Donnerstag, 17. November 2016

Weibergezicke

Ich glaubte falsch gehört zu haben, als ich mitbekam, dass mein Herr sein letztes Sammelstück umbenannt hatte. Na gut, ging mich nichts an, trotzdem fand ich es interessant zu erfahren, womit sich dieses Ding den neuen Namen verdient hatte. Wobei ich zufrieden registrierte, dass sie mit dem „S“ am Anfang einen Platz tiefer als zuvor mit „Rita“ gerutscht war. Es gab keinen Grund… mein Herr scheint seit dem ständigen Gemecker etlicher Bewohner über meinen Namen nur inzwischen offensichtlich die Nase voll von sämtlichen „itas“ zu haben. Keine Ahnung, was diese Sklavin wert ist, doch solange ich die Erste meines Herrn sein darf, werde ich sie weiterhin „sechs“ nennen oder nur „Kajira“.

Als es Zeit wurde zum Waffentraining aufzubrechen, kramte mein Herr aus einer der Kisten eine Kette heraus, die er unten mit dem Hinweis vor die Tür warf: „Nehmt die Kette mit zum Training“. Mir schwante sofort Ungutes, was er damit vorhaben könnte, doch ließ ich lieber nichts verlauten. Wie erwartet, nahm Sechs das Teil nicht gleich auf, sondern benötigte erst noch einen indirekten Hinweis von mir und an der Wiese angekommen, bestätigten sich dann leider meine Befürchtungen. Meine eh schon etwas angeknackste Stimmung wegen der4 Hand, dich ich demnächst auf den Feldern verbringen soll, sank von 0 auf -10. „Nun dürft ihr mir verraten, wofür ich diese Kette brauche“, verlangte mein Herr zu erfahren und das Dummchen neben mir hatte wie erwartet natürlich keinen Plan von nichts.

Leider bewahrheiteten sich meine unschönen Vorahnungen, denn mein Herr befahl das Sammelstück neben mich und kettete sie mit mir zusammen. Na toll, meine Begeisterung darüber hielt sich in Grenzen oder nee, es war nicht mal ein Hauch von Begeisterung darüber in mir zu spüren. „Arya, ihr seht gut aus, so nebeneinander“, äußerte er jedoch seine Zufriedenheit, sprach aber leider in der Mehrzahl. Auch legte er nicht nur mir eine Hand auf den Kopf, sondern gleichzeitig der anderen, was mich schlagartig irgendwie steif werden ließ. Aber ok, mein Herr war zufrieden und nur das sollte für mich zählen… ich versuchte meine Enttäuschung herunterzuschlucken. 

Allerdings ging ich unwirsch ruckend nicht gerade sanft mit dem anderen Ende der Kette um, als das Training begann und wir Platz machen mussten, wurde dann aber von Purpur abgelenkt. Die Gefährtin des Landsitzkriegers war nämlich in einer Robe aufgetaucht, die jeder Ubara alle Ehre gemacht hätte, obwohl sie doch nur eine Sängerin aus niederer Kaste ist. Neugierig musterte die Frau uns, weil Sechs ihr natürlich gänzlich unbekannt war… ich glaube, zum Waffentraining hatte mein Herr sie noch nie mitgenommen und gab ihr ja auch sonst immer irgendwelche Aufgaben in den abendlichen Ahn. Verständlich daher, dass die Freie Auskunft über ihren Namen und Zugehörigkeit verlangte. 

Als Sechs erwähnte, sie sei Fundstück Nummer 6 meines Herrn, wurde mir übrigens klar, ich muss sie gelegentlich darüber aufklären, dass sie vermutlich Nummer 60 ist oder eher noch weiter hinten liegt und von mir nur deswegen „sechs“ genannt wird, weil ich die mindestens 54 anderen den Priesterkönigen sei Dank nicht kennenlernen musste. Aber egal, die Wiese war der falsche Ort dafür und außerdem war ich inzwischen einigermaßen irritiert, dass mit der pompösen purpurfarbenen Robe offensichtlich das Erinnerungsvermögen der Ubara-Sängerin ganz gewaltig gelitten haben musste, denn auch bei unserem Besuch auf dem Landsitz vor knapp einer Hand, nannte mein Herr mich im Beisein dieser Frau schon Arya und ihr Gefährte ebenfalls. 

