Donnerstag, 12. Januar 2017

Gartenhoheit

So richtig in die Puschen kam die Gnädigste mit ihren Umzugsplänen irgendwie nicht, was ich aber nicht wichtig fand, da mein jetziges Zuhause sehr schön ist. Außerdem ist sie in letzter Zeit auch sehr viel für ihre Kaste auf Reisen. Bei einem ihrer leider kurzen Besuche an ihrem Heimstein entschloss sie sich dann spontan, meinen Herrn nicht zum Waffentraining zu begleiten, sondern zusammen mit mir die Umzugsplanungen fürs neue Haus zu konkretisieren. Wow, ich fühlte mich echt geehrt. Mitdenken und eigene Überlegungen zur Möblierung anzustellen, ist einer Kajira natürlich nicht verboten und von meinen früheren Besitzern kenne ich es auch nicht anders… doch als Sklavin mit einbezogen zu werden, ist trotzdem keine Selbstverständlichkeit.

Besonders erfreut war ich, dass einige Hinweise und die von mir vorgeschlagenen Lösungen dankbar aufgenommen wurden. Allerdings übertrug die Gnädigste mir dann plötzlich die Hoheit über den Garten mit der Ankündigung, dass sie sich da komplett herauszuhalten gedenkt. Na toll, ich war zwar viele Jahre Kajira einer Blumenliebhaberin, doch eine sonderliche Begabung für Grünzeugs habe ich eigentlich nicht. Doch es nützte nichts, die Frau interessierte sich lediglich für eine Sitzecke am Haus, weder für die Gartenecke mit reichlich Wildwuchs, den man mit Sicherheit nicht komplett weg bekommt, noch wo der beste Platz für den Sleenkäfig ist. Mit meinem Vorschlag, anstatt blühender Blumenbeete das wilde Zeugs und die Gräser etwas zu kultivieren, war sie jedoch sofort einverstanden.

Dass unsere Umzugs- und Möblierungsüberlegungen einige Zeit in Anspruch nehmen würden, damit hatte mein Herr übrigens nicht gerechnet: „Ich habe mir schon Sorgen gemacht, weil ihr so lange gebraucht habt. Das bedeutet nämlich, entweder die Möbel werden teuer oder das Renovieren!“ Hmmm… typisch Mann… eigentlich hätte er froh darüber sein müssen, wie einige seine Gefährtin und ich uns waren. Ich will nicht behaupten, er wurde bei meinem Hinweis über unsere Einigkeit blass, allerdings er rief aus: „Ohje, das klingt ja noch teurer!“ Alle weiteren Erläuterungen überließ ich dann aber lieber der Gnädigsten, da sie die Umbauten von ihrem Geld bestreiten will, wegen ihres Gefährtenvertrags aber die Zustimmung meines Herrn benötigt.

Erneut zeigte sich übrigens die große Hilfsbereitschaft des fleißigen Schmieds, der mich bei den Überlegungen für den neuen Sleenkäfig wirklich gut beriet und das Teil innerhalb weniger Tage in den neuen Garten baute. Ok, unsere Entscheidung, die Hauswand das Ratssaals und die Stadtmauer für zwei Käfigwände zu nutzen, sparte auch eine Menge Stahl. Gerade war ich damit fertig, das neue Zuhause für Fenris zu reinigen und mit frischem Stroh auszulegen, kam überraschend mein Herr auf einem seiner Rundgänge vorbei und wunderte sich über mein Tun… ständig mit der Sicherheit der Stadt beschäftigt, hatte er die Fortschritte in seinem Garten bislang nämlich gar nicht wahrgenommen. 

Interessant und berechtigt, zumal auch ich sie mir auch schon gestellt hatte, war übrigens seine Frage: „Arya, meinst du, der dicke Stinker passt durch die Gittertür?“ Tja, mein Herr befahl mir Fenris zu holen und meinte, notfalls müsse der eben seinen Bauch einziehen. „Ohje, hoffentlich schlägt dem Sleen das Baucheinziehen nicht aufs Gemüt“, gab ich noch zu bedenken.

