Freitag, 4. November 2016

Vulo als Nachtrainingsimbiss

Die kritische Besichtigung der Trainingswiese in Sachen meiner Spurenbeseitigung nach der Paga-Fass-Explosion wurde übrigens durch einen Besucher unterbrochen, der sich vor längerer Zeit als junger Rekrut um die Aufnahme in die rote Kaste von Jorts Fähre bemüht hatte, dann aber aufgab und irgendwie spurlos verschwand. Warum entzieht sich natürlich meiner Kenntnis, denn über interne Angelegenheiten seiner Kaste unterhält sich mein Herr natürlich nicht mit mir. Dieser Mann stand nun mit einer Kajira an der Kette plötzlich vor den beiden Kriegern und erzählte, dass er seinen Lebensunterhalt jetzt anscheinend in irgendeinem Dorf im Norden mit Namen Calicien mit dem Fangen und dem Handel von Sklaven verdient.


Ich muss gestehen, dass ich an diesen Herrn wegen seiner schweigsamen Art kaum Erinnerungen hatte und daher dem Gespräch der Männer nur mit halbem Ohr und schließlich gar nicht mehr zuhörte. Plötzlich kam nämlich von links etwas in mein Blickfeld geflattert, hinter dem eine der Kajirae vom Hof hinterher hetzte und es schließlich mit einem gekonnten Hechtsprung zu fassen bekam. „Hab ich dich doch erwischt… wir müssen dir wohl die Federn stutzen!“ schimpfte Hadi mit dem sich wild wehrenden Flatterviech und mein Herr gab ihr den Rat: „Hadi, Vulos jagt man mit dem Bogen... dann fliegen sie nicht mehr weiter, hehe.“ 

Mein Herr bot Hadi an, dem Viech den Hals umzudrehen, weil er sich damit gut auskennt und verkündete dem Brauereikrieger die Aussicht auf einen Nachtrainingsimbiss aus lecker gebratenem Vulo nach dem nächsten Waffentraining. Doch hatte er nicht bedacht, dass tote Vulos keine Eier mehr legen können. Hadi fragte lieber noch einmal nach: „Du willst es kaufen, Herr? Es sollten dafür wohl mindestens 4-5 Kupfertarsk drin sein… wäre es alt und würde keine Eier mehr legen, wäre ich dankbar, doch das hier ist eher jung und vorwitzig… es sollte jetzt aber eigentlich nur ein paar Federn lassen, damit es nicht so oft über den Bach flattert.“

Oha, der Preis war nicht gerade ein Schnäppchen, zumal mein Herr ein guter Bogenschütze ist und er jederzeit wilde Vulos erlegen kann, die vielleicht etwas kleiner, aber genauso frisch und schmackhaft sind wie dieses vom Hof. Großzügig wie er ist und da ihm die Aussicht auf gebratenes Vulo inzwischen wahrscheinlich die Spucke im Mund zusammen laufen ließ, es an diesem Tag für die Jagd jedoch zu spät war, weil die Ahn seiner beginnenden Nachtwache nahte, bot er Hadi schließlich 3 Kupfer. Doch sie musste noch Rücksprache mit ihrem Herrn nehmen, sodass er mir einfach 5 Münzen in die Hand drückte und sich dann auf den Weg zu seinem Wachdienst machte.

Der Sklavenjägerhändler aus dem Norden hatte inzwischen seine Reise fortgesetzt und den Brauereikrieger riefen schon wieder seine Kessel, Bedarf an unseren Diensten bestand also nicht, sodass ich Hadi wegen des Vulokaufs auf den Hof folgte. Auf dem Weg dorthin erkundigte ich mich, ob es denn vielleicht ein anderes Federviech zu kaufen gab. Es stellte sich heraus, dass tatsächlich einige frisch geschlachtete, bereits gerupfte Vulos zum Verkauf standen, die außerdem auch weniger kosteten. Tja, warum sollte dann eines geschlachtet werden, das im Ofen keine Eier mehr legen würde, egal wie gut es darin vorher war?


Ich erstand für 3 Kupfer ein frisch geschlachtetes Exemplar mit reichlich Fleisch auf den Rippen. Es hatte aber auch etwas Fett, sodass es beim Braten schön saftig bleiben würde. Hadi meinte übrigens, damit wäre für 4 Personen einige Tage das Essen gesichert, doch hatte sie offensichtlich nicht so ganz auf der Reihe, wie groß die hauptmannsmäßigen Portionen meines Herrn sind. Da er den Brauereikrieger eingeladen hatte, wäre vermutlich bereits nach einem einzigen Mahl sämtliches Fleisch weg. Übrigens kaufte ich auch einen Streifen Speck für das Frühstück meines Herrn nach dem Nachtdienst und einen handlichen Sack Mehl, weil für die Teigfladen einiges drauf gegangen war.

Natürlich nutzten Hadi und ich die perfekte Gelegenheit, auch ein wenig über den plötzlich wieder aufgetauchten Rekruten und einige schon seit einiger Zeit auf Reisen befindliche Bewohner von Jorts Fähre zu schnattern. Hadi war übrigens nicht auf dem neuesten Stand meiner Umbenennungen. Sie dachte doch tatsächlich, mein Herr nennt mich immer noch Dita. Meine Zeit als seine Bita, war wegen reichlich Arbeit auf dem Hof offensichtlich komplett an ihr vorbeigegangen und dass ich nun Arya genannt werde ebenfalls… ein Name, den sie sehr schön fand. Nett wie Hadi wirklich immer ist, bot sie mir zuletzt noch ein Stückchen oberleckeren Käse zum Kosten an. 

Dabei kam ihr plötzlich wieder in den Sinn, wie lange wir uns bereits kennen, denn sie lebte genau wie ich vor vielen Märkten bei den Bakah in der Tahari. Leider musste ich mich schließlich sputen, wieder zurück nach Hause zu kommen, damit ich am kommenden Morgen nicht verschlief. Beim nächsten Mal werde ich von der probierten Käsesorte bestimmt ein kleines Stückchen kaufen, allerdings ist der Bedarf an Käse im Haushalt meines Herrn nicht allzu groß. Die Gnädigste isst davon zwar ganz gerne, im Vergleich zu meinem Herrn jedoch nur Miniportionen und er ist ja eigentlich mehr ein Liebhaber von Schinken, Würsten und anderem Fleisch. ;-)

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