Montag, 14. November 2016

Problemlösungen

Geknebelt und blind lauschte ich mit gespitzten Ohren, ob sich im Haus irgendetwas tat und mein Herr mich vielleicht aus meiner misslichen Lage befreien würde. Doch alles war still und ich alleine, denn er hatte ja leider erneut die Frühwache erwischt. Zwischendurch war mir allerdings so, als ob ich leise irgendwelche Roben rascheln hörte, weil vielleicht seine Gefährtin heimgekehrt war... doch dann war alles wieder still. Mir blieb nichts anderes übrig, als mich angekettet am Sklavenring mit auf den Rücken gefesselten Händen weiter in Geduld zu üben, denn meine Hilflosigkeit war der Wunsch meines Herrn. Schließlich klappte aber doch die Haustür und mein Sklavenherz begann sofort schneller zu schlagen, da nun das typische Brummen meines Herrn zu hören war: „Irina, bist du oben und ist Arya da noch angekettet?“ 

Leider passierte jedoch ehnlang nichts, sodass ich mir ein ungeduldiges Schnaufen einfach nicht mehr verkneifen konnte, was aber unten im Haus zum Glück nicht zu hören war. Schließlich raschelte es genau neben mir und dann war die Gnädigste zu hören: „Ja mein Gefährte, ist sie… soll ich sie losmachen? Sie ist auch noch geknebelt und hat ein Tuch über ihren Augen.“ Wie gut, dass inzwischen auch mein Herr vor mir stand und die beiden mich mit vereinten Kräften sowohl vom vollgesabberten und damit kein bisschen schmackhafteren Waffenputztuch in meinem Mund, als auch der Augenbinde befreiten. Meine Füße und Hände blieben allerdings gefesselt, letztere aber wieder vor meinem Bauch und mein Herr beantwortete die erstaunte Frage seiner Gefährtin damit, dass es außer seiner Lust keinen Grund für meine Ketten gab.

Wie es sich gehört, begrüßte ich die beiden und bedankte mich selbstverständlich, sauste dann aber schnell nach unten und auf einen Schluck Wasser oder Essen verzichtend gleich weiter in den Garten, um mich zu erleichtern. Na toll, mein Herr fand diese Dringlichkeit, die kurz davor gewesen war, sich zu einem Problem zu entwickeln, offensichtlich sehr witzig. „Arya hat es wohl eilig mit dem Garten“, kommentierte er nämlich lachend mein hastiges Verschwinden. Nach meiner Gartenbewässerung lief ich für eine ausgiebige Körperwäsche weiter zum Brunnen. Ich war mir nämlich sicher, dass er gewisse Spuren an seinem Eigentum weder sehen noch riechen wollte und durch das Anketten war Körperhygiene bislang verhindert worden.

Herrlich erfrischt vom kalten Brunnenwasser verrieb ich mir die auf meiner Haut glitzernden Tropfen, wurde von meinem besorgten Herrn jedoch angewiesen, mich ordentlich abzutrocknen. Leider bemerkte er danach… oder nee, eigentlich war es gut, dass ich wie immer so gar keinen Appetit auf den ekeligen Sklavenbrei hatte und nicht mehr als ungefähr drei Körner herunter bekam. „Hehe, Arya... willst du dich tot hungern? Iss eine ordentliche Portion!“ Ich druckste etwas über zu viel Wasser am Brunnen getrunken herum, denn von diesem Ekelbrei bekomm ich mit leerem Magen wirklich nichts herunter und ansonsten auch gerade nur so viel, um nicht dünner zu werden… doch das wollte ich nur ungern eingestehen. 

Vermutlich stand mir wie in einem offenem Buch ins Gesicht geschrieben, wie zuwider mir die fiese Sklavenpampe war. Mein Herr stellte mich nämlich zur Rede: „Arya, warum isst du überhaupt Brei? Hatte ich nicht gesagt, dass meine Sklaven die Reste von uns Freien bekommen?“ Ups, das hatte er in den fast vier Märkten, die ich nun schon sein Eigentum bin, tatsächlich noch nie erwähnt, allerdings habe ich auch nie danach gefragt, weil dieses Zeugs mein Hauptnahrungsmittel bei meinen früheren Besitzern gewesen war. „Nun weißt du es, Arya… und sorg dafür, dass der Brei aus meinem Haus verschwindet, denn ich mag den nicht sehen!“ Juhuuu, mein Problem mit der Sklavenpampe hatte sich schlagartig in Luft aufgelöst, sodass ich mir nun heißhungrig ein Stückchen trockenes Brot in den Mund stopfte.

