Sonntag, 13. November 2016

Knoten…

Ich war fast fertig mit dem Abwaschen, als aus dem Obergeschoss die Stimme meines Herrn zu hören war: „Arya, bist du das da unten oder muss ich jemandem mit dem Gladius seinen Bauch aufschlitzen?“ Mit einer schnellen Bestätigung beeilte ich mich natürlich zu ihm zu kommen. 

„Arya, du klimperst“, stellte mein Herr breit grinsend fest und schaute auf die Ketten zwischen meinen Handgelenken und Knöcheln, mit denen ich mich nicht so lautlos wie sonst bewegen konnte. Doch das leise Kettenklirren störte ihn nicht, sondern ganz im Gegenteil, er fand es nett anzuhören und kündigte auch gleich an, dass die Ketten vorerst bleiben wo sie sind und dies so lange es ihm gefällt.

„Zieh dir etwas an, Arya… ich werde heute am Hafen einen Paga trinken, aber auch früh schlafen gehen, damit ich für die Frühwache fit bin. Du wirst heute aber ohne Leine bei Fuß bleiben… wenn du dafür schnellere kleine Schritte machen musst, dann machst du sie, ist das klar?“ 

Schnell bestätigte ich ihm diesen Befehl und bedeckte mich ohne lange zu überlegen erneut mit dem Tuch vom Vortag, denn das war relativ einfach trotz der Ketten zu bewerkstelligen. Mein Herr wartete inzwischen vor dem Haus und stampfte gleich nach meinem Auftauchen mit kasernentonmäßigem „bei Fuß“ sofort los.

Während er sich mit dem Brauer über das unschöne, viel zu frühe Aufstehen bei diesen grässlichen Frühdiensten unterhielt und seinem Freund mitteilte, dass er sich am nächsten dienstfreien Tag von einem Weckdienst namens Arya ausgiebig beim Aufwachen verwöhnen lassen will, kümmerte ich mich um die Getränke für die beiden Männer. Inzwischen hatte sich auch der Sklavenhändler aus dem Norden dazu gesellt, für den ich dann noch einen Becher Met holte. Den Wunsch des Herrn hatte ich zwar nicht vergessen, aber mit Blick auf den mir nicht allzu vertrauenerweckend aussehenden Tisch dort am Hafenkai erkundigte ich mich lieber, wie er sein Getränk serviert haben möchte.

Schmunzelnd schaute der Nordmann zu mir herunter: „Nein Arya, ich war heute hinter der Herberge im Wald und habe nun erst einmal Durst. Reich mir den Met einfach nur, der Serve zum Vergnügen kommt später!" Damit streckte er auch schon seine Hand nach dem Becher aus. Während ich mich danach wieder leicht an meinen Herrn anschmiegte und sein sanftes Wuscheln in meinen Haaren genoss, erzählte der Sklavenhändler von seinen Überlegungen, noch in dieser Hand wahrscheinlich Richtung Norden aufzubrechen, zumal mein Herr den unerwarteten Wintereinbruch in der ländlichen Pampa des Landsitzkriegers erwähnt hatte. 


Die Krieger würden sicher bedauern, auf diesen wirklich sehr netten Nordmann beim Waffentraining verzichten zu müssen, der sehr geschickt mit dem Schwert umzugehen wusste. „Aber wir werden sehen was machbar ist… kommen wir nicht weiter, können wir ja immer noch umkehren“, meinte der Nordmann schulterzuckend zu meinem Herrn und ergänzte, dass Schnee und Kälte oft schlimmer als feindliche Kämpfer sind. Sofern man aber die Natur und Wege kennt, so wäre rechtzeitig zu sehen, ob ein Durchkommen möglich ist oder man besser im Warmen bleibt.

Das nun folgende Gespräch der drei Männer über verschiedene Foltermethoden in Schnee und Eis oder Sand, kann ich nicht mehr wiedergeben, da mich die über meinen Körper krabbelnden Finger meines Herrn viel zu sehr ablenkten, mit denen er mir anscheinend verdeutlichen wollte, wie sich Ameisen oder beißende Krabbelviecher auf der Haut anfühlen, wenn man in einem Folterloch steckt. Ob seine Finger dabei auch über den Knoten des roten Tuchs gekrabbelt sind, das ich kunstvoll um meinen Körper geschlungen hatte, ist mir allerdings nicht aufgefallen.


Vielleicht war auch meine sich durch die Ketten etwas schwieriger gestaltende Knotentechnik daran schuld, denn plötzlich glitt das Tuch zu Boden, kaum dass ich mich schwungvoll drehte, um meinem Herrn einen weiteren Paga aus der Taverne zu holen. Da sein Getränk selbstverständlich Vorrang hatte, sah ich mich nur kurz mit entschuldigendem Blick zu ihm um, der inzwischen breit grinsend dabei war, den roten Stoff einzustecken und irgendetwas über Nachlässigkeit brummte. 

Kurz danach vor ihm mit seinem Paga niederkniend, entschuldigte ich mich selbstverständlich erst einmal: „Bitte verzeih mir mein Herr... ich glaube, ich muss meine Knotentechnik noch verbessern“. „Arya, sei froh, dass ich das Tuch eingesteckt habe! Nun ja, Knoten sind ja auch eher meine Sache, hehe.“ Kaum seinen Paga in der Hand haltend, schickte er mich übrigens zu seinem Freund: „Arya, geh zu Rock und frag ihn, was er mit dir und dem Tuch machen würde und schmieg dich eng an ihn dabei. Ansonsten… mir wird schon etwas einfallen, was ich mit dem Stoff mache!“ 

Tja, ich legte mich zwar ins Zeug beim Anschmiegen und bin mir sicher, dem Krieger war das nicht unangenehm, leider war mir dabei durchaus jedoch klar, welche Ahn bereits geschlagen hatte und dass die Kessel des Brauers demnächst nach ihm rufen würden. Seine schmunzelnde Antwort lautete daher nicht unerwartet: „Naja, eine Überlegung, was ich mit dir tun würde, wär‘s schon wert… aber ich hab noch in der Brauerei zu tun… dein Herr soll dir einen Gürtel kaufen, dann verlierst du das Tuch nicht mehr.“ „Sie hat den Knoten nicht ordentlich gemacht, da hilft auch ein Gürtel nicht. Nein Arya, komm her zu mir!“ Mein Herr zog mich wieder ganz eng an sich heran und ließ mich raten, was er nun tun würde.

„Nach Hause gehen, mein Herr?“ war meine erste Vermutung, aber wie erwartet die falsche Antwort. Erneut strich er mir sehr sanft durch die Haare und ließ mich weiterraten, sodass ich nun damit herausrückte, worüber ich mir fast sicher war. Ich erhielt auch prompt die grinsende Bestätigung: „Du kennst mich mittlerweile sehr gut, Arya!“ 

Während ich nun umgehend meinen Mund öffnete, steckte mein Herr mir das ekelig schmeckende Waffenputztuch aus dem Beutel, den er immer an seinem Gürtel trägt, tief in den Mund, hielt es mit einer Hand fest und band das Tuch darüber als Knebel. Nach einem festen Knoten, nahm er den Rest vom Stoff, um mir damit die Augen zu verbinden: „So verlierst du das Tuch heute nicht mehr, Arya!“

Das stimmte, sprechen und sehen konnte ich allerdings auch nicht mehr, war aber auch überflüssig und führte außerdem dazu, dass ich meinen Herrn und seine Stärke, aber auch meine Hilflosigkeit zuhause noch besonders intensiv spüren durfte, während er mich auf eine wundervoll tiefgehende Art in Besitz nahm! ;-)

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