Freitag, 6. Januar 2017

Besuch beim Sattler

Nachdem ich meine zehn Runden Lauftraining auf der Stadtmauer absolviert hatte, hockte die Barbarin nicht mehr draußen am Sklavenpfahl und drinnen im Haus stand ein Sägebock. Mein Herr informierte mich, er hätte der Kajira zuvor wegen Gemecker noch ein wenig Erziehung mit seiner alten Gerte angedeihen lassen und sie dann bei der fremden Schreiberin abgeliefert, damit das Mädchen Goreanisch lernt. Ich vermutete, dass er damit gleichzeitig für Beschäftigung dieser anstrengenden Blauen sorgen wollte, doch das behielt ich lieber für mich.

„Arya, ich werde jetzt einen Paga trinken gehen… aber vorher besuchen wir noch den Sattler.“ Mein Herr wollte in Erfahrung zu bringen, ob die Lieferung des Sägebocks tatsächlich vom Sattler veranlasst worden war, was sich als richtig herausstellte. Mein Herr war von der Nutzung solch eines Teils als Sitzgelegenheit für Kajirae nämlich recht angetan gewesen, als er vor einigen Tagen die rittlings auf so einem Ding gefesselte Laya im Sattlerhaus hatte bewundern können. Außerdem wollte er wegen des Rennens einen Lederharness und ein Kopfgeschirr für mich bestellen. Bei dem Auftrag erinnerte sich der Sattler übrigens sofort, dass er sowas seinerzeit für mich angefertigt hatte, als ich noch meinem verschollenen Herrn gehörte.

Meine Körpermaße mussten daher also nicht neu genommen werden. Von der Rennveranstaltung hörte der Lederarbeiter allerdings zum ersten Mal, denn die Planung war bislang erst ganz grob, weder konkrete Regeln, noch ein Termin waren festgelegt worden und auch den Siegerpokal hatte mein Herr noch nicht beim Schmied in Auftrag gegeben. Der Sattler war jedenfalls sehr angetan von diesem Event, da er nun sicherlich gute Geschäfte mit weiteren Lederharnissen für die anderen Kajirae machen wird. Auch Laya bekam übrigens ab sofort Lauftraining verordnet, wegen ihres Trainingsrückstands täglich sogar zwölf Runden, da ich ihr inzwischen einiges voraus habe und kurz vor der Steigerung bin, mit Rucksack zu laufen.


Nicht weiter verwunderlich ist sicher, dass die beiden Männer beim Paga ins Schwärmen kamen... über Ausstattung und Anblick ihrer Kajirae beim Rennen… wie man uns am besten lenken kann... ob wir mit oder ohne Schweif laufen sollten... wie der Sulky an unseren Ledergurten befestigt werden kann. Dabei kam mir spontan die Idee, ob nicht auch Handkarren geeignet sind, denn mit einem solchen wollte ich später den inzwischen fertigen, leider riesigen und entsprechend schweren Sattel für Grüner transportieren. Bei gefährlich schwankendem Boden aufgrund zu viel Paga, eignet sich dieses Gefährt auch bestens für den Heimtransport meines Herrn, sofern er andernfalls nach Hause krabbeln müsste. Wie gut, dass ich Letzteres aber lieber nicht erwähnte, denn mein Vorschlag erzeugte nicht den Hauch von Begeisterung.

„Arya, es soll doch auch etwas fürs Auge sein!“ empörte sich der Sattler, während ich gleichzeitig von meinem Herrn einen Kopfpatscher der unangenehmen Sorte erhielt, sodass ich sofort einsah, wie wenig stolz und unheroisch der Transport in einem Handkarren aussehen würde. Beim nächsten Trinkspruch des Sattlers, "möge die beste Kajira zur Ehre ihres Herrn gewinnen“, musterte er Laya äußerst eindringlich und kündigte ihr an, dass es schmerzhaft für sie werden könnte, sollte sie ihn enttäuschen. Lachend prostete mein Herr ihm zu: „Sieger werde zwar ich sein… aber für dich bleibt ja noch der zweite Platz. Allerdings werde auch ich mir etwas Nettes für Arya einfallen lassen, sollte ich nicht Erster werden.“ 

Ehrlich gesagt wollte ich lieber nicht wissen, was das sein könnte und war daher ganz froh, als es jetzt an der Tür des Sattlers klopfte und die jortssche Schreiberin auftauchte. Sie ersparte meinem Herrn damit den Weg zu ihr. Nachdem er am Vorabend bereits zur Wache aufgebrochen war, hatte sie mir nämlich noch aufgetragen ihm auszurichten, dass sie ihn wegen der Erbschaft sprechen wollte. Erst zierte sie sich jedoch wegen Anstand und so hinein zu kommen, doch als der Sattler ihr versicherte, mein Herr würde auf ihren Ruf aufpassen, ließ sie sich doch noch herab einzutreten. 