„Aber wolltest du mir heute nicht eigentlich etwas zeigen, Arya?“ erkundigte sich mein Herr jetzt. Es ging um die vom Brauereikrieger vorgeschlagene Lösung für mein Problem mit dem heruntergerutschten Tuch, bei dessen Knoten ich mich wegen meiner zusammengeketteten Handgelenke etwas schwer getan hatte. Selbstverständlich wollte ich gerne vorführen, was dem Vorschlag des Herrn sehr nahe kam und flitzte daher so schnell es die Kette zwischen meinen Knöcheln zuließ nach oben, um kurz in der Truhe mit den Sklavensachen herum zu kramen, bis ich das Gesuchte fand. Das Oberteil ließ ich zwar weg, aber das aus einzelnen Stoffbahnen bestehende Röckchen schlang ich mir um die Hüften und brachte trotz meiner Fesseln einen wie ich fand sehr soliden Knoten zustande.

„Ich hoffe, der Knoten ist rutschfest?“ Natürlich bejahte ich diese Frage meines Herrn umgehend, weil ich mich schon in meinem ersten Leben mit Knoten auskannte. Allerdings war ich von dem anderen Knoten auch überzeugt gewesen, sodass ich nun doch etwas unsicher wurde und meinen Blick senkte, waren die fummelnden Finger meines Herrn womöglich doch unschuldig gewesen? „Hmm, hmm, hmm…“, brummte er, mich nachdenklich musternd. „Gibt es dazu auch ein Oberteil, Arya? Aber bei dem hast du bestimmt wieder das Kettenproblem oder?“ Ich beeilte mich auf den Vorteil hinzuweisen, dass ich das Teil nur über den Kopf ziehen musste. Doch mein Herr ließ es mich nicht mehr vorführen, sondern streckte seine Hand aus und warf es in die Ecke. 

Danach strich er meine langen Haare zurück und betrachtete mich sichtlich zufrieden: „Es ist gut so wie es ist, Arya… harta, Sandalen anziehen und dann bei Fuß!“ Auch an diesem Tag ging es vor die Hafentaverne, allerdings gelüstete es meinen Herrn nicht nach Paga, sondern diesmal bestellte er Kalana. Außerdem wollte er, dass ich dem Brauereikrieger die Knotenlösung präsentiere, denn kaum hatte ich ihm seinen Wein serviert, befahl er „Arya, führe Rock mal deinen Rock vor“ und grinste breit über dieses Wortspiel. Dass ich seinem Befehl sehr gerne nachkam, ist ja selbstverständlich und genauso, dass ich mich mächtig dabei ins Zeug legte, um meinem Herrn möglichst viel Ehre zu breiten, indem ich seinen Freund mit meinem rot berockten, aber ansonsten nackten Anblick erfreute.

Der Brauer musterte mich sichtlich angetan schmunzelnd: „Hübsch, die Farbe ist gut getroffen… bist ein Rockröckchen jetzt, Arya!“ „Ja Rock… Rotröckchen, das stimmt… Rotröckchen gefällt mir, hehe!“ lachte mein Herr den Brauereikrieger an, behauptete dann jedoch, aus Boshaftigkeit hätte ich vergessen das Oberteil anzuziehen. Während ich mich nun dicht zu dem Herrn mit den schönen roten Haaren herunter beugte, um ihm leise ins Ohr zu raunen, wer tatsächlich das Oberteil in die Ecke geworfen hatte, bestätigte der Krieger lachend erneut: „Steht dir jedenfalls gut, Arya.“


So wie mein Herr mich an diesem Tag immer wieder ansah, über meine nackte Haut streichelte oder mit seinen Fingern sanft durch meine Haare wuschelte, während er sich mit dem endlich wieder heimgekehrten Schmied unterhielt, der im Norden unterwegs gewesen war, um eine Kajira der Sklavenhändlerin zu verkaufen, und gleichzeitig dabei die Schreiberin wegen ihres kurz bevorstehenden Heimsteinschwurs nervös machte, gefiel ihm der Anblick und die Nähe seines Eigentum offensichtlich sehr. In Sachen Namensgebung wagte mein Herr übrigens nichts Neues, sondern blieb bei seinem Entschluss und nennt mich immer noch Arya… Rotröckchen findet er nämlich zu lang. ;-)

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