Mittwoch, 21. Dezember 2016

Blaue Belagerung

Mein Herr wurde draußen vor der Tür schon wieder von der fremden Schreiberin belagert, seit meinem Aufenthalt auf den Feldern Gerüchten zufolge anscheinend ständig. Leider drangen jedoch nur einzelne Wortfetzen ins Haus, aus denen ich mir zusammenreimte, dass dem Weib das Haus der Krieger gezeigt wurde. Der Hinweis, es gäbe dort Arbeit, ließ mich innerlich breit grinsen, denn Arbeit verteilen kann mein Herr wirklich gut, zumal das Weib schnippisch erwiderte: „Aha, soll ich die Zellen putzen?“ Da die beiden dann anscheinend das Kriegerhaus betraten, verstand ich den Rest leider nicht. Später erfuhr ich, die Frau erhielt von meinem Herrn das Angebot, die Soldlisten der jortsschen roten Kaste zu führen, um von ihren Schulden herunter zu kommen. 

Die Fremde und ihre finanzielle Situation waren mir vollkommen egal, solange sie sich meinem Herrn nicht unterwarf… zwar wenig auf ihren Ruf bedacht, hatte sie sich dennoch in seinem Beisein anscheinend aber noch nicht betrunken, wie vor einiger Zeit eines seiner anderen um einen Kragen bettelnden Sammelstücke. Nicht egal ist mir allerdings, dass es bei meinem Herrn nur noch um Afry hier und Afry da geht und er mich nicht mehr Arya nennt, sondern ständig Afry. Ich bin zwar nur seine Sklavin, aber wie kann er mich mit dieser Fremden verwechseln!?! Egal, ich kann es nicht ändern… reagiere aber auf diesen Namen einfach nicht!

Kaum war ich fertig mit meinen häuslichen Arbeiten, beendete die Gnädigste ihr Nickerchen und ich befürchtete schon, ihr beim Ankleiden zur Hand gehen zu müssen. Doch diesmal konnte ich diese Aufgabe Sechs übertragen, war es mir doch ein sehr wichtiges Anliegen, endlich meinen Herrn zu begrüßen, den ich nach seiner Heimkehr vom Wachdienst an diesem Tag noch gar nicht gesehen hatte. Nackt wie ich war… Kleidung war mir ja immer noch verboten… flitzte ich eilig zum Nachbarhaus. So breit wie mein Herr mich angrinste, schien ihm mein Anblick zu gefallen, seiner Gesprächpartnerin offensichtlich jedoch weniger… oder deutete ich ihren Blick womöglich falsch?

Nein, ich hatte mich in der Blauen tatsächlich nicht getäuscht… sie giftete nämlich gleich: „Was willst du hier… hat dich wer gerufen, Sklavin?“ Doch als sie dann bemerkte, dass mein Herr mich schmunzelnd begrüßte, machte sie einen Rückzieher: „Ich glaube, wir verschieben das Gespräch auf ein anderes Mal, Sir.“ Übrigens ließ sie sich auch nicht mehr umstimmen, als mein Herr ihr versicherte, vor mir sprechen zu können, denn ich weiß schließlich meinen Mund zu halten. Die Blaue schob jedoch irgendeine Arbeit vor und verdrückte sich eilig, so als ob ich eine ansteckende Krankheit hätte. „Komisch, mein Herr… man könnte fast glauben die Frau läuft weg“, konnte ich mir daher nicht verkneifen. 

„Ja Afry… aber das ist nicht mein Problem. Sie ist eine freie Frau und darf gehen, wenn sie das mag“, bestätigte mein Herr und benutzte schon wieder den Namen dieser bauen Belagerung für mich und nicht Arya! Innerlich total genervt knirschend schaffte ich es zum Glück, mir nichts anmerken zu lassen, denn als Kajira kann ich nun mal nichts dagegen tun, wenn diese Frau ständig an den Hacken meines Herrn klebt. Außerdem tauchte in dieser Ihn die Händlerin auf, der mein Herr gerne vom Ergebnis seines Gesprächs mit der Wirtin über das Gasthaus berichten wollte. 