Naja, das Weib hatte bei all ihren Besuchen in ich weiß nicht wie vielen Märkten offensichtlich auch noch nie bemerkt, dass Jorts Fähre am Vosk liegt und einen Hafen hat, in dem Schiffe liegen, von denen sich eines jetzt kürzlich losgerissen hatte und im Hafenbecken dümpelte… aber ok, die Fähre legt doch auch nur genau daneben an. Außerdem litt die Frau anscheinend unter schlechter Laune, sodass unsere geöffneten Schenkel ein willkommenes Ventil zum Herumzicken waren. „Wieso knien hier eigentlich die Mädchen wie Bonds?!“ keifte sie plötzlich, denn natürlich war rundherum nichts außer den trainierenden Kriegern und der Natur zu sehen, was ihre Blicke magischer anzog als unsere weit geöffneten Knie… leider ein typisches feie Frauen Problem. 

Selbstverständlich begrüßte ich erst einmal den gerade eintreffenden Gefährten dieser Freien, gab ihr dann aber bereitwillig darüber Auskunft, dass wir auf Wunsch meines Herrn so knien.

Ok, Freie können sich gegenüber Sklaven herausnehmen, was sie wollen, doch was bildete sich diese Zicke in Gegenwart meines Herrn ein? Ihre ganze Körperhaltung mit den beleidigt verschränkten Armen zeigte inzwischen, welch Neid vermutlich in ihr kochte... soll sie sich doch unterwerfen! 

Leider zeigte sich nun, unter welchem Pantoffel der Landsitzkrieger offensichtlich steht. Ich knie nämlich immer so und habe es auch in Gegenwart seines Weibs schon immer getan, zuletzt sogar auf seinem Landsitz, ohne freie Frauen Gezeter und jetzt bot er an, der aufgeplusterten Wichtigtuerin eine Kurt zu leihen?! 

Es kam aber noch schlimmer. „Hauptmann, wieso befiehlst du deiner Kajira, mein Weib zu beleidigen?“ brüllte der Pantoffelheld quer über die Wiese, sodass mein Herr sein Training mit dem Kriegerbauern abbrach und sich dazu gesellte. Während etwas in mir zusammenbrach und sich gleichzeitig maßlose Enttäuschung wie eine kalte Faust um meinen Hals schnürte, hörte ich voller Entsetzen, dass mein Herr vor dieser geltungsbedürftigen Sängerin aus niederer Kaste kuschte und uns befahl, die Schenkel zu schließen. 

Aus dem Augenwinkel bemerkte ich, wie sich die Landsitz-Ubara gnädig zu einem Dank an meinen Herrn herabließ und dabei knickste, denn ich hatte mich inzwischen seitlich gedreht und versuchte die unbeschreibliche Traurigkeit in mir mit konzentriertem Zählen der vor meinen geschlossenen Knien liegenden Blätter in den Griff zu bekommen. 


Wahhh… leider musste ich mit anhören, wie mein Herr zurücksäuselte: „Bitte Sängerin, gern geschehen… das mach ich, weil ich dich mag und respektiere.“ 

Mehr gibt es dazu hier jetzt nicht zu erwähnen, denn mein Herr merkte sowieso nichts… verlor im Gasthaus weder ein Wort über meinen Minimalserve bei seinem Paga, er hat dafür ja eh nichts übrig, noch bemerkte er, dass ich dem Kriegerbauern seinen Kalana mit richtig viel Hingabe servierte und unter den anerkennenden Blicken und Gesten des Herrn dahin schmolz.

Doch was soll’s… immerhin wurde er wach, als ich ihm wegen einer in meinen Augen nicht gerechtfertigten Rüge des Pantoffelkriegers leise eine Frage stellte, die er verständlicherweise aber auf später vertagte.


Ich war wirklich sehr dankbar, dass mein Herr zuhause noch sehr ausführlich mit mir sprach und es ging mir runter wie Öl… ach menno, ich wollte gar nicht Recht bekommen!

Trotzdem freute es mich natürlich, dass mein Herr mich für würdig und intelligent genug ansah, diese Frage mit ihm zu erörtern. Eigentlich möchte ich einfach nur einen Herrn, der sich schützend vor sein Eigentum stellt und kein egal wie gut gelauntes Herrchen, das vor einer singenden Möchte gern Ubara kuscht, die plötzlich meint, sich wichtig tun zu müssen. ;-)

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen