Montag, 19. Dezember 2016

Ein folgenschwerer Fehler

Hach… ich war echt total glücklich, dass mir der äußerst strenge Oberaufseher über diese diesmal wirklich besonders unangenehmen Felder die Heimkehr nach Hause etwas eher erlaubt hatte und ich denke, auch mein Herr freute sich darüber sehr. 

Es war Mitte der Hand, somit wie immer Waffentraining der jortsschen Krieger und mein Herr sehr zeitig Richtung Wiese aufgebrochen. Obwohl es mir meistens zwar leider nicht vergönnt ist, hoffte ich trotzdem, ihm an diesem Tag vielleicht Glück zu bringen. Als beste Voraussetzung für Schwertfuchteln ohne allzu viele Grasflecken, schien mir gute Laune bei ihm wichtig, sodass ich seine Füße zur Begrüßung besonders innig küsste, während ich mit der schönen, leider viel zu seltenen Anrede „Tal meine Arya“ belohnt wurde.

Bei meinem Eintreffen erkundigte sich der Schmied übrigens gerade, warum ihn die Gefährtin meines Herrn hatte sprechen wollen. „Ach, nur wegen deinem Haus und so. Sag ihr einfach, es ist nicht frei… das spart mir einen kaputten Rücken“, brummte mein Herr offensichtlich wenig begeistert von den Umzugsplänen der Gnädigsten, die schon lange vor sich hin schwelen und während meiner Feldarbeit anscheinend besonders heftig geworden waren. Selbstverständlich halte ich mich aus diesen Überlegungen aber komplett heraus, da sie mich natürlich nichts angehen und so wirklich nachvollziehen kann ich sie sowieso nicht. 

Naja, freie Frau eben und warum mein Herr sein Weib einfach machen lässt, ist mir durchaus klar. Ebenfalls klar ist mir, warum er auf ihre Vergesslichkeit hofft… genau wie ich übrigens, denn wer sich um das Packen und Schleppen der vielen Umzugskisten und Möbel zu kümmern hat, muss ich sicherlich nicht näher erläutern. Aber ich kann mein Kajiraschicksal nun mal nicht ändern und vergangene Zeiten mit Hilfskräften, wie beim Umzug meines verschollenen Herrn, sind leider vorbei.

Erstaunlich schnell verausgabten sich die Krieger diesmal beim Training. Der Brauereikrieger war wieder kaum zu schlagen, sodass Überlegungen aufkeimten, zukünftig das Stemmen von Fässern ins Trainingsprogramm aufzunehmen. Leider ging keiner der Rarii auf das für eine Freie wirklich ungewöhnliche Angebot der Landsitzkriegergefährtin ein, anstatt der Fässer lieber sie zu stemmen… dabei hätte ich nämlich gerne zugeschaut. Doch dieses Schauspiel war mir nicht vergönnt und das Thema wurde fallengelassen, da es die Herren zum Ausgleich von Flüssigkeitsdefiziten ins Gasthaus zog.

Dort wurde erörtert, was sämtliche Vulos inzwischen von den Dächern pfiffen… ob sich die fremde Schreiberin, die ständig in der Nähe meines Herrn zu sehen ist, an ihn heran macht. Er wies dies zwar von sich und behauptete, nur fürsorglich zu sein, sich um die Bewohner seines Heimsteins zu kümmern, gab allerdings zu, dies auch zu tun, wenn ihre Backkünste so erbärmlich sind, dass damit Fische vergiftet werden... aha, meine Befürchtungen waren also bestätigt worden.

Allerdings ließ ich mir meine Gedanken über diese Freie nicht anmerken, obwohl meine ganze Aufmerksamkeit natürlich den Informationen über dieses Weib und meinen Herrn galt, die ich nach meiner Rückkehr von den Feldern zum ersten Mal hörte. Ohne langes Tamtam, trotzdem hingebungsvoll servierte ich meinem Herrn seinen Paga, denn mangels Gasthauskajira hatte ich an diesem Tag wieder das Ganze auf der Terrasse. Danach lief ich mit meinem schweren Tablett weiter zum Brauereikrieger… ein leider folgenschwerer Fehler.

Das ungehaltene Knurren des Bauern bekam ich zwar mit, ignorierte es jedoch genauso wie seinen Hinweis: „Ich muss wohl mehr auf meinen Stand pochen.“ Leider nahm ich auch nicht wirklich wahr, dass mein Herr mich abwartend sehr genau beobachtete, während ich dem Brauereikrieger nun sein Ale servierte und mein Schicksal nahm seinen unguten Lauf. Als ich mich mit seinem Kalanakelch nämlich neben den Kriegerbauern knien wollte, wurde ich ruppig weggestoßen: „Jetzt bediene auch noch den Schmied, wenn du schon die niederen Kasten den hohen vorziehst… das nächste Mal kriegst eins hinter die Löffel, dass du bis zum Terrasseneingang kullerst!“

Ehrlich gesagt kapierte ich nichts,  der Kerl sprach in Rätseln. Der Brauereibesitzer war nicht von niederer Kaste, sondern Krieger… genau wie der Bauer. Wie gut, dass der Schmied ebenfalls nicht verstand, warum der Mann so erzürnt reagierte und nachfragte, sodass ich nun erfuhr, warum ich den Wütenden vor dem Brauer hätte bedienen müssen… der Kriegerbauer ist außer an den Tagen des Waffentrainings zwar nur selten bis nie in der Stadt zu sehen, trotzdem jedoch Stellvertreter meines Herrn und Mitglied im Stadtrat.

„Arya, entschuldige dich, dass du die Reihenfolge nicht eingehalten hast. Der Krieger mit Hof ist mein Stellvertreter und kommt vor dem Krieger mit Brauerei, auch wenn Letzterer mein Freund ist.“ Mist, meine hastig gestammelte Entschuldigung war unerwünscht, denn der oberstinkige Bauer winkte ab: „Lass gut sein Hauptmann. Ich bin wohl noch nicht lange genug da, damit man sowas weiß und geh jetzt einen Bosk töten.“ Nach diesen Worten erhob sich der Eingeschnappte und stampfte beleidigt davon, während mein Herr unheilvoll ankündigte, zuhause noch etwas mit mir klären zu wollen… aber Details dieser schmerzhaften Klärung mit der Gerte interessieren hier bestimmt niemanden.

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