Er holte zwar schon tief Luft geholt, doch musste seine Mitteilung noch etwas warten, da nun die Gnädigste das Kriegerhaus betrat… unverschleiert! Sechs hatte versäumt, ihr beim Ankleiden einen Schleier zu reichen und fand das jetzt auch noch witzig. Anstatt der Kajira gleich für ihren Fehler eine zu langen, drehte sich die Gnädigste jedoch lediglich vorwurfsvoll zu ihr um und kramte mit hochrotem Kopf einen Ersatzschleier heraus, während mein Herr sich ungehalten und zu Recht darüber mokierte, dass Sechs sich über seine unverschleierte Gefährtin lustig machte.

„Ich denke, dafür eine Nacht im Loch tut ihr gut“, ordnete er an und Sechs wurde endlich klar, welche Ahn für sie geschlagen hatte, sodass sie sich nun hektisch stammelnd zu entschuldigen, aber auch herauszureden versuchte. Ich hielt tunlichst meine Klappe dabei, nur zu gut erinnerte ich die fiese Strafe meiner ehemaligen Herrin, als sie seinerzeit mal unverschleiert aus ihrem Haus gestürmt war und ich sie erst auf dem Marktplatz einholen konnte, um sie auf ihre fehlende Gesichtsgardine aufmerksam zu machen. Tja, es gibt eben Herrinnen und Herrinnen.

Die Gnädigste jedenfalls meinte dazu nur, sie müsse doch auch selbst aufpassen und es sei nichts passiert. Mir war natürlich sofort klar, wie immer gefiel meinem Herrn gefiel ihre Milde nicht. „Meine Gefährtin entscheidet, ob du bestraft wirst oder nicht“, klärte er Sechs noch auf, wandte sich danach aber an sein Weib: „Ich habe ja gute Laune, aber das Kichern würde ich ihr nicht durchgehen lassen, Irina!“ Erstaunlicherweise erhielt Sechs nun doch noch ihre Ohrfeige und kam mit dieser in meinen Augen äußerst glimpflichen Strafe gut davon.

Des Stehens im Kriegerhaus inzwischen müde geworden, verlagerten sich die Freien schließlich auf die Gasthausterrasse. Während ich mich mit Sechs um Getränke und Essen kümmerte, eröffnete mein Herr der Händlerin dann, dass sich die Wirtin einverstanden erklärt hatte, zusammen mit ihr das Gasthaus zu führen. Hintergrund für das gemeinsame Betreiben war nicht nur die häufige Abwesenheit der Wirtin, sondern auch der aufgelöste Gefährtenschaftsvertrag der Händlerin. 

Die Ankündigung darüber hatte ich vor kurzem bereits am Infobrett gesehen und konnte daher verstehen, dass die Freie sich ein zusätzliches Betätigungsfeld und Einkommen erhoffte, da sie für ihren Lebensunterhalt nun alleine aufkommen muss. 

Die anhängliche Blaue hatte übrigens sogar schon ein Dokument dazu aufgesetzt. Doch im Gegensatz zur Wirtin sah die Händlerin noch einigen Klärungsbedarf, weil das Schreiben teilweise sehr unklare Formulierungen enthielt, die die inzwischen wieder aufgetauchte fremde Schreiberin aber erläutern konnte. Die wundervollen Berührungen meines Herrn genießend, ging das uninteressante Gequackel der beiden Weiber logischerweise komplett an mir vorbei, zumal ich auch noch die Ehre erhielt, mich um den schönen Brauereikrieger kümmern zu dürfen und damit sowohl ihn, als auch natürlich meinen Herrn erfreute... leider aber nur freie Frauen geeignet. ;-)

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