich umbenannt worden, denn die Gnädigste begrüßte den eintreffenden Sattler jetzt mit den Worten: „Du erscheinst zu einem besonderen Moment… mein Gefährte hat gerade gewohnte Pfade verlassen und nennt seine Sklavin jetzt Arya.“ So ungläubig wie der Lederarbeiter zwischen meinem Herrn, seiner Gefährtin und mir hin und her schaute, muss er offensichtlich genauso verwirrt gewesen sein wie ich. „Arya? Hauptmann, das klingt ja wie ein Sklavenname!“ „Ja, das klingt wie ein Sklavenname und ich bin sehr zufrieden. Arya ist ein guter Name für eine Kajira… kurz und endet auf „a“, klingt auch nicht so hart wie „Bita“. Und das war jetzt das letzte Umbenennen für mindestens einen Umlauf, sonst komme ich selber nicht mehr klar… muss mich erstmal daran gewöhnen.“

Was nun in mir vorging ist wohl nachvollziehbar. Leider schaffte ich aufgewühlt wie ich war, jedoch nicht mal ansatzweise meine Dankbarkeit zum Ausdruck zu bringen. Leise mich bedankend küsste ich einfach erst einmal nur die Füße meines Herrn. Doch auch als ich ihm dann einen Paga servieren durfte, fehlten mir immer noch die richtigen Worte: "Möge dieser von deiner Arya servierte Paga dir nicht nur den Gaumen verwöhnen, mein Herr, sondern vielleicht dazu beitragen, dir zusätzlich den neuen Namen deiner Kajira auf der Zunge zergehen zu lassen… danke für den schönen Namen mein Herr." Ich hoffe, ihm entging trotzdem vielleicht nicht, wie sehr ich mich freute?

Zum Glück bekam ich Gelegenheit, mich wieder einzukriegen, weil die Sprache nun erneut auf Balduin kam, von dem der Sattler sich jedoch nicht trennen wollte… Winter hin oder her, das Viech hatte sich irgendwie einen Platz bei ihm verdient. Letztendlich wurde beschlossen, den Priesterkönigen ein Fass Paga zu opfern, sowie Bretzeln, die Laya backen sollte und von mir zubereitete, lecker mit Schinken belegte und mit Käse überbackene Teigfladen. Das Ganze sollte mit einem großen Feuer auf der Wiese von statten gehen, denn ordentlich einheizen war bestimmt nicht verkehrt, um es möglichst vor dem Winter schon so warm zu machen, dass jede Schneeflocke schmilzt.


Schließlich muss ein ernst gemeintes Opfer aus etwas Wertvollem bestehen, was einem sehr viel bedeutet… insofern waren Paga und leckeres Essen doch perfekt geeignet. Die drei Männer diskutierten natürlich noch ausgiebig, ob nicht zu Ehren der Priesterkönige trinken und dabei fest an sie denken doch besser wäre als anzünden, um sie nicht zu erzürnen und mein Herr glaubte schon zu spüren, wie sehr und vor allem vollkommen selbstlos er sich dabei aufopfern würde. Das Paga-Sauf-Opfer mit Essenbeigabe war zuletzt tatsächlich beschlossene Sache, Layas und meine Aufgaben verteilt und auch, dass das Opfer auf der Wiese mit einem Lagerfeuer einhergehen sollte. 

Mein Vorschlag, den einen oder anderen Mundvoll Paga ins Feuer zu spucken, damit es eine ordentliche Stichflamme gibt und die Priesterkönige auch wirklich merken, wie ernst alles gemeint ist, wurde übrigens angenommen. Auch waren sich die Freien nicht nur über die hauptmanns- und brauermäßigen Essensgaben einig, sondern zusätzlich darüber, dem windempfindlichen Sensibelchen mit Landsitz nichts zu erzählen, weil der an dieser Idee des Tages bestimmt etwas auszusetzen hätte und außerdem Gefahr laufen könnte, wegen seiner Winde womöglich noch in Flammen aufzugehen, sollten ihm zu dicht am Feuer Bohnenlüfte entfleuchen. ;-)

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