Mittwoch, 9. November 2016

Männerrunde am Hafen

Eigentlich wie immer zog es meinen Herrn auch an diesem Tag auf einen Paga zum Hafen. Diesmal war jedoch der Brauer Erster vor der Taverne… vielleicht weil der Durst auf sein geliebtes Ale diesmal besonders groß war? Ich lief also nach der Begrüßung des schönen Herrn eilig gleich weiter, damit keiner der beiden Männer verdurstete. Dabei wackelte ich besonders aufreizend mit meinem Hinterteil, weil mein Herr überflüssigerweise betont hatte, dass ich meinen Hintern bewegen soll, was doch eine Selbstverständlichkeit ist.

Bei meiner Rückkehr mit den gefüllten Getränkebechern erkundigte sich mein Herr gerade, ob sein Freund weiß, wo sich der Landsitz des Bohnenessers befindet. Anscheinend will er den Landsitzkrieger durchrütteln, damit dieser Luft und Winde loswird und zum nächsten Waffentraining erscheint. Da sich nun der Nordmann dazu gesellte, die Besucher waren also doch noch nicht weiter gereist, lud mein Herr natürlich auch ihn zur Teilnahme am Waffentraining ein, was dankend angenommen wurde, denn ich glaube, die Torwaldsländler können alle mit Schwert und Bogen umgehen, egal welcher Tätigkeit sie nachgehen, wenn kein Krieg herrscht. Später erfuhr ich durch Zufall, dass dieser Nordmann Sklavenhändler ist.

Während ich meinem Herrn nun einen Paga servierte und danach dem Brauer sein geliebtes Ale, rasselten die drei Männer übrigens verbal schon mal vorsorglich ein wenig mit dem Säbel und warnten sich gegenseitig, wer wie hart zuhauen kann und dass das Training nicht mit den Streicheleinheiten einer Sklavin zu vergleichen ist. Streicheln unter Kämpfern wäre selbstverständlich oberlangweilig, darüber waren sich die Männer total einig, auch wenn sie dies von rotseidenen Kajirahänden durchaus zu schätzen wüssten. Ich bin gespannt, wie sich der Herr aus dem Norden schlagen wird und wie viele Grasflecken sein Weib hinterher auszuwaschen hat.


Wie nicht anders erwartet, lautete der Getränkewunsch des Sklavenhändlers Met, den ich ihm auch diesmal in einem Becher servierte und nicht in einem dieser unpraktischen Hörner, wie im Norden mangels vernünftiger Becher üblich. Wobei ich in der Taverne auch noch kein Trinkhorn entdeckt habe. Warum diese Dinger im Torwaldsland so beliebt sind und warum dort keine Tonwaren zum Trinken hergestellt werden, habe ich noch nie nachvollziehen können, denn man kann ein Horn nicht mal vernünftig abstellen, außer man fummelt es umständlich in irgendeinen dafür vorgesehenen Ständer. Na egal, wahrscheinlich bin ich nur zu dumm, den Vorteil dieser Dinger zu erkennen.

Arg irritierend fand ich allerdings, dass der Nordmann offensichtlich nicht die Vorteile eines praktischen Trinkgefäßes erkannte. Mir den Becher mit seinem Met abnehmend, musterte er ihn und meinte doch tatsächlich: „Also ehrlich, euer Met schmeckt gut…. aber kauft bei meinem Weib mal ein paar Hörner, da drin gehört der Met serviert!" „Hehe, Hörner!? Also ich bin großer Becherfreund… viel Inhalt, leicht zum Abstellen und es schwappt nicht so leicht über, wenn man schon etwas intus hat! Außerdem kann man einen Becher besser auf den Tisch knallen.“ Diese unschlagbaren Argumente meines Herrn konnte der Hörnerfreund natürlich nicht widerlegen.

Gesagt, getan… mein Herr prostete in die Männerrunde, trank seinen Paga auf ex aus, knallte den Becher auf den Tisch und lehnte sich breit grinsend mit hinter dem Kopf verschränkten Armen wieder zurück: „So geht das!“ Während ich meinen Herrn mit schmelzenden Blicken anhimmelte, schlug der Nordmann lachend vor, mein Herr möge den Tisch heil lassen. Danach beeilte ich mich, mir kichernd den Becher zu schnappen, um ihn erneut zu füllen. „Siehst, das macht Eindruck und die Mädchen machen sich in die Tunika dabei, weil sie denken, sie haben etwas falsch gemacht!“ kommentierte mein Herr gut gelaunt meine Bemühungen, erneut die Luft aus dem Becher zu lassen.