Wirklich viel meinem Herrn zu berichten hatte sie irgendwie jedoch nicht, außer dass das von ihm erhoffte Erbe, bei dem es sich um Land einschließlich Haus und einer großen Summe Münzen handelt, weiterhin auch von der Gegenseite beansprucht wird… nun wird es also vor Gericht gehen. Mit dem Hinweis, noch ein Schreiben in dieser Sache verfassen zu müssen, stand die Blaue schließlich auf, schwankte dabei aber gefährlich und sprach auch ganz komisch, sodass die Männer prompt spekulierten, ob sie womöglich betrunken war… ihr konsternierter Blick besagte das Gegenteil und noch einiges mehr, das mangels Artikulationsvermögen aber unausgesprochen blieb.

Angeheitert von dem wie gewünscht total verwässerten Mixgetränk, das Laya ihr serviert hatte, konnte die Schreiberin aber auch wirklich nicht sein. Höflich wie mein Herr nun mal immer ist und außerdem leicht in Sorge um die Gesundheit dieses Weibs, bot er ihr daher an, sie nach Hause zu begleiten, damit sich die Schwankende auf mir abstützen konnte. Irgendwie schaffte sie es dank meiner Hilfe zum Glück ohne Sturz, allerdings schwer schnaufend, auch tatsächlich bis zu ihrem Haus. Unterwegs nuschelte sie irgendetwas über merkwürdige Kräuter, die an ihrem desolaten Zustand angeblich Schuld sein sollten.


Trotz zunehmender Sprachprobleme wurde mir befohlen: „Aryaaaaa… komm mit rein… ich mussssss dir mal die Heilkräuter zzzzeigen die ich genommen hab, da musssssss wasssss verkehrt mit ssssssein!“ Während mein Herr nun der Frau klarzumachen versuchte, dass sie unbedingt eine eigene Sklavin braucht und ihr die blaue Klette als Geschenk ankündigte, nahm sie einige Kräuterblätter vom Regal und reichte sie mir: " Hier Arya… ich habe ssssie im Wald gepflückt. Die sehen so aussss wie dassss, wasss mir eine Heilerin mal gegen Kopfssssssschmerzzzzen gab, aber irgendwie…... Machen die aus Mixkalana wasss anderessssss?“ Diese Frage konnten natürlich weder mein Herr noch ich beantworten, sondern vielleicht seine Gefährtin.


Da die sich jedoch in Kastenangelegenheiten auf Reisen befand, deponierte ich die Blätter erst einmal in einem der Bücher auf ihrem Schreibtisch in der Krankenstation, nachdem die Blaue schlagartig eingeschlafen und ihr lautes Schnarchen in der halben Oberstadt zu hören war. Mein Herr holte inzwischen die Barbarin vom Goreanischunterrricht bei der fremden Schreiberin ab, denn er musste ja noch entscheiden, was mit ihr geschehen soll. Während ich versuchte, dem Mädchen ein paar grundlegende Dinge in Erdensprache beizubringen, mit denen es ihr wenigstens gelingen sollte, zumindest am Leben zu bleiben, entschied mein Herr nach diversem Gebrumme schließlich, sie am nächsten Tag wegen eines Brandzeichens erst einmal zum Schmied zu bringen.


Ich hätte ihr zwar vorerst den Namen Neunundzeunzig gegeben, da sie eigentlich noch weit entfernt davon war zu beweisen, keine 99er zu sein, doch mein Herr fand das zu lang. Passenderweise erhielt sie von ihm den Namen Tuch, da sie ständig herumgemeckert und um ein solches als Knebel gebettelt hatte... außer sie tat so, als hätte sie nichts gehört. Zwischendurch hatte sie es frecherweise nämlich vorgezogen, einfach gar nicht mehr zu reagieren. Damit war ihr Schlafplatz draußen am Sklavenpfahl gesichert, nachdem sie von meinem Herrn als Strafe noch mit 5 Hieben mit seiner alten Gerte belohnt wurde… aller Anfang ist schwer, aber wer nicht hört muss fühlen. ;-)

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