Doch mein Herr blieb stur und behauptete, die Freude über seinen neuen, größeren Käfig würde Fenris die möglicherweise zu enge Tür vergessen lassen. Klar, irgendwie auch logisch… mehr Platz hebt natürlich die Laune. Aber auch die Laune des jetzt zufällig vorbei kommenden Schmieds hob sich, nämlich um zwei Silber für den neuen Käfig, die mein Herr ihm durch mich nun überreichen ließ. 

So ganz wohl war mir ehrlich gesagt nicht, Fenris alleine zu einem Probebesuch im neuen Käfig abholen zu müssen, während mein Herr mit dem Schmied im neuen Garten blieb. Doch meine Bedenken, der Sleen schläft bestimmt und bekommt oberschlechte Laune, gepaart mit riesigem Appetit auf einen Happen namens Arya, wenn ich ihn für einen Spaziergang aufwecke, nützten nichts… mein Herr nahm seinen Befehl nicht zurück und schickte mich los. Mir blieb also nur, mich mit einem traurigen Kloß im Hals schnell von ihm noch ein möglicherweise letztes Mal zu verabschieden und zu beteuern, wie gerne ich seine Kajira gewesen war.


Fenris fauchte mich tatsächlich erst einmal an, war dann aber sehr lieb, nachdem ich sanft auf ihn eingesäuselt und ihm einige Extrahappen Fleisch zugeworfen hatte, ließ sich ein Seil umbinden und blieb nur wenige Male störrisch stehen wegen kurzer Uneinigkeit mit mir über unseren Weg. Irgendwie schaffte ich es tatsächlich, ihn durch die Gassen zu seinem neuen Zuhause führen und… Tarateräääähhh… er passte durch die Gittertür seines neuen Käfigs! Trotz Folgsamkeit blieb ich von seinem ekeligen Gesabber allerdings nicht verschont. Daher war es perfekt, dass die Handwerker die neue Gartenpumpe inzwischen installiert hatten, auch wenn mein Herr über die Höhe der Installationskosten sofort wilde Spekulationen anstellte.


Die Entscheidung, ob ich noch das Fass mit dem Ekelfleisch für Fenris holen oder ihn lieber wieder zurückbringen wollte, fiel mir übrigens leicht. Ein auf dem Handwagen transportiertes Fass ist zwar nur schwer irgendwelche Stufen hinauf zu bekommen, beißt aber nicht. Außerdem half mir der nette Schmied bei der letzten Stufenhürde, bei der ich mich erneut fragte, ob unter den Baumeistern seinerzeit beim Aufbau der Stadt nach dem Inferno der Stufenwahn ausgebrochen oder der Boden ausgegangen war oder ob die Gartengestalter schlichtweg zu besoffen gewesen waren, um das Gartenniveau etwas anzuheben? Mein schlauer Herr hatte natürlich eine Erklärung dafür…die Bezahlung der Baumeister erfolgte nach Stufenzahl!!

Nachdem er mit dem Schmied geklärt hatte, wo sich zukünftig das fiese Sklavenloch befinden soll, wurde meinem Herrn übrigens bewusst, dass der Garten vor dem Haus fertig ist. Die jortsschen Handwerker haben nämlich sehr viel zu tun und daher mit den gewünschten Bau- und Malerarbeiten noch nicht mal angefangen, was mein Herr jedoch ganz gut fand, da logischerweise auch die Rechnungen noch auf sich warten lassen. Kaum war der Schmied fort, gesellte sich die Gnädigste zu uns. Sie staunte nicht schlecht und war wohl sehr angetan davon, was die Gartenhoheit namens Arya bereits zustande gebracht und aus dem Lager angeschleppt hatte. 

In Anbetracht ihrer guten Laune war der Zeitpunkt günstig, sodass mein Herr seine Gefährtin schließlich fragte, ob ihr denn auch schon der Feinschliff am Haus aufgefallen sei. Mir war sofort klar, worauf sich seine Frage bezog, doch hielt ich selbstverständlich mein Mundwerk, wie es sich für eine wohlerzogene, erst kürzlich zur Gartenhoheit aufgestiegene Kajira nun mal gehört. Es dauerte zwar ein Weilchen, doch nach einigem Suchen entdeckte sie doch noch die oberen Fenstergitter… eine Kriegergefährtin hat selbstverständlich eine gute Beobachtungsgabe, obwohl bei Vergitterungen einen anderen Geschmack als ein Hauptmann. ;-))

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