Dienstag, 10. Januar 2017

Endlich!

Sichtlich zufrieden über den guten Verkauf der Barbarin an den Sattler, informierte mein Herr seine erst etwas später nach dem Abschluss des Geschäfts am Hafen auftauchende Gefährtin darüber und kündigte sehr zu ihrer Freude an, die Kupfer für die Innenausstattung seines neuen Hauses verwenden zu wollen. Ob für den Maler oder wofür genau, blieb allerdings unklar, da die Grüne auf Nachfrage des Sattlers sofort anbot, seinen Neuerwerb gleich zu untersuchen und sich mit dem Herrn und seinen beiden Mädchen Richtung Krankenstation entfernte. Mist, leider hatte sich mir immer noch keine Gelegenheit geboten, ihr von den Kräutern der Schreiberin zu erzählen, die sich in einem der Bücher auf ihrem Schreibtisch in der Krankenstation befanden. Sie war nämlich so schnell weg, dass sie sogar ihren Kalana unberührt stehen ließ.

Aber an diesem Tag war sowieso ein ständiges Kommen und Gehen am Hafen vor der Taverne und die Sitze wurden kaum kalt. Wobei der Schmied erst später Platz nahm, weil er ursprünglich auf den Bauern mit seinem Neuerwerb wartete, also quasi auf dem Sprung war. Später kam er jedoch mit leicht genervtem Gesichtsausdruck zurück und nahm den angewärmten Sitzplatz des Brauereikriegers ein,  der sich inzwischen um seine Kessel kümmern musste. Der Schmied war anscheinend von seinem Kunden versetzt worden… oder war die Reisesklavin des Bauern schon wieder weiter gereist? Egal. Vorher sprach der Brauereikrieger aber noch kopfschüttelnd aus, worüber mir keine Äußerung zusteht: „Das nimmt ja langsam Überhand mit diesen reisenden Sklavinnen!“ Damit brachte er meinen breit grinsenden Herrn auf die Idee für ein Schild „Reisekajirae bitte direkt im Kennel melden!!“


Beim anschließenden Umtrunk verlangte die Schreiberin übrigens nach Wasser zum Verdünnen ihres Kalanas, fragte meinen Herrn frecherweise aber auch nicht, ob er damit einverstanden ist, wenn ich ihr welches bringe. Naja, über mich kann eh wieder jeder Freie nach Belieben verfügen, seitdem mein vorheriger Herr verschollen ist. Ich schaute mich jedenfalls erst einmal suchend um, ob sich die Frau zwecks Bedienung inzwischen vielleicht eine eigene Sklavin zugelegt hatte. Doch offensichtlich war das nicht der Fall... mein Herr hatte wohl noch keine Gelegenheit gehabt, sich um das angekündigte blaue Geschenk zu kümmern. Naja, vermutlich war ich in letzter Zeit einfach zu schnell bei meinen häuslichen Arbeiten gewesen... oder hatte es eine gewisse Klette vorgezogen, ausnahmsweise mal nicht an den Hacken meines Herrn zu kleben?

Wie gut, dass in den nächsten Tagen ein paar gründlichere Arbeiten anstanden… ich war gespannt, ob es dann endlich klappte mit dem angekündigten Geschenk. Tja, es funktionierte tatsächlich, nämlich gleich am nächsten Tag! Mein Herr kam von einem seiner Rundgänge zurück nach Hause und erkundigte sich sogleich bei mir, wann die Schreiberin denn wieder in der Stadt ist. Ich bekomme zwar vieles mit, doch darüber konnte ich ihm leider keine Auskunft geben, ahnte aber auch noch nicht, warum er mir diese Frage stellte. Selbstverständlich hoffte ich für ihn, dass die Reise der lästigen fremden Blauen noch etwas länger andauerte, damit er sich von dem Weib noch weiter erholen konnte. Ups, jetzt stellte sich allerdings heraus, bei seiner Frage ging es darum, dass er auf die Rückkehr der jortsschen Schreiberin wartete!

Er wollte dieser Freien nämlich sein Geschenk an die blaue Kaste von Jorts Fähre offiziell übergeben. Die fremde Blaue hatte sich zuvor offensichtlich für eine kniende Ausbildung als Schreiberkajira entschieden... na endlich!!! Ok, sie hatte sich mit ihrem spontanen Entschluss wohl selbst etwas überrascht. Blöd war nur, mein Herr fürchtete jetzt um seinen Rücken… er hatte leider aus dem Lager einen Käfig in die Wohnung der Schreiberin gebracht. Tja, warum sagt er auch nicht seiner Ersten Bescheid… ich hätte natürlich den Handkarren genommen, an dem mein Herr in seinem Eifer, die Unterworfene endlich abliefern zu können, leider nicht gedacht hatte. Aber hinterher ist auch ein Hauptmann schlauer und wenigstens hatte ihm die neue Kajira der Blauen beim Transport geholfen. 

Während mein Herr mich auf den neuesten Stand in Sachen Kajira für die jortssche blaue Kaste setzte, war die von der Schreiberin aufgesetzte Genehmigung für den Abriss eines Hauses von ihm unterschrieben worden. Eigentlich sollte ich das Papier erst unter der Haustür der Blauen durchschieben, doch da die Tür seit dem Käfigtransport noch unverschlossen war, entschied mein Herr anders… ich legte das Dokument stattdessen lieber drinnen auf den Tisch neben den Schlüssel für den Sklavenkäfig. Dabei bot sich natürlich die perfekte Gelegenheit für mich, nebenbei auch gleich einen neugierigen Blick auf die im Käfig angebundene  Schreiberkajira zu werfen. 

Eigentlich machte die neue Sklavin sich da drin ganz gut fand ich, doch so unwirsch wie das Mädchen an ihrem neuen Luxusappartement ruckelte, war sie offensichtlich anderer Meinung. Ihre kurze Zeit später auftauchende Besitzerin konnte sich darüber übrigens ein Grinsen kaum verkneifen und klang ein wenig spöttisch: „Aha, das ist also aus meiner Anwärterin für die Kaste geworden… ich ahnte irgendwie, dass du andere Potentiale hast, Sklavin.“ 

Während ich nun von meinem Herrn zum Warten draußen vor die Tür geschickt wurde, schob er der Schreiberin den Käfig trotz Rücken noch an eine andere Stelle und die Gnädigste tauchte mit breitem Grinsen aus der Krankenstation auf… ich hatte ihr mittlerweile nämlich doch noch genau beschreiben können, in welchem Buch ich die von der jortsschen Blauen vor kurzem ausgehändigten Kräuter deponiert hatte.

Mit der später noch anstehenden Untersuchung der neuen Schreiberkajira hatte die Erheiterung der Gefährtin meines Herrn jedoch nichts zu tun, den Grund dafür erfuhr ich allerdings leider nicht mehr und meine Vermutungen über die Kräuterkenntnisse der immer so betont obergelehrigen Blauen, mit denen es offensichtlich doch nicht so weit her ist, sollte ich wohl lieber für mich behalten. ;-)

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