Breit grinsend winkte der Sklavenhändler jedoch ab: „Deine Kajira kennt dich… wenn bei ihr etwas nass wird, hat das andere Gründe, als Angst.“ Damit hatte der Herr natürlich Recht. Die Männer fachsimpelten noch eine Weile über ihre Getränkevorlieben und wie ich dem Glück meines Herrn beim Kartenspiel nachhelfen könnte. Alles nachvollziehbar, außer er spielt mit dem hochkonzentrierten und leider manchmal auch sehr sturen Brauereikrieger, dessen Konzentration auf seine Karten selbst dann nicht nachlässt, nachdem ich schon mit dem Kopf unter seinem Kilt stecke. Diese Überlegungen wurden mit dem Anlegen der Fähre und dem Auftauchen des Sattlers und seiner Kajira unterbrochen, die einige Tage auf Reisen gewesen waren. 

Gleich nach der Begrüßung erkundigte mein Herr sich beim Lederarbeiter, wer denn die Glückliche ist… ihm sei zu Ohren gekommen, er habe Einladungen für seine Gefährtenfeier verteilt. Nanu, von Einladungen hatte ich zwar auch munkeln hören, der Anlass dafür war mir allerdings unbekannt geblieben. „Hauptmann, du solltest nicht jeden Tratsch glauben. Aber es stimmt, ich habe auch Einladungen verteilt... für die Schreiberin wegen ihres Heimsteinschwurs… war übrigens ganz schön kompliziert!“ stellte der Sattler erst verwundert und dann breit grinsend richtig. Anscheinend war er eine ganze Weile durch die ländliche Pampa um Belnend herum geirrt, bis es ihm mühevoll gelang, einigen Adressaten die Einladungen auszuhändigen. Merkwürdigerweise hatte er niemanden getroffen, den oder die er nach dem Weg hätte fragen können… nicht mal Talunas waren aufgetaucht. 


Hach, meine anschmiegsame Nähe und die Gespräche über reibenden Wüstensand, eine größenwahnsinnige Freie, die nun wegen sklavenhaftem Verhalten gesucht wurde und anscheinend immer noch nichts dazugelernt hatte, Kajiramassagen gegen Vuloaugen, interessante Reitmöglichkeiten für Sklavinnen… allerdings nicht auf einem Task, machten meinen Herrn zwar herrlich wuschig, sodass er schon nach Lust im Pagabecher lechzte, sich aber trotzdem nicht mit mir nach Hause oder in einen der Alkoven zurückzog. Der Sattler hatte unterwegs nämlich auf irgendeinem Markt ein Pafüm gewonnen, das nun interessante Informationen über ein Männerparfüm zur Folge hatte.

Mein Herr wollte sich selbstverständlich nicht die Erörterungen der Männer entgehen lassen, das dieses Parfüm möglicherweise einen ganzen Talunastamm anlockt, deren Mitglieder dann rund um die Uhr an dem duftenden Kerl schnuppern und ihn je nach Standfestigkeit entweder töten oder erst dann laufen lassen, wenn der ganze Stamm schwanger geworden ist. Für Letztere Möglichkeit bringt mein Herr natürlich beste Voraussetzungen mit, außerdem ist in der nächsten Hand auch noch Vollmond und das gleich drei Mal, nämlich wie immer bei allen drei Monden gleichzeitig! Wegen vermutlich sehr hoher Unterhaltszahlungen für so viele Kinder, kam für meinen Herrn ein solches Parfüm dann doch lieber nicht in Frage.

Dabei bot der Nordmann meinem Herrn an, mich in dieser Zeit in Skadir in Pflege zu nehmen. Übrigens auch der Sattler war sehr hilfsbereit und wollte sich um mich kümmern, was mir ehrlich gesagt um einiges mehr zusagte, als in den Norden zu müssen, obwohl das Weib des Sklavenhändlers früher immer sehr freundlich zu mir gewesen ist, wenn ich mal etwas durchhing. Eindeutiger Vorteil für den Sattlerhaushalt ist nämlich, es ist dort zumindest nicht so schnell mit Kindergebrüll, stinkenden Windeln und Wäschebergen zu rechnen. Doch mein Herr meinte schließlich, statt Parfüm könne man auch baden. Ohhhh jaaaaaa… fragt sich nur wann, seine neue Badewanne hat er nämlich immer noch nicht eingeweiht. ;-)

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